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Der Jugendbund · 1926-04-22 · 6 (22.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
6 (22.4.1926)
Date
1926-04-22
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Schließlich können wir noch verlangen, daß das Staatsgesetz von einem rechtmäßigen Oberhaupt bzw. rechtmäßigen Landesregierung ausgeht; den Begriff „Malchus" dürfen wir ruhig mit „Regierung" identifizieren. Fassen wir nun zusammen, so kommen wir zu dem Resultat, daß Staatsgesetze so zu beobachten sind, als wären sie religiöse Pflichten. Als die Bekenner des Christentums ihre Wanderung durch das römische Weltreich antraten, da wurde ihnen die Weisung mit auf den Weg gegeben — unter einem gewissen Zwang, aber nicht in dem Sinne, wie das Wort In den jüngsten Tagen des „Volksbegehrens" gedeutet wurde —: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist", das heißt, erfüllt das, was der Staat von euch verlangt, damit ihr euch in Ruhe eurem religiösen Leben widmen könnt. Nicht so das Judentum. Mit dem Satze „Dino Demalchuso Dino" legt es seinen Bekennern die religiöse Verpflichtung auf, diejenigen Gesetze der Staaten, in denen deren Hoheitsrechte cum Ausdruck kommen, zu beobachten. Nicht Abwendung vom täglichen Leben, sondern dessen Durchdringung mit dem Geist des Rechts. Nach dem Untergang des jüdischen Staates bleibt Jisroel nur der eine Weg, sich auf seiner Wanderung unter den Völkern deren Achtung zu erringen, und zwar nicht als Achtung vor der Person, sondern als Achtung vor dem Gesetz. Um dies zu erreichen, ist es nötig, daß die Juden den Völkern diejenige Achtung entgegenbringen, die diese für die Ausgestaltung ihres sozialen Lebens verlangen müssen. Denjenigen aber, die den Zionsstaat der „jüdischen Nation" errichten wollen, sei gesagt: Auch uns erfüllt Trauer über den Ruin unsers Staates, und wir erheben in Gebeten und Wünschen unsre Hoffnung auf Wiedervereinigung im Lande, nicht um dort als Staat unter Staaten zu glänzen, sondern in der Wieder-' Vereinigung Boden zur volleren Erfüllung unsers geistigen Berufes zu finden. Aber eben dieser geistig religiöse Beruf verpflichtet uns: So lange Gott uns nicht hinruft, d a, wo er uns hingewiesen, alles Edle zu vereinigen, um das Heil der Staaten zu fördern, die uns aufgenommen; verpflichtet uns, nur der Trauer, den Wünschen und der Hoffnung den Hinblick aufs ferne Land zu gewähren, aber verbietet uns, durch irgendein äußeres Mittel die Wiedervereinigung oder den Besitz des Landes zu erstreben. Dem Staate gegenüber aber hat der Jude die Pflicht, überall einzutreten und tätig zu «ein für die Grundsäulen jedes menschengesellschafllichen Vereins: für die Wahrheit, für das Recht, für den Gemeinsinn, für die Verständigung-von Mensch zu Mensch — für den Frieden, Zum Wochenabschnitt Von Rabbiner Dr. J. Cohn, Stuttgart. Der Tod der Frommen hat eine sühnende Kraft, so sagt ein alter Lehrer in Israel. Darum schließt sich an die Schilderung des Todes der Söhne Arons die Beschreibung des Gottesdienstes am Versöhnungstage an. Wir finden sie in dem Thoraabschnitt achare moth, der zusammen mit dem Abschnitt kedoschim am kommenden Sabbat in den Gotteshäusern Israels zur Verlesung gelangt. Am Versöhnungstage vollzog der Hohepriester selber alle Funktionen. Er hatte eine dreifache Sühne zu bewirken: für seine eigene Person/ für sein Haus und die ganze Gemeinde Israels. Aus dem Geiste vergangener Bräuche dringen ernste Mahnungen für die Gegenwart an unser Ohr. Sie geben auch den Bestrebungen unsrer neu erwachenden Jugend Richtung und Ziel. Er sühne sich selbst. "Wie ist es mit unsrer Jugend? Von den einen wird sie gelobt, von den andern getadelt, von den einen für besser, von den ardern für schlechter erklärt als die Jugend vergangener Tage. Man darf wohl sagen, im wesentlichen ist sich die Jugend gleich geblieben, ist die heutige Jugend nicht anders als die frühere. Die Natur des Menschen ändert sich nicht, wohl aber unter dem Einflüsse äußerer Er- BÜCHERSCHAU „Der M o r g e n", Zweimonatsschrift, Herausgeber Prof. Julius Goldstein, Darmstadt, Philo-Verlag, Berlin, 2. Jahrgang, Heft 1, April 1926. , Unstreitig die wertvollste jüdische Zeitschrift in Deutschland, die würdig das deutsche Judentum in der Geisteswelt vertritt, ähnlich wie dies das „Hocnland" für den deutschen Katholizismus tut. Das vorliegende Heft des neuen Jahrgangs enthält wieder hochbedeutsame Aufsätze der besten Köpfe des deutschen Judentums. — In neuerer Zeit ist die Aufmerksamkeit der Forscher auf die Geschichte der Juden in China gelenkt worden. Richard Wilhelm unternimmt es, in großen Zügen über diese interessante Erscheinung zu orientieren. Julius Goldstein rechnet mit dem völkischen Antisemitismus Stapels in seiner bekannt geistvollen Weise ab. Sehr lesenswert ist ein Aufsatz des Leipziger Philosophen Hans Driesch über „Die Gottesbeweise". Rabbiner Dr. Italicner, Darmstadt, spricht über „Die Haggadah", insbesondere über die vielen mittelalterlichen Handschriften und die Illustrationen. Sehr lesenswert ist der glänzend geschriebene Aufsatz von Julius Bab über „Goethe und die Juden". Aeußerst beachtenswert ist das, was Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach, über .„Judentum und jüdische Religionsphilosophie im Urteil heutiger Katholiken" schreibt. Die Aufsätze von Selma Stern über »Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter" werden abgeschlossen mit dem Kapitel „Die Jüdin der Gegenwart". Di« Ausführungen Rudolf Hallos über „Die Schriftzeichen vom Sinai und das Problem der Heiligen Schrift" sind nur für Fachleute bestimmt. Schließlich setzt Rabbiner Dr. Jakob, Dortmund, seine „Einführungen in das Erste Buch Mose" in seiner bekannten instruktiven Art fort. lebnisse seine Art. Auf unsre Jugend haben die Leiden des Weltkrieges eingewirkt. Unter ihrem Einflüsse sind die einen emster und besser geworden, die andern leichtfertiger und schlechter, wenn nicht gar verwahrlost. Es ist sicherlich der etnstcre und bessere Teil unsrer Jugend, der sich auf der Bahn der Selbsthilfe gegenüber den Fäulniserscheinungen der Gegenwart bewegt. Möge er in seinem Eifer und in seinen Anstrengungen nicht nachlassen, um die Taten der andern zu sühnen, um auch sie für ein reineres und höheres Leben zurückzugewinnen. Er sühne sein Haus, diesen Worten liegt ein Hirwcis auf den zweiten Aufgabenkreis unsrer Jugend. Das jüdische Haus hat seine. Bedeutung als Pflanzstätte religiösen und sittlichen Empfindens immer mehr verloren. Auf dem Fortbildangskursus für die Rabbiner und Religionslehrer Württembergs, der gestern seinen Abschluß gefunden hat, wurde der Sorge hierüber wiederholt Ausdruck gegeben und aut die Gefahren hingewiesen, die sich aus dieser beklagenswerten Erscheinung für das Leben des einzelnen Juden und der jüdischen Gesamtheit ergeben. Das ältere jüdische Geschlecht in Wir legen den Vereinen warm ans Herz, für weitere Verbreitung dieser Zeitschrift zu sorgen. Geographischer Schul- und Unterrichtsa t 1 a s in hebräischer ^Sprache, redigiert von V. Jabotinsky und Dr. S. Pcrlmann, Verlag Ha-Sefer, London, Auslieferung R. Wagner und E. Debes, Leipzig, Brüderstraße 23. Preis: in Halbleinen 12,60 Mark. Der vorzüglich ausgestattete Atlas ist sehr zu empfehlen. Er bietet in 39 Karten und 25 Kartonen Geographie, in 2 Karten und 21 Kartonen Geschichte, sowie in 48 Seiten Erklärungstext, alles Wissenswerte zur physikalischen, politischen, ökonomischen und historischen Geographie, zur Kunde der Rassen, Religionen, und Sprachen, der Verteilung der Juden in der. ganzen Welt, zu den jüdischen Kolonien in Argentinien, Brasilien und Palästina und vieles andere, was für die Kenntnis des Judentums notwendig ist. Rheinische Jugend, Monatsschrift für rheinische Jugend-, Heimats- und Wohlfahrtspflege. Herausgegeben vom ^Bezirksausschuß für Jugendpflege, Düsseldorf, April 1926. Die vorliegende Nummer dieser stets anregenden Zeitschrift ist den Leibesübungen gewidmet. Führer aller Turn- und Sportorganisationen Deutschlands kommen zum Wort. Das Wertvollste scheint uns der Aufsatz des Generalpräses Msgr. Karl Mostcrts, des bekannten ersten Vorsitzenden der Deutschen Jugendkraft, über „Die sittlichen Werte der Leibesübungen" auszusprechen. Er will die sportliche Betätigung auf das richtige Maß zurückgeführt! wissen und warnt vor drei Gefahren, nämlich dem sensationslüsternen Rekordgeist, den wirklichen Uebertreibungen und Ueberanstrengungcn und dem gänzlichen Aufgehen in den Leibesübungen. Einen Satz wollen wir besonders hervorheben, weit er ganz, unserer Auffassung entspricht: „Die Leibesübungen haben soviel sittlichen Wert als geistiger Sinn und Seele in ihnen ist, und sie wiederum geistig und seelisch wirken." - 9 —

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