Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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es, diese wahrhaft sittliche Gesinnung zu vertreten und die Herrschaft des ungezügelten Temperaments zu unterdrücken! Wie viel besser wäre die 'Welt daran, wenn sie all das Unglück, das über sie gekommen ist, nicht verstärkte; durch Haß und Mißtrauen, sondern umzusetzen suchte durch tatkräftige Hilfe, durch werktätige Menschenliebe! Wenn unsere Jugend den Geist der heiligen Schrift in sich aufgenommen hätte, so würde sie sagen: „Unsere Väter sind Knechte gewesen, so laßt uns dafür sorgen, daß es anderen besser geht, als ihnen." Sie müßte einander die Hände reichen; die Welt befreien von dem Wahn des Menschenhasses imd der Menschen Verachtung. Jüdisch* Jugend! Höre auf die ewige Lehre des Purim. Denke an unsere Vergangenheit, bringe dir zum Geschenk wahrhaft freien, sittlichen Geist, den Geist der Gemeinschaft und Brüderlichkeit; hilf mit an dem Werke, das Los der Armen und Schwachen zu lindern. Gib ihnen glückliche Stunden, indem du ihnen von deiner Frische, von deiner Fröhlichkeit, von deiner Liebe schenkest. Dann kannst du wahrhaft froh und glücklich Purim feiern. Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Das kleine Purimspiel Von Hans Salm, Berlin. Kann in jedem Saal, auf der kleinsten Bühne gespielt werden. Seine Wirkung ruht in seiner Schlichtheit. —: In der Mitte des Hintergrundes ist der Thron für den König errichtet. Sonstige „Dekoration" ist vom Uebel. — Die Spieler sind mit einfachen Gewändern bekleidet. König Achaschverosch trägt einfachen Kronreif, Esther als Königin einen Goldreif und einen prächtigen Mantel über dem Gewand. Theaterplunder muß überall vermieden werden. Schöne Farben, echte Stoffe wirken prächtiger als Flitterkram. — Requisiten: Zepter des Königs, Heroldstab des Vorsprechers, Textrolle, von der der Vorsprechcr abliest, dickes Buch für Memuchon. Die Spieler ziehen singend ein. Reihenfolge: Vorsprecher, I. Jungfrau, Mordechai. Esther. König. 2. Jungfrau, Memuchon, 8. Jungfrau. Haman. Seresch. Die Spieler bilden einen Halbkreis. Nach vorne offen und den Thron, auf den der König sich gesetzt hat, verdeckend. Ist der König im Spiel, öffnet sich — auf ein Klopfen des Herolds — der Kreis. Und schließt dann wieder, wenn die Szene des Königs vorbei ist. — Wenn die. Musik des Einzugslicdes vorbei ist. tritt der Vorsprecher ein wenig vor (und bleibt dann während des -ganzen Spiels ganz vorn in der Ecke stehen) und liest aus seiner Rolle. Vorsprecher: Es war zu jener Zeit, als König Achaschverosch im dritten Jahre saß auf seinem Thron in Schuschan seiner Burg, und gab ein königliches Mahl für seine- Fürsten und für seine Diener! Und er ließ sehen den Reichtum und die Fülle seiner Macht: da wehten weiße, grüne und blaue Vorhänge, gefaßt mit Schnüren von Byssus und Purpurwolle um silberne Rollen und Marmorsäulen. Und Wein ward geschenkt aus goldenen Gefäßen. — Und auch Vasti, die Königin, gab ein Mahl für die Frauen im Königshause des Achaschverosch. Und am siebenten Tag, da des Königs Herz fröhlich war, gebot er seinen Hofbedienten: Vasti, die Königin zu bringen vor ihren Herrn den König, um den Völkern und Fürsten ihre Schönheit zu zeigen. Vasti aber weigerte sich, zu kommen auf den Befehl des Gatten; und der König erzürnte sehr und sein Grimm entbrannte in ihm. , Er fragte um Rat die Ratkundigen seiner Umgebung, und siehe, es wußte ihm Rat sein getreuer Memuchon. (Klopft. Der Kreis geht auf.) Memuchon tritt vor. Verbeugung.) Memuchon: Wie sehr begründet ist doch Achaschverosch Grimm! Denn nicht nur wider den König allein hat sich vergangen Vasti, die Königin, sondern wider all die Fürsten und wider all die Völker, denn das schlechte Tun ihrer Königin wird Vorbild sein allen Weibern, daß sie verachten ihre Männer und deren Geheiß nichts mehr gelte. Darum bleibe nicht ungesühnt das unbefolgte Königswort! Wenn es also meinem Herrn gefällt, was ich zu raten habe, so sei es dies: Auf daß alle Weiber wieder Ehre geben ihren Männern, werde folgender Beschluß im ganzen Königreich verkündet: Es sei Gesetz, daß Vasti nicht mehr komme vor das Angesicht des Königs Achaschverosch! Die Königswürde möge Achaschverosch einer andern geben, die besser ist als sie! Der König: Deine Rede gefällt mir! Sprich weiter, weiser Memuchon. Memuchon (verneigt sich und spricht): Man suche aus allen Landschaften des Königreiches Mädchen und Jungfrauen, schön von Ansehen, und lasse sie kommen nach Schuschan, " der Burg, vor das Angesicht des Königs. Das Mädchen aber, das gefallen wird des Königs Augen, das werde Königin an Vastis statt. Achaschverosch: Dein Vorschlag ist gut, und ich werde handeln nach deinem Rate, mein Memuchon. Vorsprecher (klopft, Kreis schließt sich, er spricht): Und es durcheilten die Aufseher die Lande von Hodu bis Kusch und brachten die Blüten der Schönheit nach Schuschan der Burg, zu warten demütig auf die Wahl des Königs. Es war aber auch eine Jüdin: Esther-Hadassan, schön von Bildung und schön von Ansehen unter den Frauen. Sie hatte keine Eltern und lebte bei ihrem Pflegevater. Sie war die Tochter seines Oheims. Und als der Befehl des Königs über sie kam, sprach sie zitternd also (klopft, Kreis öffnet sich, Esther und die 3 Jungfrauen einen Schritt vor, Mordechai neben Esther): Esther: Ich soll fort, Mordechai, von dir? Wie kann ich, als Jüdin, betreten das Frauenhaus des Achaschverosch? BÜCHERSCHAU S. Müll er, Jüdische Geschichte von der Zerstörung des 1. Tempels bis zur Gegenwart, in Charakterbildern dargestellt. 5. verbesserte und vermehrte Auflage unter Mitwirkung von Bezirksrabbiner Dr. M. Beermann (Heilbronn). Stuttgart, J. B. Metzlersche Verlagsbüchhandlung, 1925. Unter den neueren Darstellungen der jüdischen Geschichte in kürzerer Form nimmt die des bekannten Heidelberger Pädagogen eine besondere Stellung ein. Sie ist die einzige, welche, von Persönlichkeiten ausgehend, die Geschichte des Judentums uns nahezubringen versucht. Es ist verwunderlich, daß dies nicht öfter versucht wurde, da doch unsere Geschichte vorwiegend Geistesgeschichte ist und deshalb stark von Persönlichkeiten bestimmt wurde. Daß das Buch jetzt in 5. Auflage erscheint, spricht für seine Beliebtheit, die durch seine klare, geschickte und fesselnde Darstellung erklärlich ist. Eine wertvolle Ergänzung bildet in der Neuauflage ein Kapitel über 4'e Ostjuden, das die innere kulturelle Kraft unserer ostjüdischen Glaubensbrüder, ihre religiös-geistige Bedeutung für das gesamte Judentum, ihre Verdienste um die Renaissance des Hebräischen dartut. Fragen der neuesten Zeit sind in dankenswerter Weise berücksichtigt, wie z. B. „Die Juden im heutigen Palästina". Dankbar sind wir dem warmherzigen Freunde der jüdischen Jugend für die guten Worte, die er unserm Verbände widmet. Möchten sich die Wünsche des geehrten Verfassers verwirklichen, daß das Buch helfe, freudige Hingabe an die Aufgaben der Gemeinschaft zu wecken und zu stärken, den verheißungsvollen Jugendgeist zu wecken und zu tätiger Mitarbeit anzueifern. S. K. S. Müller, Ein Buch für unsere Mütter. Sabbat und Feste im Garten der Kindheit. Philo-Verlag, Berlin 1925. Kürzlich war ich zu einem Heimnachmittag des Vereins jüdischer Schüler und Schülerinnen in Düsseldorf, dessen Thema „Der Sabbat" war. Ich glaube, Freund Müller hätte an den kurzen einleitenden Referaten zweier Schülerinnen und der regen Aussprache seine Freude gehabt. No.ch größer aber wäre sicherlich die Freude der Kinder gewesen, wenn sein neues Werk bei ihnen zu Gast gewesen wäre. Es ist zwar gedacht als „Versuch, unseren Müttern ein Helfer zu sein zur Erneuerung und Belebung des jüdischen Geistes im Hause". Und es ist dringend zu wünschen, daß alle jüdischen Mütter, denen es am Herzen liegt, ihren Kindern wieder das zu geben, was ihnen verloren gegangen ist: lebendiges, warmes Judentum, dieses Buch benutzen. Aber es scheint mir weiterhin ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zu sein, unsere Schüler-Heimnachmittage zu heben und aus lebendiger Aussprache heraus die Liebe für unsere Bräuche und ihr Verständnis zu erwecken. Alle Fragen, die ich an dem Sabbat-Nachmittag im Jugendheim hörte, werden hier aufgeworfen und im Zwiegespräch