Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7 (6.4.1926)
- Date
- 1926-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Ist es Ja nicht der iMühe und der Keilen wert, wenn unter den Bewegtesten ein.es Vereins wenig .tens einer persönlich nach Düsseldorf geht, diesen Geist auf sich wirken läßt und dann, unter den Eindrücken dieser Tagung stehend, nicht nur einmal — wie ein Berichterstatter — kühl und trocken berichtet, sondern ir;;:r.cr wieder davon erzählt. Und auch die Hacheriburgcr Fretir.de werden mir nicht abstreiten können, daß eine Tagung jugendlicher Menschen nicht eindrucksvoll rein kar..->. ja so nachhaltend eindrucksvoll, daß noch nach Jahren ein Beschluß des Hacherburger Jugerdbur.dcs diktiert wird von den Eindrücken und Erlebnissen einer längst historisch gewordenen Tagung. 1 '. Ich empfehle . :>gar edem aus ur.ycm Bezirk die Reise :;ac'i 'D2>sc!«iorf. AHein w«jj«n des höchst persönlichen Erlebnisses —» dessen Möglichkeit selbst von Hachenburg nicht abgestritten wird.; t-d wer hit'e c:n aufrüttelndes, jüdisches Erlebnis nicht nötiger als v ir i.:r:e,e .Juden auf dem Land in ur.serm bequemen* •ind gedankenlose* Dahindämmern. Hachenburg «chlag' statt dessen ci;.en Ausflug zun) Niederwald \or. Glaubt H. vielleicht, t'ieser Ausflug könne'jüdisch und menschlich ein wertvolleres Er'ebnis sein als der Besuch der Düsseldorfer Tabing? 'Schließlich kostet dieser Ausflug doch auch etwas er ist selbst um acht Tage zu verschieben. Die Delegier'entnpung ater nicht. Wenn Hachcrvbttrg schließlich aber keinen Delegierten cnls.'i;,!cn will, bin ich gerne bereit, ohne Vergütung Hachenburg zu vertreten. Weil Aivi-nkirchen, Dic-do.-f und wohl-auch Selters eigene •Vertreter cnls-cr-dcrr'. 1 '-.«che ich wohl auf die Hachenburgtr Vorsc':'-<:c weiUr nicht einkugehe n. SPORT Vom VV andern kein Tag. wo ich auf Berg und Hügeln Gottes schöne Will geschwärmt. fre i' ic.i r*.' Durch r-cines G e r o k. reiche Dichter haben den Hochgenuß des Wandern» in ■:>:■ ungen i r.Q V ele Aer.-.e den Wert für Gesundper u:..! G.isi l stgeslelit tir.d begründet. Berührung mit der " ir üurcii f' -bliches Wandern unschätzbares Gut iür uns. S> vielseitig, erfrichend und (.visier' e-r-erd ist kein a'drer Sport v, ie das Wandern. Wandern heißl:-Schauen, Erleben! Besonders in den letzten Jah.-cn ist uns Ki;ir geworden, daß Wir wandern müssen, urii der . , weile rschrcitenden V olksen".-crvnng entgegenzutretee. Draußen in freier Eergiuft, in Feld.'Wald und Tal Öffenbtrt rieh uns die herrliche Natur und richtet ur.s wieder auf von den "■ des Alltagslebens, von Enttäuschungen und Verl 'e.i. V ir f :h! n «iraijJcn das Leben echt und unverfälscht ur-d gewi: -«.n an l.cjb und Seele. . u.: ■.: e?'s W.-jpdrrwart die Tcder ergreife, «im eil e V ■ e ■ her den Wandersport und seine Bcdeut in« r G<" >nduhg dbs Voikskörpers zu sagen, so geschieht r* «- •:•» , i o-.-cn Ansporn zu geben, Wander- _!i sonst gar 'reibet;, di ncii* oder nur wenig Hbetä'.igurg ki'mrj.erri. Wandern kann '»der, der; urd Liebe zur Naturbat. Wandersport erfordert ".hs'lcisiur.g. sondern nur Liebe zuni Edlen und Nalür- Von d m Slar.dpur.l-l ausgehend, daß der Wandersport es nicht rur c •-. '.g'-icht, sich im Freien 7 1 bewegin, sondern auch die Mcgiici.Keit . bietet, d,e Natur.-.chi :ihciten : kennen und schät?ei] zu lernen und nicht zuletzt das Zusammengehörig-. ei;.1:1 zu regen und zu stärken, wurde beschlossen, die Wander.'.'ote'iung auszubauen. Leider haben bisher nur wenige Mitglieder der Aufforderung, sich für die Wanderabteilung zu melden, Folge geleistet. Ich glaube jedoch, daß diese Zeilen genügen werden, um eu h wachzuruilein. Darum laß daheim nun all die Sorgen des Alltags und hinaus in Gottes schöne „Natur". Alles, was nicht durch den Menschen geschaffen oder verändert ist, die Stoffe, aus denen die Weiten und ihre Bewohner organischer oder unorganischer Art bestehen, die Kräfte, von denen die Gestirne gelenkt werden, nennt man mit einem Worte Natur. Die Natur ist der Inbegriff alles Erschaffenen, der Körper und der Kräfte. Der Wander wart des Gabriel'Riesser-Kü In: Erich Maurer. Recklinghausen Unser Ausflug in die Heide. Es war noch neblig, "als wir loszogen. Lieber den düstere« Zechen halte der Himmel eine seltsame fahlgelbe Färbung. Zuerst marschieren wir über schmale Feldwege im Gänse, marsch hintereinander her. Gesang und Lautenspiel verkürzten uns den eintönigen Weg. Wie lange wir so gegangen sind, weiß ich nicht mehr,;ibcr plötzlich, bei einer Biegung dci Weges, lag sie vor uns — unsre Heide. Wer einmal in der Heide war, wird den Euidi'uck in seinem ganzen Leben nicht vergessen können. Endlos schlängelten sich die weißen Sand' wegdurch das Heidegestrüpp, das noch nicht erblüht war. \ ereinzelt winkte v/ie ein zarter Frühlingsschleier das leuchtende Grün der Prinzessin Birke. L'cber uns wölbte sich ciii etwas dunstiger, zartblauer Himmel. Wir atmeten jenen seltsamen, schweren Duft des Heidekräuter, ein, der den Menschen so glücklich rr.icht. Ich meine' nicht das Glück, bei dem man jaucbicn und lachen muß vor Heiterkeit und Lust, nein, ich meine jenes schwere Glück, da» den Menschen beengt und ihn weinen macht. So marschierten wir eine kurze Zeit durch den heißen Sand, bis wir plötzlich vor der Jugendherberge standen. Don siärklen wir uns zue^sjf. Daraufhin stürmten die Jungen* z::rn Fußballspielen und die Mädels zeigten ihre mehr oder weniger h.vi'.frauüchen Talente in der Küche beim Zubereiten •. on Apfclre-is. Die Zeit verging uns im Fluge unter lustigem I aehen und Tollen. Mit Behagen verzehrten v.ir den selbstgekochten Reis mit Zimt und Zucker. Dann hieß es: Rucksäcke aufschnallen und weiter! Und wieder stapften wir mühsam durch den dicken Sand Weiter, bis wir zum „Sankt Johannes" kamen. Eine große, hügelige Wiase lud uns so recht ein, zu toben und zu springen. Und so tanzten wir Volkstänze, spielten „Blinde Kuh" usw. Als wir ordentlich müde waren, setzten wir uns hin und sangen Lagcrliedcr. Doch nach ci'.irjcr Zeit verstummte einer nach dem andern, bis die Kükcnn.uttir allein weiiersang und dabei Laute spielte. Wir schlössen die A-.:gcn und träumten bei dem leisen Gesänge, und uns überkam wieder jene 'seltsam:?,, schwermütige Heidestimmung. . Gewaltsam mußten wir ur.s daraus aufrütteln, eis zum Aufbruch gemahnt wurde. Ohne daß wir etwas gemeik;, hatte sich der Himmel mit drohenden Wolken bezogen. Ein dumpfes, fernes Grollen sagte uns, daß ein Gewitter im Anzvge sei. Plöizlich ging es wie ein tiefer Atemzug durch die ganze Heide, und ein Regen prasselte darn hinab, tiaß wir uns schreiend in eine Hütte flüchteten. Dort saßen wir eng zu- Sammengedrä'hgt in einer Bauernstube und s» "gen, daß wir kaum den Regen hörten. Als das Gewitter vorüber war, ir>artc&ierten wir schnell voran. Es war kühl geworden, und der Wind legti durch Kleider und Haare, daß es uns fröstelte. Den letzten Teil des Weges fuhren wir und kamen so erfrischt und vergnügt vom Ausflug zurück, zwar mit leeren Rucksäcken und müden Gliedern, doch im Herzen mit einer unauslöschbarcn Et inner ung an die Heide — an unsre Heide. L i 1 1 i C o s ni a n n , Recklinghausen. VEREINSNACHRICHTEN Mitteilungen des Bezirhsverbandes jüdischer Jucjendvereine Westdeutschlands 1. Die 5öprozentige Fahrpreisermäßigung der Reichseiser.bahn für Jugendwanderer ist bereits am 1. Mai in Kraft ge- treten. Die alten Berechtigungsscheine behalten bis auf weiteres ihre Gültigkeit, die Anträge auf Aussteilung neuer Scheine sind an die zuständigen Ausschüsse für Jugendpflege zu richten. 2. Wir bitten um regelmäßigere Einsendung von Vereinsanzeigen und Berichten aus Gemeinden und Bünden. — 6 -