Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1926-02-25 · 2 (25.2.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
2 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492456-6352473-6352474--0021-4928235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IUGENDBU Organ des Bez i rks ve rbandes Jüdischer Jugendven :lne Westdeutschlands und des Rhein isch-Weslfali sc len Bezirksverbandes Jüdischer Jugendvereine 2. JAHRGANG / Nr. 2 de» Jugendbundei JÜDISCHE BLATTER Ausgabe für den Verband der jüdlsdien Jugend u erelne Deutsdilands Anzeigenprell: 0.15 Goldmark für die 6gespaltene mm-Zeile / Bestellungen nur bei der Sdviftleitung oder den Vereinen / Druck und Verlag: A. Gerisch £ Co.. G. m. b. H.. Dusseldorf. Wallstrafte 10 Alle Einsendungen redakt. u. ßeschäftl. Art an Dr. Klein. Dusseldorf / Schriftleitung: Rabbiner Dr. Klein. Düsseldorf, Haroldsfrafse 4 Fernruf Nr. 7390 Düsseldorf, den 25. Februar 1926 13. JAHRGANG / Nr der jüdischen Blätter Im 1. Aufsatz des die tätige Teilnahme D Die sozialen Aufgaben der Jugendbewegung Von Hannah Karminski. 1. Heftes der „Jüdischen Blätter" wird in dem „sozialen Fragenkomplex" als ein „neuer Zugangsweg" bezeichnet, den die jüdische Jugend einschlagen müsse, um1 zu ihrem Ziele voranzukommen. Im gleichen Heft wird in; einem „Aufruf zur sozialen Arbeit", den die Verbandsleitung icjrläßt, beklagt, daß die jüdischen Jugendvereine einer' wiederholten Aufforderung zur sozialen Betätigung nur sehr vereinzelt Folge geleistet haben. Nun will man es mit einem neuen Aufruf noch einmal versuchen. Man weist auf die gesteigerte Not der Zeit hin, auf Krankheit, Verwahrlosung, Verarmung. Wichtiger als die Feststellung dieser Tatsachen, die von außen her die Bereitschaft und Mithilfe aller erfordern, scheint es mir — in diesem Zusammenhange — einmal den Triebkräften nachzugehen, die von innen her, aus der Jugend selbst — meist noch tastend und unsicher — Anschluß an die soziale Gemeinschaft, Betätigung, Mitgestaltung suchen. Zwei Extreme scheinen sich hier gegenüberzustehen. Jugendbewegung: d. h. die Forderung der Jugend, ihr Eigenleben zu entfalten, ihr „Ich" zu finden, sich zu leben, in sich zu schauen. Und — die soziale Gemeinschaft, die da sagt: „nichts gehört dir allein, auch du selbst gehörst den andern, sieh um dich, hör' das Leid, handle! Scheinbare Gegensätzlichkeiten, und doch — wie alles Gegensätzliche — geheimnisvoll verbunden. Verbunden vielleicht durch das Wachstumsgesetz der Reife, des Aelterwerdens und Erfahrens (das klassische Beispiel dafür ist uns durch Goethe in der Entwicklung des „Wilhelm Meister" gegeben), aber oft auch zeitlich zusammenklingend und miteinander ringend in der Psyche des Jugendlichen. Beer-Hoffmann hat in der Gestalt des jungen Jakob (in der Dichtung „Jakobs Traum") diesen zwiefachen Entwicklungsprozeß zum Ausdruck gebracht: die stolze Erkenntnis, „neue Generation" zu sein, beglücktes Hinlauschen auf die eigene Stimme, Innewerden der Individualität, des Eigenwertes. Und zugleich das Bewußtwerden des unentrinnbaren Verknüpftseins mit allen Lebewesen. Nie ist er allein. Die Stimmen der Natur — Quell und Stein — reden zu ihm, klagen ihm. Aller Wesen Leid spricht ihn an. Sein jugendlicher Individualismus bäumt sich aüf und kann sich dieses Segens doch nicht erwehren, er ist dazu erwählt und nimmt auch diese Last des Segens auf sich, beugt sich, neigt sich, und fühlt mit der Last seine Kraft wachsen, sich steigern: „Wie Krone will ich's tragen, nicht wie Joch!" Nur wer diesen Weg findet, den organischen, natürlichen Weg der Reife, sei zur sozialen Arbeit aufgerufen. Nur dann kann man dem treubleiben, was man der Jugendbewegung schuldet, und kann dem gerecht werden, was die soziale Betätigung erfordert. Denn es ist ihr nicht gedient mit Hilfstruppen, die auf einen1 Befehl von außen parieren, sondern sie braucht „freiwillige Helfer", die sich — von innerem Müssen getrieben — zu treuem Dienst verpflichten. Und die im Ringen mit dem Leid und der Not ihren Op'' -ismus behalten, und Mut und Gestaltungskraft. So läßt es sich auf natürliche Weise erklären, daß die Jugendbewegung sich nicht von Anfang an für das „soziale "Gebiet" mit verantwortlich fühlte. Sie hatte zuerst mit sich allein zu tun. Man mußte erst älter werden: die Einzelnen und die Bewegung als solche. Die älteren, die durch die Jugendbewegung hindurchgegangen sind, suchen heute den Anschluß 'an die sozialen Organisationen. Und — grundsätzlich — gewinnt innerhalb der Jugendbewegung das Problem an Bedeutung: „Kann man als Jugend an der Gemeinschaft der älteren mitarbeiten? Kann die Jugend sich einreihen in eine Gesellschaft, der sie mit Kritik, Opposition gegenübersteht, die sie ablehnt? Ein Führer der Jugend, Prof. Guardini, hat anläßlich einer sozialen Tagung, die im letzten Jahre in Düsseldorf stattfand, in einer Jugendversammlung diese Frage in den Mittelpunkt gestellt. Hat sie geprüft — nicht „von oben herab" und beleuchtet mit gütigem Ernst und liebevollem Verstehn. Und hat sie bejaht! Er hat es verlangt, daß die Jugend sich hineinstelle in die Wirklichkeit, damit sie beweise, daß ihre Krtik fruchtbar sei und ihr Wollen ernst. i Sie ist es »ich selbst schuldig, zu erproben, ob ihre Treue zum Ideal der Wirklichkeit standhält, ob sie sich in stiller, ausdauernder Kleinarbeit ihren Schwung, ihren Elan, ihren Glauben bewahren kann. Immer wieder wird-aus den Kreisen der Jugendbewegung geltend gemacht, daß man vorsichtig sein müsse, nur in gewissen Grenzen mitarbeiten könne, damit von der „Eigenart der Jugend" nichts aufgegeben .werde. Bei diesem Punkt muß klar unterschieden werden: Die soziale Hilfsarbeit," die die Jugendbünde leisten können — im Rahmen der Jugendbewegungsarbeit —, kann nur eine bedingte, begrenzte sein, schon um der sozialen Arbeit willen.sdie meist volle Hingabe an Zeit und Kraft verlangt. Der einzelne aber, der sich — . beruflich oder nebenberuflich — der sozialen Arbeit zur Verfügung stellt, lasse seine Ansprüche fallen und. seine — Furcht, seine „jugendliche Eigenart" aufzugeben. Er lerne erst, daß nicht nur heißer, ungebändigter Wille, sondern auch Besonnen-' heit und Erfahrung Werkzeuge sind, die es zu handhaben gilt. Er spüre erst schweigend nach, ob seine Flamme wirklich heißer und heller loht als das heilig gehütete Feuer derer, die schon am Werk sind. Er wird ein Feld finden, das jedem, der mit Ernst und reiner Gesinnung kommt, die Möglichkeit gibt, sich einen Boden zu erarbeiten, auf dem er — unter anderen — sein eigener ist, in den er einsenken kann, was er an seelischem Reichtum besitzt, damit es Saatgut werde. Er hüte seine Zur Beachtung! Mittellungen der Verbandsleitung: auf Seite 13 Vereinsnachrichten auf Seite 14 bis 15 '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.