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Der Jugendbund · 1926-06-17 · 10 (17.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
10 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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lingt erst dann, wenn wir das Gewaltmäßige in uns überwinden. Not tut »ins die Kraft der schenkenden Liebe, an der wir arm geworden sind. Diese Liebe soll wirken als zentrale Kraft in den Bünden: sich bemühen, dem anderen zu helfen, ihn zu dulden und zu bejahen; die Kraft der Liebe als gestaltende Kraft freimachen. Es genügt nicht nur, zu hören und anzuerkennen; im Verband wie in manchen anderen Organisationen der Jugend fehlt der ehrliche Wille, die Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Uns 'tut not das eine: -ein Gelöbnis aus freiem Entschluß, das, was 'man als richtig anerkannt hat, draußen im Leben zu verwirklichen. Die Tagung darf nicht schließen, ohne die ernste Frage oller nach der jüdischen Kraft, die lebendig werden soll, dann wird das Leben blühen inv Verband. ' Holzer, Frankfurt a. M.: Salorcon hat gesagt, die Jugendbewegung ist eine Kraft gewesen, und er schließt daraus die Folgerung, daß sie für uns nicht mehr in Frage kommt. Ich muß dies sehr bezweifeln. Wenn die jüdische Jugendbe-wej£un;2 es nicht fertiggebracht hat, müssen wir, von unserem Standpunkt aus, eine Folgerung machen, nicht wie Salomon, die Bewegung verneinen, sondern den jungen Menschen, der noch vom Wesen der Bewegung einigermaßen erfaßt ist, trotzdem in unserem Kreise zu halten. Waldemar Strauß: Zu der Frage „Deutschtum und Judentum'- und der des Zionismus. Es ist falsch, wieder neue Resolutionen zu. fassen^ hierdurch ist nichts getan. Wählt Tüchtige aller Richtungen in euren Vorstand! Diese werden tchon dafür sorgen, daß auch ihre Note vertreten ist. Es ist heute morgen gesagt worden, wir sollen nüchtern sein. Seid nicht zu nüchtern, denkt daran, daß viele auö der Jugendbewegung neue Tätigkeitsgebiete suchen. Dr. Krombach, Essen: Die Kernfrage ist und bleibt die religiöse. Neutralitätsidec heißt, die Tagesideen zurückdrangen vor dem Großen, Wesentlichen, Gemeinschaftsarbeit nach außen. Zur Frage Deutschtum und Judentum: das Fundament für jeden ist die Beziehung zur Heimat und zum Staat: das Heimatgefühl ist überparteiisch. Arthur de Jonge, Hamborn: Ich bekenne, daß mir der heutige Tag zwei entscheidende Erlebnisse brachte: das Referat Löff'.ers und den draußen in heller Begeisterung vorbeimarschierenden Stahlhelm. Es geht nicht an, daß wir uns diesen Erlebnissen gegenüber nur aufnehmend verhalten; wir müssen sie zu unserem Weltbild in Beziehung setzen. Wir müssen sie kritisieren, einordnen, um Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Ich sehe die Begeisterung bei den Slahlhelmieuten und sehe auch die Lauheit hier im Saale. Ich frage mich nach dem Grunde. Ich frage: Warum ist hier keine Begeisterung, ^sondern mit Ausnahme der Worte Löfflers ein langweilendes Gerede um den Kern der Probleme herum? Der Grund ist der, daß der Stahlhelm eine hinreißende Idee hat. während wir vergeben, eine Idee zu haben. (Ohol-Rufe.) Kommt mir nicht mit euren bleichsüchtigen Forderungen und blassen Zielen: mit der Neutralität, der Autorität, der Gemeinschaft und dem Sport. Sie lassen kein Herz höher schlagen, sie haben keine brennende Frage gelöst, sie haben keinem jungen Juden die Möglichkeit gegeben, auf der Erde zu stehen. In diesem Sinne erkläre ich, daß ich mit dem Referat Salomons -unzufrieden bin .bis ins letzte und nur bedauere, daß ich mich wegen der zu knappen Zeit nicht eingehend mit ihm auseinandersetzen kann. Wenn man vom Wesen des Verbandes sprechen will, muß man die jüdische Situation erkannt haben. Wenn man \on Zielen spricht, muß man seinen Ausgangspunkt kennen. (Zwischenrufe.) Ihr seid sonst die ersten, die das urjüdischc Recht der Kritik in Anspruch nehmt. Ich versiehe e\:re Santtmut und Milde nicht, wo es um eure eigene Angelegenheit geht. Ich jedenfalls lasse mir durch kernen empörten Zwischenruf mein Recht auf Kritik nehmen. Denn ich sehe nicht nur den sehnsüchtigen Menschen in unseren Reihen, sondern auch den satten, der im V ollbcwußtsein seiner Verbandsarriviertheit, uns, die wir uns noch um die Probleme mühen, mit Protestrufen zu kuschen versucht. Erkennen wir unsere Lage. Ich spreche hier nicht nur für mich, sondern im Namen einer Anzahl Freunde, wenn ich euch unsere Ansicht sage, daß die jüdische Religion nicht mehr das ist, was uns verbindet und den Boden bildet, auf dem wir leben. Ich sage euch, daß die jüdische Religion keine verpflichtende Kraft mehr für uns hat. (Stürmische Ohol-Rufe.) Liebe Freunde, das Ohof-Geschrei ist in Fragen des Geistes kein Gegenbeweis. Ich weiß wohl, daß ich mit jener Behauptung hier in ein Wespennest greife, abek wenn ihr euch den Fall mit Ruhe überlegt, dann werdet ihr selbst zugeben müssen, daß wir, wie die Rabbiner es ausdrücken, eine entsetzliche Unreligiosität in den Großstädten wahrzunehmen gezwungen sind. (Zustimmung.) Aber das Wdrt der Rabbiner ist nur ein Werturteil über eine Tatsache, darüber, daß die jüdische Religion ausstirbt. Ich sehe nicht ein, warum man dies bedauern muß. Was den einen bindet, braucht den anderen nicht zu verpflichten. Es gibt genug d\es Gemeinsamen. So sehe ich auch, daß Löfflcr auf verlorenem Posten steht. Seine Worte waren mir ein Erlebnis, weil ich fühle, daß er im Rückzugsgefecht der jüdischen Religion mitgekämpft hat, daß hier ein Meüsch vom Geschick genötigt ^vurde, über die sterbende Religion den Schild zu halten. Nur die sind Verteidiger der Religion, die lie Anfechtungen des kommenden Unnennbaren erlitten, rieht die, für die es das Neue nicht gibt. Und der finstere Heroismus derer, die mit ihrer Sache fallen müssen, nötigt uns zwar höchste Achtung vor diesen Menschen ab, ohne daß wir uns edoch ihrer Idee beugen. Das ist die Lage, die ich für mich und einen Teil meiner Freunde hier auseinandersetze: der Untergang der jüdischen Religion. Kein neues Problem für die Wissen Jen. aber wichtig genug, es vor diesem Forum auszubreiten, weil ihm hielr keine Rechnung getragen wird. Ich weiß, daß an iliescr Ste'lc eine Anzahl Hilfskonstruktionen einsetzen, Hilfskonstruktionen, die auf! eine Erhaltung der Judenheit hinzielen. Wir brauchen sie hier nicht zu erörtern, wir wollen nur feststellen, daß sie bewußt oder unbewußt auf der sterl-cr.den ji dischen Religion stehen. Mir scheint es fast, daß die Versammlung sich der Lage sieht bewußt sein will, obwohl sie selbst eine der tollsten Hilfskonstruktionen propagiert: die Wiedererweckung der jüdischen Religion. — So löst man das Problem der Unreligiösen nicht. Euer Programm: durch jüdische G< meinschaftsarbeit die Religion wieder lebendig zu machen, zeugt von mangelnder Einsicht in die Gesetze des Werdens. I< h las einmal den tiefen Satz: „Wer die Folge zum Zweck macht, der wird den Zweck nicht erreichen." Er trifft euch. Ihr macht die Religion zum Zweck. Ihr denkt nicht an die Gnade. Ihr „macht ' lebendig. So geht es nicht. (Rufe: „Wie dann?") Ich habe euch die Lage geschildert, damit ihr wißt, woran ihr seid.' Wenn etwas in euch ist, das neben dem Untergang der Religion nicht auch den Untergang des JudeniniRs sehen kann, weil der ihm ein unerträglicher, unüherstehba.ef Schmerz wäre, wenn ihr mit uns an eine Kraft im Judentum glaubt, die der Menschheit immer wieder neue Lösungen bringen kann, dann blöibt euch nur das eine, auf das jüdische Ifrerlebnis zurückzugehen, auf das Bewußtsein unserer heiligen Verfluchung, unier Schmerzen fruchtbar sein zu müssen. (Rufe: Was solien wir tun?) Warten, wir sind das Warten gewohnt. Uns selbst erkennen. Und darum zu den Schriften unserer Vorfahren zurückkehren. Und nicht fragen, ob es einen Zweck hat. Mit demselben Heroismus an die Arbeit gehen, (nit dem man die sterbende Religion verteidigt. Es wird aber rleroismus für das Kommende sein. Nicht nach links und rieht nach rechts blicken, sondern, ich möchte das verfemte Wort ergreifen, mit Fanatismus arbeiten, arbeiten und wieder arbeiten. Heinz Kahn, E 1 b e r f e 1 d : Gemeinschaftsgefühl oder Autorität? Der Jugendbund darf nicht auf Autorität aufgebaut sein, sondern auf dem Gemeinschaftsgefühl Lehren und Lernen darf nicht in den Vordergrund gestellt werden Wesentlich ist, daß die jungen Menschen zusammenr-itzen und arbeiten. Voß, Jülich: Salomon hat keine Stellung genommen zur sozialen Lösung der Judenfrage. Die unglückliche Lage des jüdischen Volkes ist nicht besprochen worden. Richard Rauner, Kreuznach: Der Verband hat eine Krise durchgemacht, die Gutes gebracht; hat. Neue Jugend ist da: Die Familie muß wieder der Hort der Religion werden. Dr. Nobel, Berlin: Dr. Löffler sprach von dem Symbol eines Gelöbnisses. Es ist von der Arbeit und! den Zielen innerhalb des neutralen Jugendverbandes die Rede gewesen. Jede Konfession unterscheidet zwischen den ursprünglichen religiösen Empfindungen und den historischen Empfindungen. Bei Symbolen kommt es auf die psychische Einstellung an. Die altewigen und unvergänglichen Traditionen des jüdischen Volkes werden, wenn alle sie wieder kennen des Symbols •Henbar werden lassen. — 6 - die «inende Kraft

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