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Der Jugendbund · 1926-04-06 · 7 (6.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
7 (6.4.1926)
Date
1926-04-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BWM JUGENDB ORGAN.DES BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER JUGENDVEREINE WESTDEUTSCHLANDS UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER JUGEND VEREINE Schriflleilung: Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf, Haroldstrafte 4 / Fernruf Nr. 7390 / Drude und Verlag: A. Gerisdi £ Co., G. m. b. H, Dasseldorf, Wallslrafce 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und gesdififtlicher Art an Dr. Klein, Düsseldorf / Anzeigenpreis: 0.15 Goldmark für die 6 gespaltene mm-Zelle / Bezugspreis: 15 Pfennig monatlidi einschließlich freier Zustellung / Beste Hungen-nur bei der Schriftleitung oder den Vereinen s Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang DÜSSELDORF, DEN 6. MAI 1926 Nu mmer 7 Deutschtum oder Judentum? (Eine alte Frage in L Als zum ersten Male in Deutschland Ghettomauern Helen, begar-n auch der Streit um dieses Probien*, um bis zum heutigen 'fr.ge mit zunehmender Heftigkeit anzudauern. Die hervorragendsten Geister der jüdischen Gemeinschaften aller Richtungen kämpfen führend und sichtbar mit, und der objektive Geschichtsbelrachter darf und muß feststellen, daß man meist •ich edler Waffen bedient. Aber warum und um welches Ziel kämpft man eigentlich? Und diese Frage scheint nie zu passender Zeit gestellt worden zu sein. Es gilt für jeden Menschen das Milieu zu schaffen, das ihm höchste Entfaltung und damit Erfüllung gewährt. Das scheint uns das Ziel des Streites zu sein. Um aber zum Ziel zu gelangen, muH eben — wir kommen jetzt zum Spezialfall des deutschen Juden — die Frage gelöst werden: Ist jüdisches oder deutsches Milieu die Vorbedingung der men-chlichen Entfaltung des deutschen Juden? So ist doch wohl die Problemstellung. Aber so lange sie so bleiben wird, bleibt die Antwort aus, mag auch noch so viel Geist und Witz daran — verschwendet werden, mögen auch noch so viele hervorragende Kenner und Könner ihre Arbeitszeit und -kraft opfern. Wie wundervoll und in sich geschlossen auch die Gedankenreihen sein mögen,-nie wird man — von solcher Basis — zu einem endgültigen Resultate kommen können. Und die Basis ist Phantasie, nicht Wirklichkeit. Der Begriff des „deutschen Juden" ist eine künstliche Konstruktion, aber keine Wirklichkeit. Es gibt den deutschen Juden ebensowenig wie den französischen, den englischen, den polnischen Juden, sondern es gibt deutsche Juden unendlich vieler Schattierungen. Und darum ist es widernatürlich, zu versuchen, die Juden entweder in ein jüdisches oder in ein deutsches Kulturmilieu zu stecken. Beide Versuche bedeuten keine natürliche Lösung und sind zum Scheitern verdammt. Der ganze Streit zwischen den jüdischen Parteien ist tatsächlich unsinnig und entbehrt jeder inneren Logik. Daher kommt es auch, daO jeder und wiederum keiner Recht behält. Jeder hat Recht, denn er hat von seinem Standpunkt aus logisch weiter gefolgert, und keiner hat Recht, denn er hat nicht eine allgemein gültige -und anwendbare Norm geschaffen, konnte sie nicht schaffen. Denn eine gemeinsame Basis existiert nicht, in dieser Hinsicht nicht. iL Es soll hier versucht werden, eine Synthese zu finden. Nicht eine Synthese, die aus Kompromißsucht geboren ist, geschaffen ist, die Gegensätze der Weltanschauungen zu überbrücken, sondern eine Formel, die innere Logik und die Berechtigung der verschiedenen Lösungen des Problems zu erklären. Unser Problem gehört zu denjenigen, die nur vom Standpunkt einer gewissen Weltanschauung gelöst zu werden verneuer Beleuchtung.) mögen. Aber Weltanschauung ist nichts andres als der Blick unsres Geistes, dessen Art genau so geworden ist wie die unsres körperlichen Auges. Die Grenzen zwischen Physik und Metaphysik verschwinden mehr und mehr. Weltanschauung ist die Spiegelung der Welt im Menschen. Zwei Komponenten bestimmen sie — die Weltanschauung nämlich — die Welt der Dinge und Erscheinungen einerseits, die Materie, in der sich die Welt spiegelt, also die menschliche Persönlichkeit andrerseits. Und nur da, wo beide Komponenten gleich oder wenigstens, ähnlich sind, kann eine gleiche oder ähnliche Richtung der Weltanschauung entstehen. Jedenfalls, sei es auf. rein physischen, sei es auf mehr metaphysischen Wegen, eine Weltanschauung ist nichts Zufälliges, sondern wird auf gesetzmäßige Weise. tu Wer wollte behaupten, daß jeder Mensch den gleichen Geschehnissen und Dingen gegenüberstünde? Wer wollte be-i hauplen, daß der „Seelecspiegel" bei allen Menschen gleich oder ähnlich sei? Daß es keine individuelle Resonanz gäbe? Und dennoch versucht man immer und immer wieder, größere Menschengruppen weltanschaulich zu uniformieren, ohne Rücksicht auf jegliche Voraussetzungen und Gegebenheiten. IV, Die Jüdischnationalen — gewöhnlich Zionisten genannt und sich nennend —, die Partei der „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens", die nationaldeutschen Juden Naumannscher Richtung — um die markantesten jüdischen Parteien zu nennen —, sie alle entfalten rege propagandistische Tätigkeit, sie alle möchten die jüdische Partei sein, möchten alle Juden Deutschlands, denn um die handelt es si<}h zunächst, umfassen, und glauben aus ehrlischster Ucbcrzeugung, daß ihr Programm a.'.cin wahr und richtig sei. In unzähligen Debatten wird bewiesen, daß w i r Juden so und so geartet seien, diese und diese Geschichte hätten usw. Zur gefl. Beaditung! Folgende Vereine zeigen in dieser Nummer ihre Veranstaltungen an: Düsseldorf, Jülich, Köln, Wittlidi, Buer- Gladbeck-Horst, Duisburg:, Gelsenkirdien, Hamborn, Reckilnghausen, Wattenscheid. I

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