Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (1.5.1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Ueber die kommende Pfingsttagung Von Roberl Salomon, Trier. Der Verfasesr wird auf der Reichsdelegiertentagung das H^uplrefcral halten. Man wünscht von mir für unser Blatt heute sehen einen Auszug aus dem, was ich in Düsseldorf sagen werde. Aber man bedenke, daU es nicht gut angeht, vorher eine Art Küchen. Zettel oder Speisekarte zu verlangen, damit sich unsre Freunde beule schon darüber schlüssig werden können, ob sie vor diesem Test — einen Fastlag einschieben oder bereits mit gclüJi'eni Magen erscheinen solien. Ueber eine, vielleicht wichtigste. Frage kann hier bereits ein \V.ort gesprochen werden. Das Grundsätzliche entscheidet die Richtung: über das Bereinigen des Weges werden wir herr.ach als Techniker mit uns zu Rate gehrn. Wie steht es mit der Frage der Autorität? Wir sprechen allemal viel vom Schallen in der Gemeinschalt. Treibt d;rs einem ungesunden, hochtrabenden Dilettantismus nicht Wasser auf die Mühic und wird hierdurch picht notwendige Bescheidenheit und sachliche l.ernbegierde Mntergrc.hCii? —' Unsrc Erfahrungen sind nicht von gestern, (wenn wir auch heute noch \ oll sprudelnder Jugendlichkeit jtjnd, so empfinden wir es doch allzu lebhaft, wie die Dinge I Lbsi in den letner. zehn Jahren sich allzu häufig verschoben, t nsre Belange gehen mit denen deutscher Nachkrtegsjugcnd Eberhaupt -Hand iir l.'ar.d: wenigstens ist unsre geistige Ein- Iteüurf; auf dem gleichen Boden erwachsen wie die der Nichtjuder. Sie' weist denn auch gleiche Triche auf. Jugend fordest — insbesondere heute — so g.~rne Bewegungsfreiheit. Fcrt mit der Autorität, heißt et oft genug. ,.\\ ir brauchen die Aiten, Zopf gen, nicht mehr, wir „geistigen Bubikii| ic"; frisch soll ins der Wind um die Ohren sausen. Jftir finden uns seihst zurecht mit Segel und Kompaß: wer von den Alu :i mitzufahren begehrt, beginne von vorr.c und f.-.hre als Schiffsjunge. Wir, die vir jung sind, wir' diktieren der Heuen Aera die Richtung.'' . Es ist schon wahr: Ilutcn sich diejenigen, die die Zügel der Bewegung in der Hand halten, daß sie von jenen Brausch'p'en ohn<" vortiiiHgcn Sinn für geschichtlichen Zusammenhang nicht in die unterste Kajüte gesperrt werden. Phanlastik und jugendliche baltlose Schwärmerei ist für die, so das Alter dazu haben, ein notwendiges Stadium zwangsläufiger und naturgegebener Entwicklung. Wer aber soweit ist, andre zu leiten, verknüpfe mit jugendlichem Pathos praktische Endzwecke und lasse sich bei aitem wieder leiten von dem Gesichtspunkte klarer Geistigkeit. Anderseits scheue er sich nicht, das nicht immer zu billigen, was von den Altvordern buf uns gekommen, sofern in Neuem auch nur ein Körnlein Wahrheft zutage kommt. Wer glaubt, dal) wir das Arbeiten im engen Gemcinschaftskreise, f ir und für und mit der Maßgabe, dal einer d-^n andern durch siinen Eifer zu fördern sich bestrebt, für das Allheilmittel möglichster Abrundung jüdisch-deutscher Persönlichkeit ar ehen, der hat uns nicht verslanden; er hat aber auch, falls er sich gegen'die erwähnte Methode des Arbeitens überhaupt w endet, die Jungen nicht verstanden. Es ist uns so klar wie den Herren critici — (und wir begrüßen es, wenn (ich möglichst viele krilikübend mit. uns zu verständigen Michen) —. daß wir, jeder nach seinem Teile, sowohl für die Charakterbildung wie für die geistige Förderung Sorge zu fragen haben. Ob mau nun von den Juger.dbünden nach dieser Richtung hin viel erwartet oder nicht: Sofern die Wege in der Förderung der beiden Ziele auseinandergehen, müssen wir uns afsobald orientieren. Ist das immer geschehen, so ist es eine Frage zweiter Ordnung, wieviel im fraglichen Falle geleistet wird, wenn nnr der Weg, auf dem man vordri'gj, z-.:m Heile fuhrt. Es ist nun einmal eine Tatsache, daß man (m. E. mit Recht) der Arbeitsmethode der Vorkriegsbünde Einseitigkeit vorgeworfen 'hat. Das waren doch, wie wir uns entsinnen, alles „Vereine für Bildung und Geselligkeit". Wissen und- Unterhaltung bildeten die Schlagworte, die .sich jede Vereinigung aufs Banner schrieb, und wenn man nach dem Vortrag, dem heruntergespielten Theaterstück oder dem literarischen Kränzchen sogleich aufstand und auseinanderlief, so war das eben fein an der Tagesordnung. Wer mit der abgegriffenen Scheidemünze des '„Kastengeistes" etwas auszurichten begehrte, der durfie nicht hoffen, ein Stück edler Prägung, das da z. B. heißt: Einlaß in ..vornehmen" Freundeskreis, herauszubekommen. Es kommt uns nicht in den Sinn, den Wert der Schule (im weitesten Sinne) r.ls der autorativen Bildungsanstall herabmindern zu wollen. Der innerlich slarke Lehrer beherrscht durch die verhältnismäßige Fülle an Wissen und die seelische Ausgcgiichenheit seines Charakters (Idcallypus) Geirt und Cemül des Kindel, und die Seele des Schülers formt und bildet sich wie Wachs unter seinen Händen. Hier ist all*s aufgebaut auf Abstand und Achtung. Fhrfurcht ist das Tor, das zu wahrem Lehen einführt, und Ehrgjiz der Schlüssel, den zu handhaben jeder strebende Mensch sich getrieben fühlt. Nun ist aber die Schule noch nicht das Leben selbst, sondern nur die Wciscrin und Kündcrin kommender Dinge. Alles, was der junge Mensch in der Schule d;:rch geistige Durchdringung vorfühlt, wird im praktischen Leben, wcan hart auf hart der Funke sprüht, ganz anders empfunden. Der Unerfahrene hat sich mit einem Tage an irgendeinem kleinen Platz der heutigen Wirtschaftsordnung mit ihrem ganzen Für und Wider gestellt, und richtet, sofern er nur etwas von der Zukunft erwartet, seine eigene Frage an das Lehen. „Wie wird meine Weltanschauung sein?' so fragt er sich, was wohl etwa bedeuten soll: „Wie bringe ich meine geistigen Möglichkeiten und den Rhythmus meiner Innerlichkeit mit dem äußerlich materiell und geistig Erreichbar*.a in Beziehung und Einklang?" — Derr.elbe junge Mensch mt',1 aber nuch mit jedem Tage r..: ' - daß es Dinge gibt, die »icht nur ihn, sondern irgendwelche greße Gemeinschaft betreffen, zu der er gehört; er merkt es durch Schranken, die sich von andrer Seite gegen ihn aufrichten, er merkt es aber auch durch anspornende Zurufe aus den eigenen Reihen. Uaklar und brausend wirbelt es in seinem Kopfe. Gedanke« türmen sich auf und Gefühle treiben wie Ströme. Nun sucht er «ach einem Halt, mehr um den Charakter zu klären, als sich mit Wissen zu füllen. Gleicht ü hl ende muß er haben, nicht so sehr in den Einzelheiten als in den großen Fragen des Lebens; kämpfen muß er mit dem, der ihm im Wesentlichen Bichl über ist, um das, was ihn vom Morgen bis Abend bewegt. Er muß den Gegner mit Unrat bewerfen, ihn zur Zielscheibe seines jugendlich übertreibenden und anmaßende« Spottes machen können, um ihn im nächsten Aucnbiicke um Verzeihung zu bi,tten und mit ihm freundschaftlich-zärtlich kosend zu scherzen. Das ist gemeinschaftliche Jugendlichkeit, ist «otwer.digc Auslösung des heranreifenden Gehirns. Das will Schule und notwendigerweise herrschendes Führertum nicht aatasten, will aber dennoch, wenn es auswächst, auch sich Fragen eigner Prägung nicht antasten lassen und dem folgen, de« es selbst zum Wegbereiter sich kürt. Wir jungen Juden empfinden mit jedem Tage, was es heißt, um Weltanschauung zu kämpfen; wir mühen uns, jeder nach seiner Kraft, ab mit den Fragen: Mensch und Wirtschaft, Jude und Staat, Jude und Deutschtum. Und weil wir selbst voll innerer Not den Mangel gefühlt haben, uns mit Gleichgesinnten und Gleichstarken, seelisch verbunden, offen und rückhaltlos auseinandersetzen zu können, so schaffen wir unsern Freunden die Gelegenheit zu, wenn auch noch so bescheidei ner, Gemeinschaftsarbeit. — Denkt an die Fördererliste des Verbandes!