Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 12 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Zügelung der Sinne und der Züge ist dazu nötig: „Ihr sollt licht nachgehen euren Herzen und euren Augen." (Nu. 15, 39.) „Wer seinen Mund, seine Zunge bewahrt, bewahrt seine Seele vor Leid." (Mi. 21, 23.) Den bösen Leidenschaften und Begierden wird der Krieg erklärt: „Du sollst nicht gelüsten!" (10. Gebot.) Vor Zorn wird gewarnt: „Den Narren bringt Zorn um." (Jj. 5, 2.) Bescheidenheit und Wille, Demut und Friedlichkeit werden mannigfach gepriesen. Von der Religion heißt es: „Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit, alle Ihre Pfade voll des Friedens." lieber dii wilden Begierden sber spricht die Väterweisheit: „Mißgunstj böse Leidenschaft md Menschenhaß drängen den Menschen aus der Welt." JAb. 2, 16.) 6. Im Dienste der Nächstenliebe. Alle Menschen -sind Brüder: „Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst." (Lev. 19, 18.) Ausdrücklich wird dieses Gebot im Vers 34 desselben Kapitels auf den Nichtjuden, den Fremden ausgedehnt; Hillel sieht in diesem Gebot der Liebe den Mittelpunkt und sagt: „Was du nicht willst, was man dir tue, das tue deinen Nächsten nicht." Im Sinne des Judentums ist auch der Fremde, der Nichtjude, kurzum jeder Mensch, der Nächste. Bereits bei der Tempelweihe (1. Kg. 8, 42) wird für den Fremden liebreiche Fürbitte getan, und der Talmud sagt: „Wer das Recht des Fremden beugt, beugt das Recht Gottes.1' Auch die edlen Heiden haben Anteil an der Seligkeit. R. Juda der Fromme, 1217 gestorben, schreibt in seinem Sittenbuche: „Im Verkehr mit Nichtjuden befleißige dich derselben Redlichkeit wie einem Juden gegenüber." Alle Liebespflichten gelten nach dem Religionsgesetze auch den Nichtjuden gegenüber. (Fortsetzung folgt.) Die Arbeit im Verband In den letzten Monaten stand die Arbeit der Bezirksverbände und Vereine im Zeichen der Besprechungen unserer Delegiertentagung und der Umstellung der Vereine auf die Sommerarbeit. Die meisten Verbände haben bereits eine Bezirkstreffahrt oder wenigstens eine! Führerbesprechung hinter sich, in der die Ergebnisse der Reichsdelegiertentagung ausführlich besprochen worden sind. Den Reigen eröffnete am 13. Juni der Rheinisch- Westfälische Bezirksverband, der seine Führer zu einer Besprechung über die Gestaltung der Winterarbeit nach Essen eingeladen.hatte. Der Bezirk will in seiner nächsten Arbeitsperiode die Jugend mit den Grundfragen des Judentums vertraut machen. Eine Anzahl Führerbesprechungen während des Sommers soll den Vereinsleitcrn das notwendige technische Rüstzeug vermitteln. Bei dieser ersten Zusammenkunft referierte der Vorsitzende des Bezirksverbandes, Rabbiner Dr. Hahn, über: „Arbeitsgebiete! des Talmud". Es lag ihm vor allem daran, den Vercinsführern Literatur anzugeben, welche in dieses Gebiet einzuführen vermag. Die Uebersicht über den Inhalt dieser Werke und die Art ihrer Verwertung in der Vereinsarbeit machten die fesselnden Ausführungen zu einer gehaltvollen Belchrungsstunde für alle Anwesenden. In der Aussprache einige man sich dahin, daß die Redner dieses Winters sich schon jetzt für dieses Arbeitsgebiet einzustellen hätten, während die größeren Vorträge die großen Linien dieses Wissensgebietes zu umrahmen hätten, müsse in den Heimabenden die vertiefende Lektüre einzelner Werke in das Gebiet einführen. Für die Freitagabende wurden Sagen, Legenden, Haggada als Lese- und Unterhaltungsstoff empfohlen. Eine weitere Aussprache hat am 4. Juli stattgefunden, worüber wir in der nächsten Nummer berichten. Der Bezirksverband der Jüdischen Jugendvereine Nord-Westdeutschlands veranstaltete am 4. Juli eine Treffahrt in Nienburg a. d. Weser, an der, trotz schlechten Wetters, 57 Freunde aus 7 Vereinen teilnahmen. Hier berichtete Alfred Bonnin über die Ergebnisse der Düsseldorfer Tagung. Im Anschluß daran fand eine Aussprache über das Thema „Jung und Alt" und über die notwendige sportliche Betätigung sowie über die Arbeit der-Junggruppen statt. Sportliche Wettkämpfe zeigten, daß auch hierfür Interesse rorhanden ist und Leistungen zu'erzielen sind. — Die Delegiertentagung des Bezirksverbandes ist auf den 10. Oktober nach Braunschweig einberufen worden. Referent ist Dr. Hermann Lehmann, Bremens Thema: „Die jüdische Jugend und der Staat". Am gleichen Tage fand eine von über 200 Jugendbündlcrn besuchte Treffahrt des Hessischen Landesverband des statt. — Der am 28. April neugegründete Jugendverein Mainz hat sich in überraschendem Maße entwickelt und zählt heute schon über 120 Mitglieder. Es is.t ein umfangreiches Programm in Angriff genommen worden, welches Vorträge, Diskussionsabcrde, Leseabeinde und Arbeitsgemeinschaften umfaßt. Die Wandergruppe arbeitet besonders gut. Es fand bereits eine Treffahrt in Ingelheim statt, die eine starke Beteiligung aufwies. Eine Schülergruppe ist in Vorbereitung» Dem Landesverband hat sich der Verein Montabaur neu angeschlossen. Der Verein in Worms hat es bei der dortigen Loge erreicht, daß ihm deren Bücherei zur Verfügung gestellt wurde. Die dortige Jugendgruppe ist besonders rege.-1- Am 11. Juli trafen sieh die Württembergi sehen Vereine seit langer ZeiF wieder zum ersten Male in Ludwigsburg. Ueber diese Veranstaltung, sowie über die große Treffahrt des Hessischen Landesverbandes sind uns ausführliche Berichte noch nicht zugegangen. Der Bezirksverband der Jüdischen Jugendh 1 a n d s hat eine Führeri nach Bonn einberufen und wird vereine Wcstdeut.se besprechung auf den 18. Jul dort genaue Richtlinien übflr die Winterarbeit der Vereine aufstellen. In der Zwischenzeil hat i sich der Jüdische Jugendverein Merzig a. d. Saar dem Verband und dem Landesverband Pfalz-Saar angeschlosser. Der Jüdische Jugendverein Grevenbroich im Bezirksverband der Jüdisch in Jugendvereine West, deutschlands hat nach] mehrjähriger Pause seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Durch persönliche Besprechungen des Verbandsvorsitzenden >erg und München ist die Wiederhen La ndes Verbandes so die dort vorhandenen Vereine mit alten Freunden in Nürnb aufrichtung des B a y e r i s c weit gefördert, daß in Bald zusammengeschlossen werden. |i| MITTEILUNGEN DER VE R BAN D S L E I TU N (T}j| An die Vereine und Verbändet I. Der Verlag des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände bietet den Tagungsbericht der 2. Führertagung „Vom Kulturwillen der deutschen Jugend" mit einer Ermäßigung von 66 Prozent des Ladenpreises, zum-Preise von 0,50 Mark an. Wir bitten*die Vereine, diese günstige Gelegenheit benutzen zu wollen und umgehend Bestellungen an unsere Geschäftsstelle zu richten. Der Tagungsbericht enthält neben einer Entwicklungsübersicht des Reichsausschusses vom Generalpräses Mostert die außerordentlich interessanten Referate der Tagung von Pastor Engelke und Dr. Crosche über „Autorität und Freiheit", ein Thema, das auch anläßlich unserer Delegiertentagung angeschnitten wur8e, ferner Vorträge von Prof. Hoffmann und M. d. R. Joos über „Jugend und Beruf", von Privatdozent Dr. Gerber über „Staat' und Volk" und von Schulrat J. Schult über „Volk und Staat"; fernep die Korreferate, die Aussprache zu sämtlichen Themen, die Stimmen von Verbandsführern aller Richtungen zu der Tagung. IL Die Führertagung des Reichsausschusses der deutschen Jugend verbände ist auf die Zeit vom 21. bis 23. September 4- Jnach einem rheinischen Ort angesetzt (voraussichtlich in der Nähe von Düsseldorf). Die geplante Aussprache über die Verantwortung der. deutschen Jugendführer »oll die lezten Gründe und letzten Ziele der — 13 —