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Der Jugendbund · 1926-07-15 · 12 (15.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
12 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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„Gedankliches und Praktisches zum Wiederaufbau Referat von Dr. Gustav Löffle r, Frankfurt a. M., anläßlich der Führertagung des Hessischen Landesverbandes tC am 18. April 1926. Wenn eine Organisation und gar in unserem Falle eine Jugendorganisation mehr sein will, als Nur-Zusammenschluß von Menschen, wenn dieser Zusammenschluß ein lebendiger Zusammenschluß sein will —, dann muß er das widerspiegeln, was die einzelne Persönlichkeit im Leben sein will. Der einzelne Mensch stellt aber nur dann wesenhaft menschliches Leben dar, wenn er mehr sein will, als nur menschliche Erscheinung, wenn in seinem ganzen Tun immer wieder der Geist durchbricht. Das Geistige, losgelöst vom Körperlichen, ist ebenso wenig bedeutsam, wie das Stoffliche, losgelöst vom Geistigen. Es sind das Ausführungen, die ich so oder in ähnlicher Weise schon öfters entwickelt habe. Aber mir erscheint es in diesem Augenblick und in diesem Kreise wichtig, darauf hinzuweisen, daß beides dringend notwendig ist. Ich habe beides als gleich notwendig erkannt, — die Organisation und die Pflege des Geistigen in der Organisation. Ich stehe, stark unter dem Eindruck der Lektüre über die beiden bedeutenden russischen Rechtsphilosophen Boris Tschitscherin und Wladimir Solowjew, zwei Persönlichkeiten, über die sich in dieser Stunde auszusprechen, aliein schon lohnend wäre. Ich möchte aber nur von dem einen ausgehen, was ich bei T. finde. Bei der Frage, die uns heute beschäftigt, scheint mir der Gedanke wichtig, den T. einmal äußerte, daß nämlich in jeder Organisation vier Elemente wirksam sind —■ Freiheit, Autorität,, Gesetz und Ziel. In der menschlichen Gesellschaft sind immer wieder diese vier Elemente formend. Ich meine, wenn wir uns einen Moment über die Anwendungsmnglichkcit dieses Gedankens auf unsere Jugendbünde den Kopf zerbrechen, daß wir zu der Erkenntnis kommen, es gelte auch bei uns. Freiheit war und ist bis jetzt die Parole der bewegten Jugend. Freiheit ist bis jetzt auch treibende Kraft im Kreise der Jugendbündc geblieben. Die Autorität als Element des Wirkens hat zunächst leider nur die katholische Jugend anerkannt und sich freiwillig der Autorität der Kirche gebeugt. Ohne Autorität als Trägerin ewiger Kräfte kann sich das Leben in Freiheit auf die Dauer nicht vollziehen. Das Leben in den Bünden, das den einzelnen Freiheit gewährt, wird auf .die Dauer nicht möglich sein, wenn der einzelne nicht anerkennt, daß eine von ewiger Idee erfüllte führende Persönlichkeit da sein muß. Bünde werden sich aber auch auf die Dauer nur halten können, wenn Freiheit der einzelnen Persönlichkeit gewährt bleibt, wenn nicht ein Vorsitzender, nur weil ihn der Zufall an die Spitze des Bundes gestellt hat, die einzelnen unter sein Kommando zu stellen und zu schikanieren versucht; die führende Persönlichkeit wird ihre Gültigkeit nur erweisen können, wenn und soweit sie Vorbild ist. Dann aber hat sie das Recht, zu verlangen, daß die Geführten sich den Ratschlägen, den Weisungen und Wünschen des Führers beugen. Gesetz ist die dritte treibende Kraft in der Gemein schaft. Das Gesetz ist in der abendländischen Menschheit und in ihrer Jugend etwas anrüchig geworden. Man glaubt, man könne neue Gesetze für das Handeln finden; man glaubt, es genüge, die Ungültigkeit der seitherigen Gesetze zu erklären. Aber ein Blick auf den Gang der Welt, auf den Ablauf eines einzigen Tages in der Geschichte der Menschheil muß den Menschen die Ueberzeugung beibringen, daß das Weltganze ohne ein ewig gültiges Gesetz nicht wäre; und schauen wir auf das Getriebe der menschlichen Gesellschaft hin, s werden wir jehr schnell wahrnehmen können, daß Gewähr fü ihren Bestand die gesctzhallc Ordnung ist. Die vrerte Kraft, die für Gemeinschaften gültig ist, ist das Ziel. Hi<fr nu kommen wir zu des Lebens wichtigstem Punkt, insbesonder für die Jugcndorganisationcn.\ Haben die einzelnen Glieder des Verbandes ein Ziel?! Lassen Sie mich in diesem Zusammen», hang von einem Eindruck aus den letzten Wochen sprechen, den wir hier in Frankfurt empfangen konnten > Der Montefiore|- Verein hatte das Gebot empfunden, die Jüdische Jugend zu einem Ring zusammenzuführen. Es fand vor vierzehn Tagen dit erste Zusammenkunft statt. Man halte als Thema „Die Aufgabe der jüdischen Jugend in Deutschland" aufgestellt. Ich empfand es als Gebot, in meiner Eigenschalt als Freund de: Jugend an diesem Abend zu schweigen; aber ich empfand auch das Bedürfnis, mich über den Eindruck des Abends im Kreisf meiner Freunde auszusprechen. Ich muß nun sagen, daß für mich der Eindruck des Abends ein niederdrückender war. Ei wurde vom ersten Referenten und von einzelnen Diskussionsrednern der Versuch gemacht, eine gemeinsame Aufgabe zu finden, von den meisten aber das Wesentliche der Aufgabe \vi Ring darin gesehen, zu zeigen, was an Besonderheiten in den verschiedenen jüdischen Bünden vorhanden ist. Es war demgemäß ein Neben- und Aneinandcrvorbeircden an diesen) Abend. Ueber diesen schmerzlichen Eindruck aber erwuchs mir die Ueberzeugung, daß gerade heute der Jugendverband eine große Aufgabe hat, wenn sich diese auswirkt. Dehn die A u f - gäbe der jüdischen Jugend in Deutschland muß es heute sein;, das Gemeinsame zu suchen und zu proklamieren. Gibt es nun ein solch Gemeinsames? Ich muß es unbedingt bejahen. Wie können wir diese Aufgabe, das Ziel, erfüllen? Was wird eigentlich unsere Aufgabe sein?- Es ist dies, daß wir Pert sönlichkeiten bei uns zu entwickeln haben. Wir haben den Versuch immer jüdische Persönlichkeit erstehen zu. lassen. Wie nun wi-d eine Persönlichkeit? sich mitten in das k Eine Persönlichkeit ersteht, indem mi^i jlturclle Leben hineinstellt, indem m»n wieder gemacht, die persönlich i ls viel Wertvolles für die religiöse Erkenntnis zu holen ist. Gerade in neuester Zeit sind bedeutungsvolle, dem modernen Empfinden entsprechende Uebcrsetzungen entstanden, wir lieben nur die von Rosenzweig und Emil Cohn hervor, die nach unserer Erfahrung bleibenden Eindruck bei der Jugend hinterlassen. Als einen Mangel des Buches empfinden wir die allzudeutliche Hervorhebung der Stellungnahme des Verlassers, der zu den Führern der extrem-liberalen Richtung gehört. „Zur Schächtfrage", Vorstellung des Verbandes bayrischer israelitischer Gemeinden und der Bayrischen Rabbinerkonferenz an den Bayrischen Landtag. Verlag D. Heller, München, 1926. Die Schächtfrage ist in neuester Zeit durch eine Eingabe des Münchener Tierschutzvereins an den Bayrischen Landtag gegen das Schächten wieder aktuell geworden. Die Gefahr, die dieser Vorstoß gegen eine religiöse Institution des Judentums bildet, macht es uns zur Pflicht, uns über diese Einrichtung genau zu orientieren. Die vorliegende Schrift gibt uns hierzu Gelegenheit. Sie spricht über die religiöse Verbindlichkeit der Schächtvorschriften, über die Frage „Ist das Schächten eine Tierquälerei" und über die Folgen für den Tierschutz, welche ein dem Ersuchen des Münchener Tierschutzvereins entsprechendes Gesetz haben würde. Chajim Bloch: „Das jüdische Amerika". Verlag „Das Leben", Wien-Briglttenau. Das reichillustriert« Buch gibt die Eindrücke des bekannti kabbalistisch-chassaidi Bei dem Mangel einer sehen Schriftstellers in Amerika wiedt r. Literatur in deutscher Sprache über die amerikanische Juden!eit, ihre Geschichte und Entwicklung, verdient es besondere Judentum in Amerika Interesse, Chajim Bloch hat Juden und , gründlich; kennen gelernt und. gibt eine Schilderung vom jüdischen Amerika, nicht wie es sein soll, sondern wie es ist. In Mittelpunkt der Schilderung steht New York mit seinen fast 2 Millionein Juden. Er führt uns ein das Leben und Treiben der J^dcn New Yorks, in ihr religiöses, geistiges, politisches, literarisches- und gesellschaftliches Leben. „Deutsches Lagerhandbuch". Der Weiße-Ritter-Vcrlag Potsdam, 1926. Wir besprachen kürzlich das Handbuch des Zeltlagerlebens und wiesen aui das Wertvolle dieses Lebens für die Jugendbewegung hin. Auch in dem vorliegenden Buche ist ein wertvolles Hilfsmittel für dUse bei uns noch neue Art des Wanderlebens geschaffen worden, das in lebendiger Schilderung und anschaulichen Illustrationen jedem unserer Wanderer das Erl gebnis jahrelanger Erfahrungen zu vermitteln vermag. Der Verlag ist bereit, das an sich billige Werk (Ladenpreis 2 Mark) zur Ansicht mit Rücksendungsrecht mit 40 Prozent Rabatt anzubieten. Bei Bezug a gewährt werden. > 10 Exemplaren kann ein Freiexemplar 'II S. K. - 9 —

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