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Der Jugendbund · 1926-06-17 · 10 (17.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
10 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4f in Nordwesldeutschland 14 Vereine, hier vertreten 14 mit 17 Stimmen; in Sachsen 6 Vereine, hier vertreten 4 mit 9 Stimmen; in Mitteldeutschland 11 Vereine, hier vertreten 10 mit 10 Stimmen; in Hessen-Nassau 9 Vereine, hier vertreten 7 mit 15 Stimmen; in Baden 6 Vereine, hier vertreten 3 mit 6 Stimmen; in Württemberg 13 Vereine, hier kein Verein vertreten; in der Pfalz 7 Vereine, hier vertreten 4 mit 7 Stimmen; in Bayern 5 Vereine, hier vertreten 1 Verein mit 2 Stimmen. Wenn wir daran denken, daß es in Hessen-Nassau ungefähr 30 Orte gibt, wo keine Vereine mehr existieren können, weil die Gemeinden zugrunde gegangen. sind, dann werden wir mit dem Resultat wohl zufrieden sein können. Der Landesverband Hessen-Nassau ist erst vor einigen Wochen wieder erstanden, und er hat einen Arbeitseifer erwiesen, der vorbildlich ist. Mainz ist wieder auf den Plan getreten. Was innerlich im Verband geleistet worden ist, was die Geschäftsführung geleistet hat, läßt sich schwer schildern. Wir hatten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn die vorhandenen Mitter reichten nicht au«, um großzügig etwas anzufangen. Wir haben darauf hingearbeitet, eine gewisse Einheitlichkeit in der Arbeit der Vereine herzustellen. Ich möchte nur erwähnen, daß es gelungen ist, durch das, was wir in unsere Zeitung hineingebracht haben, in einem Teil dieser Vereine wenigstens schon einmal den Wunsch nach dieser Art Arbeit zu erwecken. Sie wissen, daß das Verbandsorgan aus dem Blatt hervorgegangen ist, das die westdeutschen Vereine geschaffen haben, aus einem Nichts heraus. Wir haben die Genugtuung erlebt, daß sich dieses Blatt ständig entwickelt hat, daß wir immer mehr Mitarbeiter gewonnen haben, und daß wir heute in unserer Verbandszeitung, die monatlich herausgeht, nicht nur der Jugend, sondern der deutschen Judenhcit etwas zu sagen haben. Uns fehlt noch das Bewußtsein davon, daß jedes Mitglied die Verpflichtung hat, dieses Blatt zu lesen und zu halten. Jedes einzelne V'erbar.Jsreit;lied zu einem Mitarbeiter unseres Verbandes zu machen, ist das Ziel, das uns vorschwebt, wenn wir diese Zeitung herausgeben. Es soll in diesem Blatt das niedergelegt werden, was eden einzelnen angeht; jeder soll sich als Mitarbeiter des Blattes und des Verbandes fühlen. Wir wir uns sonst in unserer ganzen inneren Gestaltung entwickelt haben, darauf will ich irit wenigen Worten eingehen. Wir haben unentwegt festgehalten an der tragenden grundlegenden Idee, von der wir ausgegangen sind, und haben die Ueberzeugung gewonnen, dalj diese Idee immer notwendiger wird, daß die gesamte Judenheit in Deutschland unbedingt zu dieser Idee gelangen n'.:3, die wir in unserem Verbände haben, damit eine Gesundung d?r deutschen Judenheit eintreten kann. Ich möchte sag« i, daß die Betonung des Gemeinschaftlichen, nicht nur in Worten, sondern auch im Leben, uns heute mehr nottut ah ic. Aus diesem Grunde haben wir immer darauf hingearbeitet, diese Idee immer weiter zu verteilen, sie in immer w t'ere Kreise zu tragen. Das ist uns ja zunächst einmal innerhalb des Verbandes gelungen. Wenn wir heute mit rund (0 ODO Menschen in unserem Verbände rechnen können, so bedeutet diese Zahl allerlei. Es ist vielfach so, dal man uns nicht versteht oder, nicht verstehen will. Man versucht von der Seite aus, die nur die Partei kennt, das, was uns hci'.i;» ist, in den Staub zu ziehen und in das Gegenteil dessen zu kehren, was wir meinen und wollen. Wenn man da sa£t, wir wollten, Menschen erziehen,- die überhaupt nichts sir.d, so ist das das Umgekehrte dessen, was wir wollen. Wir wollen Charaktere, und die können sich nicht auf dem Boden der Partei bilden, sendern nur auf einem freien Untergrund, a\is sich selbst heraus, und nicht dadurch, daß man sie von klein auf in eine bestimmte Schablone hineinrpannt und ihnen eintrichtert, die Dir.£e liegen so und nur so, sondern d^ß man jeden einzelnen sich orientieren läßt, und diß man es zur Aufgabe stellt, daß jeder einzelne bis zum letzten cn sich aibcitct urd untersucht, was ist deiner innersten Natur gemäß, was ist dasjenige, zu dem du dich bekennen mußt? Das ist die Aufgabe unseres Verbandes und nur unseres Verbandes. Wenn man einmal eingesehen hat, daß das, was der Verband in Wahrheit will, zum Besten des Judentums ist, und daß es das eigentlich Jüdische bedeutet, dann wird unser Verband der Sammelplatz sein für alle Menschen, die jung und lebendig fühlen und die an ihrem Judentum arbeiten wollen." Nach Beendigung des Berichts erteilt Rabbiner Dr. Klein das Wort an Dr. Robert Salomon, T r i e r : ..Gestatten Sie mir zunächst, daß ich meiner Freude darüber Ausdruck gebe, daß ich hier wirkliche Jugend vor mir sehe. Wir haben eine Jugend vor uns, von der ich hoffen darf, daß wir uns von Mensch zu Mensch und von Freund zu Freund ein Wort sagen dürfen. Die Frage, was hat man von einer neutralen: Jugend bund - Organisation zu erwarten, gab mir Veranlassung,, einzudringen in die Psyche der Nachkriegszeit, und ich saji Jugendbewegung in zersplitterter Form, mit verschiedenen Uniformen, Leute, die begeistert hinauszogen in die Natur. Eigenes Leben nannten sie das und forderten für sich das Rceht heraus, so zu leben und so zu sein. Wir v/agten kein Wort der Kritik, zogen den Hut ab vor den begeisterten Jüngern der neuen Zeit. Wir sahen eine Jugend mit zum Teil sehr starker In telhgenz, die Schranken zerbrach und für sich herrisch Anspruch nahm', so zu schaffen, wie sie es nach innerst] Gefühl sah. Sie wissen, wie ungeheuer die Kriegserscheinungen \si alle Menschen wirkten. Sie wissen alle, wie das Innere eines jeden jungen Menschen zerrissen war von einer Sehnsucht, die frei sein wollte. Das, meine Freunde, haben Sie alle verspürt. Jeder junge Mensch, der die Nöte des Krieges verspürte, weiß, was es bedeutete, als der Krieg zu Ende war, wie sich alles Luft machen wollte von den Fesseln. So ist diese außergewöhnliche Revolution zu verstehen. Diese Sehnsucht, die sich ja zu besonderen Anlässen der Weltgeschichte zeigt, schaffte einer Bewegung Raum, die wir Romantik nennen. Wie wissen, daß auf eine Zeit des übersteigerten Rationalismus die notwendige Reaktion des Gefühlsmäßigen folgt. Der junge Mensch, der Sehnsucht empfindet, wendet sich zur Natur, geht hinaus. Inmitten des Kosmos wird dein Menschen offenbar, daß er ntrrein Teil von allem ist; der Mensch fühlt: „Nicht von dir gebt alles aus, sondern von einer Kraft, der du untergeordnet bist, die du nicht"erkennen kannst, mit der du dich aber beschäftigen und auseinandersetzen sollst." Dieses Erfühlen steht in schroffem Gegensatz zu dem Menschen, der die Welt verstehen will auf Grund seines Verstandes. — Dieses Suchen, das Versenken in die Natur, bringt die verschiedenen Formen mit sich, die wir bei den Nachkriegserscheinungen der Jugendbewegung finden. Wenn der Mensch die Mannigfaltigkeit der Natur sieht, in ihr schwelgt, ergibt sich das, was wir die Fehler und Nachteile einer jeden Romantik nennen. ■ Dieses gefühlsmäßige Sichhineinversenkcn hat zwei Folgen. Die eine ist die Zersplitterungssucht, die andere das Sichgehenlassen. Wenn wir vor einem Jahre die Jungens In Köln vor uns sahen, die sich vor uns hinstellten mit einer eigenen Lebensform, mit besonderer Kleidung, die sagten: „Wir wollen uns so in der Welt verhalten, wie es unser Sinn verlangt", dann erkennen wir diese beiden Punkte. Warum diese Zersplitterung? Der romantische Mensch will überall etwas anderes erkennen, will beweisen, daß jeder Mensch verschiedene Wesensformen besitzt. Daher also die Sucht, sich zu zersplittern, frei von sich aus Revolution zu machen, der Drang, die Welt so zu gestalten, wie es den kleinen Grüppchen behagt. — . Wir haben Blauwciße, J. J. W. Ber usw. usw. Wenn wir sie betrachten, wie sie sich zersplittern, so sehen wir, daß trotz der verschiedenen jüdischen kulturellen Besonderheiten, im großen und ganzen es immer wieder die romantische Sehnsucht ist, die sie dazu treibt, und die nun einmal bei den Juden besonders stark ist. — Wenn der Jude etwas sieht, eine Anregung findet, dann ist er immer besonders kraß unld scharf. Er tut das, was er tut, möglichst ganz. Wenn wir uns nur eine jüdische Diskussion betrachten, so sehen wir, wie der einzelne Jude mit seiner ganzen sezierenden Schärfe sich für das, was er sagen will, einsetzt. Der Jude geht geradeaus von den ■großen Strömungen, die wir die Herrschaft des Geistes über die Welt nennen, und die sittlichen Grundlagen des Manschen, den Willen zur lebensgestaltcr.deti Tat. — 3 —

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