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Der Jugendbund · 1926-02-25 · 2 (25.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
2 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Esthers 0 Mordechai, mein Pflegevater, was soll nun geschehen? Mordecbai: 0 Esther Hadassah, Tochter meines Oheims und Königin an Vastis statt! Du allein kannst uns retten! Eile zum König, wirf dich ihm zu Füßen und flehe und bitte bei ihm für dein Volk. Esther: So wäre ich ja des Todes! Weißt du denn nicht, daß ied,er dem Tode verfällt, der ungerufen zum Könige kommt. Mordechai: Er muß dich hören! Esther: Nur wem er das goldene Zepter entgegenreicht zum , Zeichen der Gnade, der darf ihm ungestraft nahen. — Aber wenn er sie verweigert — ich zittere für mein Leben. Bin ich nicht jung? Ich kann es nicht wagen! Mordechai: Bildest du dir denn ein. daß du als Jüdin allein von allen dem Schicksal deines Volkes entkommen kannst im Hause des Königs? Bedenke, o Esther Hadassah, Tochter meines Oheims, ob du nicht auserwählt bist, Königin zu sein für diese Schicksalszcit zur Rettung deines Volkes. Und wenn du schweigst in solcher Zeit und deine Aufgabe nicht erkennst, so wirst du untergehen. Esther: 0 Mordechai, mein Vater. Da du mir die Augen geöffnet hast über meine Berufung, so will ich ei auf mich nehmen für mein Volk, und zum Könige gehen trotz Ijod und Furcht — und bin ich verloren, so sei es — für mein Volk. Geh du aber indessen vnd versammele' alle Juden aus Schuschan der Burg, und fa.let. weder esset noch trinket, drei Tage; Tag und Nacht. Mordechai (tritt zurück). Vorsprecher: Und Mordechai ging umher und tat ganz so. wie ihm Esther geboten. Und es geschah am dritten Tag. da kleidete sich Esther königlich, und stellte sich in den inneren Hof des Königshauses gegenüber den Gemächern des Königs. Und es geschah (Klopft. Kreis öffnet sich.): Wie der König Esther, die Königin, im Hofe stehen sah, da gewann sie Gnade in seinen Augen und (gleichzeitige Pantomime!) der König reichte Esther das goldene Zepter in seiner Hand entgegen, zum Zeichen der Gnade. Und Esther nahte und berührte die Spitze des Zepters. Achaschverosch: Was ist dir. Esther, Königin, und was ist dein Gesuch? Und wäre es die Halste des Königreiches, dir soll es gegeben sein. Esther: Wenn es dem Könige gefällt, so lade der König Haman ein zu dem Mahle, das ich dem Könige und Haman bereiten werde in meinem Hause. König: Eilet, rufet den Haman auf. daß das Wort Esthers geschehe. 1 Haman (kommt). König: Was ist nun. Esther, deine Bitte. Sprich sie aus vor Haman. sie soll dir gestattet werden, Esther: Wenn ich Gunst gefunden in den Augen des Königs und wein es dem Könige gefällt, so komme der König und Haman auch morgen zu dem Mahle, das ich bereiten werde, und darin werde ich es wagen, dem König meine Bitte zu unterbreiten. Haman (geht. Der Kreis schließt sich. Alles beugt sich vor ihm. Nur" Mordechai nicht.) Vorsprechcr: Und Haman ging hinweg an diesem Tage, fröhlich und gutjn Mutes. Aber wie Haman den Mordechai sah im Tore des Königs, der nicht aufstand und sich nicht verneigte, var er voller Wut. Aber Haman tat sich Gewalt an und gin{ zu Seresch, seinem Weibe. Seresch (Jritt vor). Haman: Denke dir. Seresch, mein Weib, welche Ehre mir widerfa iren ist! Seresch: Was ist es. Haman? Haman: Denke dir! Esther, die Königin, lud mich zum Mahl, allein mit dem König, Seresch: Wahrlich, mein Haman, dein Stuhl steht höher als der aller anderen Fürsten, und groß ist das Ansehen unseres Hauses. Haman: Aber eines, weißt du. Scrcsch, das mich nicht zur Ruhe kommen läßt. Seresch: Was ist es, mein Haman, vertraue es mir! Haman: E er Jude Mordechai ist es. Seresch: Was kann er dir. dem stolzen Haman, anhaben? Haman: Mich ergrimmt es zu jeder Zeit, da ich ihn sitzen sehe am Torfe des Palastes, daß er sich nicht will beugen vor mir, Haman,, dem Günstling des Königs. Seresch: losen Bist du nicht mächtig genug, zu beugen den machtuden? So laß einen Piahl machen, 50 Ellen h»ch. und morgen sprich mit dem König, daß man den Mordechai daran hänge *— dann sei fröhlich, vergiß deinen Grimm und geh zum Mahl mit dem König (treten zurück). Vorsprecher: Und solch furchtbare Rede gefiel dem Haman, und er ließ den Pfahl errichten. — (Klopft. Kreis öffnet sich.) In derselben Nacht aber geschah es, da konnte der König nicht schlafen. König: Mich flicht der Schlaf! Wohlan, Mcmuchon, bringe das Buch der Zeitgeschichte und lies mir daraus vor, daß meine Gedanken verweilen können bei den alten Geschehnissen. Mcmuchon (liest): Da ergrimmten Bigtan und Tcresch, zwei Türhüter des Königs, und trachteten, Hand anzulegen an den König. Und die Sache wurde kund dem Mordechai, und er meldete sie Esther: Und Esther sagte sie dem Könige im Namen Mordcchais. Und die Sache wurde untersucht und für wahr befunden, und beide wurden gehängt. König: Und ist dir kund, Mcmuchon, welche Auszeichnung und Ehre dem Mordechai geschehen ist für seine Tat? .Mcmuchon: Keine Auszeichnung ist ihm zuteil geworden. König: Welch ein Geräusch höre ich draußen? Memuchon: Siehe, mein König, Haman steht im Hofe. König: Er trete ein! (Haman kommt.) König: Steh' Antwort mir, Haman, was soll einem Manne geschehen, dem. der König Ehre antun möchte? Haman: Wem außer mir möchte wohl der König verlangen, Ehre zu erweisen!? Ein Mann, dem der König Ehre antun will, dem bringe man das königliche Roß und das Gewand, das der König getragen, da man die Krone gesetzt auf sein Köftigshaupt. Und man gebe das Gewand und das Roß einem der Fürsten und Edlen des Reiches, und er soll es anlegen dem Mann, den der König zu ehren verlangt, und ihn auf dem königlichen Roß führen durch die Straßen der Stadt, und ausrufen soll er vor ihm: „Also geschieht dem Mann, den der König zu ehren verlangt." König: So nimm das Kleid und das Roß, so wie du geredet und tue so an Mordechai, dem Juden, der im Tore des Palastes weilt. Und unterlaß nichts von dem, was du gesagt hast! Vorsprecher (Klrpft. Kreis rchlicßt sich.): Und Haman nahm das Kleid und das Roß und ließ Mordechai ankleiden, und ließ ihn reiten durch die Straßen der Stadt, und rief vor ihm her: Also geschieht dem Manne, den der König zu ehren verlangt Und Mordechai kehrte zurück zum Tore des Palastes. Haman aber stützte in sein Haus, zu Seresch, seinem Weibe. Haman: 0 Sccsch, mein Weib! Großes Unglück ist über mich kommen! Scrcsch: Was kann es sein, vertraue es mir! Haman: Der Jude Mordechai wird erhöht an meiner statt und das Schicksal hat sich gewandt wider mich — für Mordechai. Seresch: Weh dir. Haman, wenn vom Volke der Juden ist Mordeschai. vor dem du zu fallen angefangen, so wirst du nichts gegen ihn vermögen, sondern weiter fallen und fallen. Fallen wirst du vor ihm. Vorsprechcr: Während sie noch sprachen, kam ein Diener des Königs und führte Haman zum Mahle, das Esther bereitet hatte. (Klopft. Kreis öffnet sich. Haman zum König.) Und es kamen der König und Haman zum Mahle der Königin, und der König sprach zu Esther wiederum: König: Was ist denn, Esther, Königin, sprich aus deinen Wunsch. Und sei es die Hälfte des Königreiches, es soll dir werden! Esther: Ach, furchtbares Unheil bedroht uns! Entsetzliches Leiden steht uns bevor. Zum Himmel schreit die Qual des unterdrückten Stammes. Hilf uns, du machtvoller König! König: Sprich weiter, ich höre dich an! Esther: Mein Volk und ich, wir sind verkauft worden. Erschlagen sollen wir werden, vertilgt und ausgerottet. Und nicht um des weisen Beschlusses unseres Königs willen — so hätte ich geschwiegen —, sondern um des grauenvollen Planes eines einzelnen willen! König: Wer ist das. und wo ist er. der den Uebermut hat, also zu tun? Esther: Haman ist der Frevler! König: Welch ungeheurer Frevel! — Doch ich will bedenken, wie euch zu helfen sei. Memuchon: Was soll nun, o König, werden mit dem Pfahl, den Haman für Mordechai gemacht, der doch für das Wohl des Königs sich eingesetzt. Noch steht der Pfahl im Hause des Haman. 53 Ellen hoch. - 10 -

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