Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1926-07-01 · 11 (1.7.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
11 (1.7.1926)
Date
1926-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492456-6352473-6352487--0142-4928347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Es hat eine Zeil gegeben, da man im deutschen Judentum geglaubt hat, den Frieden erringen zu können dadurch, daß man sich als Jude aufgab, Frieden um jeden Preis schloS, ■elbst um den Preis seiner Menschenwürde. Wir wissen jetzt, daß dieser Friede ein scheinbarer war, daO er viele von uns innerlich zermürbt hat. Ein aufrechter Jude, der um sein Judentum kämpft mit allem Eifer, der für sein Judentum leidet, seine Eigenart pflegt, wird gerade wegen seines Eifers ein wahrer Menschenfreund, ein wahrer Verfechter unsrer Messiasidee sein. Um der Achtung willen, die er innerlich vor sich selbst empfinden darf, wird er andre achten, die auf andrem Boden stehen und gleich ihm für ihre Ueberzeugung eifern. Er wird ihnen die Hand reichen können um des Großen willen, das sie eint, ohne sich selbst aufgeben zu brauchen. Versteht ihr nun, ihr Fanatiker und ihr Lauen, was unsre vielgeschmühte „Neutralität" in unserm Verband bedeutet? Wir wollen Menschen erziehen wie Pinchas und Elia, die in sich vereinen edlen Eifer für ihre Ueberzeugung und wahrhafte Friedensliebe, die dem andern sein Recht gibt, ohne ein Aufgeben innerster Notwendigkeiten zu ».verlangen. JÜDISCHES LEBEN IN RHEINLAND UND WESTFALEN ■ ■ » Aus den Gemeinden Düsseldorf Am 75! 26. Mai versammelte sich die Vereinigung Jüdischer Anstaltsleiter und -leiterinnen in der Düsseldorf-Loge zu ernsten Beratungen. Die meisten Anstalten — Kinderheime, Waisenhäuser, Altcrsversorgungsheimc, Erziehungsanstalten -rwaren vertreten. Von den, Referaten heben wir besonders hervor das von Sanitätsrat Freundlich über Gesundheitsfürsorge in Anstalten, und von Direktor Silberberg, Ahlen, über das Arbeitsprinzip im Unterricht. Die jüdische Gemeinde ließ es sich nicht nehmen, die Teilnehmer zu einem gemütlichen Abend zu vereinigen, bei dem der Sprechchor des Jugendvereiiis durch seine vortrefflichen Darbietungen erfreute. . Am 30. Mai fand eine erweiterte Vorstandssilzung des Landesverbandes Westdeutschland im C-V. statt, die von fast 100 Delegierten besucht war. U. a. kam auch die Frage des Nachwuchses zur Sprache. Unser Vcrbandsvorsilzender hatte Gelegenheit, den Standpunkt des Verbandes darzulegen, und es wurde beschlossen, bald dieser Frage eine besondere Zusammenkunft zu widmen und Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf, mit einem Referat zu betrauen. Jülich Am 25. April fand zum ersten Male in der hiesigen Synagogengemeinde die Wahl zur Repräscntantcnvcr;ammlung nach dem neuen Wahlsystem statt. Es waren zwei Listen aufgestellt. Das Bestreben beider Parteien, die Wähler restlos in ihrem Sinne an die Wahlurne zu bringen, gelang. Et kamen von 12!) Wahlberechtigten 108 Wähler ihrer Wahlpflicht nach. Durch diese Wahl wurde das Interesse vieler, die bisher gleichgültig zu dem jüdischen Gemeindeleben standen, geweckt und neuer, frischer Geist zieht in das Gemeindekollegium ein. H. V, Steele Am 13. Juni konnte die Firma L. Stern auf ein 75 jähriges Bestehen ihres Geschäfts zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Inhaber, Herrn Sally Stern, als Vorsteher der Synagogengemeinde, die Glückwünsche der Gemeindevertretung ausgesprochen und eine Blumenspende überreicht. Westerwald Am vergangenen Samstagabend fand in Altenkirchen im Saale' der Städtischen Festhalte die erste größere Feier des R. j. F. statt, die die Ortsgruppe „Kreis Altenkirchen" anläßlich der dritten Wiederkehr des Gründungstages veranstaltet hatte. Die Feier nahm einen würdigen und schönen Verlauf. Aus nah und fern waren die Mitglieder, Freunde und Gönner des Bundes und, Gott sei Dank, auch die Gönnerinnen zusammengeströmt, um bis in die Morgenstunde bei Wein und Tanz feucht-fröhliche Kameradschaft in die Tat umzusetzen. Es ist bemerkenswert, wie sich gerade in den Landgemeinden der R. j. F. als überparteiliche Organisation behauptet und wie er seine Mitglieder — und es gibt hier keinen Frontkämpfer, der ihm nicht angehört — auch zu interessieren versteht. Das mag in erster Linie gerade in den Weslerwiilder Ortsgruppen an der außerordentlichen Rührigkeit ihrer Vorstände liegen. Jedenfalls hat die dreijährige Geschichte des R. j.F. seine Existenzberechtigung auf dem flachen Land nicht schlechter bewiesen als in der Großstadt. » . K.H. Aus den Bünden Essen Der Rheinisch-Westfälische Bezirksverband hatte am Sonntag die Vertreter der Vereine zu einer Besprechung über „Gestaltung der Winterarbeil*' berufen. Es waren fast alle Vereine vertreten, von der Verbandsleitung war Schwarzschild1 anwerend. Der Bezirk will in seiner nächsten Arbeitsperijde die Jugend mit Grundfragen des Judentums vertraut machen.j Deshalb will er Bibellektüre treiben, Kenntnis der Geschichte' des Talmuds, Lebensbeschreibung der Schöpfer des Talmuds uid Ueberblick über Inhalt des Talmuds vermitteln. Ueber dieses Arbeitsgebiet des Talmuds referierte der Vorsitzende des Bezirksverbandes, Rabbiner Dr. Hahn (Essen). Es lag ihm! zunächst daran, den Vereinsführern die Literatur anzugeben, welche in diese Gebiete einzuführen vermag. Für Geschichte des Talmud^wurden neben den bekannten Werken rein geschichtlichef Art Travers Herford: Pharisäisches Judentum, Dr. Weigel: Das Judentum, Jak. Fromer: Der Talmud, Berufe ld: Einführung in das Wesen des Talmud, und Dr. Funks Schriftchen aus der Sammlung Göschen Nr. 479 und 5£3j empfohlen. Ueber die Schöpfer des Talmuds k'innen Braunschweiger Die Lehrer des'Mischra und der Anhang in Max Webers: Das| Judentum aufklären. Ueber Inhalt des Talmuds würden Leschinsky: Pharisäer und Sadduzäcr, Herford: Was verdankt die Welt den Pharij säern?, Die Agatha von Bialitz, Das Buch der jüdischen Weisheit, von Guiseppe Levi, Fromer: Der babylonische Talmud und Bubers Erzählungen: Der große Maggid, Geschichten dt} R. Nachmann usw., ein Bild vermitteln. Die Uebersicht über den Inhalt dieser Werke und die Art ihrer Verwertung in der Vereinsarbeit machten die fesselnden Ausführungen zu einer gehaltvollen Belehrt'ngsstundc für alle Anwesenden. In der Aussprache einigte man sich dahin, daß die Reiner dieses Winters sich schon jetzt für dieses Arbeitsgebiet eintzustellen hätten. Während die größeren Vorträge die großen Linien dieses Wissensgebietes zu umrahmen hätten, müsse in den Heimabenden die vertiefende Lektüre einzelner Werke in das Gebiet einführen. Für die Freitagabende wurden Sagen, Legenden, Haggada als Lese- und Unterhaltungsstoff empfohlen. Die nächste Aussprache am 4. Juli soll nach einem Referat von Frl. Sachs (Bochum) über „Bibcllektüre) stattfindend ■[•'•■• v" K. St.. Grevenbroich / Auf Veranlassung unsres Verbandsfreundes Ludwig Löwenstein fand am 22. Mai eine Zusammenkunft der hiesigen Jugend zwecks Aussprache über die Wiederbelebung des Jugend|- X bundes stalt. Von den 20 erschienenen jungen Leuten wurde beschlossen, zunächst ohne organisatorische Bindung zusammenzukommen und zu wandern. Hachenburg im Westerwald Schon lange hatte der JJV. Hachenburg zu einer größeren Rheintour gerüstet, die auch am 23. und 24. Mai verwirklicht wurde. — Wir verließen Sonntags Hachenburg. Mit Sang unjd Klang zogen wir von St. Goarshausen, den Rhein entlang, um all die Wunder der Natur, von denen wir schon so oft und viel gelesen und gohert halten, mit eigenen Augen zu schauev l'cbsrwältigt von dieser Schönheit, lassen wir die ersten tiefen Eindrücke etwas verrauschen. Burgen, idyllisch gelegene Städte, steilaufragendc Felsen (Lareley) wechseln. Abends ersteigen wir als Endpunkt unserer Wanderung das Nationaldenkmal auf dem Niederwald, um von dieser Höhe ausnochmals die gewaltigen Eindrücke an uns vorüberziehen zu lassei. Am nächsten Morgen trägt uns der Dampfer wiederum an tll dem Schönen vorbei, zurück nach Neuwied. Hier verlassi n uns unsere Gäste von Trier, Westerburg und Villmar. n Selters erwartet uns ein Wagen, der mit uns erst abends Jl j Uhr in der Heimat anlangt. Auf unsere Bitte um Angabe eines befreundeten Jugendvereins in' dieser Gegend wies uns der — 5 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.