Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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wendig ist, daß, mit gehört, seine Ideep stellationen mit ganz wägungen geschehen ausreichen, um die icutige Gesellschaft zu einer lebendigen Gemeinschaft umzul ormen. Daß eben eine Gemeinschaft gleichen Wollens, gl jeher Zielsetzung, nüchternster Tat roteinem Wort, eine gewisse Macht dazu durchzusetzen. Das gesellschaftliche Wollen, konkret ausgedrückt, die politische Arbeit, kann heute im Zeitalter der Masse nur durch gewisse willensgleiche Konbestimmten Zielen basierend, realen Eralso durch bestimmte Gruppen. Diese Gruppen gilt es zu e obern, sie müssen von neuein Geist, eben dem Geist der Jung«n, erfüllt werden. Wenn genügend junge Gruppen sein werden, dann werden sich die Ideale dieser Jugend langsam zu verwirklichen beginnen. Nicht abseits stehen jund träumen, das nützt nichts. Wir sind nicht um unsrer selbst willen auf der Welt. In der Heiligen Schiift heißt es: Das Leben ist uns aufgegeben. Das heißt nichts andres, als daß wir das Leben gestalten sollen. Gestalten, Verwirklichen aber kann man nicht, wenn man sich nur romantischem Schwärmen hingibt. Das soll kein Tadel sein. Es ist schon, die Natur zu spüren, es isl herrlich, mit den Kameraden dem Schönen und Großen nachzuforschen, dal. Rauschen der Unendlichkeit zu fühlen, Musik in den Nächten des Sommers zu vernehmen, in den Farben des Tages zu schwelgen. Es ist schön, mit dieser Jugend auf Fahrt zu sein. Sehnsüchte und Wünsche, Ziele und ferne Küsten werden eins, und sind Wunder, die trunken machen in ihrer Unersättlichkeit. Aber es ist gefährlich, nur Sehnsüchte zu haben, nur die Juninächte in sich zu spüren, nur revolutionäres Wollen zu äußern und nicht die Kraft zu besitzen, dieses Wollen in die Wirklichkeit umzusetzen. Nicht.große Politik von vornherein treiben. Die ganz Jungen sollen jung und frei sein. Aber sie sollen und müssen wissen, daß sie, wenn sie ihr großes Ziel verwirklichen wellen, wenn es ihnen ernst ist um den Neubau der Gemeinschaft, mit der Umgestaltung einer allen, überlebten Welt zu einer reuen sinn- und lebensvollen, sie d;-s nur in der harten Wirklichkeit des Alltags vermögen, daß sie den Weg nach Damaskus gehen müssen, ohne dabei nur einen Augenblick von ihren Zielen abzuweichen. Romantik allein führt niemals zu diesem Ziel, das sie so heiß erstreben. Jude scio heißt Kthiker sein. Ethik aber bedeutet Tat. Vorn Wandern der jüdischen Jugend Von Ida Pore«, wissenschaftliche Etwa zu Beginn des zweiten Jahrzehnts im 20. Jahrhundert beginnt einAufschwung der Jugendbewegung, dem im Laufe der Zeit die Ucrauskris'allisicrung einer ganz bestimmten Forderung folgt: das Streben, die deutsche Heimat kennen zu lernen. 'Es ist nicht nur die Lust am Wandern seifest, durch welche die Jugend aus den entferntesten Teilen des Reiches zu jfro'ier Kameradschaftlichkeit vereint wird, sondern es ist vielmehr noch das Interesse, gemeinsam das zu s»hen, was man früher nur vom Hörensagen kannte. Wozu aber bedarf es einer besonderen jüdischen Wanderbewegung? Jüdisch-literarische Vereine haben ihre Berechtigung schon durch ihren Namen begründet; es gibt eine speziell jüdische Literatur und Geschichte, die eine solche Sondergruppicrung nötig macht. Aber gibt es etwa auch ein jüdisches Wandern? Nach dem oben ganz kurz skizzierten Grundgedanken der allgemeinen Wanderbewegung, die erstrebt, die Vergangenheit am Ort der Begebenheiten wieder aufleben zu lassen, sollte es eigentlich möglich sein, auch der jüdischen Wanderbewegung ihre innere Berechtigung zu geben; iann wäre es nicht mehr der aus irgendwelchen andern Gründen erfolgte und berechtigte Zusammenschluß, der nur zu einer mehr zufälligen gemeinsamen Wanderung den Anlaß gäbe. Es sind eine ganze Reihe von Möglichkeiten in Deutschland gegeben, eine mehrtägige, auf jüdischer Grundlage .~ufgebaute Wanderung zu unternehmen. Eine geschlossene Wanderung würde sich zum Beispiel aus dem Besuch der alten Uilfsarbciterin, Frankfurt am Main. rheinischen Städte ergeben: Aachen, Bonn, Andernach, Mainz, Worms, Speier.und der dazwischenliegenden Ort ehalten: wie viele Spuren einer tausendjährigen Vergangenheit bergen diese wenigem Namen in sich. Es sind wohl Stjd'e, die heule nur verhältnismäßig wenig jüdische Einwohner haben; aber wie viele Burgruinen aus dem vergangenen Jah.tauser.d werden aufgesucht, nur um die deutsche Geschichte iii der Natu* gleichsam mitzuerleben. Und wird nicht ebenso auch die jüdische Vergangenheit viel lebendiger, wenn wir die Stätten persönlich aufsuchen, an denen unsre Großen gewirkt haben, an denen urisre Märtyrer während der Kreuzzüge gelitten haben? Und wer etwa nur u:n der künstlerischen Reize willen die alten Burgruinen aufsucht, auch der wird bei dem Berich der oben genannten Orte befriedigt werden, selbst wenn er nur vom jüdischen Standpunkt aus Umschau hält. Von den wenigen erhaltenen Judenbädern aus dem Mittelalter sind gleich mehrere in unmittelbarer Nähe beieinander: das dem romanischen Baustil angehörende Sfnd von Speicr und die etwa gleichaltrigen Bäder von Worms und Andernach. Bei einer eingehenden Betrachtung des etwa ira 1100 entstandenen Baudenkmales von Speier fallen besonders die- Nischen mit den typischen Rundbogen auf, die sich an den Längswä.idcn befinden. Ueber eine mehrere Meter in_ die Tiefe ,iinarführende Treppe kommt man in einen Raum, der durch c'n Gewölbe überdeckt ist, welches von Säulen getragen wird; von hier führt dann eine Wendeltreppe in den eigentlichen ..Partcijügendgruppeo" sind des Interesses auch unserer Freunde gewiß, da sie uns ja beständig lebhaft bewegen. FritzZielesch: „Jugend im Lande der Jtt• gen d". Gehrüder-Enoch-Verlag, Hamburg. Der Verfasser gibt gleichsam „unbekümmerte Streifrügc" durch das Leben der amerikanischen Jugend. Man spürt seine Beobachtungstätigkeit als vertrauengebendes Element, nirgends aber als einen Zwang derart, daß man ihm in eine etwa vorgefaßte Theorie glaubte folgen zu müssen. In der amerikanischen Welt verjüngt die Jugend das Alter, und dieses will sich bewußt und im restlosen Bekenntnis zur Jugend vor dem Altern bewahren lassen. Das ist das, was Amerika vorteilhaft von Europa unterscheidet. Das Buch tritt, ohne lehrhaft zu sein unmittelbar an die Probleme heran, bringt eine Fülle Tatsachen und Erscheinungen, von denen man bei uns vielfach nichts ahnt, und erscheint deswegen als ein außerordentlich wertvoller Beilrag zur Erkenntnis des amerikanischen Menschentums. Es isl eine Brücke zwischen der Jugend zweier Wellen, die sich menschlich noch gar nicht verstehen. Die amerikanische Bewegung für die Jugend sieht zwischen alt und jung nur einen Unterschied des Grades, nicht der Art. Sie sieht im Jungen den heranwachsenden Staatsbürger, und sie will ihm durch Schaffung eines Jungenslaates dasselbe Milieu mit denselben Rechten und Pflichten geben, wie es der Erwachsene vorfindet. Die Lektüre dieses Buches muß jedem von uns dringend empfohlen werden. „Volkshochschule", Monatsschrift für die Lebensfragen der Gegenwart, Heft 3, Man 1926. Konrad-Hanf-Verlag, Hamburg 8. Die Volkshochschulbewegung, hat sich allmählich in den großen Städten duichgesetzt und spielt in den Bildungsbestrebungen schon deshalb eine beachtenswerte Rolle, weil sie ein gutes Mittel ist, die verschiedenartigsten .Volkskreiäs zu heben und Verständnis zu erwecken für alle Erscheinungen des Lebens in Deutschland. Das vorliegende Heft zeigt ein Bild von dem hohen Streben dieser Bewegung. Gerhart Hauptmann, Fritz von Unruh, Wilhelm Schüler und Thomas Mann sprechen vom „deutschen Wesen und der deutschen Aufgabe", Gustav Warburg schreibt über „Englischer und deutscher Parlamentarismus". Besonders hervorheben möchten wir eine Probe aus dem wundervollen Buche Manfred Kybcrs „Unter Tieren", eine köstliche Schilderung „der K. d. R." (Kongreß der Rcgcnwürmer). Dieses Buch aus dem Verlag von Walter Seifert, Stuttgart, sei ganz besonders empfohlen. „M e n o r a h". Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, Wien, Frankfurt a. M. Nr. 5. Mai 1926. Wir haben schon das lctztemal auf diese vorzügliche; Zeitschrift aufmerksam gemacht, die in der vergangenen Nummer Bilder aus der Geschichte der Wiener Gemeinde brachte. Das vorliegende Heft ist ein Sonderheft „Jüdische Kultur in Schlesien". Jeder, der sich für die Geschichte* des Judentums interessiert, sollte sich in die. Aufsätze von Felix Priebatch, „Geschichte der Juden in Schlesien", Alfred Grotte, „Jüdische Sakralkunst in Schlesien", Emil Ludwig „Mein Vater" und Ulrich Frank „Das Haus" verliefen, die Biographien der schlcsischen Künstler Siegfried Laboschin und Isidor Aschheim lesen j und sich erfreuen an den ausgezeichneten Wiedergaben ihrer Werke. , K, - 9 —