Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (8.4.1926)
- Date
- 1926-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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die Erfahrung hat gelehrt, daß dieses zu einem harmonischen Arbeiten beider Vereine führt. Eine heikle Frage ist die des Beitrags. Beide. Vereine erhalten sich durch sich selbst. Ihre Mitglieder sind meist junge Menschen und sind es ziemlich dieselben, die sowohl dem Jugcndvercin als eurji gleichzeitig dem Sportverein angehören. Da ließe sich vielleicht — allerdings nach reiflicher Erwägung — ein Modus zur gemeinsamen Erhebung eines Beitrags finden, denn wenn hierdurch dem einzelnen auch nur ein Wenig erspart wird, so kann dies oft der Grund sein, gerade Jugendliche fester an den Verein zu ketten. Gleichwohl halte ich den zuerst erwähnten Punkt für den wichtigeren — die Einigkeit in allen Fragen. Wenn möglich, sollen die Vereine auch räch außen hin durch gemeinsame Veranstaltungen ihre Zusammenarbeit und Einigkeit dokumentieren. Die Jugend soll so zeigen, daß es ihr gelingt, in ihren Reihen Einigkeit zu bewahre:: auf der breiten Plattform der Neutralität. Und was uns den Weg zur Einigkeit innerhalb unsrer Reihen so leicht machen muß, ist der Umstand, daß doch schließlich beide Organisationen, Jugendverein und Sportverein, dasselbe Endziel \trfr!gen: die. jüdische Jugend zu jüdischen Menschen heran7i:";chep. Der Sportverein will körperlich gesunde Menschen heranbilden und der Jugendverein geistig erzieherisch wirken Das eine ist der jüdischen Jugend so notwendig ivie das andr< denn ein gesunder Geist braucht einen gesunden Körper. O'toGuthmann, Gelsenkirchen, Etwas aus der Turnstunde Wer die seelische Verfassung unserer jüdischen Jünglinge in interessanten Pinielheitcn beobachten will, dem bietet sich hierzu während der Turnstunde eine günstige Gelegenheit. Hier, wo n darauf ankommt, den eigenen Willen und Körper dem Kor.-mando eines Fremden, des Führers, ZU wri, ,muß sich die Einstellung' des jungen Menschen zur körperlichen Betätigung, die Einstellung zum Verlangten und seine. Rücksichtnahme aufs allgemeine erhellen. Da wird man manche; Vorurteil fallen lassen, aber auch manches Betrübliche zunächst mithinnehmen müssen. El i -tein fast offenes Geheimnis, wie altklug und nasesehr oft gerade unsere Jüngsten sind, und wohl ebenso bekannt i-'. d-iß schon mancher von ihnen durch sein Abscheu erregendes Wichti'jtun und ..Bekritteln", Unerheblichkeit und Großsprecherei, mit übertriebenem Ehrgeiz gezeigte Jagd nach Ehrenämtern und „Pestchen" die zum Abfall von der Jugendbewegung gebracht hat, die ihr am meisten ergeben und berufen waren, durch ernsteste Arbeit ihr zu dienen. — Das soll nun nicht etwa bedeuten, daß alle Abgefallenen frei waren von den geschilderten Fehlern, sind wir doch alle r.vir Menschen, auch wenn wir zum Höchsten streben und für die Tüchtigsten'gelten. Wahr aber ist, daß durch 'das leere P.hrascr.gewiscl: und die Förmlichkeitskrämerei unter uns sc!i in mancher dem Jugendbund den Rücken kehrte. Nun ein Bild aus der Turnstunde. — Alles steht in Reih' und Glied. Der christliche Turnlehrer hat „Still gestanden" befohlen. Da sollte man meinen, jeder stünde wie eine Holzsäulel rWeit gefehlt! Immer bocken noch ein paar Schwätzer zusammen und streiten sich darüber, ob diese oder jene Firma heute den größten Umsatz hatte! — Der Lehrer weist sie energisch zurecht. Träge schleppen sie sich an ihre Plätze, knurren aber immer noch. — — „Hat der auch schon was zu melden?" — Man übt am Reck. Einer zeigt eine neue Uebung. Ein 25jähriger macht sie nicht vollendet. Der Betreffende lacht zwar, obschon oder weil er's nicht schaffte; wie aber muß es ihn berühren, wenn er von einem Lehrling, der, angenommen, zehn Jahre jünger ist, verächtlich gemacht wird. Soll sich bei ihm nicht allmählich eine gewisse Unlust, eine Art Verdruß einstellen? — Ein anderes Bild. — Ein 17 jähriger, ausnehmend großer Junge, fordert einen um sechs Jahre älteren, aber beträchtlich kleineren Turner auf, ihm einen Sprung über den „hochgestellten Bock" nachzutun. Der Kleinere stürzt beim Sprung und verletzt sich irgendwie. Dann ist es keine Seltenheit, wenn man diesen großen Wichtigtuer reden hört: „Siehst du, du Protzer, — auch wenn der andere noch so bescheiden ist in seinen Umgangsformen — da bist du sechs Jahre älter und bringst diese einfache Uebüng nicht fertig!'' — Dann die geringe Selbstunterardnung der Jüngeren. — „Di« beiden letzten holen die Matten!" — „Muß ich da immer laufen? Fällt mir ja gar nicht ein!" Nun muß man aber mal »so einen eben der Volksschule und der Schiefertafel Entlaufenen in seinen Gesten und Randbemerkungen beobachten, wenn ein älterer Kamerad einen anderen kritisiert, ob nach der einen oder der anderen Seite. — Es führte zu weit, v: »Ute ich mit diesen Kostproben aus der Turnstunde weiter fortfahren. — Man wird mir entgegenhalten, das sei nicht nur bei uns so. — Nun, wenn es so bei den andern ebenfalls in diesem Maß« zuträfe — was ich bezweifle — wäre das ein Grund für uns, diesen Entartungen und Ungezogenheiten gegenüber stillzuschweigen? : Gewiß ist es keine Kleinigkeit, den Nachwuchs einer Gemeinschaft, die Jahrhunderte hindurch nur einseitig geistigem Studium, scharfspitzen Disputationen ergeben war, plötzlich in ein anderes Gleise zu bringen. Aber darum üben wir ja Kritik, unsere eigenen Fehler vor Augen zu sehen, rücksichtslos den Spiegel unserer Gewohnheiten zu betrachten. Wir Jungen müssen es uns abgewöhnen, für jeden Hinweis auf einen Fehler einen wegwerfenden Augenaufschlag zurückzugeben, ein dummes Wort zu gebrauchen, und beleidigte Mienen zur Schau zu tragen und sich dem Dünkel hinzugeben, die vollendetsten „Weisen aus dem Morgenlande" zu sein. Lernen müssen wir alle, auch wenn wir Akademiker, wären. Geistiges Wissen ist nicht kongruent mit Willens- und Charakterstärke. Darum, die wir jung sind: Gearbeitet —, und gearbeitet an uns selbst! Frischauf den Turnern! Alfred K. — ReckL 16. Februar 1926 VEREINSNACHRICHTEN Mitteilungen des Bezirksverbandes jüdis-cher Jugendvereine Westdeutschrands 1. Zur Rednerliste: Herr cand. phiL Karl Cohen. Frankfurt am Main (siehe unter „Aus den Bünden" unter Köln), wird vorn Kölner Verein besonders als Redner empfohlen. Die Vereine uenden sich wegen dieses Redners an Hans Goldberg, Köln, Trajanstraße 25 part.. 2. Wir Ktlen nochmals um Beantwortung der Fragen unter 3. , der Mitteilungen in der letzten Nummer, da wir das Material unbedingt brauchen. Der Termin wird bis zum 20. April verlängert. 3. .Den Vereinen geht in diesen Tagen der Fragebogen für die ■teilnähme an der Delegicrtentagung des Verbandes zu. Wir erwarten genaue und pünktliche Erledigung. 4. Einige Vereine haben sich erfreulicherweise als Mitglieder dem Frovinzialverbend für jüdische Wohlfahrtspflege in der Rl'.cicprovinz angeschlossen. Wir fordern alle Vereine ' auf. dasselbe zu tun und so dies segensreiche Werk zu unterstützen. Die Anerkennungsgebühr für Vereine - beträgt 20 Mark jährlich. Der Wohlfahrtsverband fordert auch die einzelnen Mitglieder auf, bereits als junge Menschen in die Wohl!.:hrtsvereine einzutreten. Wir würden dies sehr begrüßen, damit die Jugend Einfluß auf diese Institutionen gewinnt, Redaktion: 16. April. gewinnt, 5. Redaktionsschluß für die nächste Nummer (Rcichsausgabe): irein Mit Verbandsgruß! Rabbiner Dr. Klein. Verein der jüdischen Jugend, Aachen Anschrift: Hans Francken, Wilhclmstraße 109. 11. 4. Tageswanderung: Lammersdorf—Rurberg—Urfttalsperre —Heimbach. Abfahrt: 7,30 Uhr Hauptbahnhof. Leiten Hans Francken. 13. 4. 8)4 Uhr. Nuellens Hotel. Vortrag Dr. Wallerstein: „Jüdische Aerzte". 25. 4. Tretfahrt mit Düren und Düsseldorf. - Jüdischer Jugendverein, Düren Anschrift: Trude Fürth, SchenkeUtraße 24. 13. 4. Heimabend; „Spinoza", Referat von Otto Edler. 16. 4. Freitagabendfeier mit Bewirtung. (Gemeindezimmer.) 19. 4. Rabbiner Dr. Klein spricht über Emancipation der^ deutschen Juden.