Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Dinge macht, dort der feste Boden des göttlichen Gesetzes, das auch den jungen Menschen sich Untertan machen will, das mit seiner Macht die Institutionen menschlichen Zusammenlebens durchdringt und die Autorität zu einer Grundlage jüdischen Lebens macht. Beide Anschauungen schließen sich glatt aus, und eine Jugendbewegung, die mehr oder weniger klar und ausgeprägt die Ideen und Empfindungen der freideutschen Jugend sich zu cigeii macht, mag wohl in ihrer kontreten Form eine Vereinigung von jungen Menschen jüdischer Abstammung sein, eine jüdische Bewegung ist sie bestimmt nicht. Die unerfreuliche Lage, die — als Ganzes betrachtet — die jüdische Jugendbewegung in Deutschland heute aufweist, geht III einem guten Teile darauf zurück, daß man in sie Tendenzen hineingetragen hat. die nun einmal mit jüdischer Gesinnung nicht vereinbar sind. Die unerfreuliche Kniwicklung insbesondere in den. parteimäßig, aber nicht religiös orientierten Verbänden, die aus Krisen, Umgestaltungen und Diskussionen nicht herauskomme:), beweist, daß tiefgehende Verschiedenheiten in dcr^Crundauffassung sich in Schwäche und Unklarheit '''nhlick (lul .das Ziel auswirken. Jede Assimilation, die an die dem Jud"ntum eigentümlichen Lehren heranreicht, rächt sich, indem den SpaKpilr der Zersetzung heranträgt, und eine Anpassung, die am grundlegenden Prinzip der Autorität rüttelt, zerstört das ganze Gebäude. Man kann nicht verkennen, daß auch der neutrale Jugendverband in vergangenen Jahren dadurch gelitten hat, daß dem Judentum wesensfremde Anschauungen über Jugendbewegung sich in ihm breit gemacht haben. Wenn heute die Krise uberwunden ist, so darf man auch der Ursachen gedenken. Der neutrale Jugendverband ist keine religiöse Vereinigung, weder im Sinne der parteipolitischen Entscheidung nach rechts, 'inks oder der Mitte, noch ist er auch nach dem Vorbilde der evangelischen oder kathi,iischen Vereine zu Zwecken positiver reii-;. . er Betätigung gegründet. Aber er ist jüdisch, und die Grundlagen jüdischer Kthik müssen auch die seinen sein. Auch er muß gegründet sein auf dem Bewußtsein de* Autorität, nicht der Abhängigkeit von Menschen und Einrichtungen, aber der Verbundenheit mit dem ewigen Geiste jüdischen Gesetzes. Und wenn auch gewiß Altdr und Jugcrd sich in Tausenden von Dingen, die in diesen Blättern oft berlihrt werden,, unterscheiden, wenn der Jugend durch ihre Entschiedenheit, i.'.re Reinheil, ihren Idealismus und ihren herrlichen Mut die Kräfte aufweist, die formell der adäquate Aufdruck jüdischen Wesens. s:ud, so kann Segen und Zukunft "nur erwachsen, wenn vor .allem Wirken auch jene* gewaltige AutorfUHfbewußtsein -'rh erhebt, mit dem das Judentum steht urd fällt Und darr.n vor dem Wocher.'c-tc. dcri Tagen der Offenbarung des ewigen götttichen Gesetzes;'/zu denken, ist Pflicht eines jeden Juden, der Alten wie der Jungen! Unser Judentum Von Bez.-Rnbb. D r. ß < (Fortsetzung.) Mit jedem solcher Wundercrlebnii-se will Goil an unser I Herz- und ein Stuck Erziehungsarbeit an unsrer Seele verbringen. Unser Volk hat so in herrlichen Waltungen seinen | Gc.lt e-fahren in der Befreiung aus AcgvpWits Not, an der Errettung beim Durchzuge durchs Schilfmeer, am Sinaiberge, wo es in den unzerstörbaren Bund mit seil.cm Gölte trat. Solche Erlebnisse haben die großen A'änncr unsres Volkes in Gottes Dienst gezwungen und den Propheten für Gottes Offenbarungen die Herzen aufgetan. So ward die Lehre Gottes -.uisres Volkes Seele, von der es heißt: „Die Lehre Gottes Ist vollkommen, erquickt die Seele." (Ps. 18, 8.) 6. Der G c b c t s e r h ö r e r. Leben in Gott heißt Religion oder hebräisch beris, das heißt Gottesbund üder Licbcsgcmcinschafl mit Ceti. Im Gewissen spürt man Gottes Lenkung, die zum Guten_ treibt und vom Bör.cn zurückdrängt — Daas elohim ... Gotteseikenntnis. Dieses Goltesbewußtsein weckt Vertrauen zur Vatertreue Gottes — emuno Glaube. Die Verehrung in Wort und Werk \or Gelles Allmacht und Weisheit heißt Frömmigkeit, ,.|iras elohim". Aus der Sehnsucht nach Gott erwächst das Gehet. In ihm werden wir uns der Gemeinschaft mit Gott und seiner Fürsorge um uns bewußt. Wie die Blume den Sonnenstrahl trinkt, so brauchen wir Licht aus der Höhe. Oft ist schon ein bloßer Gedanke ein Gebet: „Wenn auch die Lippen schweigen, so betet doch das Herz und die Gedanken steigen beständig himmelwärts." Die Wirkung des Cobeles ist wie die des Golfstromes, er ist im Meere äußerlich nicht zu sehen, aber er macht das Klima der Länder, durch die er fließt, mild. Gotteskräfte werden durchs Gebet in uns leberdig. Spricht das Gebet des Anfängers noch: Mein Wille sei Gottes Wille, so lernt man in Gottes Schule sohi:eßlich beten: Gottes Wille sei mein Wille. 7. Der Einzige. Ihm aliein gebührt volle Hingebe. Er allein isl die .Macht, die allem zugrunde liegt. Der Eir.ig-Einzige! „Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Fwige ist einzig." (Dut, 6, 4). „Wie er ewig, ohne Ende wie olyie Anfang ist, so ist er der Unvergleichlich-Ei habene, dem kein zweites Wesen zum Genossen gegeben und zum Vergleiche an die Seile gestellt werden kann." (Gl. das Gebet Adon olom.) Darin liegt der scharfe Einspruch des Judentums gegen die Vielgötterei wie gegen jede Teilung der Gottheit in eine gule oder böse Macht oder gegen jede Zerlegung des Göttlichen in mehrere Personen. „Ich bin es und keiner ist außer mir, der das Licht bildet und die Finsternis, der das Uebel schafft und den Frieden stiftet, ich der Herr mache alles." (Jes. 45, 7.) Und der Talmud sagt — 11 Art ermann, Heilbronn. ganz in diesem Geist» „Jude sei" heißt, gegen jede V ielgötterei Widerspruch "ärhebtn." Zu dc-o Glauben an den Einie/Kinzigcn als den Vater :i 'er Menschen und als d..s sittlich.: Vorbild für unser Streben v. ird eir.sl die ganze Menschheit gelangen. „Der Ewige wird denn zum König über die ganze Erde; an jenem Tage wird der Ewige eir.;-.^ sein und sein Name einzig sein." (Sack. 14, 9.) 8. I) e r U n s i c h t b a r e. Gott, die einzige Geistesmacht, v. eiche die Welt regiert, ist cnkörpcrlicli ur.d gestaltlos. Und Mose sprach: „Zeige mir dach deine Herrlichkeit." Da antwortete er: „Ich will vorüberziehen lassen all? meine Gute vor deinem Angesichte, ich wer;':C den Namen Giittes vor dir ausrufen, ich verde begnadigen, den ich begnadigen will; ich werde mich erbarmen, wessen ich mith erbarmen will!" Und er sprach: ,,Du ka-.nst :i:cin Antlitz nicht sehpn. denn nicht licht mich der Mensch, der Mensch, so lang er lebt." (Ex. 35, IS—20.) Von dem Sinaierlebris heißt es: „Ihr habt keinerlei teslalt gesehen." (D*. 4, 12.) i . Unabhängig von Raum und Zeit ist er der Welt überlegen, der überzeitliche Gott, wie ihn das Gebert verherrlicht: O Herr der Weit, der da gewaltet, Eh' noch ein Wesen ward gestaltet. Da auf dein Wort das All erstand, 'Da warst zum König du ernannt. Und wenn zerfällt das Weltenganze, Du herrsehest danv allein im Glänze. Du warst und bist seil Ewigkeit, Ohne End' und Anfang in der Zeit. 9. Der heilige Gott. Kern und Stern aber der jüdischen Lehre ist, daß Gott heilig, d. h. voll von allem Guten und frei von allem Bösen der- Inbegriff aller Vollkommenheit ist und aller Gille. Nur er ist von jedem Hauche des Schlechten völlig rein. Darum heißt's: „Heilig ist keiner außer dir." (I. Sam. 2. 2.) Nach Heiligkeit streben isl des Menschen Pflicht und so immer mehr das Ebenbild Gottes in sich zur Entfaltung zu bringen: „Heilig sollt ihr werden, denn ich bin heilig, der Ewige, euer Gott." (Lev^ 19, 12.) Es gibt keinen andern Weg für den Menschen, Gott zu dienen, als ihm nachzustreben und in Gemeinschaft mit dem „Heiligen, gelobt sei er", zu immer höherer Lauterkeit i sich emporzuarbeiten: „Der heilige Gott will durch Gerechtigkeit geheiligt werden." (Jes. 5, 16.) So hat auch Jesaiks scinet) Gott erfaßt in den Worten, die im Hciligungsgebet — ^eduscha — täglich gesprochen werden: „Heilig, heilig, heilig ist der Ewige der Heerscharen, voll isl die ganze Erde seiner Herrlichkeit!" (Jes. 6, 3.)