Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1926-05-01 · 8 (1.5.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
8 (1.5.1926)
Date
1926-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492456-6352473-6352482--0110-4928318
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Frei von allen Grenzen i-.ijd Schranken, ist Göll die Fülle von Güte urd Gerechtigkeit: „Der Fels, untadelig ist sein Tun, .alle sei.ie \X ege sind gerecht'. '. (Peut. 32, 4.) ..Gott i t treu . d « hrhafl; r dlich ixt das Wr>ft Gottes und all sein Tun ist Ttreu'c."!t's. 33. 4.) Seid gar.:ei Wesen ist vollendete Sittlichkeit: ..Ich. der i'i-i'.e. üba Liebe. Recht und Gerechtigkeit njüf t'rden und habe daran Wohlgefallen," spricht der Ewige. '(Jjcr. 9. 23.J ..Gnädig und barnherzig ist d?r Ewige, langmütig lind ceich arr C .-: tatig st der Ewige gegen alle und sein Irbärmeri ist i her alle seine Werke." (Ps. 115, 39.) 10. Der al 1 g ii t Ige Gott. Gottes \ erÜeric ist reicher als die Liehe menschlicher irr: „Kann ii:ch ein- Weib seines Säuglings vergessen, daß es sucti seines.lieben Kindes nicht erbarme? Und wenn auch eine Mut!« r xc.-giL't, ich v ,il dein nicht vergessen.' (Jes. 49, 15.) .IV.'tnn Vater :.nJ Müller ir.icli verlassen, nimmt der Ewige ip'ich auf." (Ps- 27, 10.) .Allein auf unsern V'aler, der da ist ii Himmel, ' nieh v ir uns slttzen." lautet ein trostreiches Wort der ' Icn. ..\V,c ein Vater sein Kind, so erzieht dich der Ewig dtin-Get;." (Deut. 3. 8.) Dieser Glaube lehrt uns, 'alles, was Colt tut, als auN Gute angelegt anzusehen, wie ja bereits bei der Li Mischen Erzählung von Colt als dem Welt-;»cböpfer beitn! wird;-..Gott sah alles, was er geschaffen hat, i:r:d siehe. •:'• <..• r gut." (Optimismus.) Hier liegt auch.der Kein uhen Hoff: g, d?!3 der endgiitiga Sieg in' der In dieser Gewißheit wurzelt-unser Gottver.'.rauen. In den lerchtbarcn ' . die in den finsteren Jahrhunderten, der terfolgi . . e Vater. trugen, sprachen sie: „Alles, was der 1; rmherzige gl chi^hl nun Guten,'' und hielten es mit pi Sprach« des v.e sen Srrach: . Gold wird im Feuer geprüft, cid diel:'.: gc Gottes in 'den Flammen des Leides." (Sir. 2, 5.) . . Als Kir.J Gottes 'rat darum jeder die Flicht. Gott mit r'arier Irbrrnst zu liebe::: „Du sollst lieber, den Fwigcn, deinen Coli, mit de: .:- ganzen fierzer, mit deiner ganzen Seele und t-: d-.inci rzrn V.erm [en." (Deut. 6, 4.) Es ist, wie wenn damit;>.:;• wird, habe in deinem Innern keinen Bezirk, auf Bcnt 'i . Fahne deines liru.iüschen \ aters weh!. Ganz (mit G<~t: bis hinein in de-» Tod, wie so manche Fromme eher j .ter Qualen gc.x;orben ytid, als daß sie ihrem Gölte die *1 rruc brechen (Märtyrer). Und c e-e: Gott schwebte für prophetische Frömmigkeit nicht in weltentrückter Ferne, sondern tag mit seinen Vereitern ai-ch durchs dunkle Tai der Leiden. „Fürwahr, ich bin ein Go'.t in der \ähc. und nicht bloß ein Gott aus weiter Ferne.'' (Jcr. 23, 23.) Dieses Propheten Leben hat ja die trilumphicrer.J: P-iacht e:ner SceTe, dieim Gott wurzelt, aufs!'-rriich> e gezeigt. Jeremia w;urde an den Pranger gestellt, [»eine Seele '• iieb in Gut!; er schmachtete i:n Kerker, sein Auge such:.- ihn; er litt Schmach und Hohn, sein Inneres sah «.n Helfer; er sank in die Schlammgnibe. sein Herz lühlte seines Gölte« Nahe. An dieser Liebe Gottes haben alle Menschen teil, nicht nur die Juden. Alle Menschen sind Nachkommen Adams und Evas, des einen Elternpaares, Ebenbilder und Kinder Gottes und untereinander Brüder; deswegen ward nur ein Mensch geschaffen, als Ahnherr aller späteren, damit sie nicht heftig einander befehden. „Streit und Feindschaft herrscht auch jetzt, welcher heiße Kampf würde wogen, stammten die Menschen von verschiedenen Ureltern ab," heißt es im Talmud. Abraham empfing die Verheißung: „Durch dich sollen gesegnet werden alle Familien der Erde." (Gen. 12, 2.) Und in der Otfcnbarur.gsslundc am Sir.ai erging das Wort: „Mir gehört die ganze Erde. Ihr aber sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heilig Volk." (Ex. 19, 5, 6.) Und über der Eingangspforte so mancher Synagoge prangt das Wort: „Mein Haus soll ein Bethißt sein für alle Volker." (Je. 56, 7.) 11. Der E i f e r v o 11 e. | Mi. Gottes Liebe ist wohl in Einklang zu bringen, daß er heiligen Zorn und Eifer um das wahre Heil der Mcnscbenscole Strafe über die Sünder bringt: „Ich will nicht den Tod dei Sünders, sondern da!! er umkehre von seinem Wege und lebe." (Ezech. 8, 23.) Durch die göllliche Zucht, die wir erleiden, sollen wir zur Treue und Reinheit erzogen werden. Die Leiden wollen lautern und zum Gewissen sprechen: „Wer von uns kann weilen beim verzehrenden Feuer? Wer von uns kann weilen bei den ewigen Glutcn? Wer in Rechtschaffenheit windeil und in Wahrheit redet, wer Gewinn durch Erpressung verschmäht, seine Hände abschüttelt, Bestechung anzunehmen', w< r sein Ohr verstopft, Mordplär.e anzuhören, und seine Augen veischließt, am Bosen den Blick zu weiden, der wird auf Höhe wohnen, auf felsenfester Burg. Sein Brot wird ihm gereicht, sc n Wasser ver.-.ieciit nicht. Deine Augen schauen den König in seinerSchönheit, überbacken ein weitesGebiet." (Jes. 33, 14fr.) 12. DerAilge rechte! Nicht alles Leid aber ist Gottes Strafe, es gibt Leiden, die Gott verhängt, um den .Menschen immer enger an sich z-u ziehen: Schmerzen der göttliches Liebe, die tiefer hincindringen in Gut'.gemeinschaft und Gebet. Schön hat Jic.cn Gedanken ein moderner Dichter ausgesprochen: Ertrage du's, laß schneiden dir den Schmerz Scharf durchs Gehirn und wühlen hart durch Herz. Das ist der Pflug, nach dem der Sämann sät. Daß aus der Erde Wunden Korn entsteht, Korn, das der armen Seele Hunger stillt. Mit Korn, o Vater, segne mein Gcfild. Reiß deinen Pflug erbarmungslos den Pfad, Doch wirf auch ein in seine Furchen Saat. (Fortsetzung folgt.) Die Arbeit im Verband Da» Protokoll über d:c Tagung des Badischen Landesverbandes, die ani 24. und 25. April in Konstanz stattfand, bestätigt den erfreulichen Eindruck, den die Berichte des Vor itzenden F ritz Hagelberg machten. Wir entnehmen dem Protokoll, daß in Konstanz der Verein die gesamte Jugend der Gemeinde zusammengeschlossen hat und als Sammelbecken des jüdischen Lebens in Konstanz angesehen werden kann.. In Heidelberg gibt man sich große Mühe, den Indifierentisratis zu überwinden, in Karlsruhe setzt sich der Verein nur aus Jugendlichen zusammen, im abgelaufenen Winter sjr,d 26 Veranstaltungen abgehalter wordenJ Durch Stadtrabhiivt r Dr. Schill wurden regelmäßig Freitagabendfeiern eingeführt. Der Verein in Emmendingen, der erst vor kurzem wiedererweckt worden ist, hat schon sehr schöne Erfolge zu verzeichne : Seine Arbeit bestand in einem Vortragszyklus über die Bibel, mit stets rejer Aussprache. In Pforzheim steht der Verein im Mittelpunkte des jüdischen Interesses. Die Mitglieder treffen sich viermal (!) in der Woche. Die Arbeit dieses Vereins ist mustergültig. Auch in Freiburg hat es der Verein verstanden, die Zentrale der gesamten jüdischen Jugend zu werden. Sehr gut bewährt hat sich die Bestimmung, daß jedes Vorstandsmiigüed mindestens 2 Vorträge halten muß. Besonders hervorzuheben ist das Bemühen des Vereins um die in der Nähe liegenden Landgeineinden, eine Arbeit, die auch von andern Vereinen in Angrift genommen worden ist. Der Oberrat der Israeliten in Baden soll gebeten werden, diese Tätigkeit durch Bereitstellung von Mitteln und den Einfluß der Bezirksrabbinate zu unterstützen. Die Betätigung der Vereine auf sozialem Gebiete wurde als dringend notwendig bezeichnet. Im Oktober soll wieder eine Tagung in Karlsruhe, im August eine Treffahrt aller badischen Vereine zum Feldberg veranstaltet werden. Die Wiederbegründung des Hessischen Landesverbandes am 8. April in Frankfurt a. M. ist das erfreulichste Ereignis der letzten Wochen. Der Verband hat unter dem Aforsilz von Erich Herzfeld, Juliusstraße 8, seine Arbeil in vollem Umfang aufgenommen. Er ermahnt seine Vereine zu intensiver Tätigkeit, will im Sommer Treffahrten veranstalten und den Landvereinen durch Vorträge Anregung geben. Die Wiedererweckung bzw. Neugründung von Vereinen wird tatkräftig betrieben. So ist denn schon der JJV. im März unter Führung von Dr. Picard neuerstanden. Die erste Versammlung dort war ein großer Erfolg. Ein großzügiger Arbeitsplan ist aufgestellt, eine starke Wandergruppe hat ihre Tätigkeit schon begonnen. Der Montefiore-Verein in Frankfurt geht selbstverständlich als stärkster Verein des Landesverbandes mit — 12 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.