Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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jüdischen Zeitgenossen. Es kommt nicht darauf an, daß man eure Namen mitnenrit. Man nennt auch nicht 'die Soldaten, die eine Schlacht gewonnen haben, aber ihre Führer, die den Lorbeer trafen, wissen, wem sie den Sieg zu danken haben. L'nd ich bin gewiß, u n s r e Führer werden ihre Soldaten kennen, werden in kommenden Tagen, wenn wieder mal ein Slii :k Arbeit getan ist, leuchterden Auges ihre Getreu'en gri Gen, Und wenn es unser Schicksal ist, daß das Leben uns keinen andren Kranz ums Haupt flicht als den erfüllter Pflicht, wahrlich, ich möchte den unter euch sehen, der diesen Kran« missen möchte. UnJ so geloben wir in dieser Stunde, fortan miteinander zu gehen durch Freud und Leid, durch dick und dünn, und In jeder Lebenslage füreinander einzustehen, einer für alle, alle für einen! C h a s a k! ■ Zur Delegiertentagung Von Fritz Schwa Tic Verfcandstagiing steht bevor. Wieder wird wie stets i: . ■incr.ir.kontren und Zusammensein alter Freunde starke Stimmung ausl.isen, die das Kennzeichen unsrer Tagungen \.ar. Selbst der Kritischste, der einmal in den Kreis der Mensehen hineingeriet, die aus jahrelanger gemeinsamer Arbeit starken .menschlichen Gewinn zogen und dieliefe Freundschaji miteinander vcrViar.d, vermochte sich dieser Stimmung Bichl zu entziehen. Dieses Slirr.rr.ungsmoment hat noch sUts linsre Tagungen so slark beeinflußt, daß trotz geistvoller und vründiger" Referate ur d trotz crr.er oft bcwund;rswcrtcn Sachlichkeit die kritische Skepsis, aus den Mißerfolgen des cif>7tlncn und der Gruppen herrührend, fast nie Kaum inr.crhllb der Ausspräche fand. So zeiügten diese Tagungen immer eil starkes und echtes Hochgefühl menschlicher Art, so bec— cte ein derartiges Zusammensein Gewinn für den einzelnen, so konnten auch. f?st ausnahmslos einstimmig angenomn Dutzende von Anträgen und Resolutionen reibt;n£s- und widerspruchslos das Plenum der Tagung passieren, die Wirkung cuf die Bezirl.sgruppen und Vereine war aber größtenteils gleich null. ich habe in den letzten Tagen einmal in alten „Mitteilungen und ..Jüdischen Blättern" geblättert und war bewegt. [stellen zu müssen, welche Unsumme an Arbeit einze'ner mit einem starken Aui'bauuiüen für die Verbandsarbeil dort iMren Niederschlag gefunden hat. Wie verschwindet gegenüber dieser riesenhaften Ueberfüllc an Material doch das wirklkhc Arbeitsergebnis. Es erscheint mir daher ernsthaft berechtigt, vor der Tagung einmal sich über die Grenzen der Wirkung des Verbandes klar zu werden, nicht so sehr und vor allem der Wirkung nach auGcn — über die wird ein andermal zu reden sein —, als vielmehr seiner Wirkung auf die ( pen und einzelnen \ ercir.c. Zwei Faktoren kommen, so wie ich die Dinge sehe, für diese V. irkur.g r.ach innen vor allem in Betracht, zwei Faktoren allerdings, die, pfleglich behandelt, Entscheidendes leisten können. „Keine Krisis des Verbandes, eine Krisis der jungen Führer hat das äußerlich so schlechte Bild des Verbandes in den Jahren 1924 und 1925 verschuldet." So etwa glaubte Alfred ■ [el feststellen zu sollen. Diese Feststellung hat für den, d« f die Dinge nur von außen kennt, etwas Bestechendes. Sie tfl aber so glänzend an dem Wesentlichen und den wirklichen Vorgängen vorbei, daß sie gerade heute vor der Tagung \un mir. den es ja auch angeht, nichl unwidersprochen bleiben dar;. Es lag ja der temperamentvollen Kampfnalur Alfred Apfels natürlich am nächsten, zunächst einmal irgendwo bei andern" die Schuld für den unzweifelhaften Rückgang zu suchen und nicht zunächst im eigenen Kreis herumzuschen. \ lellcicht findet man eine richtigere und vor allen Dingen iüchlich etwas berechtigtere Begründung in der großen Rede Apfels bei «einer Amtsniederlegung in Bonn. .Wie ich eingangs schon andeutete, ist das wesentlichste .Moment des Verbandes, der ja auf Grund seiner Tendenz «ciiarf umrissenc Aufgaben im Sinne politischer Grupp?n nicht h*t, die menschlichen Beziehungen und Freundschaften der führenden Spitzergruppe. Dieses Freundschaftsband, das Menschen unterschiedlichster religiöser und politischer HaKung aus c^n verschiedensten Gebieten Deutschlands verband, war in den Zeilen der Blüte des Verbandes die sicherste Gewähr er Existenz. Wenn wir gegenüber dieser zahlenmäßig nie I inderlich großen Gruppe, die bis auf verschwindende Ausnahmen auch heute noch treu zu unsrer Sache steht, die Un- «ah! der Menschen sich vergegenwärtigt, die den Verband nur pa^^cu-t hat, die irgendeiner, manchmal noch nicht sehr bedeutungsvollen rhetorischen Leistung wegen fast' prüfungs- und bedenkenlos dem Führerkreis bzw. Vorstand des Verbandes eingegliedert wurden, ohne je eine wesenhafte Beziehung zu r z s c h i 1 d , Wiesbaden. der Idee des Verbandes und seinen Menschen zu haben, «<J müssen wir uns doch sagen, daß in Zukunft für die Eignung, Führer im Verbände zu sein, ein Maßstab gefunden werden. muß,.der Sicherung gegenüber derartigen Mißständen gewährleistet. Ich will selbstverständlich keinesfalls die gute Absicht derjenigen in Zweifel ziehen, die derartigen Menschen eine I Wirkungsmöglichkeit im Verbände geschaffen haben. Aber auch der Optimistischste in dieser Beziehung diirfte doch nun allmählich ins Kl?rc gekommen sein, um zu wissen, daß diese Kategorie von Schönrednern und Geistspritzern den Verband nur als Folie für ihre Person benutzt hat und in Zukunft, falls ihnen Gelegenheit dazu gegeben wird, wieder benutzen wird. Wir müssen gerade jetzt in den schlimmen Jahren gelernt haben, daß eirc geistn; wesentliche Hallung, gepaart mit menschlicher Treue und wirklicher Vcrbundenhii', mit unsrer Sache allein zu einer führenden Rolle im Verband ein Recht gibt, Sehl euch in Zukunft die Menschen, die ihr euch an!üh« rende Stelle setzt, genau an. Laßt euch nicht von einer gelegentlichen Leistung blenden — sie mag noch so anerken* nenswert sein. Der Verband will Dauerndes, Zukunftsichcrn« des. Das werden aber nur'Menschen leisten können, die treu sind und opfcrvoll. Schafft euch so den Führerkreis, der die Existenz des Verbandes sicherstellt, um seiner großen Aufgabe willen! Ein nicht minder gew ichtiges Moment der Verbandsarbeit ist die Verhandszeit schrift. Wir können ur.sern rheinischen Freunden nicht dankbar genug sein, daß sie trotz und trotz allem bereit waren, als selbst Gustav Löffler nicht mehr weiterzukönnen glaubte, ihrerseits in die Bresche zu springen. Daß über die Zcilschrilienfrage des Verbandes heute überhaupt in einem eigenen Organ des Verbandes gesprochen werden kann und gar noch vor einer Tagung, das wird euch, mu' igen Freunden im deutschen Westen, unvergessen bleiben. Aber trotzdem sei mir eine Anregung gestattet. Das Verbandsorgan kann in erhöhterem Maße neben den Führern lebendige Beziehungen innerhalb des Verbandes schaffen. Dazu ist aber nötig, daß' die Verbandszeitschrift selbst einen etwas lebendigeren Inhalt hat. Es ist ja selbstverständlich dankenswert, daß werlvolles geistiges Gut in kostbarer sprachlicher Form gebracht wird, aber eine Zeitschrift,, die lebendige Verbindung schafft, sollte nient fast ausschließlich Artikel bringen, die — ich bin geneigt zts1 sagen — in Gehrock und Zylinder einherstolzieren. Die Zeitung wird sicher leichter einem größeren Kreit-zugänglich gemacht werden können,, wenn sie, selbstverständlich ohne flach zu sein, eine aktuellere Note annimmt. Versuche in dieser; Richtung sind ja, allerdings nicht in völlig befriedigender Form, in dem ersten Jahrgang der „Jüdischen Blätter" gemacht worden. Ich glaube, eine Anzahl von Freunden unsrer Sache zu kennen, die fähig wären, gemeinsam mit der jetzigen Rcdaktionsieitung eine derartige Auffrischung oder Erweiterung des Inhalts der „Jüdischen Blätter" durchzuführen. Gewiß spricht hierbei die materielle Frage eine gewichtige Rolle, aber Schwierigkeiten, die sich aus diesem Moment ergeben, dürften nicht unüberwindlich sein. Die Zeitung muß also neben der Behandlung der geistigen Fragen, die den Verband angehen, Raum bieten für eine lebendige Inbczivhung-etzung zu den verschiedenartigsten Vorgängen der deutschen und Welljudenheit und weiterhin auch in einer andersartigen Form fortlaufend Schilderungen der Verbands¬ und Vereir.sarbcit bringen. Wir müssen uns klar werden vor und auf der Tagung über die Grenzen, die dem Wirken'des Verbandes bei dem Charakter der Vereine und ihrer Mitglieder gezogen sind. Innerhalb dieser Grenzen aber sollten wir d i e Mittel benutzen, die wirksame Förderung der Arbeit bedeuten. So sollten wir, ohne Ueberschwang, frei aber auch von niederziehender Skepsis, wieder einmal einen neuen Anfang versuchen, — 4 —