Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 4 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Zielsetzung verzweifeln und in5der Folge entweder zu diesem übergehen oder zum wertesten der jüdischen Bewegung gegenüber indifferent werden, Im Wettstreit mit dicjcjf Bewegungen ist für das Judentum »ber neben dieser Himfcigung zu verwandten Quellen eine besondere Gefahr-tmch darin zu erblicken, daß jene sich mit wachsender Intensität dem gegenwärtigen, also auch politischen Leben zuwenden. „Das Reich Gottes ist im Diesseits zu verwirklichen", betont der. genannte Dr. Eberhard Arnold immer wieder, und das gilt, wie gezeigt, in erhöhtem Maße für den Katholizismus. Bisher wurde diese „Möglichkeit der Politik" (M. Brod) von fast allen jüdischen Schriftstellern, die sich mit diesem Thema beschäftigen, gerade als Unterscheidungsmerkmal des Judentum! vom Christentum hingestellt. Es scheint also, als wolle das neue Christentum dem Judentum die stärksten Waffen cus der Hand nehmen, die es bislang im Wettstreit mit ihm besaf?: den Glauben an die Möglichkeit, das diesseitige, das .pelitischc Leb-.n in religiösem Sinne zu durchdringen und zu ethisicren. Was endlich, den Katholizismus im besonderen angeht, so bal er einen Vorsprung vor dem Judentum insofern, als er in der Institution der Kirche ein gewaltiges Instrument in der Hand hat, seinen Menschenkreis mit seinem Geiste zu erfüllen. Dem Judentum widerstrebt ein solches Instrument, auch wenn es nicht das Monopol der Mittlung zwischen Mensch und Gott für sich in Anspruch nähme — der jüdische Mensch ist heute mehr denn je einer festgefügten, geistig disziplinierten Ordnung abhold. Es bleibt jedoch sehr die Frage, ob wir uns nicht in Bälde zu einer viel größeren geistigen Disziplinierung bequemen müssen, wenn anders ein Judentum im Galuth überhaupt noch zu erhalten sein solL Urchristentum und, damit verbunden, Dicsseitsbejahung, sind also die Zugkräfte eigener Prägung, die Institution der Kirche das Werbemittel fremder Eigenart, gegen welche das Judentum den Kamuf um sjine religiöse Besonderheit gegenüber den christlichen Religionen, wie sie sich in der Gegenwart darstellen, aufzunehmen hat. Ein schwieriger Kampf, der zu den erbitterten Streit de.; Judentums um seinen äußeren Bestand hinzukemmt. — Die Mittel und Wege, ihn zu bestehen, i cm Judentum auch seine geistige, besondere Existenz gcgcnübir dem neuen Christcvli m zu ehalten, müssen in BTn.c insam;r Arbeit gifuudcn w erden. Famiiienstolz und Familienehre Vor. Fabius Schach, Berlin. FarhiliensUg.". urd FamilicEehrc fließen aus derselben Quelle, aus dem Wurzeln in der Vergangenheit, aus dem Ecwußtseir, daß wir £eschich!'-che Wesen ■sind, a-is der Zusammengehörigkeit des Blutes, die bis zu einem gewissen -Grade auch eine gemeinschaftliche Mentalität bedingt. Beide sind Emanationen einer differenzierten Ccfühlswclt, Ausstrahlungen" des geschichtlich gewordenen Empfindung^lebens eines bcslimmtcn Kreises. Je stärker das primäre Gefühlsmäßige i.hcr die" sekundä-e Gedankenwelt hinaus wirkt, desto liefer gestalten sich die Bande der Familie. Umgekehrt erzeugt, die instinktive Zugehörigkeit zum engen Kreise eine Bereicherung der Empfindungswclt. Aus der Enge des umgrenzten Kreises erwächst die individuelle Auffass-ing von Famiiienstclz und Fatnnienehrc. Eine weitere Ausdehnung des Kreises, eine Binde J kultureller! sozialer und politischer Natur stört die Eigenart der Familie und schafft andre Begriffe von Stolz und Ehre, die dem neuen Kreise gemein sind. Wir Juden bildeten noch bis in die zweite Jlälftc des verflossenen Jahrhunderts^ hinein auch in den Ländern deutscher Kultur die Gruppe der stärksten Familienmenschen. Neben den ethischen Momenten wirkten hier mit die Anfeindung von außen, das rituelle Leben und die gesellschaftlichen Bedingungen. Schon in der frühesten Ver- Pessach Von Rabbiner Dr. Nobel. Berlin. So alt das menschliche Herz ist, für den belebenden Hauch, der aus dem Wcch-el der Jahreszeiten herauskommt, hat es immer ein festes Empfinden gehabt. Und beglückender Wechsel und Rhvthmus Wird auch in paradiesischen Zeiten bestanden haben. Denn menschliches Leben verlangt gebieterisch ein Fließen und Wi gen, ein Wollen und Werden der Kräitc. verlangt als Spende au-, göttlicher Hand das Rinken nach Wahrheit -und Glaube heißer und tiefer und vtrnun.'tbcscelter als das Glück selb-*, Diie Seele v.d ihre Schöpfung, der Körper, der Körper u'.J seine l Krönung, die Sce^c, sind abgc.-Ümmt auf dieses Err.pfindciji. Das Bild urtd der prägnante Zeitpunkt zur Lebensbejahung ist der Frühling. Seelisches Empfinden f:"r Glück, für Jugend und Freiheit, für Schaffen un.l Werden v.ebcn im Dult deT Frühlings. L'nserc Wissenschaft spricht von einem Frühlingsrausch. Pic abgeklärte Weisheit Jüdische', aus Ewi '- keitskiimen geborener Weltanschauung hat das riomentare, Kreatur- und Naturhaftc des Menschen- und Volk lebens beseligt und beschwingt zu geistigen Werten, zu Atomen und Osnionen, die um den Kein dej' ."■*> nschentums mischen und ihn adeln. Die Gcschichtswcrdung unseres Volkes hat nicht bloß zufällig einmal einen ägyptischen Frühling erlebt. Gcschichtswerdung ist immer neuer Frühling. Das jüdische Fest ist gargenheit, in biblischer ut.d später in taUaudischtr Zeil, war man stets darauf bedacht, die Familie als feste Burg zu gestalten und von da eis alle Kräitc ausgehen zu lassen. Das war nur dadurch rt-.ögiich, daß man die Frau zur» Mittelpunkt des Hauses machte und dad r.an das höchste Gluck in der Hurmonii; mit Frau und Kind sich ausmalte. Schon relativ früh war in Israel dio Monogamie die Regel, und damit wurde der Einfufl und das Ansehen der Frau gehoben^ Sic sollte alles sein, sich gan.'. dem Manne und den Kindern widmen, Schutz und Slü'.rc des Hauses werden, unersetzlich, individuell — wie die Griechin — in ihren Liebesaus..lrahlungcn, aber religiöser und moralischer gefärbt. Ihre Schönheit sollte nicht Selbstzweck sein. Dahin -ging das gir.re Streben durch die religiöse und gesellschaftliche Struktur. Daher verbannte man alle] Erotik außerehelicher Nrtur, dagegen steigerte man die Sinnesreize in der Familie und man verlieh ihnen nicht nur Poesie, sondern auch.Ethik. Man erzog die Frau zur Keuschheit und strenger Zucht, psychologisch ausgedrückt: zur Ockonomie ihrer Wonnen. Sie sollte alles, was sie zu geben hat, nur in der Ehe offenbaren, alle vorbchaltenc Leidenschaft und glühendes Sehnen für den Gatten autsparen. Während die Ethik des Buddhismus und des Christentums darauf hinausgeht, die Sinneslus*. abzulöten, stellten die Juden die SinnlichlHüt in den Dienst einer großen Idee ur.d heiligten sie. immer wieder in dieses Rauschen Frühlingssaft strömender Kraft eingebettet. „Ich will das Morgenrot wecken", singt der Psalmist. „Ich will den Frühling wecken", singt das jüdische Volk, und Frühling der Volksseele, Frühling des Festes und Frffl] 'ing des Weltalls klingen und singen zusammen. Ein solches Pessach ist keine ererbte Gewohnheit, „Mache, bereite dir das Pessach!" Es ist Neuschöpfung, getragen v.>m zeugenden Willen sittlicher Schaficnskraft, es ist Fortschritt und Neubau am Tempel der Wahrheit, nicht bloß erworben, um zu besitzen, sondern erworben, um gleichzeitig zu überrchrciten die Grenzen des Alten zi den Hügeln und Hochpurlklcn ewigen Strebens. Ein Volk, das solche Feste feiert, ist ewig. Ihr Männer des Rats, ihr Franca der Weisheit, vei tieft euch in d'csc« Gesetz jüdischen Frühling*, wahrt euch die Jugend der eigenen Seele, schaffet dio Jugcnl, in der eure Seele fortleben so!'. Sie kommt, diese Jugend, die züchtig;demütig euch auf das Morgenrot utiJ die Zeit des „Schenk" hinweist, diese Jugend, die, weil Mahnung zum Altert und Heutiger, schon neues Morgenrot bedeutet. Jüdische Jugef- ' 'ch Pctsuchfesl und Pcssachopfcr sei dein Leben! BÜCHERSCHAU . „Das lustige Buch für das jüdische Ki n d". Von Siegfried Abcles. Buchdecke und Illustrationen von Willy Braun. Verlag Jakob Brandeis, Breslau. — 8 —