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Der Jugendbund · 1926-04-06 · 7 (6.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
7 (6.4.1926)
Date
1926-04-06
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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und demzufolge unser heutige"; Lebensprogramm logischerweise nur so sein könnte. . .-. (Nun folgt das betreffende Parteiprogramm.) Und vielleicht wären alle Parteiprogramme logisch, vielleicht hätten alle Parteien recht, wenn sie nicht umfassend sein wollten, wenn sie imstarde wären, sich auf den Teil der Judenheit zu beschränken, der die Voraussetzungen ihres Programms erfüllt. hin jedes Parteiprogramm ist — oder soll es wenigstens sein :— der Ausdruck einer Weltanschauung. Und wann sich Menschen auf dein Boden eines gemeinsamen Programms finden, so sollte das nicht die Folge überredender Agitation ««in, sondern der spontane Au .druck einer Weltanschauung, die nach objektiv.« Selbstbeobachtung geworden, langsam herangewachsen und gereift ist. Gewiß sind nicht alle Menschen und auch niclu alle Juden selbständige Denker, und (die Masse derjenigen, die geführt sein wHJ, bildet immer noch die Majorität; aber d;c Aufgabe der Fuhrer besteht nicht darin, ihrer Partei möglichst \ielc Mitglieder zuzuführen, sondern die Einzelpersonen der Masse derjenigen Partei zuzuleiten, zu der sie naturgemäß gehören. Her Parteiführer muß sein wie der Erzieher, also gewissermaßen parteilos. Den Menschen zum Quell seiner Seele, zu seinem eigenen Ich zurückzuführen, das ist des Führers Aufgabe. Statt dessen — wirbt man „Mitglieder". Und in diesem Punkte sündigen alle Parteien. Oder hat man schon einmal gehö-t, daß ein Führer des CV. der Jüdischen Volkspnrtei Menschen zuführt und umgekehrt? Und das sollte und müßte vorkommen, wenn wir .Führer hätten, die in o'nen geschildertem hrziehersinne parteilos wären, die wahrhaft Menschheit? d i e n e r sein wollten. Was lut man heule? Sind w i r Deutsche, sind w i r Juden? Sind wir in erster Linie Deutsche oder Juden? Solche und ähnliche Fragen zu stellen wird man nicht müde. Und .via nieint man eigentlich mit diesem „wir"? Doch die Juden Deutschlands? Aber die Juden Deutschlands — und hierin liegt der Kardinalfehler aller Parteien — sind nicht gleichen Wesens als das man sie eigentlich beurteilen, charakterisieren und organisieren, d. h. weltanschaulich uniformieren könnte. Das ist eine biologische Tatsache, eine natürliche Gegebenheit, und wer nicht mit ihr rechnet, ist allerhöchslens ein Demagoge, keinesfalls aber ein Politiker, geschweige denn ein Führer. V. Haben wir das begriffen, wissen wir von der Wesensverschiedenheit der deutschen Juden, so müssen wir aufhören, dem Gesamtjiidentum Deutschlands.-obige Entscheidungsfragen vorzulcge.T. Stets wird es die> Aufgabe einzelner oder Gruppen von Juden ssiii, diese Fragen an sich zu richten. Und die Entscheidung kann nur derjenige richtig fallen, der objektiv und aufmerksam sich selbst beobachtet, der nach innen horcht und seine Seele belauscht. Wie sie erklingt, so wird er gehen müssen, wenn er wahrhaft sein will. Gleichviel, ob seine Seele, deutsche oder jüdische Kultur widerklingt, er kann als Mensch sich nur •erfüllen, wenn sein äußeres Leben seinem iAeren harmonisch ist. Und diese allgemein menschliche Aufgabe, sich zu erfüllen und sich zu entfalten, ist primär und gleichzeitig jede andie Aufgabe umfassend und umschließend, ist unverrückbare Richtlinie eines jeden Menschen. Jugendkrise in Elberfeld ■ Von Dr. Heinz Vier am 11. März dieses Jahres in diesen Blättern die Auseinandersetzung zwischen Karl Salomon und Ernst Marx ub'er dessen Arbeitsgemeinschaft las, konnte daraus entnehmen, daß in ElUcrfeld-Barmcn zwei verschieden arbeitende Gruppen lüdischer Jugend nebeneinander oder einander gegenüberst&nden und'mußte folgern, daß eine praktische Versöhnung (das-heißt Verschmelzung) der beiden Gruppen infolge der a\itqrai;\-jugendpflegcrischen Einstellung des einen und der exklusiv-;ugendbeweg!en des andern Führers schwierig oder unmöglich sei. Inzwischen hat sich gezeigt, daß die Diskussjon auf papierener Grundlage staltfand, daß Karl Salomon auf einem lührerposten kämpfte, der als solcher nicht mehr existierte, weil ihm die Gefolgschaft fehlte, und daß Ernst Marx seine Worte in den Wind sprach, den er jenem längst aus den Segeln genommen halle. Eine Generalversammlung des Jugendvereins am 13. April 1926 erbrachte den Beweis. Aus der Milte des Vorstandes heraus, eines Vorstandes, der im Bereiche seiner Möglichkeiten aufs ernsthafteste versucht hatte, Arbeit an der jüdischen Jugend zu leisten — Definition ins Slambuch aller Führer: Jugendpflege Arbeit an der Jugend, Jugendbewegung — Arbeit der Jugend! — war ein Anirag auf Auflösung des Vereins gestellt worden, der aber nicht als Anstoß zum Niederreißen, sondern -als Anregung zur Renovierung des Verernsgebäudcs gedacht war. Die Diskussion, du? sich daraufhin entspann, drehte sich im großen und ganzen darum, ob die erwähnten vielfachen und und eitrigen Versuche des Vorstandes solche am untauglichen Objekt gewesen oder mit untauglichen Mitteln unternommen Vörden seien, und ihr Resultat war im wesentlichen die Erl.ennln». daß das \ creinsgebäüde, aus welchen Gründen auch immer, von der Bev\ohncrschafl. die es zu unterhalten imstande gewesen wäre, verlassen war und nur mehr diejenige in sich barg, die sich zu unterhalten willens war. Bei diesem Befund konnte auch mein Antrag nicht mehr helfen, der satzungsmäßig Ernsl Marx' Arbeitsgemeinschaft die Möglichkeit - des Eintritts in den- Jugendverein und der unveränderten Weilerarbeit in ihm bieten sollte. Denn Emst' Marx als zweifellos autorisierter Sprecher der gesamten Arbeitsgemeinschaft wehrte sich mit der ganzen Heftigkeit seiner taktische Erwägungen nicht kennenden oder sie prinzipiell ablehnenden Intransigenz dagegen, seine Gruppe mit der ihr unliebsamen Tradition des Jugendvereins zu belasten. Diese Kahn, Elberfeld. psychologisch nur zu verständliche Neigung der Arbeitsgemeinschaft, ihre jugendliche Selbständigkeit nicht nur gegenüber dem formal immer noch bestehenden keineswegs idealen J u - gend verein, sondern auch gegenüber einem annoch hypothetischen idealeren J u t l ndbund zu bewahren, machte die Ausführung der meinem Antrag zugrunde liegenden Absicht zunichte, einen Uebcrtritt der Arbeitsgemeinschaft in die bestehende Organisation und dadurch eine Regeneration derselben herbeizuführen. Die Generalversammlung endete damit, daß man mich beauftragte, durch weitere Verhandlungen mit der Arbeitsgemeinschaft meine dargelegte Absicht dennoch weiterznverfolgen. Ich nahm den Auftrag an, weil mir die Sache der gewiß nicht leichten Mühe wort schien, und stand damit vor der wenig dankbaren Aufgabe, eine Gemeinschaft, die den starren Willen hatte, unverändert in sich selbst zu arbeiten, von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß sie die in ihr ruhenden Möglichkeiten, anregend ihre Arbeil in die Gesamtheit der hiesigen jüdischen Jugend zu trogen, ausnütze, und ihr beizubringen, daß das auch für sie selbst wünschenswert sei. Das Ergebnis der von mir sofort eingeleiteten und zulelzl mit Herbert Fclsenthals Unterstützung geführten Verhandlungen war dies: Die Arbeitsgemeinschaft sei bereil, den gegen die jugendbündische Organisation bisher geleisteten Widersland," wenn vielleicht auch nicht prinzipiell, so doch praktisch aufzugeben, sobald sie innerhalb derselben die Möglichkeit ernsthaft-jüdischen Arbeilens sehe. Diese reichlich subjektive Stellungnahme, die ich nolens volcns zum Ausgangspunkt nehmen muß, zwingt mich nun, alle vereinsmäßig statutarischen Bindungen verlassend, jtu einer möglichst bald zu beginnenden jüdischen Arbeit auf Gruid einer zunächst völlig persönlich bestimmten Auslese die Mitarbeilerschaft heranzuziehen. Ich will den Versuch wagen; sobald es angeht;, der genaue Zeitpunkt bliebe noch zu erwägen. Die weitere Entwicklung der, von mir natürlich nur anzuregenden, Arbeit hängt von dem Arbeitswillen aller und dem Verständiguhgswillen der Arbeitsgemeinschaft ab. Die Hoffnung, auf diese Weise einen neuen Bund der jüdischen Jugend in Elberfeld zu schaffen, ist nicht groß. Aber unmöglich ist es nicht, und wenn ein ernster Wille den geistigen Teil der Jugend in unsrer Gemeinde eint, werden die Skeptiker eine freudige Ueberraschung erleben, und wenn kein Elefant in den Porzellanladen trampelt, werde» wir das Kamel durchs Nadelöhr spazieren sehen. 2 —

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