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Der Jugendbund · 1926-03-11 · 3 (11.3.1926) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
3 (11.3.1926)
Date
1926-03-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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bnu <:t' tiio-j-.n* Frühlingsahnen (zu Poroschas hachaudesch) Wir freuen uns, gerade heute von dem verehrten Jubilar eine Wochenahschnittsbetrachtung bringen ' zu können. ' Die Schriftleitung. Vor, Jahren hörte ich einmal den General Booth von der Heilsarmee. Fr' war schon1 ein Greis, aber mit •jügendlichem Feuer sprach er von den Einrichtungen, Zielen und Zwecken seiner/Armee des Liebesdienstes, indem er besonders darauf hinwies, daß seine Leute sich gerade der Aermsten der Armen annehmen, derjenigen, um die die bürgerliche Karitas wie um etwas'Pestbringendes herumgeht. Zwischendurch sprach er einmal von sich selbst: Die Aerrte haben mich schon wiederholt aufgegeben; seitdem habe ich die Aerzte aufgegeben. So ein feuriger Greis ist — das Judentum. Wie oft wurde es schon aufgegeben! Schon der Dichter des 83. Psalms spricht von Feinden, die sprechen: „Wohlan, wir wollen sie austilgen, daß es aufhöre, ein Volk zu sein, und der Name Israel nicht mehr genannt werde." Waren's nicht die Feinde, dann kamen die Freunde und rieten mit superkluger Weisheit: Untertauchen, verschwinden, das ist euer Heilt Ja, von Zeit zu Zeit trat einer aus unserer eigenen Mitte auf, der uns mit diesem Rate dienen wollte. „Deine Verderber und Zerstörer kamen aus deiner eigenen Mitte.'' Als ich vor mehr als dreißig Jahren Rabbiner werden wollte, da warnte mich mancher davor, mich für die verlorene Sache des Judentums einzusetzen. Und wie ist doch gerade in den letzten drei Jahrzehnten Leben erwacht im Judentum, in Deutschland nicht nur, sondern jetzt auch in Frankreich und England und besonders in Amerika. Freilich ist es vielfach noch ein Gären und Brausen, ein Tasten und Suchen und wirkt sich aus in andern Lebensformen als den althergebrachten, aber Leben ist da, Jugend ist da, Jugend, die sich von selbst auch den Alten mitteilt. So mag ein Gären und Brausen bei unseren Vätern in Aegypten gewesen sein, als die Stunde der Befreiung nahte. Diese Stimmung des Erwartens und Hoffens, dieses Wartens auf den Frühling überträgt sich alljährlich auf uns alle, an dem Sabbat, an dem wir den Frühlingsmonat Nisan verkünden, am Schabos hachaudesch, an dem wir in der Thora lesen: „Dieser Monat sei Euch das Haupt der Monate, der erste sei er Euch unter den Monaten des Jahres." Mit diesem ersten Gebot Gottes an Israel beginnt seine Geschichte, weil mit ihm seine Aufgable beginnt, ein Volk Gottes zu sein. Dieses „Euch", das in diesem Satze steht, fassen unsere Weisen so auf: Es sei ein Gleichnis Eurer selbst. Wie der Mond sich ständig erneuert, so soll es auch bei Euch ständig Erneuerung, niemals Stillstand geben. Ich will den Vergleich noch weiter führen und sagen, daß es immer dieselbe Sonne ist, von der der Mond sein Licht embfängt. So bleiben auch die leuchtenden Ewigkeitswerte des | Judentums immer dieselben, aber lieblich gedämpft sind ihre Erscheinungsformen, verschieden in den verschiedenen Zonen und Zeiten der Judenheit. Selbst in den letzten Jahrzehnten sehen wir innerhalb des deutschen Judentums einen Wechsel eintreten in der Art, wie man neues Leben zu wecken sucht, Im Zeitalter geschichtlichen Denkens, in den beiden" letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, entstanden die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, die die Forschungen von Zunz, Graetz und vieler anderer fruchtbar zu machen suchten in der deutschen Judenheit, deren jüdisches Bewußtsein gestärkt wurde durch die Erkenntnis, selbst ein Glied zu sein in den Gemeinschaft, die hingebungsvoll und duldend einem großen! Ideal gedient hat, einem Ideal, das uns selbst hinausgetragen hat über die Misere Von Rabbiner D r. David, Bochum. des Lebens und der Mensehheitskult-rrr die mächtigsten Anregungen gegeben hat. Der/Str>tz<*uf! unser Judentum wurde durch die' Kenntnis seiner Geschieht«1 'geweckt. Def Historizismus hat sich: flc-erlefer und, wie mir scheint, mit ihm die Vereine für jüdfäche1-Geschichte und Literatur. An ihre Stelle sind die Jugendvef'eirie'getreten. Jugend will1 Gegenwart, sie will weniger wisstm, wie sich' Philo und Maimonides zu den Problemen ihrer Zeit'gestellt, sie heischt Antwort auf die Frage: Wie stehen wir zu de« Gegenwartsproblemen, renn Pantheismus, zum Atheismus, zu Schopenhauer, und zu Nietzsche, zur RaSsenfrage, zu Individualismus und Sozialismus, zur Orthodoxie, zum Liberalismus und Zionismus? Jugend will Gegenwartsleben, und da in diesem die Turn- und Sportbewegung einen bedeutsamen Platz einnimmt, so ha.t sich auch dieser die jüdische Jugendbewegung, bemächtigt, auch in ihr bewußtes Judentum pflegend. _ Wir stehen mitten in dieser Bewegung und fragen, wohin geht der Weg weiter? Denn Stillstand gibt es rVcht, soll es nicht geben. Was gilt morgen? Wenn nicht alle Zeichen trügen, etwas sehr Wertvolles. Ich will es mit einem Worte sagen: Verinnerlichung. Und wie wird man sie suchen und finden? Im Lernen, im Thoralernen. Erschreckt nicht und glaubt nicht, daß wir in die Enge des Ghettos, eines geistigen Ghettos steuern. (So nebenbei bemerkt: Den Leuten, die einmal die jüdische Volksschule in Köln, in Essen, in Dortmund usw. besucht haben, haben wahrhaftig nicht mehr Ghetto an sich als die Juden, die in Berlin oder Breslau die christliche Volksschule besucht haben. Nur wo man die deutsche Volksschule jüdischen Bekenntnisses nicht kennt, besteht das Vorurteil gegen sie.) Wir steuern aus dem Ghetto heraus, aus einer nur durch die Umwelt uns aufgedrungenen Erfassung unseres' Judentums, wir wollen freier werden, und darum werden unsere Freiesten und Besten und Wertvollsten zu den Quellen des Judentums selbst hinabsteigen und dort Erneuerung ihrer Seele suchen. Sie werden sie dort auch finden, denn bei uns und bei andern hat unser heiliges Schrifttum noch stets diese Erneuerung bewirkt. Es werden zunächst noch wenige sein, denn solches Lernen "Erfordert viel-Arbeit und Hingebung, auch Zeit, die aber erübrigt wird durch Sammlung, durch Zurückziehen, von dem was ablenkt und zerstreut. Diese wenigen aber sollen und werden die Führer sein, die Führer zur Verinnerlichung. Sie werden auch die Führer der Gemeinden sein, die,, wie Herr Dr. Gelles neulich schrieb, in ihren Versammlungen und Sitzungen sich immer wieder die Frage vorlegen sollen: „Wie wecken wir religiöses Leben bei jung und alt?" Sie werden für Rabbiner und Lehrer sorgen, die, mit sonstigen Aufgaben nicht belastet, Zeit haben zum Lernen, Zeit, um mit andern zu „lernen'-. Eine neue Art von Rabbiner, und doch so wie die alten waren. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Aber Erneuerung, ständige Erneuerung. Auch jeder Frühling sieht aus wie der vorige und doch bringt er neues Sprossen, neues Wachsen. Nur kein Stillstand! Zu neuen Ufern lockt ein neuer Kahn. In Nr. 1 ist uns in der Wochcnabschnittsbetrachtung ein bedauerlicher Druckfehler unterlaufen, den wir hiermit berichtigen. In der 8. Reihe vor dem Schluß muß es statt „u r - komischer Art" natürlich heißen: „drakonischer Art". Die Schriftleitung. JÜDISCHES LEBEN IN RHEINLAND UND WESTFALEN kus den Ge mein den Altenkirchen Am 17. Februar leierte Herr Lehrer Salomon in seltener Frische und Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Am Vormittag fanden sich der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde in der Wohnung des Jubilars ein. Im Namen der Gemeinde sprach H/frr Moritz Simon herzliche! Glückwünsche aus und überreichte einen silbernen Pokal. Walter Grünebaum überbrachte die Wünsche des Jüdischen Jugendbundes, Herr Bürgermeister Blank würdigte im Namen der Stadtverwaltung die Verdienste des verehrten Lehrers. Zu der offiziellen Feier, die am Abend stattfand, erschien außer dem Bürgermeister aweh der Landrat Dr. Boden. Der hiesige Männergesangverein ließ es sich nicht nehmen, den Jubilar durch mehrere Lieder zu ehren. Der Abend wurde durch Aufführungen der Schulkinder und der Mitglieder des Jugendbundes besonders verschönte H. A. Bochum — Feier des 25jährigen Amts- und Ortsjubiläums des Herrn Rabbiners Dr. David. Mit ganz besonderer Freude berichten wir über den Ehrentag, den unser Freund Rabbiner Dr. David, der Gründer des — 3

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