Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 10 (17.6.1926)
- Date
- 1926-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Am 21. und 22. Mai Nach vier Jahren trafen sich zum ers,tcn Male wieder die Freunde und Mitarbeiter des Verbandes'zu gemeinsamer Arbeit. Für viele gab es ein freudiges Wiedersehen mit alten, werten Freunden. Mancher wurde aber auch bedauernd vermißt. Viele neue Gesichter tauchten auf, und die frohen Stunden, die durch die Veranstaltungen des J. J. V. Düsseldorf der Tagung vorausgingen, waren ganz besonder? geeignet, auch bei den neuen Freunden die für unsere Arbeit so wesentlichen freundschaftlichen Beziehungen herzustellen. Li dem gemütlichen, für einen Massenbesuch natürlich nicht ausreichenden Heime der Düsseldorfer Freunde vereinten sich zu einer feierlichen Freita^abcndfeier die bereits anwesenden Vorbandsfreundc aus dem Reich, mit den Düsseldorfer Gastgebern. Die Freitagabendfeier ist wohl wie keine andere gceigno't. von vornherein Beziehung auch zwischen sich fremden Menschen zu schaffen, und die gemütliche Stunde im Jugendheim war ganz besonders d?zu angetan. Freundschaften entstehen zu lassen. Am Samstag morgen waren wir zusammen in der Synagoge, wo im Rahir.en des Festgottesöienstes unser heutiger Verbandsvorsitzender in amtlicher Eigenschaft uns warme Worte der Begrüßung widmete. Der Samstagnachmiitag war dem Besuch der Gesolci gewidmet. Wenn es schon schier unmöglich erscheint, auch nur annähernd den äußeren Eindruck dieses gewaltigen Werkes deutschen Fleißes und deutscher Wissenschaft zu schildern, so versagen die Worte vollkommen, wenn man sich bemühen wollte, auch nur einiges von dem Inhalt dieser umfassenden Ausstellung zu sagen. Ich glaube nicht, daß schon oft in gleich vollendeter Harmonie die Natur, genialische Künstlerschaft und selbstbewußter Wille zur aufbauenden Arbeit sich zu einem , M großen Ergebnis einen konnten. Unser Hauptinteresse galt verständÜcherwcife an diesem Nachmittag dem ,,Jüdischen Pavillon", dessen genauer und ausführlicher Schilderung eine der nächsten Nummern unserer Blätter "gewidmet sein soll. Dieser Pavillon „Hygiene der Juden" ist, ganz abgesehen von seiner ungeheuren propagandistischen Bedeutung, eine Tat, für die der Düsseldorfer Gemeinde und ihren führenden Männern der Dank der ganzen deutschen Judenheil gebührt. Besonders ' stark wurde während der Pfingsttage der Jüdische Pavillon von den Stahlhelmlcutcn besucht, die sich — wenigstens nach ihrem durchaus korrekten Betragen und der würdigen Ruhe zu urteilen — dem starken Eindruck dieses stolzen jüdischen Werkes nicht entziehen konnten. Es wäre verfehlt, fiber das außerordentlich instruktive Material, das über ..Hygiene der Judcri" hier zusammengetragen ist, Andeutendes zu sagen. Das -wird, wi« gesagt, ausführlicher und von fachmännischer Seite im Rahmen dieser Blätter geschehen. Am Samstagabend lud uns der Düsseldorfer Jugendverein zu der offiziellen Begrüßungsfeier in das Heim der Loge. Die zahlreichen auswärtigen Freunde wurden in außerordentlich freundlicher Weise zunächst von Mine Meyer, Düsseldorf, im Namen des JJV. begrüßt und dann weiterhin von Gemeinde, Loge und Frauenbund, «fcn Gegensatz zu sonstigen Bcgrüßungsveranstaltungen war dieser Abend fast ausschließlich dem freundschaftlich-geselligen Zusammensein gewidmet. Ihre künstlerische Note empfingen diese Stunden durch die Vorträge des Sprech-Chors des JJV. unter. Leitung von Herbert FeWenthal. Der jubelnde Beifall der Anwesenden dankte den Freundenfür diese künstlerische Leistung, die sich besonders durch zwei Tsalme und die Chöre aus „Jeremias" auszeichnete. So waren die gemeinsam verlebten anregenden Stunden durch ihre glückliche Form besonders dazu angetan, die geeignete Grundlage für die Tagung zu schaffen. Sie erreichten, daß sich ein Kreis von'Freunden zu den ernsten Beratungen zusammensetzte. F. S. Protokoll der Delegiertentagung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands am 23. und 24. Mai 1926 in Düsseldorf Um 11 Uhr vormittags eröffnet der Vorsitzende des Verbandes der Jüdischen Jugendvereinc Deutschlands, Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf, die Delegiertentagung und begrüßt mit herzlichen Worten die Vertreter der 70 anwesenden Vereine. Sodann begrüßt er den Vizepräsidenten der Großloge U. O. B. B., Herrn Dr. Walter. Berlin, und erteilt ihm das Wort. - Dr Walter. Berlin, begrüßt die Versammlung und sichert dem Verband die wärmste Unterstützung der Großloge zu. Die Versammlung bestimmt: als Tages präsidium: Dr. Klein, Düsseldorf: Dr. Hahn, Essen; Dr. Loeffier, Frankfurt a. M.; Dr. Lazarus, Wiesbaden; Heinrich Guttmann, Chemnitz; Dr. Krombach, Essen; als S*c h r i f t f ü h r u n g : Edith Goldberg, Düsseldorf; Marianne Hilb, Konstanz: Helene Eckstein, Bamberg; Edith Cohn, Berlin; als Hauptausschuß: Schwarzschild, Frankfurt; Göritz. Chemnitz: Hagelberg, Konstanz; Berliner, Berlin; Deutsch, Mainz: Felsenthal, Düsseldorf; Bonnin, Bielefeld; Hammerschlag, Göttingen; Kaufmann, Aachen; de Jonge, Hamborn:- Herzfeld, Frankfurt. Dr. Klein geht zum ersten Punkt der Tagesordnung: Bericht, über und führt aus: „Sie gestatten mir, daß ich Ihnen von diesem Platze aus, ganz formell, meinen Bericht erstatte. Es liegt nicht in meiner Absicht, Vergangenes neu autzurühren, Klagen zu führen usw. Ich will Ihnen kuea berichten, was im Verband seit Anfang Dezember vorigen Jahres, wo der Vorstandsposten auf meine Person übergegangen ist, vorging. Ich möchte betonen, daß der bisherige Vorstand bzw. der geschäftsführende Ausschuß, ein provisorischer ist; nur die Delegiertentagung hat das Recht der Vorstandswahl. Wir haben uns damals nicht leicht entschlossen, dieses Amt auf uns zu nehmen, denn nachdem es Gustav Löfflcr in aufopfernder Weise versucht hat, das Schiff des Verbandes durch die Brandung zu leiten, und nachdem schon einmal ein geschäftsführender Ausschuß durch eine Führerversammlung in Frankfurt gewählt worden war und dann sein Amt niederlegte und meinte, daß die Dinge nun weitergehen kannten — nach diesen Vorgängen war es nicht so einfach und kein leichter Entschluß, an die Spitze des Verbandes zu treten. Wir haben es getan aus dem Gefühl heraus, daß alles getan werden muß für den Dienst unseres geliebten Verbandes. Wenn es uns zu einem Teil gelungen ist, ersprießliche Arbeit zu leisten, so ist es neben den Bemühungen der verschiedensten Persönlichkeiten auch zu einem großen Teil der Gunst der Zeit zu danken. Wir wissen genau, wirtschaftlich betrachtet, sind bei uns in Deutschland die Nöte groß. Aber es ist auch inzwischen, vielleicht gerade durtih die Not. eine gewisse Bereitschaft entstanden für das, was wir in unserem Verband wollen. Lassen Sic mich Ihnen kurz darstellen, wie der Verband jetzt aussieht: Wir haben sämtliche Landesverbände, mit Ausnahme von Bayern, wJe nach der Bonner Tagung, wieder herstellen können. Auch in Bayern ist es so, daß eine ganze Reihe arbeitender Vereine da sind,, und es kommt nur darauf an, diese in einem Landesverband organisatorisch zusammenzufassen. Auch in Gemeinden, wo die Vereine von uns fortgingen, sind einzelne entstanden, die den Weg zu uns gefunden haben. Ostpreußen zum Beispiel hat wieder zwei arbeitende Vereine. — Im ganzen können wir haute mit rund 120 Vereinen rechnen. Von Vereinen, von denen wir wissen, daß sie arbeiten, sind tätig: Im Landesverband Westdeutschland 22 Vereine, hier vertreten 15 mit 19 Stimmen; in Rheinland und Westfalen 13 Vereine, hier vertreten 12 mit 21 Stimmen; — 2 —