Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (8.4.1926)
- Date
- 1926-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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i Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gelang es dem Christentum, in Spanien die Herrschaft zu erringen. 1492 fiel die letzte maurische Feste, Cranada, und aus Dankbarkeit seinem Cotte gegenüber vertrieb der König Ferdinand die Nichtchristen. So konnte miteinem Federstrich eine kulturelle Blüte vernichtet werden, die deswegen unsicher sein mußte, weil ihr die Basis eines selbständigen jüdischen Lebens (ehlte. Der Redner erntete für seine interessanten Ausführungen reichen Beifall. Bernd Spanier. Kreuznach Jüdischer Jugendverein Moses Mendelssohn. Zu unserm Purimabend am Samstag, den 6. März, hatte sich eine große Anzahl unsrer Mitglieder nebst Gästen, die alle frohe Purimstimmung mitbrachten, eingefunden. In launiger Begrüßungsansprache bat unser verehrter 1. Vorsitzender, Richard Rauner, die Lücken des Programms durch freudige Purimstimmung nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen. Das jugendliche Fräulein Lizzie Frank bot sodann wunderbar exakte Klaviervorträge. Unser verehrtes Ehrenmitglied, Herr Kantor R. Bachrach, schilderte in klarer Weise die Bedeutung des Purimfestes unter dem Hinweis, daß auch beim jetzigen Purim, fast wie gefügt, die Tragik, die das Judentum stets umlauere, mit im Spiele gewesen sei: Auf das eigentliche Purimfest fiel der große Volkstraucrtag. Hierauf hörten wir Fräulein Margot Strauß, die in meisterhafter Weise biblische Texte in weltlicher Form, dem Buche des Freiherrn von.Münchhausen entnommen, rezitierte. Unser liebes Mitglied, Herr Max Moskowitz, ließ uns auch heute nicht im Stiche: den Prolog aus dem Bajazzo sang er so, daß er sich zu einer Zugabe entschließen mußte. Den Beschluß des Programms bildete die Aufführung des „Verwandelten Komödianten" von Stefan Zweig, ein Spiel aus dem deutschen Rokoko, das ganz hervorragend dargestellt wurde. Die Hauptrollen lagen in Händen des Fräuleins Gizella Weiß und des Herrn Kurt Bachrach. RR. Oberhausen Dem Jahresbericht des Vereins entnehmen wir folgende interessante Veranstaltungen: Rezitationsabend des Schauspielers Leo Sylvester Huth; Vortrag des Herrn Dr. Rothschild über: „Darf man lügen?"; Gesangsabend des Herrn Oberkantors Davidsohn, Berlin; Vortrag des Herrn Dr. Auerbach, Berlin, über Ku-Klux-Klan; Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Hahn, Essen, über „Heidentum, Christentum, Judentum"; Künsllerabend der Jüngeren; Chanukkaabend mit Rezitationen des Schauspielers Herrn. Heuser, Bochum. Am 3. November 1925 wurde eine Turngruppc gegründet, die sich gut entwickelte. Der Verein hat zur Erhöhung des Interesses bei den Mitgliedern den Gesamtbezug des „Jugendbundes" beschlossen und erwartet, daß alle Freunde unser Blatt genau studieren. Trier In einem hochinteressanten Vortrag wußte am Samstag, den 13. März, Herr Dr. Julius Bab, Berlin, die zahlreich erschienene Zuhörerschaft der Arbeitsgemeinschaft zu fesseln. Er sprach über das Thema: „Juden in der deutschen Literatur der Gegenwart", und verstand es, sich des umfangreichen Themas in hervorragender Weise zu entledigen. Am Schlüsse des ungefähr 1 'sstündigen Referates wurde er mit großem Beifall beehrt. Nicht minder spannend und außerordentlich lehrreich sprach am Montag, den 22. März, Herr Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden, über: „Das deutsche Judentum nach dem Weltkriege". Auch diesmal folgte eine überaus große Anzahl den Ausführungen des Referenten, und der starke Beifall am Schlüsse seines etwa 1'istündigen Vortrages zeigte mit Genüge, mit welchen Darbietungen uns Herr Dr. Lazarus erfreute. Wirtlich a. d. Mosel Unsrc Heimabende waren in den verflossenen Monaten stets von einer stattlichen Zahl unsrer Jugend besucht. Bs wurden Vorträge gehalten über „Die geschichtliche Entwicklung unsres Gottesdienstes", „Unser Gebetbuch und seine Geschichte" u. a. Aussprachen, die sich an die Referate knüpften, bewiesen das Interese der Anwesenden. Bei Spiel und Gesang verlief der geseilige Teil der Heiniabende oft allzuschncll. Leider mußten die letzten Heimabende und die für-diese geplanten Vorträge, durch mehrere Traucrfäile ip der Gemcirde veranlaßt, ausfallen. Das Ziel des Vereins, Bildung durch gute Lektüre zu fördern, wird verfolgt durch Ausgabe von Büchern weltlichen und jüdischen Inhalts aus der zur Zeit 90 Bände zählende« Vereinsbücherei. Die Jugendabteilung bringt dieser Einrichtung ein besonderes InUresse entgegen. Ein außergewöhnlich genußreicher Aber.d wurde dem gesamten Jugendvercin am 20. Februar geboten. Einer' Einladung des Vorsitzenden unsers Vereins folgend, veranstalteten zwei junge Künstler, Julius Goldberg und Ernst Ludwig Cassel, aus Köln einen Konzerlabend. Durch ihr meisterhaftes Spiel und ihren hinreißenden Vortrag der dargebotenen Konzertstücke erzielten sie einen glänzenden Erfolg.' Der Wunsch, recht bald wieder, solch künstlerischen Darbietungen lauschen zu dürfen, beseelte die zahlreich anwesenden Musikfreunde. SPORT IIIS Wir und der jüdische Turn- und Sportverein Auf der letzten Delegiertentagung des rheinisch-westfälischen Bezirksverbandes der Jugendvereine in Essen wurde auf die Anfrage eines Delegierten bezüglich der Stellung des neutralen Jugendvereins zur jüdischen Sportbewegung die Angelegenheit als noch nicht spruchreif zurückgestellt. Aber die neutralen Sportvereine sind nun mal da; und wir müssen mit ihnen als nichtwegzulcugnender Faktor im Leben der jüdischen Jugend rechnen. Diese Tatsache gibt mir Veranlassung, über die Stellung von Jugendverein und Sportverein zueinander zu schreiben. Nicht über das Für und Wider einer jüdischen Sportbewegung will ich polemisieren, sondern von der Tatsache des Vorhandenseins beider Vereine ausgehen. Nach der Inflation blühten allenthalben die Jugendvereinc wieder auf, und fast im gleichen Schritt mit ihrem Aufstieg setzte die Gründung von jüdischen Turn- und Sportvereinen ein. In jeder größeren Gemeinde — und, was füruns naheliegend ist, besonders in Rheinland und Westfalen — haben wir heute jüdische Sportvereine. Zwei nicht zu umgehende Tatsachen sind es, die uns zwingen, dem Verhältnis zwischen beiden Organisationen unsra Aufmerksamkeit zuzuwenden. 1. Beide Organisationen basieren auf dem Begriff jüdischpolitischer und religiöser Neutralität, und, 2. was das Wichtigste ist: Beide begehren für sich die Jugend, und beide haben sie auch nötig. Allein schon der zweite Punk't läßt erkennen, wie wichtig die Behandlung dieser Frage ist. Nicht nur in der 'ihco-if dieser Abhandlung soll dies gescheh-n, sondern auch pra!:ti;;lj durchgeführt werden, sonst entsteht — wie wollen c; liier ruhig aussprechen — ein Konkurrenzkampf zwischen Jui.-ndverein und Sportverein. Daß so etwas verhütet werden muß, ist selbstverständlich, denn bei einer Rivalität zwischen beiden Vereinen gäbe es m. E. keinen Sieger, sondern nur Unterlegene, d. h. beide Teile würden sich selbst ihr Grab graben. Dieses muß verhütet werden. Dazu gehört nicht nur geg nseitiges Wohlwollen, sondern engste Fühlungnahme beider Organisationen. Diese ist sogar zwingende Notwendigkeit, da sonst leicht Unzuträglichkeiten entstehen könnten. Daher sollten sich die Vereine selbst eine ständige Fühlungnahme zur Pflicht machen, indem sie miteinander eine Arbeitsgemeinschaft eingehen. Beide Vereine — Jugendverein und Sportverein — sind rege tätig und hat jeder mehrere Abende in der Woche tür sich belegt. Hieraus ergibt sich die wichtigste Frage, welche für beide Teile, eine große Rolle spielt, und zwar die Frage des Zeitpunktes der Veranstaltungen. Dieselbe ist auf Grund von Abmachungen in der Arbeitsgemeinschaft leicht zu lösen. Bei uns in Gelsenkirchen hat der Hakoah seine Turnabende des Montags und Donnerstags. Da ist es für den JJV. als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft eine selbstverständliche Pflicht, hierauf Rücksicht zu nehmen, und finden unsrc Veranstaltungen nur Dienstags und Freitags statt. Sehr fördernd und sehr zu begrüßen ist es, wenn einzelne Vorstandsmitglieder gleichzeitig den Vorständen beider Vereine angehörten, denn