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Der Jugendbund · 1926-07-15 · 12 (15.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
12 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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keit, auf die Ewigkeit, auf den Ewigen hinweist. Einer solchen Zeit, da die Religion wieder als der tiefste Bildungswert des Judentums anerkannt sein wird, sind wir gewärtig. Hier soll» ten ja nur die Schwierigkeiten aufgezeigt werden, die zu beseitigen sind, um die Bildungsarbeit des Jugendvereins zu einem guten Ende zu führen. Die letzte Aneignung muß jedem selbst überlassen bleibe*. Wir können nur Wegbahner jenem Punkte sein, da der junge Mensch mit Faust ausrufen kann: „Hier ist der Geist erhoben, die Aussicht frei." Ueber den neuen Typus Von AribertdeJönge. _ L Wenn näan versucht, aus dem Erschütternden und Bewegenden dieser Tage und Nächte, aus dem, was in uns liegt, was uns umgibt, was auf uns eindringt, zu einer einheitlichen Niederlegung zu kommen, so mag es sein, daß das Lebendige in einem Bild erstarrt, das nur schwacher Ausdruck zu bannender Gewalten sein kann; das schicksalhafte Bedingtheit zwingt, "die Deutung des Erlebten in Formen zu vollziehen, die der Markt und die Menge profanieren. Wesentlich ist allein, daß durch Begreifen und Benennen doch die Leibhaftigkeit leuchtet, jenes elementare Ueberein von Licht und Luft, Erde und Wasser, Blut und Geist, dessen Dasein Begriff und Name andeuten sollen. Aber wenn auch aus allem Wort die Aura des lebendigen Wesens quellen muß, um den, für den gesprochen wurde, zu erreichen und in ihm die entsprechende Erregung hochschlagen zu lassen, so muß doch, will man nicht Monologe reden, gewiß sein, daß die mystischen Elemente, die die Eigenart unseres Tuns bestimmen, in ähnlichem Zusammensein bei anderen Menschen erscheinen; daß eine seelische Bereitschaft vorhanden ist, in der unsere Aeußerungen einen gleichen, verwandten, korrespondierenden Ton treffen und nicht nur treffen, sondern auch anhalten können. In einer ähnlichen Lagerung seelischer Atome kann diese Empfangsbereitschaft bei Typen, Kasten, Klassen vorhanden sein; und was im kleinen Kreise noch sehr bemerkbar schwingt — Witterung einer unausweichlichen und dämonischen Bindung —, verliert sich ins Ideeliche und Außersinnliche, wird zu Kulturverbundenheit und Schicksalsgcr.ieinschaft da, wo es die verhältnismäßig umfassendste Ausdehnung erreicht — im Volke. Auch hier, wo mit der größeren Menge notwendig eine Schwächung der verbindenden Instinkte eintritt, zeigt sich noch eine tiefere Verknüpfung mit dem rätselvollen Ursprung allen Werdens: Im Volke ehren wir den Hort aller Vielfalt und Einfalt, und unsere Zuneigung erfaßt in ihm das Wogen und Andrängen des unerschöpflichen Meeres und ein beruhigendes Geborgensein bei den dunklen Müttern. Dieses Volksgefühl, gebunden in Mythos und Mystik, also die Gewißheit gleichen Schicksals und gleicher Kultur — wobei dies letzte Wort „Kultur", obgleicht mißbraucht, doch seinen Charakter als Annäherungsbegriff nicht verleugnen kann, wenn man es von „Kultiviertheit" und ähnlichem trennt und etwas Lebendig-Waltendes der Volkheit oder des Volkstums meint, einen Brodem des Elementaren und seine formgewordenen Niedcrrenkungcn —, dieses Volksgefühl verkettet unsere Geschicke, und sichert unserem Wollen die Nachhaltig! cit. Und doch zeigt eine kühlere Blickrichtung, der dieses Volksgefühl im feinsten Sinne eine erotische Angelegenheit ist (es umfaßt das Geliebte mit seinen Fehlern und Schwächen, wie es eine rechte Liebe zu halten pflegt: als romantisches Erlebnis steht es an der Grenze des Wunderbaren und will, wie jede Affektion der Sinnlichkeit, seinen Bereich behaupten), daß die Symbole nur der Ausdruck geheimer Urbilder sind, keine Metaphern des Erreichten, sondern Richtungsweiser zum Erreichbaren, Ideen und Ideale, die die ungeheuerliche Kluft vom Existierenden zum Seinsollenden aufreißen und doch den Gr u»d trieb des einmalig Beschlossenen aufnehmen. Und trotz Ekel und Müdigkeit, die schon zu oft den Willen zerbrechen sahen, muß die klare Folgerung aus Wertsetzung und Verwirklichungswunsch gezogen werden; die Verantwortung für die Zukunft erzwingt die Pflicht, wo die Neigung fehlt: Alle Liebe zur abseitigen Seligkeit, zum träumenden Versunkensein muß ihren Vorrang aufgeben, wenn die Not der Zeit offenbar ist. Wir reden von Politik, wir müssen eingreifen. IL Es kann nicht unsere Absicht sein, Grenzen zu verwischen. Wir kennen die Unterschiede, — wir sind keine Spieler. Wir wuchsen auf unter den schweren Gesichtern der arbeitenden Massen — uns liegt eine selbstgenügsame Jugendlichkeit nicht; wir achten unser Herkommen aus Vergangenem und . ■ Vergehendem. Aber aus allen Aeußerungen dieser Tage schreit uns das Unheil der fanatischen Verständnislosigkeit entgegen, eine unselige Verbissenheit, die im andern nur eine fleischgewordene Ideologie sieht. Uns treibt es, diese Folge einer sinnlosen Ueberschätzung des äußeren Mittels — denn die Ideologie bleibt immer nur die Rationalisierung eines dunklen Gefühls — soweit wie möglich abzustellen und die Kraft, die im Meinungsstreit vergeudet wurde, auf würdigere Ziele zu richten. Es handelt sich darum, den andern Menschen nicht nur im Zerrbilde zu sehen, einen Gegner nicht nur als Verfechter offizieller Formulierungen, ein andres Volk nicht nur als stilisierte eigne Minderwertigkeit; es gibt nur eine Pflicht: endlich einmal aus der gegenseitigen Ausspielung der Zwistigkeiten herauszukommen und das gemeinsame Dritte zu finden, die gemeinsame Aufgabe und die gemeinsame Arbeit. Lange schon sehen wir den verhetzten Bewohner dieses Balkans Europa wie ein irres Tier in seinem Käfig herumspringen, schon zu lange lügen die Pressen aller Länder den Regierenden zu Gefallen, noch immer lächeln die Auguren, wenn man vom Opfer spricht — dies alles verlangt nach mehr als nach Verständigung der Gutwilligen. Wir sind mißtrauisch geworden gegen ein Pathos, das morgen „aus geballtem Hass" losschlagen möchte, ohne uns den Sinn dieses Losschlagens, der mehr sein müßte als die jämmerlich belanglose Befriedigung eines Affektes, mehr als Rache und Ränke, deuten zu können; mißtrauisch einem Ethos gegenüber, das nicht einmal die Selbstbehauptung, dieses juristische Minimum, für sich beansprucht, sondern sein Heil der Großmut von Eroberern überlassen möchte, ohne zu wissen, ob Voraussetzungen des spontanen Edelsinnes in diesen Tagen noch gegeben -sind. Die Sinnlosigkeit der pathetischen und ethischen Gesten, des Tuns um des Tuns willen, die Ziellosigkeit, die Verschwommenheit und die mangelnde Ueberlegung, die es immer nur zur heroischen Dummheit bringen konnte, schärften uns den Blick. Und dieses Mißtrauen gegen pure Machtpolitik und gegen pure Senlimcnts, das uns sagt, es gebe wohl Höheres als Politik, aber nichts, was jetzt mehr not tue, gewann uns die neue Selbstverständlichkeit: Nicht der knabenhafte Augenblicksüberschwang oder die prinzipielle Skepsis können helfen, —. man_muß soviel Klarheit haben, um einen Gedanken prüfen; zu können und soviel Begeisterung, daß alles Bedenken die Glut nicht ersticken kann. III. Wir hatten den Blick und den Ueberschwang ins Kom mende und wußten, daß kein Stoßgebet, kein Heldensang, kein Mitleidsepos die realen Mächte dieser Tage erschüttern würden. Und das war auch zwingend in einer Frage, die manchen von uns beklemmte: Sollen wir warten oder kämpfen? Verlangte dieses Zeitalter seine Methoden oder hatte auch die stille Durchdringung Aussicht auf Erfolg? Was muß man zuerst angreifen, wenn man Menschen und Dinge umwälzen will? — Es war der typische Zwiespalt des bürgerlichen Grenzmenschen, der mit seinen Wünschen ins Neue langte und mit seinem Können im Alten verstrickt blieb. Er bewertete, indem er an die Gegebenheiten wägend herantrat, er kannte die feinen Unterschiede, die Nuancen, er sah das Für und Wider, und wie er dies sah, konnte er nicht weiter sehen. Wandte er alle Mittel an, so bastardierte er die Idee; zwar gewaun er die gesteigerte Möglichkeit, das Ziel zu erreichen, aber er schloß das Kompromiß mit den verhaßten Mächten der alten Welt: er glaubte das Gewissen aufzugeben. Oder er wollte ein hohes Ziel nur mit hohen Mitteln verfolgen und setzte sich dem Vorwurf: Verzögerer, Romantiker, aus, Ideologe, der nicht zu fürchten sei und der vielleicht sogar von der Unverbindlichkeit twiner Geste überzeugt war. Er — 5 —

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