Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1926-04-06 · 7 (6.4.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
7 (6.4.1926)
Date
1926-04-06
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492456-6352473-6352480--0094-4928303
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Menge Mitglieder nach Düsseldorf fahren wird. Najch dem Referat wurde noch eine Diskussion über allgemeine jüdische Fragen angeregt, die naturgemäß sehr rege war. Unsre Bibliothek, die jetzt ein ihr würdiges Heim bekommen hat und weiter ausgebaut werden soll, wird sehr in Anspruch genommen. Hoffentlich bleibt das Interesse der Mitglieder so rege. Otto Baruch. Steele Der Jüdische Jugendverein hat im letzten Winter ein reges Leben entwickelt. An Vorträgen hörten wir Herrn Lehier Coldschmidt, Dortmund, über „Der Landesverband preußischer Synagogengemeinden", Herrn Lehrer Katzen-Stein, Steele, über Beer-Hofmanns „Jaakobs Traum", Herrn S. Würzburger über „Die Jugendbewegung im R|F.", Herrn Dr. Ernst Simon, Frankfurt, über „Eine Stunde jüdische Geschichte", Fräulein Sachs, Bochum, über „Die Stellung der Frau im jüdischen Familienleben", Herrn Rabbiner Dr. Samuel, Essen, über „Der sittliche Charakter des jüdischen Familienlebens". Die Vorträge wurden meist zur Grundlage mehrerer Heimabende, die d'.ich Vorlesungen lebendig gestaltet wurden. Am 12. Dezember feierte der Verein sein Chanukkafest, dessen reichhaltiges Programm den Beifall der zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder fand. Trier Am Donnerstag, den 15. April, fand unsre diesjährige Generalversammlung statt. Herr Dr. Salomen |;ab in längeren Ausführungen ein Bild von der Vereinstäügkeil im vergangenen Geschäftsjahr. Diesem Berichte ist folgendes zu entnehmen: Im verflossenen Jahre wurden z. T. vom Jugendbund, z. T. in der sich aus Loge, Jugcndhund und Rcichsbund zusammensetzenden Vorlragsgcmcinschalt 12 -größere Vorträge veranstaltet. Besonders hervorzuheben sind folgende Vorträge: Dr. Simon, Frankfurt, über „Jüdische Geschichte in einer Stunde"; Dr. Simon, Frankfurt, über „Die Einheit der indischen Gemeinschaft"; Dr. Altmann, Trier, über ,.Fin Gang durch die Geschichte der deutschen Juden"; Dr. Altmann, Trier, Rezitationsabend; Eisner, Bitburg, über . „Die jüdische Religion im Lichte des Chassidismus"; Dr. Bab, Berlin, über „Juden in der deutschen Literatur der Gegenwart"; Dr. Lazarus, Wiesbaden, über „Die deutschen Juden nach dem Weltkriege"; Dr. Unna, Nürnberg, über Bernhard Shaw. Ferner wurden im vergangenen Jahre 10 Heimabende ver-. anstaltet, in denen folgende Zyklen bearbeitet wurden: Die Propheten, Jude und Staatsbürgerin) und Altjüdische Rechlsuud Siitenformen. Die im weiteren Verlaufe des Abends j^cl:■.tij-le Vorstandswahl zeitigte folgendes Ergebnis: Fritz B<)ncm, t. Vorsitzender-, Dr. Salomen, 2. Vors.; Jenny Bonem, Kass.; Alfred A^ch, Schriftführer; Erwin Altmann, Bibliothekar. Westerwald Ueher eine Treffahrt der Westcrwälder Vereine, die am 2. d. Mls. 70 Wanderer zusammenführte, erhalten wir folgenden launigen Bericht: Als Auftakt, der Sommerarbeit ■ des Wcslerwaiubezirks hatten die' Jugw»dt>ünde von Attenkirchen, Dierdorf, Hachenburg, Hamm und Selters am vergangenen Sonntag eine Trefffahrt an die Dreifelder Weiher verabredet. Am frühesten haben wohl die Hammer aufstehen müssen und das, was dazu gehört und in Eitorf und Rosbach beheimatet ist. Bis Altenkirchen waren uir noch Wettcroptimistcn. Als sich dann aber ein zwar junges Ehepaar, drei Jungen, drei Mädels und — ein Regenschirm einfanden, wurden unsre Hoffnungen aber beinahe erschüttert. Und dennoch — der Regenschirm hat nur das Glück gehabt, eine halbe Stunde laitg zwei junge Mädels vor einem feucht-frühlichen Mairieseln und seinen furchtbaren, zerschmelzenden Folgen zu bewahren. In Rotzenhahn konnten wir mit 20 Mann die Wanderung beginnen. Herrliche Tannenwälder säumten bald unsern Weg. Bewundernswert war die Unermüdlichkeit eines Wanderführers, Hermann Claudius' wundervolle Strophew „Wenn wir schreiten Seit an Seit' und die alten Lieder singen, und die Wälder widerklingen, fühlen wir, es muß gelingen: mit uns zieht die neue Zeil," einzubläuen. Erst viel später, auf der Heimfahrt, gab er den "vergeblichen Versuch auf. Er sagte mir, daß er bei der nächsten Fahrt aber wieder damit beginnen wolle. Freu' dich, Fritzchen . . .1 Man kann es nicht anders sagen: die Dierdorfer und Selterser sind diszipliniert und äußerst pünktlich. Sie versprachen, gegen 12 Uhr in Dreifelden zu sein. Aber schon eine halbe Stunde früher fanden sie sich ein. Sie unterscheiden sich von ihren Dreifclder Nachbarn aber noch durch weitere ganz prächtige Vorzüge. Sie stellen keinen „Wöüsch" auf, um uns wie die Dreifelder Bauern vor dem Zutritt zu ihrem Heiligtum zu bewahren. Durch „Haas und Hund", „Schwarzer Ma-in" und andre spielerische Einfälle schützen sie sich und ihre auswärtigen Freunde vor dein vorschnellen Einfall in das feminine Selters. Die Dreifelder Bauern wissen nicht, was "sich ziemt. Als Dank für den 50-Pfcnnigs-Kaffee hätten sie uns noch am liebsten die Anhringüngs- und Herstellungskosten für ein Dutzend Schilder aufgebrummt mit dem Aufdruck: „Durchgang \ erboten". So was heißt dann Gastfreundschaft. Da lotse ich mir Selters. Die haben eine Vorsitzende, die zwar an dpr Fahrt selbst nicht teilnimmt, uns dafür bereits beim Einmarsch aber schon vor den Toren der Stadt begrüßt. Der Bürgermeister von Dreifelden könnte noch von der was fernen. Zu guter Letzt verschafft sie uns dann noch einige schöne, gesellige Stunden als Abschluß einer harmonischen, stimmungsvollen Fahrt. Nur schade, daß sich vorher die Hachenburger mit Kind und Kegel, dreckigen Rädern und ebensolchen „Verhältnissen" von uns trennen muütcn. Als getreuer Chronist muß ich noch eine Fußverstauchung, ein gefallenes Mädel, zwei männliche und zwei gemischte Radstürze verzeichnen. Nächste Treffahrt: Pfingsten in Düsseldorf. K.II. * I Einem Rundschreiben untre* Freundes Kurt Hirsch, Hamm, an die Wcslerwälder Vereine entnehmen wir folgendes: Felix Frohwe'in schreibt, es hätte ihn „mehr wie enttäuscht", daß" meinerseits Anträge zur Düsseldorfer Tagung ur.terhlieben sind. Ich habe dazu prinzipiell zu bemerken: Es kann auch für uns Landbünde bei der Reichsdelcgiertentagung nicht so sehr darauf ankommen, Anträge zu stellen und sie zur Anr.ahute au bringen, Anlr.igc, deren Verwirklichung entweder sehr fraglidh oder nur -imer einigen wenigen Menschen überlassen bleibt, als darauf, mit diesen wenigen in persönliche Fühlung z|u kommen, sie zu interessieren und zu gewinnen. Die Not der Landjugendist bekannt. Antrüge, die nicht unmittelbar zur Hebung dieser Not beitragen, sind in ihrer Wirkung gleich null. Sic sind meist zu allgemein, fordern von den Leistungsstarken kein Opfer, werden mit 93 Prozent Wahrscheinlichkeit unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung aiigenom i^en — und dann ad acta gelegt. Entweder finden wir auf der Tagung die Menschen, die mit -genügender Leidenschaft u. i. auch bereit sind, mit uns und" in unsern Reihen zu arbeite^, oder wir 1 nden sie nicht. Finden wir sie nicht, dann wisenwir, daß wir uns nur selbst oder im Anschluß.an andre helfen können. Ich gehe zu: es gibt eine bestimmte Ai t von Anträgen, die nicht zu verwerfen sind, Antrüge, deren Durchführung 'KUtit durch die Organisation mechanisch gesichert ist und den An-, tragslellcr schließlich noch Mittel zum Zweck zur Verfügung stellen. (Siehe die Anträge des LV. im JB.) Ich denke dabei an die Gründung eines I.andjugcndfonds, zu dem jeder Verein über 100 Mitglieder für jedes angefangene Hundert seiner Mitglieder monatlich 1 Mark beisteuern muß; Die dadurch erlangten Mittel kommen nach einem bestimmten Plan an die ländlichen Bezirksgruppen zur Verteilung. Seid Ihr mit mir der Ansicht, daß dieser Antrag noch gestellt werden sollte, dann bitte ich um Eure umgehende Zustimmung. '. - " Hachenburg schreibt: „Der Nutzen der Tagung stehtTm umgekehrten Verhältnis zu den Kosten." Der Nutzen Hcann nur oder in der Hauptsache ideel sein, materiell aber die Kosten. Solche ungleichen Größen stehen noch nicht einmal im umgekehrten, Verhältnis. Schließlich tragen wir doch auch dazu bei, den Delegierten» lag zu „machen". Er ist so und kann nicht anders sein als wir — oder sagen wir: die Mehrheil der Delegierten. Warum soll es denn ausgerechnet uns auf nichts andres als die Krreichung eines relativ kleinen lokalen Vorteils ankommen? Könnte es uns nicht auch darauf ankommen, mal den Geist kennen zu lernen, der die Menschen dort beseelt, der sich nicht in den schönen Rccfcn und Beschlüssen widerspiegelt, sondern im persönlichen Gedankenaustausch von jungen jüdischen Menschen, die sich dort begegnen? — 5 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.