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Der Jugendbund · 1926-07-01 · 11 (1.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
11 (1.7.1926)
Date
1926-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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An der Veranstaltung des Vortragsabends von Herrn Rabbiner Dr. Hacek über: „Der geistig? Gehalt in der Wohlfahrtspflege" (am 6. Juni) halte sich der J. F.-B. beteiligt; seine eigentliche Tagung wurde durch einen Begrüßungsabend in den Räumen der Gesellschaft „Verein" eröffnet. Unter den zahlreichen auswärtigen und hiesigen Gästen befanden sich Vertreter der Stadt, des Stadtverbandes und der Gemeinde, des Rabbiner- und Jugendverbandes und des Bundes Deutscher Fraucnvereine, die die Wunsche ihrer Organisationen für die Tagung überbrachten. Frau Beigeordnete Dr. Torhorst begrüßte die \ ersammlung im Namen des Oberbürgermeisters der Stadt Düsseldorf und sprach in warmen Worten von der sozialen ^rbeit djCr Juden, die bereits von altersher durch ihre Gesetzgebung dieselbe anerkannten. Den Mittelpunkt des Abends bildete ein Vortrag von Frau Bergel-Gronemann (Berlin) über den Wert des Neutralitätsgcdankens; umrahmt von den wuiy dervollen Darbieturgen des Sprechchors des Düsseldorfer Jugendvereins. Die Rednerin betonte den Wert der Neutralität für einen Bund, der seine Arbeit den verschiedensten Richtungen zur Verfügung stellen müßte; über den Aufgaben und Zielen der Parteien vereinigt der Bund seine Glieder im gemeinsamen Wollen des Guten. Ein geselliges Beisammensein beschloß den Abend. Die Arbeitssitzungen, die von der ersten Vorsitzenden des J. F.-B., Frau Brenner (Berlin), geleitet wurden, behandelten in großen Zügen in ihren Referaten die Hauptarbeitsberichle der dem Jüdischen Frauenbunde angeschlossenen Verbände. Frau Anna L e v y (Stettin) berichtete, wie jüdische Frauenvereine schon in alter Zeit bestanden haben, deren Hauptaufgaben immer der Fürsorgearbeit gewidmet waren. Die Arbeit hat sich den Zei(Verhältnissen entsprechend immer mehr vergrößert und verfeinert und ist heute in fast allen Orten dem J. F.-B. angegliedert, der wiederum dem Deutschen- Frauenbund angeschlossen ist, und Beziehungen zu den jüdischen Frauenverbänden in anderen Ländern pflegt. So vielseitig die Arbeit in den einzelnen Gemeinden auch sei, sie alle werden beseelt von dem Willen, aus der Vergangenheit und Gegenwart heraus Gutes für die jüdische Zukunft zu schaffen. Als zweite Rednerin behandelte Frau Levy-Salz (Berlin) die Arbeiten des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und betonte es als eine Kulturaufgabe, dem neuentstehenden Lande seine Hilfe zu verleihen. Frau Schwarz (Eerlin) berichtete über die Arbeit der Schwestcrnlcfgen, die ebenfalls seit ihrem Bestehen in der Familien- und Kinderfürsorge, in der Errichtung von Heimen und Kindergärten tätig sind und sich als Logenfrauen zusammenschließen, um geistige Interessen und Geselligkeit zu pflegen. Frau B i a 1 (Breslau) gab dann ein Referat über die Arbeit »n den Ortsgruppen und Verbänden des Jüdischen Frauenbundes. Sie teilte die Arbeit der einzelnen Vereine nach ihrer Art in Zweckverbände und Wesensgemeinschaften und verglich die gesamte Arbeit des Jüdischen Frauenbundes mit einem großen Garten, in dem jeder Weg und jedes Beet gepflegt und bearbeitet werden müsse; es sei aber nötig, die Umzäumung in gutem Zustande zu halten, da nicht jeder in die innere Arbeit hineinsehen könne. Nc Jen der großen Arbeit innerhalb d<r jüdischen Gemeinschaft sei es vor allem auch Aufgabe des Bundes, mit den interkonfessionellen Verbänden zusammen die großen Gebiete der Fürsorge zu bearbeiten. Das oberste Gesetz des Bundes, aber sei, Hilfe unter den Menschen zu'vermitteln. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an die Berichte an. Es wurde folgende Resolution abgenommen: „Die in Düsseldorf auf der zehnten Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes versammelten Frauen aus allen Teilen Deutschlands sind sich nach Anhören der Referate über die verschiedenen Organisationsformen jüdischer Frauenarbeit und nach klärender Aussprache erneut bewußt geworden, daß der Jüdische Frauenbund mit seinen örtlichen und provinziellen Zusammenschlüssen die notwendige Verbindung aller Einzelorganisationen darstellt. Die Versammlung glaubt daß der Sinn des Jüdischen Frauenbundes am besten durch die Gründung! möglichst vieler Ortsgruppen erfüllt wird. Sic sind der Boden, auf dem sich das Ziel des neutralen Zusammenschlusses Örtlich auswirken kann, da die Ortsgruppen keinerlei Begrenzung der Mitgliederschaft kennen und Frauen aller Richtungen, Berufe und Altersstufen zusammenschließen. Die Ortsgruppen haben insbesondere die Aufgabe, die religiösen, erzieherischen und kulturellen Aufgaben für die Familie und für das fcffentliche Leben zu verwirklichen. Am Nachmittag fand ein Vortrag von Fraji Dr. Rothenberger (Giesen) statt über „Die Hygiene der Juden", der zeigte, wie fest die Regeln der Hygiene schon iin den alten Gesetzen der Juden verankert waren. Es schloß sich eine Besichtigung der Ausstellung, besonders der Jüdischen Abteilung, an, die bei allen Teilnehmern viel Beifall erregte. Die Arbeitssitzung des zweiten Tages beschäftigte sich in der Hauptsache mit Geschäfts- und Kassenberichten und nahm dann die Berichte der einzelnen Kommissionen entgegen. Es wurde die Fülle der Arbeit in den 350 angeschlossenen Vereinen vorgeführt, die sich auf allen Gebieten der sozialen Fürsorge bewegen. Von der Jugendpflege bis zur Altershilfe, wie auch in den Arbeitsgemeinschaften der Tuberkulosen- und Gefährdetenfürsorge und der Adoptionsarbeiten steht dem Bunde eine große Anzahl von guteingerichteten Heimen zur Verfügung. Die Gebiete der Bahnhofshilfe Und Arbeitsnachweise sollen nach Möglichkeit ausgebaut werden. Der Nachmittag war der sehr wichtigen Aufgabe der nachgebenden Fürsorge für Anstaltskinder gewidmet. (Leitung: Frau Ollendorf, Breslau; Referat: Hannah Kiarminski, Berlin.) Gerade die aus den Anstalten entlassenen Jugendlichen bedürfen des besonderen Schutzes, um im Leben festen Fuß zu fassen. Aufgabe der Vereine, Anstalten und Wohlfahrtsstellen und besonders der einzelnen Persönlichkeiten ist es, diese jungen Menschen zu stützen und ihnen einen Halt fürs Leben zu geben, wobei die religiöse Beeinflussung einen inneren Halt zu geben vermag. Nach einer Aussprache zu diesem wichtigen Thema schloß die bis zuletzt gut besuchte Tagung. Zum Wochenabschnitt - Pinchas und Elia Von Rabbiner D r. ' Zwei Männer stehen im Mittelpunkt der Thoravorlesung und der dazu gehörigen Haftara dieses Sabbats, zwei Männer, die scheinbar jeder zwei unvereinbare Gegensätze in sich vereinen: Pinchas, der Enkel des Hohenpriesters Aharon, der selbst ein Priester, ein Künder des Friedens, in seinem Eifer einen Fürsten niederstieß, weil er mit einer Midjar.iterin Götzendienst trieb, und Elia, der gewallige Prophet, der in furchtbarem Zorn das erregte Vclk am Karmel veranlaßte, 400 Baalspropheten dem Tode zu weihen, der andererseits dem letzten Gottesmanne Maleachi als der Künder des Messias, des Friedensboten, erschien, der „das Herz ,der Eltern zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Eltern führt" und bis heute uns als der Bringer alles Guten gilt. Unsre Weisen glaubten, daß Pinchas in Elia wieder aufgelebt sei: „Pinchas ist Elia", so sagten sie. Sie erkannten in beiden die Gegensätze vereint: Eiferer und Friedenskünder verbünden sich zu einer Einheit, wenn der Eifer und die Friedensliebe zur rechten Zeit geübt, wenn jede von beiden Eigenschaften sich auswirkt nach der notwendigen Richtung hin. Klein, Düsseldorf. pifer ist am Platze, wo es gilt, innere Uiberzeugung, Heiliges zu verteidigen gegen Angriffe anderer, {gegen Verletzung Fremder. Nur derjenige kann mit Achtung der Ueberzeugung anderer gegenübertreten, der mit ganzem Eijer seiner eigenen Ueberzeugung sich hingibt. Er wird dadurch, daß er selbst von der Heiligkeit seiner Sache überzeugt ist, die Heiligkeit der fremden Ueberzeugung ' achten und sparen. Bei allem Eifer, mit dem er für seine Meinung ein rifct, oder vielmehr gerade wegen des Eifers, wird er. die Liebe nicht außer acht lassen, wahrhaften Frieden, der ni< ht zu verwechseln ist mit Selbstaufgabe, sondern charaktervolles Wissen um sich selbst und darum um den andern zur Grundlage hat, suchen. *» . 1.* Solch ein Eifer ist weit entfernt von Fanatismus, es ist wahrhaft um ihn etwas Heiliges. Der Friedle, der erkauft ist um den Preis der Selbstaufgabc, kann kein dauernder Friede sein. Wast ist die Folgerung aus dieser Erkenntnis für uns? -4-

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