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Der Jugendbund · 1926-06-17 · 10 (17.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
10 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Wir nennen uns tir.cn neutralen jüdischen Jugcr.dverband. Es gibt Fanatiker, Menschen, die nicht bestrebt sind, andere auf rGrund objektiver Darstellungen zu verstehen, die sagen, das.j wss ich empfinde, muß jeder empfinden. — Neutralität grhl aus von d<?r Herrschalt des geistigen Wollens. Rein gefiihlsrr.i.fjigcs Denken zersplittert, treibt auseinander. Wir haben gesehen, daß das geistige Danken verbindet. Ein Vcrslclier.v. ollen heiiii nicht, rieh wclisnschauungsmüßig auf dtcaelne Plattform zu stellen. Ts soll keine Richtung geschaffen' werden, in der jeder dieselbe Ansicht und Lcbenscinslcllung bat,! keife Uniformierur.g des Geistes. Die große Menge der jüdischen Arbeit zusammenzuschließen, wollen wir zu einer großen gemeinsamen Arbeit aufrufen. Diese Jugend kann bereit sein, weil sie objektiv verständnisvoll bereit ist, den a:.deren jüdischen jungen Menschen zu verstehen. Wer dazu dcfl Willen hat, hat schon halb verstanden. Neutralität ist die innere geistige objektive Bereitschaft, den jüdischen Mitmenschen zu verstehen, sich mit ihm auf einer gleichen Plattform über alles auseinanderzusetzen. Es ist klar, daß Neutralität in diesem Sinne nicht Vcrwasebenheit bedeute!. Wir begrüßen die mannigfaltige Einstellung zu jüdischen Dingen. Alle finden sich nur zusammen auf Grund der inneren Bereitwilligkeit, den anderen anzu-! ren sich mit ihm gemeinsam zu unterhalten, mit ihm an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Tin zweiter Punkt ist die Frage der Autorität. Jemand sagte mir einmal: Wenn ihr euch so zusammensetzt und euch unterhaltet, dann kommt ein Dilettantismus heraus. Jemand maßt sich an, Dinge verständlich zu machen, die er selbst nur halb weiß. Die geistigen Autoritäten drängt ihr beiseite,- wollt alles selbst durcharbeiten. — Es kommt uns, die wir nach dem Kriege Wert auf diese Gemeinschaftsarbeit gelegt haben, nichtTA den Sinn, Autorität anzutasten. Was aber bedeutet Autorität? Ein Beispiel aus diesen Tagen: Die Stahlhelmleute haben den Drang, sich irgendwie unter eine gemeinsame Leitung zu (teilen, sich befehlen zu lassen. Der einzelne ist in diesem Organismus nicht mehr vorhanden, es ist nur noch eine Gruppe da. Diese Persönlichkeiten fühlen sich nur glücklich, wenn sie in der Menge aufgelöst sind. Sie beugen sich bewußt und willig unter diesen Zwang. — Das verstehen wir nicht unter Autorität. Zucht und äußere Autorität sind notwendig. Aber diese Zucht und diese Disziplin sind nicht das Höchste der Autorität. Wir verstehen darunter die Herrschaft des Geistes, die Herrschalt der nicht wandelbaren ewigen Prinzipien. Noch ein Wort zü dem, was wir Gemeinschaftsarbeit nennen. Ich gebe zu, daß wir die Prinzipien der Gemeinschaftsarbeit der romantischen Nachkriegsströmung verdanken. V. ir müssen uns dessen bewußt »ein, daß wir eine lebensvolle Gemeinschaft schaffen, daß wir uns nicht als geistige Schatten hinstellen, daß wir uns auch biologisch für das Leben einzusetzen haben. Wir haben euch dem Körper seine Pflege zu geben, denn nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist herrschen. Wir erkennen beute im Jugendbund, daß es nicht r.ur gilt, den obersten Prinzipien des geistigen Lebens gerecht zu werden, sondern Menschen mit gestählten Körpcin zu erziehen. Der Jüdische Jugendverband ist die Gesamiorgar.isatiön, die eine bewußte und gewollte Zusammenfassung aller jüdischen jungen Menschen will. — Hieraus ergeben sich cie Aufgaben des Verbandes und der Bünde. ■ Wir wissen, daß zur Ausführung -einer größeren Aufgabe Technik gehört, betriebsmäßige Anordnung: Zeitschriften, Lr.tcrhi'.rde, Rednerlisten, Gemeinschaftstreffahrlen, Sport usw. Was die Frage der Zeitschriften anbetrifft, so kann ich ganz kurz sagen, daß wir daran sind, ein kräftiges Vcrbar.dsm zu schaffen. Wir bringen auch Dinge des praktischen Lei cns zur Erörterung. Dinge des Sportes usw. Wir müssen Bllfrs möglichst lebensvoll gestalten, das Verbandsorgan muß noch mannigfaltiger werden. Bezüglich Rednerlisten ist schon manches geschehen, und ti gibt eine ganze Reihe Menschen, die, gerade in kleinen Vereinen, ohne Entgelt sprechen. Der, Verl anJ muß versuchen, diejenigen, die zu alt sind, dazu zu bringen, daß sie sich sagen: „Es ist doch jetzt ein anderer Zug; andere Menscüen müssen kommen." Jede Vcr- "ba|fdsteitung muß Wert auf Nachwuchs legen. . Wie schaffen v ir Nachwuchs? Wie sorgen wir dafür, daß wir die Jugend zj uns ziehen, daß sie keine Grüppchqn bildet, sondern bereit ist, zu uns zu kommen? Es ergibt sich diel Möglichkeit, Schülergruppen zu schaffen, jüngste Jugend durch Spiel, Tanz und Sport hinzuzuziehen, Fragen des jüdischen Lebens in leichter Form mit ihr zu besprechen, damit sie diese Fragen als etwas Notwendiges in sich empfindet, daß sie das Geistige als ein Lebensvolles fühlt. Dann aber müssen wir auch sehen, daß d^ organische Zusammenhang im Verband gewahrt bleibt. Wir müssen den kleinen Vereiren unser besonderes Augenmerk widmen, wir müssen ihnen den Zusara nenhang mit der Welt ijcwührleisten, müssen dahin wirken, dal! diese kleinen Vereine genügend mit geistigem Material versehe!, werden. — Seien üti bereit, auch den Menschen zu helfen, die auf dem flachen Lar.ie leben. Der Wert der Arbeit innerhalb der Gemeinschaft wird herabgemirdert, wenn derjenige, der nicht darauf angewiesen ist, sich trotzdem ein großes Honorar geben läßt. Nochmals die Dille: Schenken Sic der Frage allergrößte Beacitung, suchen Sic Menschen, die bereit s! :d, in die-e kleineh Vereine zu gehen, die versuchen, diese jüdischen Menschen, die genau so, oft tiefer., empfinden ah der Mensch der Groß •dt, für uns zu gewinnen. Der Betreffende soll nicht als j roßer Führer hingehen und dann weglaufen, er soll verweilen und sich mit diesen Menschen aussprechen. Der Kleinste soll ihm nicht zu gering sein, um mit ihm in gut verständlicher Form zu sprechen. — Der Verband muß eine gemeinsame Erziehung der jüdischen Jugend zu gewährleisten suchen. Wir haben gesehen, daß diejenigen, die sich absondern, die aus der Partei kommen und nur in sie hinein Wullen, bewußt kleinere Menschen werden, weil sie nicht bcmti'.it sind, aus anderen Gewinn zu ziehen und sie teil an sich nehmen zu lassen. — Von welcher Gruppe Sic hier ausgeben, .ist uns gleich. Wir begrüßen es, wennn wir alle jüdischen kulturellen Strömungen bei uns finden. Für uns jedoch muß die Möglichkeit bestehen, uns für unsere jüdische Sache einzusetzen, so, daß die ganzen Fragen von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Wir müssen aui die I gleichmäßige Erziehung bedacht sein, darauf achten, daß der Zusammenhang gewahrt bleibt, daß die Bibel immer wieder das Zentrum aller Fragen sein muß, daß wir aus ihr die Triebkräfte aller Weltanschauung schöpfen. Dann müssen wir zusehen, daß Spiel und Sport zu Worte kommen, betreiben wir die Pflege de« Körpers, sorgen wir, daß wir nicht einseitig werden. Es hat sich gezeigt, daß junge Menschen, bei denen es aul keine Weise gelingt! sie zu jüdischen Dingen hinzuzuziehen, wenn man sie zu Sport gewinnt, immer wiederkommen und nach und nach Interesse für unsere großen Ziele gewinnen. Es ist klar, daß wir den jungen Juden erst recht die Möglichkeit geben, Ihr Verantwortungsbewußtsein zu entwickeln, wenn wir sie in unsere große Gemeinschaft! ziehen. Das Schaffen in der Gemeinde und in der jüdischen; Gemeinschaft überhaupt, das Lebensvolle der Gemeinschaft, fjühll man erst in der eigenen Gemeinde. Wer zu uns kommt, Wird ganz von selbst hineingetrieben, sei es soziale Arbeit, sei es tätige Anteilnahme an den mehr oder weniger groß» n geraeindepolitischcn Dingen (Wahlen usw.). — Ein wahrer Jugendbündler, der von dem Prinzip der Neutralität licherrscht ist, ist weit davon entfernt, jemand Andersdenkenden anzupöbeln, denn er sucht ihn zu verstehen. Jeder aufrichtige verantwortungsbewußte Mensch wird so innerlich von dem neutralen Prinzip besessen sein, daß er es verahscheuung?würdig findet, einen Menschen anderer Gesinnung anzupöbeln. Es ist klar, daß wir uns nicht nur mit jüdischen Dingen be« schäfligen dürfen. Wir müssen von jedem Jug( ndbündler er* Warten, daß er sich unter das Gesetz stellt und es anerkennt, daß er das Gesetz auch aus sich heraus tief erfaßt und tatsächlich an den Staat-gesetzen mitwirkt. Wir nässen das Gesetz im Staate freiwillig bejahen, nicht nur zw in ••läufig, wir müssen den Staat stützen und zu verstehen ben So-umfassend und so vielgestaltig auch die Aufgaben der •Bünde und des einzelnen sein mögen, das BewuJlscln des Zusammenhangs mit der großen Gemeinschaft, ir die wir uns willig einordnen, wird uns Kraft geben, mutvoll an die Arbeit zu gehen. Die Herrschaft des Geistes in der jüdischen Gemeinschaft ist der tiefsie Grund- und Sinn ihrer Erhaltung durch die-Jahrtausende; diese Herrschaft des Geistes muß uns auch wieder allein Sicherung dei Zukünftigen bedeuten. — i — übt bleiben.

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