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Der Jugendbund · 1926-05-01 · 8 (1.5.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
8 (1.5.1926)
Date
1926-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Bjkdcraum, der bei den alten Bädern meist tief unter der I rde lag. wc«l so aufs bequemste das den rituellen Vorschriften genügende Grundwasser 7u erhalten war. Solche tief unter der Erde liegenden Reste sind natürlich am ersten von den kriegerischen Wirren verschont geblieben, denen so manches kpltur- und kunstgeschichlliche Wertvolle zum Opfer gefallen ut; cloc'i;<! ans z. B. in Worms auch auf der Oberfläche des Erdbbde s ein etwa derselben Zeit angehörendes Gebäude erhalten geblieben: der älteste Teil der Synagoge, an den erst ipä vT die 1 raaensynagage angebaut wurde. Ganz in der Nähe i - eist später erbauten Raschikapelle der aus zwei rohen Steinen bestehende sogenannte Raschistuhl zu sehen, apf dem der berühmte Erklärer der jüdischen Lehre, Rabbi Sblomo ben-ffsaac,!040—1105, seine Erläuterungen an «eine Si ilcr icjben haben soll.- Und -nach jenen weit zurück* liegci den Zeiten werden uns.durch einen Gang über dt'n alten Fried!-'»! allmählich auch die späteren Jahrhunderte nahespäte xl; an jden schmucklosen, höchstens mit einigen Rosetten •.vT. Steinen vorüber fuhrt der WejJ.an den sterblichen . -.eher unsrer literarischenGrößen, vorbei. Von Worms, •h eines der wenigen jüdischen Museen zu besichtigen re es ttjcileichtiangebracht, einen Abstecher nach Frankt< jen,-'üm. dort einen zweiten .-.Iren Friedhof zu beder pedeutenJeA-Meistern die letzte Ruhestätte gibt. ti fällt' wieder die' Schmucklosigkeit der Grabsteine atnfer d-.r Inschrift, welche auf das Wirken des Vertrfzug nininii, höchstens das Häuszeichen tragen, e'm ffJäterhin ... . ft der Familienname gewählt -wurde. Von der Judengasse selbst sind durch die verschiedenen Brände und durch feindliche Beschießungen in den vergange« nen Jahrhunderten nur wenige und auch nur späte Rest* erhalten geblieben, deren Abbruch aus historischen Gründen verhindert wurde. In einem solchen auch nur knapp 150 Jahre alten Gebäude können kulturgeschichtliche Reste aus den letzten vier Jahrhunderten unsrer jüdischen Vergangenheit betrachtet werden; es sind hier allerdings nur Gegenstände zu. sair.mengestellt, die nicht im Freien zu finden sind; aber ein Juger.dwanderer scheut es auch nicht, alle Lampen, Malereien und ähnliches anzusehen, wenn es sich um kulturgeschichtliche Werte handelt. Und wenn er dann von hier weiterzieht, so möge er auf die fernere Wanderung die Anregung mitnehmen, die ihn in Zukunft veranlassen soll, Neues zu entdecken; denn gerade der jugendliche Wanderer kommt durch kleine und kleinste Orte und hat da mehr als irgend jemand sonst Gelegenheit, selten oder nie Gesehenes zu entdecken. Vielleicht gelingt e* dann dem einen oder andern, durch Zeichnung oder Photographie .ein Gebäude oder einen Raum oder irgendeinen Gegen* s'.arul festzuhalten, der durch die Ueberlicferung am Ort oder durch eine Inschrift als Rest aus der jüdischen Vergangenheit anzusehen ist. Es wäre erwünscht, daß solche Abbildungen de^ Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler eingereicht würden; dort kann der glückliche Finder über seihen Fund Auskunft erhalten, wenn er in den bereits vor* handelten Veröffentlichungen der Gesellschaft vergeblich Gleichartiges gesucht haben sollte. , I Zum Wochenfeste — Autorität Von Rabbiner Dr. Felix G o 1 d m a n n , Leipzig. Da« tvsfe Wort vom Sinai ist kein eigentliches Gebot! „Tel der Einige, bin d- ':: Ci'.t, der ich dich aus dem Lande hiijausgcfuhrt habe-, aus dem Hader Knecht- Ks «:.'.'.•. eine Tatsache fest, es legitimiert gewisseride Vi '.« rkündor der Cebote, es schafft den Boden des Vjcrtr: us!!;cr Gott, dessen gewaltige Hand in der Befreiung pteüs Not s-.ch bewährte, er darf verlangen, daß man st (icbi Jen gehorcht! _ ■ . :> aber kündet die Zusammenstellung der B e ftc'.iu'r-g aus der Knechtschaft und dir Offenbarung m : > . Dien -'Knechten in Aegypten hii'.te die göttliche ßotegeben. Die Laune des Sklavenhalters war ihnen ja ers>ws Gtsetz. Ebenso aber luittc die Befreiung allein rici . Vermocht, ihnen Menscher.recht und Menschenwürde zu . 0hne die Gesetzgebung wären sie -eine Horde \ i i ei lasseien Sklaven geweren. a •«:.-. der Wucht des Gegenhen in der'neuen Lage ständig der Verführung zum Mißbrauch der Freiheit ausgeliefert. Errt die Verbindung schuf Menschentum! Cime Freiheit hat Jas Gcic.z nicht Kraft ii h \ . 1.,'r.;', ohne die Autorität des Gesetzes ist die Freiheit eine Ge'ahr! I A'-'cr die IVerbinäurig schuf auch Judentum! Charaktetch wurde für ihr Werden und l eben der Begriff der Ji ti; .» r . | ä t! Von dem göttlichen Gesetze strahlt sie aus i durchdringt alle Beziehungen des Mer.schenseins. Djs dolteswort jluidet Leine Kritik und keine Nachprüfung, fest sieht es in seiner Kratt. und nur völlige Verwerfung oder ganze A rkennuftg kann es geben! Seine Autorität ist so gewaltig, e!ali es das garre jüdische Leben in eine bestimmte Richtung gedrängt hat', Ueberall stand, festen Boden den Menschen und ihrem Wc-ke gebend, die Autorität. Kinder sahen in Khrfurcht auf ihre Eltern. Schüler saßen in liebevoller Scheu zu d.s Lehrers FiiCen. willig unterwarf der Bärger sich dem Staate, rr.d r.lle Glieder des Judentums waren sich freudig dieser Abhängigkeit bewußt, die sie nicht als eine Minderung, •Andern als eine,Mehrung ihres Menschentums ansahen. Das war auch selbstverständlich, denn in dem Gefühl der Abhängigkeit war nicht blinder Gehorsam, stumpfe Unterweisung die herrschende Strömung, sondern die rechte Einschätzung menschlicher Freiheit und menschlichen Könnens. ,.Dir liegt es nicht ob. die ganze Arbeit zu \ ollenden, aber du hast auch nicht das Recht, dich ihr zu entziehen." Kein Mensch steht für sich allein, keiner kann über das Wirken vergangener Zeiten hinwegsehen, jeder ist das Produkt der gesamten Geschichte seiner Gemeinschaft. Und bei aller Gebundenheit'ist doch im Judentume Freiheit. Fest im Gewesenen wurzelnd, hat jeder selber ein tragendes Glied des Ganzen zu werden, viel oder wenig nach seiner Kraft beizutragen. Und das Gefühl, der Autorität Untertan zu sein, hemmt nicht, sondern es beflügelt den Willen, macht die Bahn frei. Keiner braucht von vorn anzufangen, jeder ist nur ein Vollender, er setzt Begonnenes fort, und je stärker in ihm das Bewußtsein der Autorität ist, um so freier wird er über seine wirkenden Kräfte \erfiigen und Neues schaffen können. Das Judentum beruht auf der Autoritätl Aber auf der Gottes und nicht auf jener, die irrende, sterbliche Menschen aufrichten. Autoritätsglaube und unterwürfiger Sklavengeist wohnen dicht beieinander. Und dennoch ist der Jude stets der innerlich freie geblieben! Nicht von Menschen und ihren Werken war er abhängig, nicht von Autoritäten, die ihre Daseinsberechtigung lediglich aus ihrem Willen zur Macht herleiteten. Sinn der jüdischen Autorität war und ist, daß sie am Maße des Göttlichen gemessen werden kann und dann besteht. Und der jüdische Mensch ist frei in seinem Prüfen) Jede Autorität, die von ihm Anerkennung heischt, wertet er. Und allein was Geist ist vom Geiste des Sinai wird ihm zur Macht, der er sich unterwirft. Was aber Menschen, abcrv.iiz zum Idol erhebt, verachtet er und wendet sich ab. So klärt sich das scheinbare Rätsel, daß der Jude konservativ und umstürzlerisch zugleich ist, daß er scheinbar blind autoritätsgläubig und autoritätslos zugleich sein kann. Er kennt eben nur die eine Abhängigkeit von dem sittlichen Gesetze Gottes, während die Welt andre Bindungen schafft, die für ihn als Menschenwerk, wenn sie nicht aus dem Geiste des Gottesgesetzes geboren sind, verpflichtende Kraft nicht haben. Und wenn man das bedenkt, klärt sich der innere Widerspruch, in dem die jüdische Jugendbewegung von heule sich innerlich verzehrt. Wie auf allen Gebieten wirkt auch in ihr der Einfluß der Umgebung. Daß jene gewallige Aufrüttelung der ljugendlichen Geisler, die unser Vaterland aufwühlte und aufwühlt, die in den Ideen und Talen der freideutschen Jugend ihren sichtbarsten Ausdruck fand, an den Pforten des Judentums nicht halt machen konnte, ist klar. Schwierig-wurde die Lage aber sofort, wenn jüdische Jugend im Bewußtsein ihrer Abstammung und unter Betonung ihres Judentums sich vereinte, dabei aber den Weg der freideutschen Jugend in dieser eder jener Gestalt zu gehen sich anschickte. Denn die Gegensätze sind gewaltig. Hier der junge Mensch, der das Selbstbestimmungsrecht der Jugend kündet, der Bindungen und Autoritäten nicht anerkennen will, der nach eigenem Willen nur auf Gnind seiner Individualität seinen Lebensweg zu bahnen versucht und den Menschen zum Maße aller - 10 -

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