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Der Jugendbund · 1926-02-25 · 2 (25.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
2 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Ideale treu und still und geduldig, bis er diesen seinen Platz gefunden hat. von dem aus er dann schenken kann, und immer wieder erarbeiten, schenken, verschwenden. Zum erstenmal ist die Mitarbeit der Jugendbewegung in der behördlichen Wohlfahrtspflege festgelegt im „Reichsgesetz tfir Jugertdwohliahri", das im § 9 unter den stimmberechtigten Mitgliedern des Jugendamtes auch Vertreter der Jugendbewegung aufzählt. Wenn man, naher hinschaut, findet man die beamteten Sicüon der öi'ienUichcn und privaten Fürsorfe mehr und mehr mit Vertretern der Jugend besetzt. Das gilt auch für die jüdische Fürsörgearbeit, und scheint ein gesundes Zeichen für die Bestrebungen der Berufsumschichtung innerhalb der Jugendbewegung und für eine neue, verechte Auffassung des sozialen - Beru's innerhalb der älteren und der jüngeren Generation. Darüber hinaus will man durch die ..nichtamtliche" Vertretung der Jugendbewegung in den Ausschüssen der Behörden zum Ausdruck bringen, d;J' die;Jugend in der Wohlfahrtspflege und speziell in der JugendwoMfahrt nicht nur Obje<t. sondern tätiger Mithel'ci sein kann ind soll. Sie kana an diesen Stellen ihre eigene materielle, physische und seelischeNot eindringlicher darstellen und an ihrer Behebung mithelfen "und kann auch für andere Zwecke der Wohlfahrtsarbeit Hiltslruppen stellen. » Aus ähnlichen Gedankengängen heraus hat die Zenlralwonlfahrtsstclle der deutschst! Juden (die Spitzenorganisation der jüdischerJ Wohlfahrtspflege, die vor acht Jah-en von der Grofllugc, dem Jüdischen Frauenbund und cum deutsch-israelitischen Gtmcindebund begründet w rcler. ist) der. Versuch unternommen, die Vertreter aller großen jüdischrn Jugendvdrbände tri einem „Reichsausschu'J der jüdischen Jugendverbände" zu vereinigen. Diesem Reichsausschuf, — der einen Beirat zur ' ZentralwohKaH'i'stclle bildet — gehört auch der ..Verband Jüdischer Jugendvereine Deutschlands" an. Die Aufgaben dieses „ReichrausscKusses" sind in einer Denkschrift (zu beziehen durch die Zcniralwohlfahrtsstefle der deutschen Juden, Berlin. Rdsenstraße 2 i) niedergelegt, die allen jüdischen WoblfahrtsSteJlcn zugegangen ist. damit sie — ihren lokalen Verhältnissen entsprechend.— auf ähnliche Weise eine Heranziehung der Jjugend versuchen. Die wichtig$t|en Punkte dieser Denkschrift sind in „Leitsätzen" zusammengefaßt, die als „'eruiidsät-liche Aufgaben .des Reichsausschussds" liegendes r.uiführen: 1. " Sammlung und Weiterleilung der Erfahrungen und Berichte iiBer die s<.;..t!e Arbeit der Jugend im ganzen Reiche* Vi' 2. Forderung der Tendenz zur. Berufsberatung und Beruisumschichtung unter der Jugend. 3. Anregung zur Durchführung sozial-hvg-ienb eher Bc- . strebungenin den Jugendverbänden (irztliche Untersuchung. Tuberkuloscnt^rfo'rge. Erholungsfursorge durch Unterbringung in Heinsen). Das Ziel ist Schaffung eines Jugendeinolung*hv;imcs. Für die praktisch-soziale Tätigkeit werdenfolgende A^if- Eirfc itungsfürsorge iFcrienkolonicn, gabenge biete abgegeben: 1. Mitarbei hei dei .: Wand rungen), •*J 2. Anree.; —• zur Schaffung von Sportplätzen. .3. Uebernahme v..n Patenschaften und Schutzaufsicljtcn. 4. Zusammenkünfte mit den Jugendlichen in Erziehungsanstalten. ' ' - I 5. Mitarbeit auf sonstigen Gebieten der allgemeinen Wohlfahrtspflege, soweit sie für Jugendliche geeignet ist. (Altershilfe, Sammlungen -usw.). Diese „Leitsätze" decken sich in vierem mit dem „Rundschreiben", das vor etwa zwei Jahren vom „Verband der jüdischen Jugendvereine" an die ihm angeschlossenen Jugendbünde versandt worden ist. Neu und glücklich ist der Gedanke, mit diesem Programm die Jugendverbände aller Parteirichtungen auf einer Basis zusammenzuführen. Wichtig, und richtig ist auch das Prinzip der Zusammenarbeit der Jugendbewegungrvertreter^ mit den Fachstellen: den Organisationen, Wohlfahrtsvercinen. Denn man kann soziale Arbeit nicht aui eigene Faust tun, nur mit „gutem Willen und guter Gesinnung" ausgerüstet. Wohlverstanden: nur einige wenige Vertreter jedes Jugendverbandes sollen in diesen Fachstellcn vertreten sein. Und ihre Autgabe ist es daun, in die Vereine das hineinzutragen, was an theoretischer und praktischer Arbeit dort geleistet werden kann, das lebendig zu machen, was als Schema in Leitsätze und Richtlinien eingespannt ist. «' Ein Sonderkapitel müßte in dieser Abhandlung die Frage der weiblichen Jugendlichen einnehmen. Dazu fehlt es diesmal an Zeit und Raum. Es sei hier nur angedeutet, daß sich, gerade für die heranwachsenden Mädchen Zusammenhänge auftun zwischen sozialer Arbeit und dem Gebiet der Frauenbewegung.! daß mit dem Reifen ihrer Persönlichkeit und dem Bev.u'Hwe.dcn der weiblichen Individualität sich ihnen auch ein Ahnen ihrer sozialen Mutterbestimmung erschließt. Hier tauchen hei der Entscheidung zum sozialen Beruf, der Stellungnahme zur älteren Frauengeneration, Sonderfragen auf, die an anderer Stelle eingehender durchdacht werden sollen. . Der „V.ifriil zur sozialen Arbeit" gipfelt in der Forderung nach Taten. Wer den Willen'zur Tat hat, wird auch den Weg finden. Man verstehe nur den Begriff „Tat" nicht falsch: er ist viel kleiner als die meisten es sich vorstellen, die schnelles Vorankommen, sichtbare Lcis'lung damit meinen. I n.d ist viel größer als jene denken, die glauben, es sei mit cir air.li;er Bereitschaft oder romantischer Begeisterung oder "t :!imcntalem Mitleid abgetan. Wir den Willen zum Tun hat und den Weg sucht, scheue sich nicht zu fragen. Die zu fragen, die Jahr und Tag die \rbcii tun. Weshalb wohl bei uns die Scheu und Abneigung iur den „älteren", den Fachorgar.isationen und Vereinigungen so besenders groß ist? Viel größer als z. B. bei den evangelischen und katholischen Wohlfahrts- und Frauenorganisationen und ihren Jitgendgruppen? Es scheint mir aus zwei Gründen c.-'däriich! Einmal: wir sind — gerade in den Reihen unserer jüngeren — zu individualistisch. Jeder nimmt sich >.!h~: zu wichtig, hält sich allein für fähig, seinen Weg zu ' linden, in einem andern Heft der „Jüdischen Blätter" wurde von verschiedenen Seiten die Gefahr des „Masseninstinktes" und ,'Herdensinihts" betont. Mir scheint die andere Gefahr bei uns .i. i großer zu sein: daß eine egoistische „Selbständigkeit" bei uns überhand nimmt, daß in unsern Gemeinschaften jeder einzelne in sich den Mittelpunkt sieht, statt sich mit Bescheidenheit und Verzicht dem Canzen einzuordnen, daß uns Jas gläubige Vertrauen zum. Führer fehlt. jM>er diese Tatsache wird z. T. erklärlich aus einem weiterem Eingeständnis: wir haben in der jüdischen Wohlfahrtspflege keine Führer, öder, richtiger ausgedrückt: die Träger der jüdischen Wissenschaft, des geistig-religiösen Lebens gehen an diesem Cebict vorbei. Wir wissen, daß dies kein „böser V\ ille" ist, aber wir spüren auch nicht das Umgekehrte: 'den guten, heißen, grandiosen Willen,- dieses einst so sorgsam gepflegtc Gebiet jüdischen Lebens wieder fruchtbar zu machen. Fa« scheint es manchmal unheilvoll, daß dieses Feld in früheren Zeiten so gut bestellt gewesen ist: man beruhigt sich dah i. daß ja alles schon und noch da sei: die jüdische Sozialfit ni\ in ihren Gesetzen und ihrer sich ständig vererbenden sozialen Co inriung. Das a!-er ist falsch. Hier ist ein Feld, das nur fruchtbar bleiben kann, wenn es immer wieder neu besteilt, immer wieder vom Pflug der Arbeit zerfurcht wird. :Jas man nicht abschließen kann von den Einflüssen der Zeit, — i-t «erdorrt der Same, anstatt Jahr für Jahr neuaufzugehen. V iellcicht würde die jüdische Jugend die Wege zur sozialen Betätigung freudiger und leichter finden, wenn sie Führer hätte, religiöse Führer, die der sozialen Mission des Judentums — des heutigen Judentums — durch Lehre und Leben zum Audsruck zu bringen wüßten. Vielleicht bedeutet es ein Vorwärts auf diesem Weg, wenn die angehenden Rabbiner und Lehrer während ihrer Studienzeit theoretisch und praktisch in das Studium sozialer Fragen eingeführt werden, wenn es möglich gemacht werden könnte, daß Rabbiner sich völlig in den Dientt der Wohlfahrtsarbcit stellen. Aber das ist an dieser Stelle nicht das wichtigste; hier sollte die/Jugend nochmals aufgerufen werden. Wir wollen keine „Aufruic". nur Wegweiser wollen wir hinstellen an jedem Ort, zur Orientierung derer, die von sich aus wollen. Denen mochten wir die Stellen nennen, wo sie sich Rat holen können — vielleicht auch einzelne Menschen: Männer oder Frauen zu verständnisvoller Hilfe. Denn auch hier handelt es sich Um „g e 1 c r n t c" Arbeit, nicht um etwas, was man ohne weiteres kann. Um aber in diesem Fach Schüler werden zu können, muß man eines schon besitzen. Und dieses eine kann man immer wieder nur mit dem einen Wort bezeichnen, das: Liebe heißt. Eine Liebe, die nicht „blind" macht, sondern feinhörig, sehend, mitfühlend. Von dieser Liebe erzählt Martin Buber in seiner Legenden-Sammlung: „Der große Maggid und seine

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