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Der Jugendbund · 1926-03-25 · 4 (25.3.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
4 (25.3.1926)
Date
1926-03-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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im Sinne ihrer Rncksachcn der Wirt* t Macht angegangen erklärte und stark in Angriff nahm. Nun wende ich mich an die lebendigen jüdischen jungen Menschen bei uns und darüber hinaus, auf daß sie mir helfen, meinem Ruf an den „ADDJ." Nachdruck zu verleihen, auf daß sie sich für die Rettun < des deutschen Staates durch das Werk der Gesundung deutscher-Wirtschaft stark machen. Diese« aber ivt nach meiner Ueberzcugung nur möglich, wenn man sich eicht damit aufhält, an den oben wiederholten, auslösenden Momenten der Wirtschaftskrise gängigmachung hcrumzubasteln. Die U : schaftsnot müssen klar erkannt und ml werden. Diese Ursachen aber reichen weit hinter Inflation und Krieg zurück und wären ohne diese beiden wohl noch einige Zeit verdeckt worden, um eines Tages bei anderem, tief einschneidendem Anlaß; ich als längst wirksam zu erweisen. Als Ursache aber sehe ich tiefsitzende KrankheitsvorgUnge in w r, wie der gesamten europäisch-amerikanischen Volkswirtschaft: Einmal die rasche Zunahme der Luxusbetriebe, im doppelten Sinne dieses Wortes verstanden. Die Wirtschaft ward etwas zu stark durchsetzt mit Betrieben, die nicht oder doch nicht unbedingt lebensnotwendig waren, die nur dem Bedürfnis freilich nicht weniger Menschen nach „Luxus" entgegenkamen, und darum in Zeiten, die Luxusverbrauch aus. Not verbieten, in die Brüche gehen müsse.i. AU Luxusbetriebe muß leider auch die U eber zahl von Unternehmungen in Berufen, die an sich dem Leben und seinen wichtigsten Bedürfnissen dienen, erachtet werden; nur durch die Schaffung des vielfach ausgearteten Konkurrenzprinaips und damit zugleich durch künstliche Züchtung von Luxusbedarf konnten viele von ihnen in Zeitläuften, die dem Luxus offen "waren, ihr Dasein fristen. Als andere krankhafte Ursache des Wirtschaftszerfalls ist der zunehmende Ersatz der Menschenkraft durch die Maschine zu erachten. Nicht nur Schädigung der ihr Verhafteten an der Seele war ja mit dem Wirken der Maschine verbunden, nein, auch zunehmende Verdrängung der Menschen aus dem Bereiche der Arbeit, die sie doch zur Erhaltung ihrer selbst und ihrer Art benötigen. Auch jetzt, da man alle äußeren Anlässe zu weiterer Arbeiterentlassung zu meiden sucht, sind bedeutsame und zugleich ergreifende Zeugnisse für den I zwangsläufi gen Kampf zwischen vervollkommneter Maschine und Mensch bekanntgeworden. Erkennen wir aber so die eigentlichen Ursachen der wirtschaftlichen Notlage, so ergibt sich uns zuletzt der . gleiche Zentralnenncr, auf den so viele Zersetzungsvorgänge unseres Lebens zurückzuführen sind, und aus dem auch die Jugendbewegung ableitbar ist: das Werden und Wachsen der Stadt und die Loslösung der meisten Menschen von Scholle und Natur. Die bewegte Jugend bat sieb zwar aus ursprünglicher Abkehr von der fühllosen Stadt zu ihr zurückgefunden. Man mag dies als unausweichlichen Zwang oder kluges Sichanpassen an die Gegebenheiten der Zeit deuten: an der kritischen .Lage der durchaus verstidtischten Volkswirtschaft entzündet sich aufs neue und höchst gebieterisch die Forderung einer völligen Loslösung von der Stadt und erneuter, liebender Hinwendung zum nährenden, tragenden Bodenl Denn nicht nur gilt's", ein fressendes Geschwür am Wirtschaftskörper zu heilen, was nicht etwa auf dem Wege der Wandlung unserer Großstädte und der von ihren Ansprüchen bedingten Wirlschaftstendenzen, sondern nur durch S c h a f f un g neuer, ursprünglicher Wirtschaftssphären möglich ist. Heut ist's vor allem not, Hunderttausenden von Menschen, die aus der Bahn der Wirtschaft hcrausgeschlct'crt wurden, neuen Lebensraum zu schaffen. Da reife und überreife Menschen sich nur selten aus dem wirtschaftlichen Brauchtum der Stadt und aus den gewohnten, von der Stadt fit ''-»'icnen Berufen werden entwöhnen können, so harrt der Jugend die heilige Sendung, „auf freiem Grund" neues Leben der gesunden Einfachheit erblühen zu lassen. Kurzum: Siedl u n tl c n großen Ausmaßes, von Dorfgemeinschaf-te'n betrieben, auf Landstrichen, deren Boden, bisher jungfräulich war, von Menschen ungepflügt und unbebaut —, dies dünkt mich Gebot der Stunde an die Jugend mit ihren leicht bewegten, kr?.ftgestähltcn Leibern, mit ihrem Willen zum Leben der stillen Einfalt und naturhaften Größe. Aufgabe der Volkswirtschaftler und Staatsmänner mag es sein, zu prüfen, ob in dünnbevölkerten Gegenden Ostelbiens Möglichkeiten zu solchen ländlichen Siedlungen in größeren, dörflichen Gemeinschaften sich bieten, ob die weiten Strecken der Lüneburger Heide oder das fruchtbare Marschland in Schleswig-Holstein sich eher dazu eignen. Ist unsere Jugend zu Tausenden gewillt, „vielen Millionen Räume zu eröffnen", das Siedlerwerk in ganz anderem Stile als im Beginne der Jugendbewegung in ihre Hand zu nehmen, so wird der Staat, der bislang dem Siedlungsgedanken nur kühl entgegenkam, sich ihm nicht fürderhin versagen können, vielmehr die bestens rentierenden Mittel gewähren müssen. Zündet der Gedanke im Kreise der deutschen Jugendbewegung, findet er sie opferfroh genug, so wird erst recht unsere jüdische Jungmannschaft sich ernstlich prüfen müssen, ob sie nicht den gleichen Weg beschreiten soll oder muß, und ob es nicht der deutschen Judenheit vergönnt sein soll, auch auf deutschem Boden jüdische Jugend zu schauen, die das schwere, aber zufriedene Leben des Bauern heben mag, die als Chaluzim und Chalupoth dem deutschen Staat und in ihm der deutschen Judenheit als Zeichen und Sinnbild der Wende vor dem nahen Untergang sich bewähren wilL Es wäre schier wunderbar, und doch ist's denkbar, daß so auch der Traum manches aufrechten, alten Juden in Deutschland, ja ganzer jüdischer Organisationen, der Traum von jüdischen Gärtnern und Ackerbauern, von der Rückwanderung aufs Land und damit von Erneuerung sich endlich, in letzter Stunde, verwirklichte. Früher stand dessen Verwirklichung die allgemeine soziale Lage und allerhand Vorurteil entgegen. Der junge Jude Deutschlands als Mitträger eines großzügigen Siedlungswerks, das die Grundlagen der Volkswirtschaft gesunden ließe, wäre eine - von Kampf freie, organisch aus dem Gesetz der Zeit geborene, harmonische Erscheinung. Teilen junge, lebensvolle Juden unserer und verwandter Bünde die vorstehenden Gedanken und sind gewillt, sie Tat werden zu lassen, so dürften sie unschwer den Weg zur Gestaltung finden. Weiß man Besseres, das den Zwang zur kraft-* vollen Gestaltung in sich trägt, so sage man's. Für Erörterungen aber nur um der Freude am Diskutieren willen hat diese notschwere Zeit nicht Raum. . Frankfurt a. M., im März 1926. Jugend und Politik Von Rosi Lechner, Braunschweig, Licbigstr. 2 II. Bei einer oberflächlichen Betrachtung dieser beiden Begriffe hält man wohl zunächst einen Zusammenhang, eine Vereinigung für unmöglich, denn Jugend und Politik verhalten sich in ihren psychologischen Grundzügen ganz verschieden. Die Jugend in ihrem himmelstürmenden Wahrheitsfanatismus fordert unbedingte Ehrlichkeit, Geradheit, Offenheit. Die Politik muß notgedrungen darauf verzichten, diesen Weg zu gehen. Ihre Existenz ist bedingt durch schlaue Diplomatie, durch Versteckspielen im Dunkeln, ja oft, so häßlich es klingt, durch Unehrlichkeit und Lüge. Außerdem bedeutet das Problem des Individuellen und Sozialen eine scharfe Trennung zwischen Jugend und Politik. Die Jugend fordert vor allem und immer wieder Subjektivität und Individualität. Die Entwicklung des Jugendlichen ist nur durch diese starke Betonung seiner Eigenart möglich, sie ist für ihn Lebensnotwendigkeit. Im Gegensatz dazu muß die Politik, um ihrerseits lebensfähig zu sein, alles Subjektive und Individuelle unterdrücken zugunsten der Gesamtheit Es ist also der uralte Kampf des Individuellen gegen das Soziale, der auch zwischen Jugend und Politik eine scharfe Trennung herbeiführt. Diese kurze Charakteristik zeigt, daß eine unbedingte Zusammengehörigkeit von Politik und Jugend nicht möglich ist. Wohl aber sind Zusammenhänge zwischen beiden vorhanden, auf die icht jetzt näher eingehen möchte. Zunächst noch ganz kurz etwas über die Politik! Es gibt zwei Arten vpn Politik: nämlich 1. Politik als reine, diplomatische Staatskunst, wie ich sie oben schon kennzeichnete. Diese Art der Politik kann man als Machiavellismus bezeichnen. Neben dieser Politik gibt es 2. eine Ideenpolitik, die mit dem Prinzip der Wahrhaftigkeit, der Gerechtigkeit, der Höherbildting arbeitet. Man' vertraut auf den Willen zum Guten und auf die

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