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Der Jugendbund · 1926-02-25 · 2 (25.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
2 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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An sich sind es kleine Hilfsleistungen, welche als soziale Fürsorge von der Jugend erwartet werden. Ihr Wert liegt in der Hilfe für den andernj er liegt aber auch in der erziehlichen Rückwirkung: der Forderung von Zuverlässigkeit, Treue und Hingabe an freiwillig übernommene Pflichten. Die Hilfeleistungen der Jugendlichen erhalten eine weit über den Tag hinausgehende Bedeutung dadurch, daß sie eine Brücke bilden zwischen Jugend und Jugend, zwischen Jugend und Alter, zwischen Jugend und Gemeinschaft. Und darin ist die eigentliche Bedeutung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände zu suchen. Hilde Ottenheimer, Berlin. Von sozialer Arbeit der Jugend Unsere Propheten lehrten uns: „Wahre Religion ist Gutes tun." Eine unendliche Fülle von Möglichkeiten birgt dies kurze Wort in sich, den kleinsten Liebesdienst und die größte segenstiftende Organisation.; Es umfaßt jede Tat zur Hilfe des Nächsten, die Geldspende des Wohlhabenden wie den gefälligen Handgriff dei Besitzlosen. Wir Juden haben für die soziale Arbeit zwei Namen und kennen zwei verschiedene Arten 'von „Gutes tun"J Die Z'dokoh Wohltätigkeit mit Vermögen und die G'miluß Chassodim werktätige Hilfe. Eines ist so nötig wie das andere, zu dem einen gehören goldene Hände, zu dem anderen ein goldenes Herz. Das Herz zwar sollte bei jeder Alrt von Wohltätigkeit dabei sein, zur werktätigen Hilfe aber ist es die unerläßliche Vorbedingung, die wichtigste Voraussetzung überhaupt. Es ergibt sich von selbst, daß die Tätigkeit der Jugend sich lediglich auf die werktätige Hilfe erstrecken kann. Selbsterworbenes Gut nennt sie noch nicht ihr eigen, dafür aber besitzt sie echte Hingebung, Herzenswärme und Hilfsbereitschaft. Diese Eigenschaften aber sind es, die jene Menschen besitzen müssen, die zur'werktätigen Hilfe berufen sind. Weiter gehört dazu noch Pflichtbewußtsein. Verantwortlichkeitsgefühl, Strenge gegen sich selbst, Taktgefühl und Mitempfinden. Der junge Mensch bringt der sozialen Arbeit unverbrauchte, unverdorbene Herzenswiirme und den festen Glauben an die Kraft seiner Hilfe ertgegen. Des Lebens Enttäuschungen, Schicksal hat ihn noch nicht verbittert, ihm ist Resignation noch fremd. Mit wahren- Mitgefühl steht er dem neuerkannten Elend der Menschheit g sgenüber. In der Erschütterung dieser Erkenntnis leidet er mit und stellt seine eigenen kleinen und großen Sorgen zurück vor dem großen Leid seiner Mitmenschen, und heißes Verlangen, zu helfen, wird ihn erfüllen. Das Pflichtbewußtsein und Verantwortlichkeitsgefühl wird er, an sich arbeitend, verstärken und vertiefen. So führt die soziale Arbeit den jungen Menschen zur Selbsterziehung. In seinem späteren Leben erst wird er staunend erkennen, welch' großen Nutzen er für sich selbst gewonnen hat, da er glaubte, nur anderen zu nützen, und wie diese Hilfstätigkeit in höchstem Grade seine Charakterbildung und ganze Lebensauffassung beeinflußt hat. Es ist nicht zu befürchten, daß die Jugend, durch den Einblick in des Lebens Schattenseiten ihren Idealismus verliert. Die Jugend, die, noch ringend und kämpfend, sich emporzuarbeiten strebt, wird durch dieses Wissen nicht gelähmt und gedrückt werden. Ihr Idealismus, ihre unbedingte Hoffnungsfreudigkeit, ihr Vertrauen auf das Leben, eben die Schwungkraft ihrer Jugend selbst, hebt sie leicht über alles hinweg. Die aber, die ganz besonders für solche Arbeit geeignet Bind, sollten sie als Beruf wählen. In fast allen Großstädten bestehen ja jetzt derartige Schulen, und somit ist die Ausbildung hierfür ein leichtes, und der Beruf wird ihnen die ganze Befriedigung geben, die sie von ihm erwarten. Die soziale Arbeit erfordert eine direkte Verbindung mit den Menschen, denen sie dienen soll. Durch ihre Persönlichkeit allein kann die Jugend nützen. Da sind zuerst die Besuche bei alten kranken; Leuten, dem gebrechlichen Greis, der alten Frau die Zeit zu! vertreiben, ihnen den Brief an Kind oder Enkel zu schreiben, vorzulesen, etwas zu kochen oder was sonst im Augenblick zu tun als nötig erscheint. Dem kranken Kind neuen Mut, Ablenkung* zu bringen, wenn es allein und traurig, ohne rechte Pflege auf seinem Lager liegt, wird einem fast Gleichaltrigen ja eine Freude und ein leichtes sein. Der Frau und Mutter im Hause zu helfen, wenn sie die Arbeit nicht mehr allein bewältigen kann, einige Kinder an bestimmten Nachmittagen mit Frohsinn und Lust ins Freie zu führen, oder ihnen daheim bei den Schularbeiten zu helfen, wird keinem jungen Menschen schwer fallen. Wer das Glück hat, ein Talent sein eigen zu nennen und dies durch Lehrer ausgebildet bekommt, wird von Herzen gern sein Wissen den in gleicher Weise talentierten jungen Menschen übermitteln, und so wenigstens das sonst ganz unentwickelte Können zu fördern. Dies alles sind Dinge, die geleistet werden können, ohne daß der eigene Bildungsweg, die Pflichten, die Haus und Schule verlangen, verletzt und gestört werden. Mit ein bis zwei Stunden Arbeit ist soviel getan, nur muß man es sich zur Pflicht machen, dann finden sich die wenigen Stunden von selbst. Auch wird sich in der Praxis rasch die Beurteilungsfähigkeit, wo und wie zu helfen ist, entwickeln. Eine andere Art dieser werktätigen Hilfe, die sich unser Chemnitzer Jugendbund geschaffen hat, sei noch als Beispiel gegeben. Wir haben eine „Kleiderhilfe" gegründet, und zwar in der Weise, daß wir von den einzelnen Gemeindemitgliedern getragene Kleidungsstücke, Wäsche, Schuhe für jung und alt erhalten. Die Sachen werden in einem hierfür bestimmten Raum sortiert und zu jedcr"Zeit an hilfsbedürftige Juden ausgegeben. Die Einrichtung, die nun schon den dritten Winter besteht, hat uns noch nichts' gekostet, und es ist uns tatsächlich gelungen, schon große Hilfe zu leisten und viel Freude zu bereiten. Wir konnten im Laufe der Zeit schon eine ansehnliche Menge von Sachen ausgeben. Unser Wunsch geht dahin, diese Kleiderhilfe noch auszubauen, ihr womöglich eine Ausbesserungsstube anzugliedern, in der arbeitslose- Jüdinnen Beschäftigung finden, oder in der junge Mädchen unseres Jugendbundes sich betätigen. Das letztere wird eher möglich sein, da wir ja kein Geld, sondern Arbeit in unsere Kleiderhilfe stecken wollen. Vorläufig dient unsere Arbeit nur unseren Glaubensgenossen, denen zu helfen zuerst unsere Pflicht ist. Sollte sich die Einrichtung in der Weise vergrößern, daß wir auch an andere Bedürftige Sachen ausgeben können, so werden wir diese Erweiterung unserer Arbeit natürlich mit großer Freude vornehmen. Zum Schluß sei denen, die sich der sozialen Arbeit widmen wollen, ein Wort Samson Raphael Hirschs mitgegeben: „In Z'dokoh teilst du dein Vermögen, das äußere, mit, in G'miluß Chassodim legst du das Edelste, das Beste, das du hast, deine Einsicht, dein Wort, deine Kraft, deine Tat, deine ganze Persönlichkeit auf Gottes Wcihaltar zum Heile der Brüder. In Z'dokoh reichst du nur Mittel, aus denen Segen erblühen kann, in G'miluß Chassodim erziehst du sie selber, die Segensblüten, wirst Schöpfer der Gesundheit, der Freude, des Friedens, des Glückes und des Heiles der' Nächsten." Nina Beck, Chemnitz. Müssen wir in den jüdischen Jugendvereinen soziale Arbeit leisten? Von Relerendar Karl Salomon - Elberfeld. Wenn ich in diesem Zusammenhange von sozialer Arbeit spreche, so kann ich natürlich nicht auf all die Einzelmaterien eingehen, die dieses große Gebiet der sozialen Fürsorge umfaßt, muß mich vielmehr auf einiges Wenige beschränken. Dennoch möchte ich in erster Linie eine Materie herausgreifen, die gerade jetzt am aktuellsten ist, und hieran beweisen, daß auch wir in gewissem Umfange sozial mitarbeiten müssen. In diesen Tage-Vt des wirtschaftlichen Niederganges steigt täglich die Zahl der Arbeitslosen, werden viele unsrer Glaubensgenossen vor die Frage gestellt, wie sie ihr Leben fortan fristen sollen. Es sind insbesondere einzelne Gewerbearten, - 5 —

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