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Der Jugendbund · 1926-02-25 · 2 (25.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
2 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Glaubenskraft sind, zusammenstehen, gelingt's. Wenn das Wort uns nicht mehr nur ein Wort, sondern durch unsere Ergriffenheit von der Idee und kämpferischem Willen zur stürmenden Tat tiefster Inhalt geworden ist, dann haben wir die Pforte frei, durch die eine fortschreitende Menschheit in eine Epoche eintreten wird, in der der Mensch in Wahrheit das Ebenbild Gottes darstellt, Menschlichkeit aber so selbstverständlich geworden ist, daß Abhandlungen darüber überflüssig geworden sind. Bad Kreuznach. Kurt Bachrach. Bedeutung und Aufgaben des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände Wenn man die „unbekümmerten Streifzüge" in dem Amerika-Buch von Fritz Zielesch: „Jugend im Lande der Jugend" (Gebrüder-Enoch-Verlag. Hamburg) an sich vorbei- - ziehen läßt und durch die Fülle von Tatsachen und Erscheinungen, die uns der Verfasser in fesselnder Weise erzählt, einen Einblick in das Leben der amerikanischen Jugend erhält, so wird man fast, neidisch über den Ozean hinüberschauen: Wie unbekümmert und unproblematisch ist drüben die Jugend jung! Mit welchem Verständnis werden für sie Einrichtungen geschaffen, die ihr, ihrem Tätigkeitsdrang, ihrem Geltungsbedürfnis entsprechen! Wie selbstverständlich erj scheint aber vor allem der Jugend, die Mitverantwortung für | das Wohl des einzelnen und des Staates! Kejn Wunder, daß | die Jugendorganisationen, die „Boy Scouts", und „Girl Scouts", die christlichen und jüdischen Jugendbünde sich nicht, wie in Deutschland, absondern von den Methoden und Einrichtungen der Erwachsenen, sondern daß sie auf »ihre Weise zum Wohle der Voltfsgesambheit daran mitwirken. Auch drüben führt die Jugend ein eigenes Leben nach .'igenen Gesetzen. Diesem Eindruck wird sich kein Leser des Amerikabuches verschließen können. Aber dieses Leben führt nicht abseits von der allgemeinen Heerstraße, und diese Gesetze verlieren fast niemals den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen. Von den jüdischen Jugendbürrden erzählt Zielcsch. daß bei ihnen die uralte jüdische Einstellung auf Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft dazu geführt hat, soziale Fürsorge, praktische Arbeit in den Vordergrund ihrer Tätigkeit zu stellen. I In Deutschland, wo wir in 15 großen jüdischen Jugendorganisationen etwa 2j—33 000 jugendliche Mitglieder kennen, ist der Gedanke, daß die Jugend einen Teil der jüdischen Gemeinschaft bildet und als solcher Pflichten ihr gegenüber hat, noch nicht überall durchgedrungen. Und doch sind es nahezu zwei Jahre, seitdem der Reichsausschuß der jüdischen Jugend verbände auf Initiative einiger Jugendlicher als Jugendbeirat zur Zentfa1woh1fahr t s s t e11 e der deutschen Juden gegründet wurde, um, wie es in seinen Richtlinien heißt, „die Mitglieder der einzelnen Jugendverbände zu einer ihren eigenen Wünschen entsprechenden sozialen Fürsorge anzuregen". Die soziale Fürsorge sollte nicht nur den über das Jugendbewegungsalter hinausgewachsenen Jugendlichen ein neues Tätigkeitsfeld bieten, sie sollte nicht nur das Bindeglied zwischen der Jugend und der jüdischen Gemeinschaft bilden, sondern die den Reichsausschuß begründende Jugend glaubte, daß jetzt eine gemeinsame Plattform gefunden sei, auf welcher sich die in Parteien und .religiöse Richtungen gespaltene Jugend finden könne zu Aufgaben, d;c alle in gleicher Weise angehen. 'Jiescr Gedanke hat bei der Führerschaft der Jugend große Begeisterung ausgelöst, aber er ist, wie gesagt, rjoch nicht ("allenthalben in der jüdischen Jugendbewegung aufgenommen ' t-lt.. Cs ist daher warm zu begrüßen, daß die Schriftlcitun^ dt* „Jüdischen Jugendbundes"' ein Heft sozialen Fragen widmet, um so mehr, als die verantwortliche, mitbestimmende, soziale Fürsorge der Jugendbewegung im Reiciisjugendwohltahrtsgesetz vom Jahre 1924 eine gesetzliche I Veranker.:r._ gefunden hat, und auch im Hinblick darauf, daß die Bewegung, die auf einen Schutz der erwerbstätigen Jugend abzielt, durch die Kundgebung von VA Millionen Jugendlichen in Kassel im Oktober vorigen Jahres den sozialen Gedanken in den Vordergrund der gesamten allgemeinen Jugendbewegung in Deutschland gestellt fcat. Es ist daher höchste Zeit, daß auch die jüdische Jugend sich mit sozialen Fragen mehr als seither befaßt. Wenn wir uns die Aufgaben des Reich saus- Schusses betrachten, so steht naturgemäß die Jugendselbsthilfe im Vordergrund. Hierher gehört die Hilfe der gesunden für die gefährdete, hilflose Jugend, für die es oftmals nur einer kameradschaftlichen Betreuung bedarf, um sie von Irrwegen abzuhalten. Gerade heute, wo wir gegen eine solch große Erwerbslosigkeit ankämpfen, müßte sich jede Jugendgruppe der erwerbslosen Altersgenossen ohne weiteres annehmen. Hierher gehören auch Schutzaufsichten für die kriminellen Jugendlichen, denen Strafaufschub zugebilligt wurde. Von der Autorität des verständigen Kameraden dürfte bei ihnen oftmals eine stärkere erziehliche Wirkung erwartet werden, als von der bewußt und unbewußt abgelehnten Autorität des erwachsenen Menschen. Zur Jugendselbsthilfe gehört ferner die Erholungsfürsorge, sowohl die Betreuung von Kindern auf Feriensnielplätzen und Ausflügen, als auch die Selbstbesteucrung der Jugendvereinsmitglieder auf Wanderungen zugunsten mittelloser Altersgenossen. Ganz besonders bedeutsam — nicht nur vom fürsorgerischen, sondern auch vom kulturellen Gesichtspunkt aus — sind die von der Jugend geschaffenen Einrichtungen der Jugendpflege, d. h. Einrichtungen zur Fürsorge für die gesunde, normale Jugend, wie Kindergärten, Kinderhorte, Abendheime und Volksheime. Eine besondere Form der Jugendselbsthilfe bildet sich zur Zeit in den Jugendkommissionen des Berliner jüdischen Wotilfahrtsamtes heraus, wo unter Mitwirkung der Jugendbewegung besondere Sprechstunden zur Beratung Jugendlicher in gesundheitlichen und beruflichen Fragen eingerichtet worden sind. Ein zweites großes Aufgabengebiet des Reichsausschusses sind die sozial-hygienischen Bestrebungen. Außer der schon erwähnten Erholungsfürsorge sei hier darauf hingewiesen, daß unter der gesamten jüdischen Jugendbewegung eine Erhebung über den Gesundheitszustand der Jugendlichen durchgeführt wird, um Ueberanstrengungen durch Beruf und Sport zu vermeiden und um langwierigen Erkrankungen vorzubeugen. Das Ziel des Reichsausschusses auf sozialhygienischem Gebiete ist die Schaffung eines gemeinsamen Jugenderholungsheimes, das vor allem als geistiger Mittelpunkt der jüdischen Jugendbewegung gedacht ist. Aber nicht nur zur Hilfe der Jugend für die Jugend ruft der Reichsausschuß auf, sondern er sieht auch manche Aufgabe bei der Betreuung von Alten und Kranken und bei den vielen andern Hilfsbedürftigen, deren Notlage heute größer und drückender als je zuvor ist. Es würde dem Wesen der jüdischen Wohlfahrtspflege, die gegenwärtig einen starken Drang zur Zusammenarbeit besitzt, nicht entsprechen, wenn die Jugend ihre sozialen Aufgaben isoliert erfüllen wollte. Die jüdischen Wohlfahrtsämter suchen daher unter ihrer Helferschaft nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Alte und Junge zu vereinigen. Sie bilden den natürlichen Mittelpunkt der Wohlfahrtspflege einer Gemeinde, und sie sind dadurch in der Lage," der Jugend Anleitung durch Aussprache, Vorträge und Kurse zu geben. Welch brennendes Interesse die Jugend an sozialen Fragen hat, sobald sie ihr nahegebracht werden, zeigt ein vor kurzem in Berlin veranstalteter Kursus, der an vier Abenden unter immer stärkerer Beteiligung der Jugend eine Einführung in die soziale Fürsörge gegeben hat. Der Kursus umfaßte je zweistündige Vorlesungen über folgende Gebiete: Wesen und Ziel des Kursus, Grundbegriffe der Wohlfahrtspflege, Kleinkinderfürsorge, Jugendgerichtshilfe, Berufsausbildung und Berufsmöglichkeiten. Die Wohlfahrtsämter werden ohne Zweifel, sobald, die Jugend ihren Willen zur Mitarbeit durch die Tat bewiesen hat, ihr auch das Mitbestimmungsrecht in der Leitung, wie es in manchen Gemeinden bereits geschehen ist, nicht versagen. Die sozialen Aufgaben der Jugendbewegung sollten durch den Reichsausschuß nicht programmatisch festgelegt, sondern es sollten für sie nur gewisse Richtlinien aufgestellt werden. In den zwei Jahren seit Bestehen des Reichsausschusses hat sich auch die eine oder andere Arbeitsform bereits etwas klarer herauskristallisiert. Sobald sich die jüdische Jugendbewegung in Deutschland den Leitspruch ihrer amerikanischen Altersgenossen: „Allezeit hilfsbereit" zu eigen gemacht hat, wird sie eines Programms nicht mehr bedürfen. — 4 -

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