Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 12 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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sinnungen" verflüchtigten sich. Heute wissen wir, daß der Weg unseres Verbandes sich wieder aufwärts und vorwärts gewendet hat. Drum laßt uns die Gesinnung, unseren speziellen Menschentyp, pflegen, und mit der Pflege des Inhalts die Form, das Gelaß, erhaltenl / DL An einer anderen Stelle schreibt Rathenau an einen Studenten: „Ich stimme beiV (faß die Jugend ihre eigene Verantwortung übernehmen muß"TIrid daß sie versuchen soll, ohne Voreingenommenheit und Vorurteile ihre Bestimmung aus sich selbst zu entwickeln. Unter Jugend verstehe ich aber nicht nur die Menschen «i zwanzig hsnjm, sondern alle diejenigen, deren Tätigkeit in et t ZukunffXweist." Selten ist, vielleicht weil /unbewußt, das Wesen unserer jüdischen Jugendvereine klar\p und deutlicher gezeichnet worden. „Aus eigeper Verantwortung sich ohne Voreingenommenheit und Vorurteile zu seiner Bestimmung zu entwickeln", rufen wir nicht diese Forderung an jeden jungen Juden seit Jahr und Tag ins Land hinaus? Hämmern wir nicht unsere Auffassung von der Notwendigkeit der Ueberparteiltchkeit (lies: Unvoreingcnommcnheit!) nicht seit jeher der jüdischen Öffentlichkeit ein? Durchbrachen wir nicht die angeblich ehernen Gesetze der Natur, indem wir die Jugendlichkeit verlängerten für jeden, der jungen Herzens, jungen Geistes ist? Und leben wir nicht ein Leben der Verantwortlichkeit Schi des einzelnen für das icksal des Ganzen vor? IV. „Gesinnung und Jugend!" wurden diese Ausführungen überschrieben, und hinter der Ueberschrift steht ein Ausrufung: zeichen des Forderns.1 Ja, wir fordern eine Gesinnung und wir fordern eine Jugend; wir fordern eine Gesinnung dftr Jugend und wir fordern eine Jugend der Gesinnung. Jungen und Alten aber, denen, die hören und sehen wollen, und besonders den Führern, von denen er verlangt: „sie müssen wissen, was wird", allen und jeden ruft Waller Rathenau zu! „Rettet die Jugend, auf daß sie uns rette!" Es wäre gut, wenn jeder Jude, der sich mit jüdisch I Dingen befaßt, sich dieses Weckrufes allmorgendlich vor I seinem Werke bewußt würde. Dann könnte vieles besser sein. Zum Wochenabschnitt Mataus Umasse Von Rabbiner Dr. D. Schönberger, Aachen. Wer aus dem Felsenberg der Bibel den Goldgehalt lösen will, muß mit Geduld und Liebe die einzelnen Steine 'on den Goldäderchen befreien, die sie durchziehen. So gilt es meist bei der Betrachtung eines Wochenabschnittes, sich nicht mit dem Ueberblick des Ganzen (den ein jeder sich leicht verschaffen kann) zu begnügen, sondern man verweilt am besten bei einem Gedanken, ihn auf sich wirken hissend, um ihn so, befreit von den Schlacken der Jahrhunderte, zum lebendigen Träger moderner Weltanschauung zu machen. Unrer Wochenabschnitt enthält die egoistische Forderung der Stämme Rüben, Gad und halb Manasse, die von Mose das Weideland Jascr und GHead (noch diesseits des Jordan gelegen) für sich zu eigen verlangen. Noch ist das Heilige Land nicht erobert, noch die große Gesamtaufgabe des Volkes unerfüllt, und schon Sonderforderungen, schon das Bestreben des einzelnen, sich günstige Lebensbedingungen vor den anderen zu verschaffen. Ihr Egoismus ist der landläufige Egoismus des Tages, das Trachten der vielen aller Zeiten, das immer nur das eigene Wohlbehagen kennt, aber gleichgültig den Bestrebungen der Gesamtheit gegenübersteht. Wundervoll klar und lebenstief ist Moses' fragende Antwort auf das Verlangen der zweieinhalb Stämme: „Eure Brüder sollen in den Streit ziehen und ihr wolltet hier verweilen?" Gibt es nichts Höheres als die Behaglichkeit des» Ichs, als den Erwerb des Tages? Durch eine große, gottgewollte Aufgabe ist Israel zu einem Volk von Brüdern geworden. Kampf für diese Aufgabe ist sittliche Forderung an jeden einzelnen. Wer abseits steht und nur sich, sein kleines Ich kennt, versündigt sich an der Gesamtheit, versündigt sich an Gott selbst. — Die eindringliche Mahnung an das Volk verhallt nicht im Leeren, und es klingt ein Zug von Erhabenheit, von heldenhaftem, mannhaftem Einstehen für die zu unseren einnehmen Häusern, b i ein jegliche Gesamtheit aus der Antwort der Stämme:' „Wir werde nicht heimkehre die Kinder Israel s e i n E r b e I" „Eure Brüder sollen in den Streit ziehen und ihr wolltet hier verweilen?" Mahnruf und erweckende* Frage an jedes Zeitalter jüdischen Werdens! Der Kampf d.c r Gesamt heit für des Judentums gottgewollte Aul gaben erfordert Kampf jedes einzelnen jüdi sehen Menschen. Dieser Kampf wird oft verkannt! De vielen Parteien, die sich absplittern, sind sie nicht gleich den zweieinhalb Stämmen, die in egoistischem kleinlichen Wolle n nur noch die eigenen engbegrenzten Ziele kennen? Da i »t es die herrlichste Autgabe der jüdischen neutralen Jugen 1, die große Linie des Kampfes aufzuzeigen, die weit hinausführt über das nahe Ziel einer ruhigen Behaglichkeit in das heilige Land jüdischen Idealismus', der jedem einzelnen Anteil gibt am großen Erbe der Väter. Dieses Wort könnte wahrlich d :r St reit ruf der neutralen jüdischen Jugendverbände sein an alle die Lauen, ab icitsstchenden Indifferenten, an alle de streitenden Parteiungen mit ihren Sonderinteressen: „Eui Brüder ziehen z im Kampf, zu einem Kamp der höchst e Ziele der Gesamtheit des Juden tums erstrebt, wollt ihr hier verweilen? Ve?'• weilen in trägem Beisciteslehen, verweilen in egoistischen, das große Ziel vergessenden Sonderbestrebungen? Solang der neutral t Jüdische Jugendverband sich dieses einigenden, verbindenden, brüderlichen Kampfes für das ver heißene Land jüdischer Menschheitsidee bewußt ist, liegt d- Kraft überzeugender, fewinnender Eindringlichkeit mosaischen Geistes in ihm, dem endlich auf die Antwort der Brüder werden muß: „Wir werden night heimkehren zu unseren Häusern, bs die Kinder Israels einnehmen ein jeglicher sein Erbe." Unser Judentum Von Bez.-Rabbincr Dr. Bcermann, Heilbronn. So hatten vor ihm gepredigt Samuel: „Gehorsam ist besser als Opfer." (15, 22.) Arnos 5, 22: „Schaffe fort von mir das Rauschen deiner Lieder und das Klingen deiner Harfen, es flute wie Wasser das Recht, und wie ein machtvoller Strom die Liebe", und Hosea 6, 6: „Liebe verlange ich und nicht Opfer." Derselbe Geist spricht in dem Beter von Psalm 15. „Ewiger, wer darf gasten in deinem Zelte, wer weilen auf deinem heiligen Berge? Wer in Unschuld wandelt und Liebe übt und Wahrheit redet in seinem Herzen." AU dieses sind Stimmen, die auch in unserem Gebetbuche laut werden. So beten wir vor Ablegung des Einheitsbekenntnisses: wejached Iebabenu, gib unserem Herzen die innere Einheit, die feste geschlossene Gesinnung, zu ehrfürchten und zu lieben deinen Namen. „Gebet ist Herzensdienst" und „Gott will das Herz". Alle Gesetze und Eierichtungeh der Religion wollen diese Gesinnung der Goltesliebe im Mcnschengemüte befestigen und ihm helfen, sein Leben damit zu durchdringen. So kann man von dem das Leben regelnden Gottesgesetze mit Goethe sagen: „Vergebens werden ungebundene Geister nach der Vollendung rein*r Höhe streben. Wer Großes will, muß sich zusammenraffen. In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister. Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben." 3. Liebling Gottes. Die Liebe des Menschen *u Gott muß sich nun vor allem darin zeigen, daß er seinen bösen Trieb, der ihn erdwärts ziehen will, bezwingt, um in sich das Gute triumphieren zu lassen. Als Liebling Gottes hat er dazu die Kraft. Denn nicht durch eine Erbsünde, die in seinem Blute liegt, ist er dem Bösen rettungslos verfallen: — 11 —