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Der Jugendbund · 1926-02-25 · 2 (25.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
2 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Mordechali Sei unbesorgt, Esther. Tag für Tag werde ich wandeln vor dem Tore des Frauenhauses, zu fragen nach deinem Wohlbefinden! Aber eines gebiete . ich dir: verschweige dein Volk und deine Herkunft. Esther: Ich werde handeln, wie du befiehlst, und mein Volk und meine Herkunft werde ich geheim halten. 'Wie ich dir folgte bisher, so werde ich auch fernerhin handeln nach deinem Gebot. Mordechai (tritt zur ick). Vorsprecher: Und der König Achaschverosch seiner Burg wählte unter den schönen Mädchen die Schönste (Musik. Tanz, der 3. Die 3. auf in Sehuschan jungfräulichen Dabei kommt die 2. Jungfrau auf den Platz den der 1. Die 1. auf den Esthers, Esther auf den Thron. Dann fährt der Vorsprecher fort): Und siehe: es war Esther-Hadassah, die Jüdin, auf die der Glanz der königlichen Wahl fiel. — Und der König liebte Esther mehr als alle Weiber, und sie gewann mehr Gunst und Huld denn alle Jungfrauen. Und (der König krönt Esther) er setzte die Königskrone auf ihr Haupt und machte sie zur Königin an Vastis statt. Mordechai aber wandelte — wie er gesagt hatte — Tag für Tag vor den Toren des Fraüenhauses, zu fragen nach dem Wohlbefinden Esthers und was mit ihr geschehe. (Klopft. Der Kreis schließt sich.) Und einmal, da epweilte im Tore, ergrimmten Bigtan und Teresch, zwei Torhüter des Königs, und trachteten Hand anzulegen an den König. Und die Sache wurde kund dem Mordechai, und er meldete sie Esther, der Königin, und Esther sagte sie, dem Könige im Namen Mordechais. Und die Sache wurde untersucht und für wahr befunden, da wurden beide gehängt an! den Pfahl, und es wurde eingeschrieben dies Geschehnis in das Buch der Zeitgeschichte vor dem König!-- Nach diesen Begebenheiten machte der König groß den Haman, den Sohn Hamadatas des Agagi, und er erhob ihn zu Ehren, über alle Fürsten des Landes. (Klopft. Der Kreis öffnet sich. . Haman tritt vor und verbeugt sich ganz tief vor Achaschverosch. Wenn er sich aufrichtet, so verbeugen sich alle tief vor ihm, nur Mordechai nicht!) ' Und alle Diener des Königs beugten das Knie und warfen sich nieder vor Haman, denn so hatte es der König geboten. Aber Mordechai "beugte sich nicht und warf sich nicht nieder. Haman: Wer wagt es, dem Gebot des Königs zu trotzen? Was beugst du dich nicht nieder, wie Achaschverosch es anbefahl? Mordechai (tritt wenig vor): Mich beugt nichts nieder denn die Macht Gottes (alle! erheben sich), meines Herrn! (Klopfen. Kreis schließt sich.) Haman: Weh dir! — Wes Stammes bist du, daß du solche Sprache wagst zu führen wider mich? Mordechai: Ich bin Mordechai, Sohn Jair, Sohn des Schimai, Sohn des Kisch, ein Jemini, der weggeführt worden aus Jeruscholajim mit den Ausgewanderten. Jeduhim sind das Volk meiner Väter — und ein unbeugsamer Jude ist auch ihr Nachfahr Mordechai (tritt zurück). Haman: Wehe dir, Mordechai, und wehe deinem Stamm. Denn nicht an Mordechai allein gelüstet's mich zu rächen, den unbeugsamen Sprößling, sondern ich will trachten, zu vertilgen alle die Jeduhim im ganzen Königreich des Achaschverosch, das ganze Volk Mordechais (tritt zurück). Vorsprecher: Und Haman ließ durch das Los einen Tag bestimmen, an dem die Juden vernichtet werden sollten. Und es war im ersten Monat, das ist der Monat Nissan im zwölften Jahr des Königs Achaschverosch, da warf man Purim, das sind: die Lose. Und Haman sprach zum König (Klopft. Kreis öffnet sich. Haman tritt vor. Verbeugt sich. Spricht): Haman: Da ist ein Volk, zerstreut und versprengt unter die Völker, durch alle Landschaften deines Königreiches, deren Gesetze verschieden sind von denen jeglichen Volkes; aber nach den Gesetzen des Königs tun sie nicht, und der Könige hat keinen Gewinn' davoni wenn er sie ohne Strafe gewähren läßt. . \ Gefällt es euch/-s.o gebet ein Gesetz, daß sie vernichtet werden und tausend KikaV. Silber will ich dann schaffen, Hahse, der Kämmerer, sie zu bringen in die Schatzkammern des Königs. Achaschverosch: Das Silber kannst du dir behalten! Ich-, gebe dir auch so die MachTuber die Juden, denn es wäre unklug, sie gewähren zu lassen. Verfahre mit ihnen, wie ei dir ' gut dünkt, und schicke* durch Briefschreiber Briefe aus an die Oberen eines jeden Volkes, daß alle Juden, jung und alt, Kinder und Weiber, an* einem Tage umgebracht werden sollen. Und laß die Briefe mit meinem Namen unter- . schreiben und siegeln mit meinem Siegelring. (Haman verbeugt sich. Geht. Der Kreis schließt sich.) Vorsprecher: Nun also gingen die Eilboten hurtig aus und . gaben die Briefe, in denen geschrieben stand, genau so wie Haman es gebot, an die Satrapen des Königs, an die Landpfleger über jegliche Landschaft, und das Gesetz wurde ausgegeben auch in Sehuschan der Burg. In allen Orten aber, wo das Wort des Königs und sein Gesetz anlangte, war große Trauer bei den Juden, und Weinen und Wehklagen und Fasten, und viele Mütter hüllten sich in Sack und Asche. Mordechai aber zerriß es die Seele, und er höb seine Hände wehklagend zum Himmel über das Schicksal seines Stammes. — Auch die Mädchen am Hof meldeten der Herrin von dem Unglück der Juden. So erfuhr Esther das drohende Leid und eilte zu ihrem Pflegevater. Esther (springt auf, jagt hinter dem Kreis herum ganz vor, dann ~»n die Mitte. Zu Mordechai): Was bedeutet es und worüber entsetzt sich dein Herz, mein Vater? Mordechai: O Esther, Tochter meines Oheims, großes Leid soll kommen über unser Volk, denn König Achaschverosch hat dem Haman zugesagt die Vernichtung aller Juden in jeglicher Landschaft seines Reiches. zwischen Mutter und Kind liebevoll, klar und anschaulich behandelt und durch hübsche Erzählungen verdeutlicht. Alle Bräuche des Sabbats!und der Festtage werden besprochen und durch 11 Abbildungen, meist von Oppenheim, verlebendigt. Wir hätten gewünscht, daß dabei auch gute, moderne Bilder, an denen kein Mangel ist, die unserer Jugend mehr liegen, verwendet worden wären. Das beste an dem Werke ist der warme, jüdische Geist, der uns anweht und uns mit fortreißt. S. K. Z e d a k a h , Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege. Herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin 1925. Eine Zeitschrift, die' in ausgezeichneter Weise in die Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege einführt. Uns interessiert insbesondere der Aufsatz Hilde Ottenheimers über „Soziale Arbeit der Jugendbewegung", in dem die Notwendigkeit der Mitarbeit der Jugend bei der sozialen Arbeit betont, ihre Hilfe gefordert und die Wege zur Zusammenarbeit gewiesen werden. Die Arbeit an den ortsfremden Jugendlichen ist schon heute in den Vereinen der größeren Städte allgemein. Eine soziale Tendenz ist überall zu bemerken. Das hat zur Gründung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände geführt, der ein Zusammenschluß zur sozialen Fürsorge zur Jugendselbsthilfe ist. Seine Aufgabe ist lediglich, die Mitglieder zur sozialen Arbeit anzuregen, auf dem Wege über — 9 die soziale Arbeit Berührungspunkte mit dem jüdischen Gemeinschaftsleben zu schaffen. Manche „Aeltere" werden auf diese Weise, wenn sie in der Jugendbewegung nicht mehr mitarbeiten können, ihre .Kräfte in der größeren jüdischen Gemeinschaft durch Uebernahme sozialer Aufgaben erproben lernen. Bis jetzt hält sich die Jugend noch von der kleinen alltäglichen Arbeit im Amtsbetriebe der organisierten Wohlfahrtspflege zurück. Vielleicht liegt das auch an den Einrichtungen des Wohlfahrtswesens, die nicht geeignet sind, die Jugend zu gewinnen. An praktischen Aufgaben stellt die Verfasserin der Jugend: Kindergärten und Kinderhorte (wohl nur für die weibliche Jugend!), Volksheimarbeit (eine beachtenswerte Anregung!), Siedlungsgemeinschaften zur Berufsumschichtung, Erholungsfürsorge, d. h. Hilfe auf Ferienspielplätzen oder auf Wanderungen, Abendheimc für gefährdete Jugendliche, Jugendberatungsstellen, Hilfe bei Jugendwohlfahrtsanstalten, Altershilfe. Es muß wegen all dieser Aufgaben gefordert werden, daß die jüdische Wohlfahrtspflege der Jugend den gebührenden Platz in den leitenden Stellen einräumt, der Jugend- Gelegenheit gibt, sich zu orientieren. Von den übrigen Aufsätzen sind besonders lesenswert: Baeck, die geistigen Grundlagen der jüdischen Wohlfahrtspflege; Caspary, Zukunftsfragen der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland; Lamm, Jüdische Jugendwohlfahrt. S. K.

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