Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1926-05-01 · 8 (1.5.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
8 (1.5.1926)
Date
1926-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492456-6352473-6352482--0106-4928314
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erotik, Geschäft, Zufall — alle möglichen Faktoren führen zu der Koinbination. So kommen wir zu dem Schluß, die Ehe aufzulösen, in ihre Voraussetzung. - 1. als religiös-nationale Institution, 2. als erotische Form, 3. als Wirtsehaftseinrichlung. „Wahle unter den Töchtern deines Stammes," lautet die erste Forderung. „Suche dir die Frau deines Herzens oder deiner Sinne," ist der Sinnspruch zum zweiten Punkt. ' Und heirate nur, wenn eis Ehe nicht für Mann und Weib Sorge bring!. Liebende find bekanntlich blind, und so werden viele Ehen v.r.'.] Mischehen geschlossea, die in sich von vornherein unm>Vlk!; sind. Wie weit eine Erziehung zur Ehe im rioderren Sirre bei der ganzen Jugend verhindern wird, bei den KicKtjuden immer das Schöne (körperlich und geistig) zu sehen, muß die Zukunft lehren. Wie steht es mit der Begegnung der ökonomischen Zusammenhinge, die in der Hcir.it ganz besonders bedeutsr.msind? ENenso wie der jüdisch; Mann eine entsprechende Mitgift fordert, verlangt die Jüdin, daß sie in der Ehe versorgt ist. beide Teile sind überlcgsam, zukunftsberechnend, anspruchsvoll, pretenziös. Die neue Jugend scheint sich etwas anders zu entwickeln. Sie legt auf das Wirtschaftliche nicht den größten Wert. Sie will sich ihr Glück nicht erkaufen. Dieser an sich wunderbare Standpunkt begegnet in dieser kapitalistischen Zeit großen Widerstanden und voraussetzt ,die Mitarbeit der Frau, was vielfach zur vollkommenen1 Beschränkung von Kindern führt. In meinem Buch: „Der Untergang der deutschen Juden", habe ich eir.c Reihe dieser Probleme verfolgt und nachgewiesen, wie kompliziert die Zusammenhänge sind. Die Bekämpfung der Mischehe, die an die Keuschvorgänge stark gebunden ist, muß also eine starke seelische Einstellung zum Judentum und körperliche Bindung an die Judenheit herstellen, die* alle ai.dern Einflüsse erotischer und materieller Natur niederkär.-i'.l. Die Durchführung dieser übermäßig starken, immer wieder neuen psychischen Bindung aller jüdischen Individuen an das Judentum ist ein Kapitel für sich. Wie weit sie mü-iieh und wie sie allenfalls zu versuchen wäre, dafür ist hier wohl nicht der Raum. Man kann diese Bestrebung kurz urr.rei.3cn in dem Schlagwort: Die Herstellung des Primats des Jüdischen in unserm Ith. Von Dr. G. d Nach einem Vortrag in einer fremden Stadt (der Name tut nichts zur Sache), während de"r Diskussion schleudert mir eine junge Kameradin mit all der schönen jugendliche:- Begeisterung, die ur.src jungen Menschen auszeichnet und die ihnen soviel Kraft gibt, dieses Lehen schön zu finden, die Worte ins Gesicht: Wir müssen ganz radikal, ganz umwälzend »ein, wir dürfen nicht auf Altem, Vergangenem aufbauen; ich halte es für ein Unglück, wenn einer vor. uns Jungen in eine politische Gruppierung hineingeht, um dort als Kämpfer un.-.rer Ideen zu" wirken. Ja, immer wieder kr-.nn man von den ganz Jungen diese Ansicht, d'Cse radikale Forderung, wie sie sie nennen, hören. Immer ist in diesen Kreisen noch ein Wort verpönt, Schreckgespenst, fluchwürdiges Verbrechen: P o I i t i k. Immer noch wissen sie nichts von dem großen, schwerwiegenden Inhalt des Politischen. Immer noch verwechseln sie Politik mit W irlschaftsintercsse, wozu ihnen ja leider die Gegenwart recht zu geben scheint. Politik ist das Umsetzen einer ganz bestimmten geistigen Haltung in gesellschaftliches Handeln, bedeutet höchste Tat. bedeutet Verwirklichen wahrhaft erkämpfter Erkenntnisse. Unsrc Jugend will, aus dem Empfinden und dem Wissen her-iis. daß die gegenwärtige Welt ein Trümmerhaufen ist, ein Immer noch Romantik? Schloß. mechanisches Konglor.ier.it widerlicher Irlcre.«>ci\ ieder tieferen Kultur bar, daß ric den Menschen nicht als Menschen nimmt, sondern ihn nur als eine Zahl mehr;in Hen groÜen Zahlenbrci hinci'.laucht, der unsre Weil ühcrUelr. emmt und vergiftet, wieder Menschen in sie hineinstellen, will diesen Menschen einen neuen, tieferen, wirklicheren Lebensweg schaffen, wiil anders sein als bisher, will das wirkliche Laben, seinen wahren Rhythmus in sich seihst spüren, will, die lebendige, fühlbare Verhurdcnhcit mit dem andern, mit der gmzen Welt. Umgestalten, ein. neues Leben, eine neu« Gemeinschaft aufbauen, können wir nur auf Grund der Beherrschung jener Form, die unserm heutigen Gemeinschaftsleben das Gepräge eir.es solchen gibt und die für lange Zeit, wenigstens in Europa, die Form des menschlichen Zusammenlebens im Gesellschaftlichen überhaupt sein v. ird, nämlich des Staates. Den Staat beherrschen heute die aiten Gruppen mit ihren Dogmen und Unwahrheiten, den verschleierten Wirtsshaftsirtsen. Diese Gruppen heißt es zu erobern. Die Zelt ist furchtbar ernst und wir stehen am Vorabend gewaltiger! Umwälzungen. Gewiß, es ist eine schmerzliche Erfahrung, die der junge Mensch machen muß, wenn er zu der Erkenntnis geiangt, daß die reinsten Ideale, das kühnste revolutionäre Wollen nicht BÜCHERSCHAU ,.R h c,i n i s c h e .1 u g e n d", Mitteilungen des Bezirksausschusses für Jugendoflcgc im Regierungsbezirk Düsseldorf, Nr. 5, Mai 1926. . Wir hatten schon mehrmals Gelegenheit, diese ausgezeichnete Monatsschrift, die in jeder Nummer wcr-entliches zur Jugendpflege und Jugendbewegung bringt, «unseren Verch'.ep zu empfehlen. Die Mainummer ist der Frau gewidmet. Sie bringt lesenswert» Aufsaize über „Das Schönheitsideal der Frau in alter und neuer Zeit", Richtlinien für ..Lcibcsübun .:en der Frau in Sport- und Turnvereinen", kurze, treffende Bemerkungen über „Frauen-.chickf-il", „Kampf gegen die moderne Unsittlicrrkeit", „Frauenstolz und Frauen-., ürde", Vorschläge für Ycrlcscabtr.de und. manches mehr. J „Arbeiterjugend", Monatsschrift des Verbandes der sozialistischen Arbeiterjugend Deu Lettlands. Mai 1926. Wenn man sich über das Wollen der deutschen Jugcrid orientieren will, darf man dieses Mathelt nicht außer acht lassen. Es a:met Lebensfreude und Vorwärtsstreben, Besonders schön sind die Wanderskizz?n mit den hirbschen Abbildungen vi n der Schwalm. Aus einem Aufsatz von Max Westphal „Verlust öder Gewinn" möchten wir einige Sätze hierherstellen, -.vcil sie auch für viele von uns wertvoll sein werden: „Bedenkt einmal, was stellt denn derjenige eigentlich dar, der sich so einfr-ch in den alltäglichen Lebenswandel einordnet und im großen Strom der '•'cnschhtit miltreibt, die für ernste und hohe Lebensziele keinen Sirn haben? Sein Dasein ist bedeutungslos, ist ein träges DahinMcGcn in der Eber..-, kein kraftvolles Bcrgaufr-chreiten, kein] kühnes Emporstreben, kein- Wille zum Kampf für ein großes Ziel. Jeder, der so lebt, steht für sich allein da, immer nur um sich selbst besorgt und um sein persönliches Wohlergehen bemüht. Der Lebenskreis ist eng, von lauter Kleinlichkeiten erfüllt, das ist der Weg zum Spießertum. Wer aber bei uns ist, der ist eingereiht in einen großen Bund der Jugend . . . ejr'ist nicht mehr so ein verlorener, vereinzelter Lebensbrocken, er ist ein Glied eines gewaltigen, lebendigen Organismus, und was dann das Bedeutungsvollste ist, er str.-bt mit diesem Organismus hohen Mcn-schheitszielcn zu." „Das junge Dcutschlan d", herausgegeben vom Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände, Heft 5, Mai 1926. Dieses Heft des- Reich-Ausschusses, dem ■ auch wir angeschlossen sind, gibt zunächst einen Plan der Ausstellung der deutschen Jugend, „das junge Deutschland", die 1927 in Berlin stattfinden soll. Die Ausstellung gliedert sich in vier große Abschritte: 1. C-esamtübcrsichten, 2. Die Verwendung der Freizeit der Jugendlichen, 3.- Jugend und Kultur, 4. Oeffentliche Vorträge und Darbietungen. Wir hoffen, daß es auch uns möglich ist, uns an dieser wichtigen Schau zu beteiligen, und rechnen auf die Unterstützung unserer Vereine. Die Themen: „Schwierigkeiten der Jugendpflege in der Kleinstadt" und — 8 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.