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Der Jugendbund · 1926-07-15 · 12 (15.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
12 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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„Mein Gott," so betet der Israelit, „die Seele, die du mir gegeben hast, ist rein." So vermag der Mensch sich zu Gott und zum Guten zu erheben .-und alle seine Kräfte in den Dien*! Gottes, zu stellen. Dieser Gott hat dem Menschen seine Liebe nicht nur gezeigt in dem wunderbar schönen Bau des menschlichen Leibes:;,Ich danke dir, du hast mich wunderbar gebau}, erstaunlich deine Werke, meine Seele erkennt es gar sehr." (Psalm 139, 17.) Vor allem zeigt sich die Gottesgnade in den wunderbaren Geistesgaben, durch die der Mensch ausgezeichnet ist. Von ihm heißt es im täglichen Gebete: „Du verleihst dem V.cnrchen Erkenntnis und lehrest den Sterblichen Vernunft." Und fein schreibt die Religion beim Anblick eines Weisen, auch wenn er sich nicht'zum jüdischen Glauben bekennt, den Segensspruch vor: „Gepriesen sei, der von seiner Weisheit seinen Geschöpfen mitgeteilt hat." Und im 16. Jahrhundert lehrt der unter dem Namen der hohe Rabbi Low bekannte Prager Rabbiner Löwe ben Bezalel: „Nicht bloG die, Religion, auch die Wissenschaften stammen von Gott, denn sie sind Ausfluß jener Weisheit, welche Gott allen Völkern verliehen hat." Wo wir aber Menschen begegnen, die durch ihre Geisteskraft die Menschheit wie mit einem gewaltigen Stoße auf eine höhere Stufe der Gesittung bringen, da haben wir den Eindruck, daß Gott in ganz besonderer Weise durch solche Menschen sein Werk zu fördern beabsichtigt. Ofienbart er ihnen seine Schönheit, so bewundern wir sie als Künstler, erschließt er ihnen die Geheimnisse der Weisheit, verehren *wir sie als Denker und Helden der Wahrheit, zeigen sie uns den Willen Gottes und seine Güte, so folgen wir ihnen als Propheten. Wichtiger als aller Reichtum des Wissens, mit dem Gott die Menschheit ausgerüstet hat, ist die Macht des Gewissens, die im .Menschen lebt. - Wichtiger als alle Wissensbildung r.nd Leibeskräftigung ist die Erstarkung des Gewissens, die Festigung des Willens zum Guten. Vom Gewissen gilt das Dichterwort: „Ganz leise spricht ein Gott in unserer Brust, ganz leise, garz verhchm'ich." Unser ganzes Schicksal muß von dem Gesichtspunkt betrachtet werden: Wie werde ich d<:rch tlie Leiden, die mir widerfahren und durch die Fr?uden, c!'e ich erlebe, ein besserer Mensch. Dem Tapferen, hat einer gesagt, sir.d Glück und Unglück wie seine rechts und linl.e Hand. Alle* soll uns niher an Gott. bringen, was uns von ihm wegtreibt ist Sünde; der #.h;.,iiz darüber heißt Reue, die Ru! kehr zu Gott Buße. Diese Buße hat Hosea ergreifend dargestellt im 6. Kapitel seiner Predigten: „Gott schlägt und heilt, verwundet und verbindet: Gott stellt unser Erleben in den Dienst seiner Erziehungs'.bsicht.eri mit ur.s. Er lohnt und?'.r.-.fL und führt uns durch die Buße zur Wiedergeburt, daß wir reue, ti.jcküchc Menschen werden im Sinne des Jeremiauortes: „Ercchct euch einen Neubruc'i und säet nicht unter Dorren." i „Gütig "ur.d gerecht ist der Ewirfe, darum zeigt er den Sündern den Weg." (Psalm 25, 8.) Und unsere Weisen sagen: „Es ist etwas Großes um die Buße, wir erlangen durch sie die BarHicrrigkcit Gtttes." Die Liebe Gottes, die den Sünder zu Gnaden annimmt, wird im Talmud gepriesen: „Bußfertige 'Menschen stehen Gott näher, als die^ die nie gefehlt haben." (Bcr. 34 b.) Ein neues Herz und ein neuer Geist (1 Ez. 18, 31), das ist der Inhalt der Buße. Nicht nur auf die äußer:n Gebärden der Zerknirschung kommt es an, sondern auf die innere Umwandlung, wie es das biblische Jonabuch an der Bekehrungsgeschichte der Heiden dartut, die a'ich Kinder Gottes sind. Im Gegensatz zur Sünde, die die Seele verunreinigt, ist . die Buße ein Reinigungs- und Läutcrungsbad für die Seele. So sagt R. Akiba: „Heil euch, ihr Israeliten, vor wem reinigt ihr euch und wer reinigt euch; euer Vater, der da ist im Himmel. Zur Buße gehört also nur, daß man sich entschlossen vom Bösen ab und mit ganzer Kraft Gott zuwende, daß von ihm ein Strom neuen Lebens und neuer Läuterung durch alle Räume unserer" Seele brause. 4. Im Dienste der S e I b s t h e i 1 i g u n g. Das Gotteswort: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, euer Gott" (Lev. 19 7), verpflichtet uns, unaufhörlich an unsrer Vervollkommnung zu arbeiten. Ein Bundesgenosse in dieser Arbeit ist die Schamhaftigkeit, diese Morgenröte der Tugend. Nur der Lasterhafte kennt keine Scham. Dagegen ist Zenius — Keuschheit und schamhaftes Wesen die Vorbedingung sittlicher Reinheit. Darum warnt die Schrift: Nicht zeige sich Unziemendes bei dir", (Dt. 23, 5) „deia Lager sei heilig". Und die äußere Reinlichkeit wird alt Hilfsmittel im Streben nach innerer Lauterkeit gepriesen, darum die Waschungen, die die Religion vorschreibt: „Ich wasche in Reinheit, meine .Hände, und so gehe ich zu deinen Altären, Herr." (Psalm 26, 6.) Auch zur Hut der Gesundheit ist die Reinlichkeit unerläßlich. Für seine Gesundheit zu sorgen ist aber religiöse Pflicht, denn nur im heilig starken Körper lebt heilig stark der Geist und kräftig, sagte der fromme Rabbiner Samson Raphael Hirsch, der etwa um 1880 in Frankfurt a. M. wirkte. Mannigfach wird die 'Rücksicht auf die Gesundheit eingeprägt. Die Thora warnt: „Hüte dich um deinetwillen wohl und achte sehr auf dein Leben" (Dt. 4, 9), und sie gebietet: „Wähle das Leben, damit du lebest." (Dt. 30, 19.) Die Spruchweisheit lehrt: „Wer sich selbst an seinem Leibe schadet, ist ein Grausamer, wer ihn hütet, ein Frommer" (Mi. 11, 17), und das Religionsgesetz bestimmt, strenger ist's, mit Meidung einer gesundheitlichen Schädigung zu nehmen, als mit einem religiösen Verbot; und selbst die Sabbatheiligung tritt zurück vor der Pflicht, das Leben aus todbringender Gefahr zu retten. So ist jede Ausschweifung und Unmäßigkeit, jede Unzucht und die Trunksucht zu meiden: „Wer hat Weh? Wer hat Leid? Wer hat Wunden ohne Not? Wer hat rote Augen? Die, welche sich beim Wein verspäten, umhergehn, um Getränke zu kosten." (Mi. 23, 29.) „Wehe denen, die morgens frühe aufstehen, Berauschendem nachjagen, die abends spät sitzen, vom Wein durchglüht." (Jes. 5, 11.) Unzucht, Wein und Most rauben den Verstand." (Jos. 4, 11.) „Entferne von der Unkeuschheit deinen Weg, nahe nicht der Tür ihres Hauses." (Mi. 5, 8.) Ein mäßiges Leben voll Selbstbeherrschung wird empfohlen. „Süß ist der Schlaf des Arbeiters, er mag wenig oder viel gegessen haben, aber die Uebersättigung ließ den Reichen nicht schlafen." (Mi. 5, 12.) In dem Dienste der Selbsterziehung und Enthaltsamkeit stehen die Speisegesetze und die Fastenvorschriften der Religion: „HeHige Männer sollt ihr mir sein, drum sollt ihr vom Zerrissenen nicht essen." (trefo.) Der Körper sei der Tempel der Seele, für seine Gesunderhaltung sir.d wir verantwortlich. Darum ist der Selbstmord (auch der Zweikampf) in jeder Form eine so schwere Sünde. Gottes Werk wird dadurch zerstört, den Mitmenschen ein Helfer geraubt, dem Täter die Gelegenheit, an seiner Seele zu arbeiten, hinieden genommen. 5. Im Dienste der Wahrheit. Das Hauptstück der persönlichen Selbstvervollkommnung ist die Arbeit an der Seele: „Ein reines Herz schaff fa mir, o Gott, und einen festen Geist erneure in meinem Innern." (Ps. 51, 12.) Ausschließliche Hinwendung zur Körperpflege führt zur Verrohung. So sagte einst in Athen Euripides: „Es gibt viel schlechtes Volk hier, aber die schlechtesten Leute sind die Ringkämpfer." Geisteskraft ist mehr als Naturlcraft. Nicht Genußmenschen und gemütslose Rohlinge, sondern Helden der Willenskraft und Heilige der Liebe muß die Religion schaffen. Darum gehört zur Scelcnarbeit Gemeinschaft mit Gott, wie sie vor allem im Gebete und in der Versenkung in sein Wort erfahren wird. Darum heißt es bei unseren Alten: „Talmud, toro keneged kuüom, das Studi'im der Gotteslehre geht allem voran." Im Studium der Gottcslehre wird unser Wahr'.ieiUdrang befriedigt und unser Wahrheitssinn ausgebildet, So bildet die Tora die Grundlage aller unserer Bildungsarbeit: „Wo kein Toralcrnen, ist keine allgemeine Bildung, wo keine allgemeine Bildung, kein Toralernen." (Mot. 3, 30.) Harmonische Ausbildung aller Geisteskräfte wird angestrebt. Keine einseitige Verengung unserer Teilnahme für ein Geistesgebiet empfohlen. Der große Weise Maimonides (um 1203) war Religions- und Naturforscher in einem. „Der Ewige ist ein Gott der Wahrheit, auch der Mensch spreche Wahrheit in seinem Herzen." (Ps. 15, I.) „Halte dich von der Lüge fern." (Ex. 23, 7.) „Ein Greuel >Gottes sind Lippen der Lüge, aber die redlich Handelnden be*ii*en sein Wohlgefallen." (Mi. 12, 22.) Schmeichelei und Heuchelei sind verpönt. „Der Rede Falschheit schaffe ab, die Wortverdrehung halte von dir fern." Treue und Aufrichtigkeit in Wort und Werk wird befohlen: „Dein Ja sei v/ahr, dein Nein sei wahr, daß nicht anderes im Munde und im Herzen sei." (B. Mez. 49 a.) Arglist und Verführungskunst sind streng untersagt: „Vor einen Blinden sollst du keinen Anstoß legen." (Lev. 19, 14.) 12 —

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