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Der Jugendbund · 1926-06-17 · 10 (17.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
10 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Dr. Kronheim, Bielefeld: Die Sehnsucht nach dem Ewigen charakterisiert uns als Menschen der Idee. Das Ewige ist unser Ziel. Der Weg geht über das Judentum. Alle Sehnsucht muß eine Form haben; die Form ist die jüdische. Löwenstein, Düren: Was Salomon gesagt hat, ist der Ausdruck des liberalen Judentums. Der Schwerpunkt wird gelegt auf Erziehung zur Objektivität; das ist Verkennung der Lage des deutschen Judentums. Den jungen Juden fehlt die Kraft zur Entscheidung. Bacharach, Hannover: Der Redner kritisiert die .Rede' Salomons. Improvisiere so viel du willst, aber bereite dich gut vor. Wir haben eine Idee und kennen das Wort Verantwortung. Richtig und wichtig ist trotzdem die religiöse Einstellung. Wir müssen Gelegenheit schaffen, den zweifelnden Menschen zu helfen. Dr. Schönberger, Aachen, spricht vom Begriff der Sehnsucht als Weltanschauung. Die Kritik de.Jonges ist berechtigt, aber nicht seine Behauptung, daß die Religion abgewirtschaftet hat. Die Gottesidee muß Ausgangspunkt, Ziel und Folge sein. Gottesidee ist Ziel und Ausgang. Herbert Felsenthal, Düsseldorf: Uns eint die Sehnsucht, Menschen, die Juden sind, bei uns zu vereinigen; wir brauchen die Menschen. Der Verband hat die Aufgabe, die deutsche Judenhcit der Zukunft heranzubilden. Schluß der Versammlung des ersten Tages. Zweiter Tag. Dr. Klein eröffnet die Tagung. — Fortsetzung der Aussprache. Dr. Klein: Im Judentum steht der eine Gott der Vielgötterei des Heidentums gegenüber. Die Idee der Einheit ist maßgebend für unsere ganze Einstellung. Wer die Tradition und die Religionsphilosophie kennt,- weiß, daß das selbstverständlich ist. Das Judentum ist nur unter dem Gesichtspunkt der Einheit zu verstehen. Es sagen die Alten: Du sollst dich nicht abtrennen von der Gemeinschaft. Gemeinschaft ist das Höchste, was das Judentum kennt. Daneben ist natürlich auch Wert auf die Ausbildung des einzelnen zu legen: in bezug auf Wissen und Charakter. Nur dann kann der einzelne ein Glied der Gemeinschaft werden. So ist die Neutralität zu verstehen. Der Wille zur Gemeinschaft ist Wille zum Judentum. Nur-Partcicinstcllung ist etwas Unjüdisches. Der'Verband leistet eminent jüdische Arbeit Darauf können wir schon stolz sein. Die Propheten weisen darauf hin, daß die Gemeinschaft das Höchste und Letzte ist. Der Weg muß zur Gemeinschaft hirführen. Diese kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden, denn verschiedengeartete Menschen müssen verschiedene Wege gehen. Der Verband will in dieser Idee das Höchste sehen. Um des Zieles willen wird er sich mit anderen zusammensetzen, die einen anderen Weg als den ihren betrachten. Es ist wichtig, das Jüdische zu betonen. Wir müssen versuchen, den anderen zu verstehen. Unter diesem Gesichtspunkte ist es sehr?u bedauern, wenn man vergißt, daß bei vielen Alten das, was in den Jungen lebt, auch vorhanden ist, sich nur in anderer Form äußert. Durch äußere Einwirkungen haben sich die Alten nur in der Form geändert, ruhiges Dasitzen bedeutet noch lange nicht, daß auch innerlich Ruhe herrscht. Während die Jungen herauspoltcrn, was sie bedrückt, und verlangen, daß die Alten Rücksicht auf sie nehmen, wäre es vielleicht angebracht, zu bedenken, daß auch die Alten das Recht haben, Rücksicht zu fordern und Verständnis zu verlangen. Zum gegenseitigen Verständnis darf der Wille nicht fehlen, sonst kommt es zu keinem Zusammenschluß. Unsere Arbeit soll .alles umfassen, was Probleme des Judentums sind. Man soll nicht einseitig werden. Die Arbeit in den Vereinen wird auf deutschem Boden geleistet.. Wir befinden uns in Deutschland und sind auch in deutschen Gedanken groß geworden. Die höchsten Grundsätze der Vaterlandsliebe sollen gepflegt werden. Seit der Berliner Tagung hat das in den Statuten gestanden. Anderseits ist es selbstverständlich, daß nichts unterlassen werden darf, was zur Einführung in die gesamten jüdischen Probleme dient. Keiner ist da, der den Willen hat, das zu unterlassen, denn dadurch würde die Plattform verlassen, auf der der Verband steht. Jeder junge Jude soll zur Idee der Gemeinschaft und ihrer praktischen Auswirkung geführt werden. Diese Auswirkung soll sich auch auf die Gemeinde erstrecken, jeder soll praktisch in der Gemeinde mitarbeiten. Die Idee der Ge- — 7 meinschalt ist eine Tat, die vollführt werden muß. Jede einzelne Richtung muß dem Verband ihre Kräfte leihen. Ein Brief Dr. Apfels wird verlesen. Dr. Lazarus, Wiesbaden: Die persönliche Bindung muß gefunden werden, das ist die Aufgabe der einzelnen Vereine und des Verbandes. Eine neue Form der jüdischen Gemeinschaft soll dadurch gefunden werden. Dr. Cohn, Chemnitz, wünscht, daß der Verband Wege finde, den Zersplitterungsbewegungen entgegenzutreten, nicht nur aus egoistischen Gründen, um unsere Anhängerzahl zu vergrößern, sondern aus der Ueberzeugung heraus, daß vor allem in den kleineren Gemeinden der von uns begangene Weg der einzig mögliche ist. R ü I f, De t m o 1 d : Es ist Sache der Jugend, stets zu ringen, immerzu den Weg zur. Erkenntnis zu suchen. Die Hauptsache ist aber, daß wir erkennen, w o wir stehen. Fühlen wir die Verantwortung auf unseren Schultern ruhen, so entwickelt sich in uns das Pflichtbewußtsein. Und aus dem Pflichtbewußtsein kommt uns das Gefühl der Gemeinschaft, und daraus erkennen wir unsere erste Aufgabe: Erziehung zur Gemeinschaft. Arthur de Jonge, Hamborn: Mir scheint ein Mißverständnis vorzuliegen, wenn hier angenommen wird, daß ich gestern aus einer Verzweiflungsstimmung heraus gesprochen habe. Ich gab eine' Erkenntnis, die wohl manchen Frommen als von Verzweiflung verfolgt erscheinen muß, die aber in meinem Falle starken Zukunftsglauben mitbringt. Ich bin nicht der Mensch mit der jugendlichen Resignation, noch der mit der greisenhaften Skepsis, was beides zu meiner Belustigung hier über mich gesagt wurde. Es gibt auch Menschen, denen die Skepsis eine Methode ist, Gegebenheiten zu prüfen, ohne daß die innere Glut ihres Wesens vom Bedenken erstickt wird. Etwas mehr erkennende Kritik, etwas von dieser methodischen Skepsis wünsche ich euch, liebe Freunde. Ich hätte es begrüßt, wenn zu der ..Ansicht, die ich gestern vertrat, nicht nur Rabbiner, sondern auch junge Menschen gesprochen hätten, denn bei den Rabbinern, deren Beruf und Berufung über Menschen ich hier nicht in Zweifel setzen will, werde ich das fatale Gefühl nicht los, daß sie in einer Weise pro ecclesia sprechen, die allzu leicht mit der pro domo verwechselt werden könnte. Was ich euch gestern sagen wollte, war, daß es in unserer Mitte ein übertünchtes Grab gibt: die Frage nach der Wirklichkeit der jüdischen Religion. Ich stehe vor euch und schildere eine Situation: Ein großer Teil der Juden hat den alten Glauben verloren. Glauben heißt, sein Vertrauen anf etwas setzen, auf eine Macht oder eine Kraft. Wir vertrauen nicht mehr auf das alte Symbol: Gott. Damit fällt auch das Ritual, und mit dem Ritual die letzte Form, in der eine tote Macht existieren kann. Was wollt ihr hier wieder lebendig machen? Was soll hier reformiert werden? Wir haben einen Vorschlag gehört, der allen nichtreligiösen Eltern um der Kinder willen auferlegte, so zu tun, als os> die Form des alten Glaubens noch sinnerfüllt wäre. Ich glaube, daß gerade wir eine solche Zumutung verwerfen müssen, nicht nur, weil sie unserem Lebensstil nicht entspricht, sondern auch, weil sie das Problem verkennt. Form ohne Inhalt ist tot. Und Löffler, der keine bestimmten Formen der Religion will, nur metaphysiche Verwurzelung, evlutionäres Streben nach dem Reiche der Gerechtigkeit, ihm halte ich entgegen: Inhalt ohne Form zerfließt. Was wollen die anderen? Freund Bacharach als orthodoxer Jude wird nicht begreifen, daß man aus unreligiösen keine religiösen Juden „machen" kann, daß sich Vertrauen nicht erzwingen läßt. Dr. Schönberger, der den Glauben auf den Willen zum Glauben abstellt, denkt nicht an das, was hinzukommen muß, wie der Schern in die tote Lehmmasse des Golem. „Ich will vertrauen!?" Dieser Satz steht am Anfang aller Enttäuschungen. — Und Dr. Nobel entgegne ich: Das „jüdisch-psychische Empfinden", die „Achtung vor der Religion", die „historische Betrachtung der Religion" — all das ist nicht die Religion selbst. All das ergibt ein wässeriges Ethos, ein verdächtiges Pathos, aber nicht das, dessen Nahen wir in allen Gliedern spüren, den kommenden Logos. Scheint uns mir der Nihilismus zu bleiben? Lesen wir nicht jüdische Zeugnisse aus der ganzen Welt, die eine grauenhafte seelische Wüste darbieten? Belügen wir uns nicht Erkennen wir, daß der Unrcligiöse,

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