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Der Jugendbund · 1926-04-22 · 6 (22.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
6 (22.4.1926)
Date
1926-04-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Jung-jüdisi Von L i e s e1 Diese Worte wurden ursprünglich als „verbindender Text" zu Rezitationen aus Werken jung-jüdischer Dichter gesprochen. Es dürfte sich wärmsten* empfehlen, sie in gleichem Sinne bei entsprechender Veranstaltung unserer Bünde wieder erklingen zu lassen. Die Auswahl der Dichtungen ist, je nach Neigung, unschwer aus den am Schlüsse angeführten Gedichtsammlungen zu treffen. Die Schriftleitung. Int Rahmen der nachfolgenden Betrachtung sollen jüdische Dichter stehen. Wir beginnen mit Jehuda Halevi, der in neuerer Zeit begeisterte Uebersetzcr gefunden hat, dessen religiöse Dichtung Ewigkeitswerte in sich schließt. Dann wenden wir uns der Moderne zu. Dem im Felde gefallenen Hugo Zuckermann, ferner Franz Werfet und Eis« Lasker-Scbüler, die in den Vorkriegsjahren zu den bedeutendsten Mitschöpfern der neuen Lyrik zählen. Und schließlich, so, als schlösse sich «in Ring, U r i«1 Birnbaum, ein Bruder im Geist* Jehuda Halevis, ein Verherrlicher Gottes in unserer Zeit. Jehuda ben Samuel ben Sarauel Halevi wurde um das Jahr 1083 zu Toledo geboren. Die spanische Kultur stand in allerhöchster Blüte, Kunst und Wissenschaft, besonders die Dichtkunst, spielten eine führende Rolle in diesem fruchtbaren und unermeßlich reichen Land. Mit dreizehn Jahren sprach und schrieb Jehuda Halevi ein vollendetes Hebräisch und war gleichzeitig tief in die Kenntnis der arabischen Literatur wie der ganzen Zeitkultur eingedrungen. Der religiöse jüdische Dichter Abu Harum Mose ibu Esras entdeckt ihn und wird sein Freund. Jehuda Halevi zieht vom Norden nach Granada, dem Süden Spaniens und lebt dort allem Anschein nach von seiner Feder. Den Arztberuf, dem er später oblag, scheint er hier nicht auszuüben. Doch fühlt er sich verwaist und einsam, Weltschmerz und Lebensverachtung sprechen aus seinen Gedichten. i Auf die Epoche des' Glanzes war in Andalusien ein« Zeit der tief ten Erniedrigung gefolgt. Der Stern des Islam ves» blasst. Spanien seufzt unter Kriegen, und für die Juden, diu ehemals Träger hoher Würden waren, beginnt eine Zeit der Verfolgungen, Erpressungen und fanatischen Bekehrungsversuche. Jehuda Halevi litt furchtbar. Er selbst verfiel der größten Not. In der schlimmsten Zeit der Verzweifjung treibt ihm die Persönlichkeit des Persers Ali Gazzali entgegen, der der Welt ein« neu« Lehre gab, eine tiefe, inbrünstige, leidenschaftliche Religion, in deren Mittelpunkt die Seele steht, die Seele, die aus Gott kommt, zu Gott will, in Gott ist. Unter dem Einfluß Gazzali* findet Jehuda Halevi den Weg tu seinem Gott. Er erlangt die religiöse Reife. Religiöse Dichtungen entstehen. Da* Dichten ist ihm Berufung, die Sprache scheint ihm prophetisch, Wort* strömen reich aus seinem Mund«. Spät erst schwindet die Verbitterung, die die jungen Jahre erfüllt hall» und macht Platz einer frohen Religiosität und •iner tiefen Demut vor Gott. Jehuda Halevi reift zum Manne, und im Iahre 1120 finden wir ihn in Sevilla, wo «r fünf Jahre lebt. Dort heiratete er. Nirgends aber verweilt er für die Dauer und zieht wieder nach dem Norden, seiner Heimat Toledo. Dort läßt er sich als Arzt nieder und entfaltet bald eine segensreich* Tätigkeit. Di« materiellen Sorgen vermindern sich, und unabhängiger zieht er nach einigen Jahren, im Jahre 1135, wieder nach dem Süden, nach Cordova, um diese Stadt nicht mehr zu verlassen, bis er seine Wallfahrt nach Palästina beginnt. In Cordova erntet er Liebe und Ruhm, Schüler und Freunde umsorgen ihn, dort schreibt er, dichtet er sein Lebensbekenntnis AI Chazzäü: „das Buch des Arguments und Beweises zur Verteidigung des verachteten Glaubens". Er hatte mit •einem Werk seinem Gechlecht den Weg zu Gott zeigen wollen, und er folgerte für sich daraus, daß er, um da« wahr« Leben zu gewinnen, nach Palästina wandern müsse, ins heilige Land der Väter. Man warnt ihn vor dem Entschluß, der für Ihn unabänderlich geworden ist. Er begibt sieh aufs.Meer. Widrige Wind« veranlassen das Schiff, in den Hafen von Alexandria einzulaufen. Hier und später in Kairo werden ihm zu Ehren und um ihn zurückzuhalten, glänzend« Faste gefeiert; Sie Dichter Oppenheim. aber die innere Unruhe und ein Vorgefühl des baldigen Tode« treiben ihn weiter, er besteigt eine Barke auf dem Nil, nach seinem Ziel zu gelangen, stromaufwärts oder stromabwärts, keiner weiß es. Die Sage erzählt, er sei im Tor« Jerusalems von dem Rosse eines daherjagenden Sarazenen zerstampft worden. In seiner Dichtung ist Jehuda Halevi ein Kind zweier 'Kulturen: der arabisch-andalusischen und der jüdischen. Er besitzt die bunte Fülle der Sprache, die Beweglichkeit des Orientalen. Der Höhepunkt findet sich in der religiösen Dichtung, die er mit jüdischem Geist und tiefem Glauben erfüllt. Immer neu singt er die Ewigkeit und Einzigkeit seines Gottes. Heine sagt in der Romanze Jehuda ben Halevi: Solchen Dichter von der Gnade Gottes nennen wir Genie: Unverantwortlicher König Des Gedankenaustausch« ist «r. Nur dem Gott« steht er Rede. Nicht dem Volk«. In der Kunst Wie im Leben, kann das Volk Töten uns, doch niemals richten. Die Kunst Jehuda Halevis hat die verschiedensten L'ebersetzer und Nachdichter gereizt. Ein besondere« Verdienst hat sich Franz Rosenzweig erworben, der im engsten Anschluß an das Original eine Uebersetzung von 60 Hymnen gegeben , hat. Margarethe Sussmann schreibt in einer Würdigung dieser Uebersetzung: „Es besteht zweifellos «in« tiefe Verwandt» Schaft zwischen Dichter und Uebersetzcr, die da« Vergangen« zum Gegenwärtigen werden läßt". Hugo Zuckermann, 1881 zu Eger geboren, ist deutsch, böhmischer Jude. In seinen nachgelassenen Gedichten, di« ihm ein Freund Otto Abeles**besorgte, erkennen wir. die zwei Pole seines Dichtertums: sein Judentum und sein Volkstum. Er hat als junger. Mensch unter seinem Judentum schwer gelitten, und in quälenden und ergreifenden Versen hat er diesem Leid Ausdruck verliehen. Da fällt in sein Laben di* Botschaft Theodor Herzls, und in seine Dichtung schwingt ein neuer hoffnungsvoller Ton. In ernster Arbeit sucht er den Boden für die Zukunftsaaat zu bereiten. In der Frau, die, obwohl sie aus christlichem Hause stammte, sein* Herzens» hoffnungen gläubig teilt«, fand Zuckermann ein« hingebungsvolle Gehilfin. Der Gattin gilt ein weiterer Teil der Gedicht«, Mit ihr lebte er die letzten Jahr« seines Lebens als Rechtsanwalt in Meran. Sie vereinte sich mit ihm im Tod* und hat sich auf seinem Grab in Eger erschossen. Als der Krieg kam, wurde sich Zuckermann bewußt, wi* sehr sein Inneres seinem Volkstum, dem OesXerreichertum, verbunden war. Nicht durch Kriegsrausch, nicht durch Krieg«* zwang wurden diese Gefühle erweckt, sie waren neben dem Judentum immer da gewesen. Er eilt zu seinem Landwehr» regiment. Und aus dem Erlebnis des Neuen, Großen heraus, j entsteht sein österreichisches „Reiterlied", das ihn mit einem Male heraushob aus der Schar der Kriegsdichter; er gab damit ein Volkslied. Und als Dichter dieses Volksliedes wird sei« Name fortleben. Wohl hat er noch andere Kriegsgedicht« hinterlassen, aber keines erreicht die Höh« des „Reiterliedes". Am Schlüsse seines Lebens steht noch ein Gedicht, ei« Ruf, ein Vermächtnis, 'das mit erschütternder Deutlichkeit di« Zweiheit wiedergibt, di« in Hugo Zuckcrmann wirksam war. Auf einem von Granaten zerwühlten jüdischen Friedhof dichtete dieser sterbende Landwehroffizier seinen „Makkabäergesang". Hugo Zuckermann ist kein Dichter von eigen» williger Prägung, jtia über sein Ich hinausreißendes Dichtertum ist ihm nicht gegeben. Er ist Widerklang, Instrument seines Lebens, seiner Zeit, und so ist er Dichter des ahnungs» schweren Volksliedes geworden. Aber der Mensch, der Jude Hugo Zuckermann verdient, daß man ihn Liebt und sein Andenken behütet. Franz Werfet, 1890 geboren, ist als Lyriker, Dramatiker und Prosadichter hervorgetreten. Als Lyriker gab er sei« Unmittelbarstes, und wo von moderner Dichtung di« Rede ist, wird er als Markstein genannt werden müssen. Werfet ist der Dichter des Mitleids. Er fühlt das Leid der ganzen Welt als sein eigenes, und sein« Hingebung an die Welt

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