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Der Jugendbund · 1926-04-08 · 5 (8.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
5 (8.4.1926)
Date
1926-04-08
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Aus den Bünden Düsseldorf Die Buchausstclluung des Jugendvereins bedeutete einen vollen Erfolg. Es fand eine Reihe Führungen von Organisationen statt, so des Frauenvereins, der Dusseldorfloge, des Schülerbundes und selbstverständlich des Jugendvereins. Viele Einzelbesucher sah man öfter wiederkommen und sich in die rciihhaltiße Schau vertiefen. Den Mittelpunkt der Schau bildete die wunderbare pholographische Wiedergabe der Münchener Talmudhandschriff. Um diese herum waren ältere und neuere Talmudausgaben und Übersetzungen, sowie Gesetzcsliteratur, darunter eine alte Ausgabe des Tur. gruppiert. Daran schloß sich die biblische literatur — hebräische, deutsche und illustrierte Bibclausgaben. Erklärungen und moderne Werke über dieses Gebiet. Daran anschließend sah man das Gebiet der Wissenschaft des Judentums von Zunz bis zu den neuesten Erscheinungen, dann Gebetbücher in reicher Auswahl" für alle Gelegenheiten. Eine eigene Abteilung war der jüdischen Bewegung gewidmet. Auch die jüdische Frau war berücksichtigt von der Glücket von Hameln bis Berta Päppenheim. Selbstverständlich fehlte .t.:c4t niicht ostjüdischc Literatur in Originalausgaben und Uebersclzungcn und moderne jüdische Belletristik. Für die Jugend sah man eine reichhaltige Bibliothek, bei der auch Spiele für die Kleinsten nicht fehlten. Jüdische Kunst war in schönen Bildwerken und vollendeten Chanukkaleuchlern und Bechern unsres heimischen Künstlers Friedländer vertreten. Der Philo- \ erlag hatte eine geschlossene Sammlung Abwehrlitcratur, der Jüdische Verlag Palästinaliteratur beigesteuert. Auf besonderen Tischen wurden Werke jüdischer Musik und Haggadot gezeigt. Daß auch Zeitungen und Zeitschriften auslagen, ist selbstverständlich. Alles in allem kann man sagen, daß der Jugendverein durch diese Schau sich ein bleibendes Verdienst um das jüdische Leben in Düsseldorf erworben hat. * Der Bund jüdischer Schüler und Schülerinnen feierte am 7. März sein Purimfest im großen Saale des Paulushauscs. Kund 600 Personen, groß und klein, folgten-'den reizenden Darbietungen, in deren Mittelpunkt ein Puppenspiel und eine ladellos v.icdergegebene Purimoperctte von Frieda Mehler, Berlin, standen. Der aufstrebende Bund hat sich durch dieses Fest viele Freunde erworben. Die IIumaniläls\ereinigung Lew Tauw, die Darlehen an n Nut geratene Mitglieder gewährt und damit in dieser Zeit .icl Gutes zu schaffen berufen ist, hat in kurzer Zeit ihren Mitgliederbestand verdoppeln können. In der Mitgliederrersr.mmlung am 1. d. Mls. wurde mit Genugtuung festgestellt, daß der Gedanke der Vereinigung immer mehr Anklang findet, d.vi aber, um so wirken zu können, wie es wünschenswert ist, noch viel mehr Freunde gewonnen werden müssen. Alle GemeindemiIgücdcr werden herzlich gebeten, der Vereinigung beizutreten. Am 21. April bc-ginnt wieder ein Volkshochschulkursus von Rabbiner Dr. Klein. Diesmal wird zur Einführung in die jüdische Abteilung der „Gcsolei" das „Gesundheitswesen und die soziale Fürsorge im Judentum" behandelt. Führungen durch die jüdische Abteilung der Gesolei sollen die behandelten Themen zur lebendigen Anschauung bringen. Der Kursus findet jeden Mittwoch abend '.-9 Uhr in der Studienanstalt, Kasernenstraße 30, statt. Karten für alle zwölf Abende für 4 Mark sind bis zum 14. April zu haben bei Dr. Klein und in der Geschäftsstelle der Volkshochschule, Bahnstraße 5. Duisbunj-Ruhrort Arbeitsbericht des Duisburger Jugendbundes. Avis finanziellen und technischen Gründen haben wir in letzter "Zeit Vorträge von prominenten Persönlichkeiten nicht halten lassen, sondern veranstalteten Heimabende. An diesen Abenden hatten sich zu unsrer größten Freude vier Mitglieder ur.srcs Vereins bercitgefunden, ein Referat zu halten. Wir ttegrüßen dieses um so mehr, als es sich um Mitglieder handelt, die tagsüber beschäftigt sind, um ihren beruflichen Verpflichtungen nachzukommen. Das muß erwähnt werden im Gegensatz zur großen Anzahl der Duisburger Akademiker, die das ganze Jahr nie Zeit haben, uns einen Teil ihres Wissens zu Gehör zu bringen, geschweige denn unsre Veranstaltungen überhaupt zu besuchen. Ende Februar referierte Herr van Geldern über „Kunst und Mode". Im März sprachen nacheinander die Verbandsfreunde Richard Rothenberg über „Deutschtum und Zionismus", Lehrer,' Kaiser über „Die Mischehe" und Erich Meinrath über „Martin Buber und die Sehnsucht unsrer Jugend nach Religiosität", Besonders die beiden letzten Referate erzeugten eine Diskussion, wie wir sie lange nicht hatten. Die Diskussion nach Meinraths Vortrag bewies, daß auch in der Duisburger Jugend eine Sehnsucht nach Religiosität vorhanden ist. Dieselbe ist jedoch zur Unfruchtbarkeit verurteilt, wenn, wie M. ausführte, der Gemeinschaftssinn und -geist der Alten der Jugend gegenüber gänzlich fehlt. Nicht unerwähnt lassen wollen wir den Vortrag: „Wir und die andern", den Frau Hede Israel, Elberfeld, bei uns hielt. Die sachliche, klare und bescheidene Art ihres . Referats, an das sich eine Aussprache schloß, gewann bei uns viel Sympathie, so daß wir Referentin wie Thema nur empfehlen können. Die Vorträge wurden durchschnittlich von 50—60 jugendlichen Mitgliedern besucht. Anläßlich Passah stellte uns die Loge ihre Räume zur Abhaltung eines Sederabcnds, der \ on Herrn Lehrer Frank geleitet wurde, zur Verfügung. Wegen Ermangelung einer Sporthalle konnte die sehnlichst erwünschte Sportgruppe noch nicht in Funktion treten; die Wandergruppe wird auch bald wieder ihre Wanderungen bc- 'ginnen. Beide Eragen sollen in der in Kürze stattfindenden Generalversammlung eingehend erörtert worden Aha. Hamborn Im Monat März behandelten wir bei der Weitcrvcrfolgung unsrer Lektüre von Max Brods „Heidentum, Christentum, Judentum" in der Hauptsache zwei Gebiete: das Problem der sittlichen Freiheit und den Friedensgedanken in seiner \ erknüpfung mit dem Judentum. Es wurden folgende Vorträge gehalten: Herr Elias Rottner sprach über die Freiheit des Willens; Herr stud. phil. Julius Cohn über die philosophischen Voraussetzungen der sittlichen Freiheit. Herr Daniel Ertel referierte über. Zangwills Vortrag: „Das altjüdische Ideal im Gegensalz zum germanischen". Herr Dr. Heinz Kahn, Elbcr-» feld, sprach in einem vom jüdischen Jugendbund veranstalteten Abend der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Vereine Hamborns über Karl Kraus' „Weltfrieden — Judentum". Der gut besuchte Vortrag, verbunden mit einer auf ungewohnt hoher Stufe stehenden Diskussion, hinterließ einen äußerst nachhaltigen Eindruck, In der Arbeitsgemeinschaft wurde die Behandlung der Geschichte Israels fortgesetzt und bei der letzten Zusammenkunft vor Pessach, über Sedfcr-Gcbräuche gesprochen. — Die Turnstunden am Sonntagmorgen wurden regelmäßig gut besucht. Von unserm Purimfest ist noch zu berichten, daß es einen außerordentlich starken Erfolg hatte. Es wurde von über 500 Personen aus der ganzen Umgebung besucht, Köln Jüdischer Jugendbund Gabriel Riesser. Herr cand. phil. Carl Cohen aus Frankfurt a. M. referiertein scharfen Umrissen über: „Die Juden in Spanien". Er behandelte erst kurz die jüdische Geschichte bis zu dem Zeitpunkt (etwa 10. Jahrhunderl), in dem die spanische Epoche einsetzte. Es war die Blütezeit der jüdischen Dichter, Philosophen und Mystiker. Die Möglichkeit zu dieser Entwicklung war durch die religiöse Duldsamkeit der Araber und ihre nahe Verwandtschaft mit den Juden gegeben. Auch die Philosophen, die z. T. arabisch schrieben, sorgten dafür, daß ihre Werke in das i^cW-äische übertragen wurden und schufen damit eine philosophische Terminologie der hebräischen Sprache. Der Redner schilderte dann die berühmtesten Männer jener Zeit: Salomo ' Gabirol, Jehuda Halevi, Maimonides; die Kimchiden. — 4 —

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