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Der Jugendbund · 1926-06-17 · 10 (17.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
10 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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„Auf jedes angefangene 50 (anstatt 100) der Mitglieder entfällt eine Stimme." Die Statutenänderungen werden en bloc angenommen. Eingegangene Anträge: Antrag 1 betrifft „Jüdische Blätter". (Wortlaut siehe unter „Angenommene Anträge".) Paul üu [freund, Berlin, vertritt die Ansicht, daß nur für 75 Prozent der Mitglieder bzw. der Familien das Halten der Zeitung empfehlenswert ist. Die Abstimmung ergibt: Angenommen mit 63 gegen 51 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen. Antra* 2. (Wortlaut stehe unter „Angenommene Anträge".) Antrag 4, 5, 6 betrifft „Vcrbandsnadcl und Wimpel". Es entspinnt sich eine Debatte, in der einerseits auf die Kosten bei Einführung der Vcrbandsnadcl, anderseits aber von Ilse Hamburger, Berlin, auf die Notwendigkeit eines gegenseitigen Erkennungszeichens hingewiesen wird. Der Antrag wird angenommen. Antrag 9 betrifft UrlauBsaustausch (Wortlaut siehe unter ..Angenommene Anträge"), wird ohne weiteres angenommen, und die praktischen Vorbereitungen der Ausführung werden Waldemar Strauß, Berlin, übertragen. Antrag 10, 11 betrifft Unterstützung der kleinen Vereine und Büchcraustausch (Wortlaut s. u. „Angenommene Anträge"), wird angenommen." Antrag 12 (Wortlaut siehe unter „Angenommene Anträge"), wird angenommen., Referent! Dr. L ü f f 1 e r , Frankfurt a. M. Antrag betriiit Siedlung (Wortlaut siehe unter „Angenommene Anträge"), wird angenommen. 2. Wahlen. Das Präsidium übernimmt während der Wahlen Dr. Lazarus, Wiesbaden. Fritz Schwarzschild macht im Namen des Hauptausschusses folgende Vorschlüge: Für den Beirat: ' Dr. Gustav Löffler, Frankfurt a. M., als Vorsitzender;""- Dr. Alfred Apfel, Berlin; Dr. Cora Berliner, Berlin; Elsa Hirsche], Dresden; Dr. David Krombach, Essen; Dr. Paul Lazarus, Wiesbaden; Dina Schuf tan, Erfurt; Gustav Spier, Haigerloch (Hohenzollcrn); Komm.-Rat Maximilian Stein, Berlin; --- Siegfried Weinberg, Wunstorf (Hannover). Für den geschäflsführendcn Ausschuß: Dr. Klein, Düsseldorf, wird per Akklamation unter'stürmischem Beifall der Versammlung zum L Vorsitzen« den gewählt; Herbert Felsenthat, Düsseldorf, stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer; Karl Göritz, Chemnitz, Schilzmcisler; ' werden ebcnfnlis unter dem Beifall der Versammlung per Akklamation gewählt; Die Wahlen der übrigen persönlichen Vorstandsmitglieder haben das aus der VorsLandsliste ersichtliche Ergebnis.: Schluß der V o r m i t t a g s s i t z ung. Dr. Klein, Düsseldorf, eröffnet die Nachmilta^ssitzung. Es folgt das Referat von Herrn Dr. Hugo Hahn, Essen, über: „Das Erziehungsproblem in den Jugendvereinen". Dieses Referat wird im Wortlaut in der Julinummer der „Jüdischen Blätter" veröffentlicht. — Das ganz hervorragende Referat, das inhaltlich und formal den Höhepunkt der Tagung bildete, behandelte in ausführlicher Weise und mit praktischen Hinweisen die Erziehungsfrage. £jn das von der Delegiertentagung mit stürmischem, sich immer wieder erneuerndem Beifall aufgenommene Referat schloß sich keine Diskussion an. Nach kurzen Schlußworten von Fritz Schwarzschild und Dr. Waller fand die sechste ordentliche, Delegicrtentagung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Verband ihr Ende. - Schluß der Dclegiertentagung nachmittags 6 Uhr. Kurzer Bericht über die Besprechung der Junggruppenführer veranstaltet vom JJV. Worms, unter Leitung vom Max Kaufmann, Worms. Anwesend: Wesermünde, Bremen, Jülich, Düsseldorf, Erfurt, eine nach außen gerichtete Religiosität. Deshalb sind die großen Jugendbildner tief religiöse Menschen gewesen. Den religiösen Menschen treibt es zum Erziehen. Wie er an sich ein Schöpfer zu werden sucht, will er es am anderen werden. Nachdem Baeck so den innigen Zusammenhang zwischen .Religion Und Erziehung aufgezeigt hat, entwickelt er das Besondere der Religion in der Pädagogik des Kindes und des jungen Menschen. In klarer und überaus feiner Weise zeigt er, wie unsere Religion durch eine Welt von Bildern und Gestalten zum Kinde spricht, wie nicht Sätze und Mahnungen vor dem Kinde stehen, sondern lebendige Menschen, die seine Phantasie immer wieder beschäftigen. Seine Welt, in der es lebt, gewinnt eine Bedeutung dadurch, daß es von Gott hört, ihn vernimmt. So kann seine Phantasie zur sittlichen Phantasie werden. Es erfährt seine Pflichten nicht als Gebot, sondern als Bild des Weges, den es selber gehen kann. Es geht „mit Gott". So wird im zarten Alter der Weg der Jugend vorbereitet. Im jungen Menschen wird der Intellekt wirksam, er steht der Welt gegenüber, grübelnd, fragend, zweifelnd. Leben und Ich trennen sich voneinander. Alle Pädagogik ist hier Pädagogik vom zweiten Ich, ist die Aufgabe, auf dieses einzuwirken. Die sittlfche Vernunft und der sittliche Wille werden jetzt gestaltet. Die Religion hat hier wieder eine besondere Aufgabe: Sie will das zweite Ich formen, so daß es zur bestimmenden Kraft des Lebens wird. Die Phantasie wird zur Erkenntnis, das Bild zum Gebot. Das jüdische Leben wird aufgerichtet als Führung und Forderung für das Dasein. Religion ist hier Religion des Gebotes und des Zieles, der Verwirklichung. Wer dessen sich bewußt ist, wird die Brücke zwischen jung und alt finden, weil er weiß, daß beide Generationen etwas haben, was über sie hinausreicht. So gibt unsere Religion auch dem Allen etwas, was es ewig jung machen kann: sie will ihn davor bewahren, Philister zu werden, Phantasie und Zukur.flswillc sollen in ihm stark bleiben. Der religiöse Mensch bleibt jung! In seinen Kindern gewinnt er Kindheit und Jugend wieder. Wahrlich, wenn wir mit Baeck wahre Religiosität erfassen, werden wir Klarheit gewinnen bei unserem religiösen Suchen. - 9 In seinem Aufsatz über „Die Problematik der jüdischen Erziehung" legt Viktor Kellner all die Schwierigkeiten offen, die der Erziehung zum Judentum entgegenstehen: das Leben in unjüdischer Umgebung, das Fehlen der Gemeinschaft in strängen Sinne, die Unsicherheit des Bewußtseins von unseren Wesen. Das Problem der jüdischen Erziehung scheint ihn zu sein: Wie ist jüdische Tat möglich ohne Verzicht auf jüdischen und allgemein-menschlichen Kullurwert? Als einzigen Ausweg sieht er: die Sache von allen Enden zugleich anzupacken, im Vertrauen darauf, daß durch redlichen Willen und ausdauernde Arbeit, wo theoretisch ein Ausweg nicht zu sehen ist, ungeahnte Wirklichkeiten entstehen. Als stärkster Faktor für diese Erziehung erscheint ihm die hebräische Srirache, welche geeignet ist, Vergangenheit und gegenwärtige Wirklichkeit zu verbinden, den Alltag zu heiligen. Von den übrigen Aufsätzen erwähnen wir den von Siegfried Lehmann: „Von der Straßenhorde zur Geroeinschaft", „Das Kinderdorf im Emek Jcsreel", von Pugatschowr „Joger.dnot in Palästina", von Moses Calvary; „Ucber religiöse Erziehung", von Elfriedc Bergel-GTonemann, und „Erziehung zur Tradition" von Ernst Simon. Wir behalten uns vor, auf} diese später noch einzugehen. „Menorah", Jüdisches Familicnblatt Jür . Wissenschaft, Kunst und Literatur; Sonderheft zur Hygiene der Juden. Wir macherf'unsere Freunde, besonders diejenigen, Welche die Gc-solei in Düsseldorf besucht haben, auf dieses Heft aufmerksam, weil es geeignet ist, dasjenige, was in dem jüdjischen Pavillon gezeigt wird, roch deutlicher zu machen und zu vertiefen. Rabbiner Dr. Eschelbacher. Düsseldorf, schreib: über „Religion und Gesundheit", Dr. Siegmund Feist über „Die Ethnographie der Juden", Dr. M. I. Gutmann über „Jüdische Eigenart und moderne Biologie", Dr. Einst Simon über „Grundlagen jüdischer Wohlfahrtspflege", Dr! Munlv.er über „Leibesübungen bei den Juden , Dr. «Sindler über „Palästina — Jüdische Erneuerung". Die vorzüglichen Felder werdejn von dim kenntnisreichen Wienet- Rabbiner Dr. Max Griirtwald erklärt, 9- K.

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