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Der Jugendbund · 1926-07-15 · 12 (15.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
12 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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oder jedenfalls zu gering eingeschätzt. Es muH weniger gesprochen und mehr gesagt werden. Das Wort sei nichts •ls der Repräsentant der Gedanken und dartim klar, aufrecht, mannhaft, so — wie ein wahrer Fürst für sein Volk eintritt. Das Wort soll nicht zum Sklaven des Unmuts, der Langeweile oder gar der Gedankenlosigkeit herabgewürdigt werden. Kein Unvoreingenommener wird behaupten, daß unser Verband jemals dem Stammeln seiner Jüngsten verständnislos gegenübergestanden hä^te. Was hier betont werden soll, ist der Mangel an Zusammenballung (Konzentration) def Gedankengänge mancher Redner und damit der Mangel an Verantwortungs- { P-~rgefühl Mr die Allgtmeinheit,-leichtfertiger Raub an des andern Aufmerksamkeit, Zeit i nd Geduld. Ich weiß, wir wollen keinen Redeverein züchten und keine Aufsichtsratssitzung nachahmen. Aber das sollte sich doch jeder Sprecher vornehmen, nicht nur seine World £u sagen, sondern auch durch seine Rede zu wirken. Hätte j^der von uns diesen Ehrgeiz, so würde dem Ganzen in einer Weise gedient, für die man nicht dankbar j cnug sein kann. Dem Ganzen (und damit doch wieder dem einzelnen) zu dienen, ist der alleinige Zweck dieser Zeilen, Auf verlorenem Posten? Von Walter Kleimenhagcn, Neheim. I In seiner Diskussionsrede auf der Düsseldorfer Delegiertentagung am Ffingstscnr.tag sagte u. a. de Jong, Hamborn, daß Dr. Löftlcr auf verlorenem Posten im Verbände stehe. Von den verschiedenen Rednern, die nach ihm sprachen, hat man hierzu nicht Stellung genommen, obschon man sich öfters mit den, Acußerungen von de Jong beschäftigte.. Darum möchte | ich wenigstens an dieser Stelle diesem widersprechen. Einmal, um bei Dr. Löfficr nicht etwa ein ähnliches Gefühl aufkommen zu lassen, das ihn dann leicht an seiner Liebe und Arbeit am und im Verbände zurückhalten könnte; zum anderen. da3 das bei unseren Mitgliedern nun doch im hohen Maße vorhandene Autorilätsgefühl für unseren verehrten Dr. Löffler so untergraben werden könnte. Ohne die großen Verdienste des Vorstandes und der übrigen geistigen Prominenten schmälern und, ihr geistiges Wissen und Können herabsetzen zu wollen, habe ich betrachtet und halte ich auch heute noch Dr. Löfficr als den geistigen Führer und Mentor des Verbandes. Er ist mit einer unerschöpflichen Quelle zu vergleichen, die reines Wissen und richtige Erkenntnis uns, der Jugend, gibt. In seinen verschiedenen Referaten hat Dr. Löffler dem Verband immer wieder die Aufgabe gestellt, den sittlichen bzw. den jüdischen Menschen zu schaffen. Insbesondere erinnere ich an die in feinem Referat niedergelegten Leitsätze: „Mischehe, sexualethische Forderungen usw." Hiervon hat in Düsslrlorf keiner mehr gesprochen. Und doch gilt noch jedes Wort, denn die Forderungen sind noch längst nicht erfüllt. Gewiß weiß Dr. Löffler, daß seine Forderungen an die Jugend nicht von heute auf morgen erfüllt werden können, daß es eben einer „Arbeit auf lange Sicht" bedarf, sie in die Wirklichkeit umzusetzen. Denn wie einst unser Stammvater Abraham mit Gott um die Erhaltung der sündhaften Stadt Ninive rang, sie nicht za vernichten, wenn nur 10 Gerechte "dort wohnten, so wäre es schon genug, wenn bei 10 Menschen die Forderungen Löfflers verwirklicht würden. Sie werden sich durchsetzen, gewiß langsam, aber sicher. Wir haben die Pflicht, sie in erster Linie an uns selbst in die Tat umzusetzen, sie in den Vereinen, bei der Jugend vorzutragen, sie ihnen geradezu einzuhämmern. Dann [wird der Erfolg nicht ausbleiben. Ganz seinem Wesen und seiner Ein; tellung entsprechend war sein Bekenntnis zum Pazifismus, hiermit stellte er sich an die Seite von Helmut v. Gerlach." Der fü lrt in seinem Aufsatz „Revolutionär oder Evolutionär" („Die Weltbühne", Nr. 20 vom 18. Mai 1926) fast die gleichen Gelanken aus, wie uns, Dr. Löfficr in seiner Diskussionsrede au dieser Tagung vortrug. Beide sind sich einig, daß sich solch eine geistige Bewegung wie die Durchsetzung des ewi;en Rechtsgedankens in der politischen Welt — der Pazifismus — im Gegensatz zum Gewaltsgedanken — genau wie draußen m Reich» der Natur, von Entwicklung zu Entwicklung, von Etappe zu Etappe, von Reform zu Reform durchsetzen wird, also auf dem Wege einer Evolution, nicht als Revolution, die, wie Gerlach sagt, ein politisches Naturereignis ist, Sprünge von einem Zustand zum anderen. Gewiß, die Jugend, der Mensch mit dem lebhaften Temperament, ist eher für Revolutionen zu haben, will sich aus einem Extrem ins andere stürzen, doch unser Löfficr, unbeeinflußt vom Gefühl, weist, rein verslandesgemäß, ohne durch Worte zu blenden und zu berauschen, wie es die Revolutionäre machen, schlicht uns den Weg, den wir zu gehen haben, um seine ethischen Forderungen erfüllen zu können. So wie Gerlach in dem genannten Aufsatz sagt, eine absolut gute Gesellschaftsordnung gibt es nicht, sondern nur eine bessere als die heutige, die nur durch Reformen zu erreichen ist, so müssen wir Juden, als Träger der messianischen Friedensidee, in der unerschütterlichen Gewißheit stets und ständig einen Stein zum anderen bauen, bis das hohe Ziel erreicht ist. So wenig wie das Judentum bei seiner Aufgabe durch die Jahrhunderte auf verlorenem Posten steht, so wenig ist es unser Dr. Löffler im Verbände. | BÜCHERSCHAU | „Rheinische Jugend". Mitteilung des Bezirksausschusses für Jugendpflege im Regierungsbezirk Düsseldorf, Nr. 7, Juli 1926. Das beste, was Jugend zu geben vermag, ist Lebensfreude, die das köstlichste Besitztum wahrer Jugend bedeutet. Aus diesem Gefühl heraus hat die besonders rührige Leitung der „Rheinischen Jugend" dem neuesten Heft-als Motto vorausgesetzt „Glück, Freude oder Pflicht?" Es beginnt mit den schönen Worten Goethes: „Oeffne den umwölLten Blick über den tausend Quellen, neben dem Durstenden in der Wüste" und bringt dazu Aufsätze aus alter und neuer Zeit, die außerordentlich lesenswert sind, so von Johann Gottfried Herder „Glückseligkeit der Menschen", von Immanuel Kant „Von der Pflicht",, von Arthur Schopenhauer „Heiterkeit", von Max Scheler „Vom Verrat der Freude", von Johannes Müller „Entspannung". Max Speier: „Daheim und draußen". Ein Jugendbuoh. 1. Kaufmann-Verlaj?, Frankfurt a. M., 1926. Das Buch, das im Rahmen von Lehmanns „Jüdische Hausbücherei" erschienen ist, scheint uns besonders geeignet zum Gebrauch in Jugendgruppen. Es bringt kleine Erzählungen in ansprechender Form aus dem jüdischen Leben, aus denen wir besonders hervorheben: die erste Erzählung „Zwei Barmizwohs", die sich gegen den Dünkel so mancher jüdischer Kreise wendet, ferner die Erzählung „Das Neujahrsfest der Bäume", welche die, schöne in unserer modernen Jugend so wenig bekannte Idee des Chamischo Ossor Bischewat uns nahebringt, vor allem aber die reizende „Puppenküche", die den Kleinsten eine witkliche Freude bereiten wird. „Hilisbuch für den Unterricht in der nachbiblischcn jüdischen Geschichte". Von Robert Hirschfeld. M. Poppeleuer, Berlin, 1926. Die meisten unserer jüdischen Geschichtsbücher leiden darunter, daß die Verfasser zuviel Wissenschaft und Literaturgeschichte geben. Der Jugend wird bei ihrer Lektüre meist schwindelig vor der Ueberzahl von Namen und Büchertiteln, die ihr nichts Lebendiges zu geben vermögen. Der Verfasser dieses neuesten Schulbuches möchte diesen Fehler vermeiden und geht von der Ansicht aus, daß die Aufgabe des nachbiblischen jüdischen Geschichtsunterrichts vor allem die Erkenntnis von der ewigen Lebens- und Entwicklungskraft unseres Glaubens und unserer Glaubensgemeinschaft ist. Er legt daher mehr Wert auf die Darstellung der religiös-wichtigen Perioden und der kulturgeschichtlichen Zusammenhänge. Er hat deswegen die Periode der großen jüdischen Dichter und die in den früheren Jahrhunderten gepflegte Philosophie nur kurz behandelt. Wenn auch nach seiner Anschauung die Werke unserer mittelalterlichen Dichter bisher nur unvollkommen übertragen und nie recht übersetzt worden sind, so glauben wir doch, daß gerade aus der Behandlung dieser Dichtungen i*hr

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