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Der Jugendbund · 1925-12-17 · 22 (17.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
1 (1925)
Issue
22 (17.12.1925)
Date
1925-12-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Rechtsnot der jüdischen Studenten. In einer Zeit politischer i Regeneration sei diese völkisch-antisemitische Bewegung der ' Studentenschaft begreiflich. Aber die völkischen Gedanken seien aufgebaut auf Rassenwahn, Unduldsamkeit und Irrtümern. | Lehrfreiheit, Lernfreiheit und Koalitionsfreiheit, die Grundlagen der deutschen Hochschulen, müssen zu einer Farce werden, wenn sie dazu dienen, Minderheiten an den Pflegestätten deutschen Geistes gewaltsam zu unterdrücken. Wie kann daswaffenlose Deutschland dem Rechtsgedanken in der Welt mit Nachdruck Geltung verschaffen, wenn es in seiner eigenen Volksgemeinschaft die um ihr Recht kämpfenden deutsch-jüdischen Studenten in niedrigster Weise ungerecht bfehandelt'' j Deutsches Recht wird gebrochen, wenn eine Minderheit deutscher akademischer Bürger entrechtet werden soll. Dem Staat, der alle zur Mitarbeit an dem Aufbau unseres Vaterlandes bereiten Kräfte sammelt, kann dies nicht gleichgültig sein. Die deutsch-jüdische Jugend an der Universität kann in ihrem Kampf um Freiheit und Gleichberechtigung auf ' die Unterstützung aller aufrechten Deutschen rechnen, um dem Rechts¬ und Menschlichkeitsgedanken in gleicher Weise zum Erfolge zu verhelfen. In seinem Schlußwort brachte Dr. Holländer zum Ausdruck, die Gebote der Menschlichkeit und Nächstenliebe nicht nur im Munde zu führen, sondern auch in 'die Tat umzusetzen. Recht und Sittlichkeit werden dem Wiederaufstieg unseres Volkes die Wege ebnen. Zum Wochenabschnitt Mikkez Pharaos Traum. Von Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Kaum eine Erzählung unserer Thora erregt so sehr ein Kindergemüt, wie die von Pharaos Traum und seiner Deutung und Nutzanwendung durch Joseph. Jeder, der Gelegenheit gehabt hat, die Geschichte von den sieben mageren Kühen, die die fetten verschlangen und doch so mager blieben wie vorher, und von den sieben dürren Aehren, die die vollen verschlangen und doch nicht voller wurden, von den Jahren des l eberflusses und der Hungersnot, von dem Bau der Vorratshäuser und der Sorge für die Zeit der Not in den Jahren des Glückes durch Joseph, Kindern zu erzählen, wird es erfahren haben, wie stark die Thora hier auf die Phantasie, wie wunderbar sie auf die Erziehung einzuwirken vermag. Aber auch uns Erwachsene berührt diese einfache Erzählung bis ins Innerste. Welch eine Lebensweisheit, welch reiche Belehrung ist in ihr enthalten! Wie verschieden wirkt die Zeit der Not auf die Menschen! Wir wissen wahrlich davon zu erzählen. Sorglos, als etwas Selbstverständliches I nahmen wir alle, die wir die Zeit Vor dem Weltkriege wissend erlebten, die Tage des Ueberflusses. des sorglosen Lebens hin. Wer dachte daran, wie Joseph, für die Zeit der Hungersnot zu sorgen? Und ist es nicht in der Periode der großen Zahlen, die wir noch nicht lange hinter uns haben, ebenso gegangen? Haben nicht die meisten für den Augenblick gelebt, als ob der Ueberfluß ewig dauern müsse? Hat man sich nicht berauscht an dem vermeintlichen Reichtum, ohne an die Zukunft zu denken? Die meisten Menschen vergeuden ihre Kraft für die Gegenwart, nur wenige Weitblickende haben Einsicht genug, von ihr aufzusparen für die Zeit, da ihre Kraft nachläßt. Sollte nicht auch auf uns, unsern Verband dieses Bild zutreffen? Die Jahre nach dem Kriege waren für uns die Zeit des Ueberflusses. Reichlich strömten uns die Menschen, die Kräfte der jüdischen Jugend, zu. Vielleicht haben wir uns berauscht an dieser glücklichen Zeit, unsere Kräfte zu sehr verbraucht an Notwendigkeiten des Augenblicks. Als dann die Zeit der Not kam, da hatten wir keine Vorratshäuser, aus denen wir schöpfen konnten, da erlagen all die Versine, die nicht vorgebaut hatten dem Ansturm der schweren Zeit. Nur der Mann, der sich erfüllt hatte mit dem Geist, der die Zeiten überdauert, blieb erhalten und schickt sich an, den Hungernden zu geben aus dem Vorrat, den -er sich bewahrte. Möchte der Vorrat ausreichen, um der Not zu steuern, wie damals durch Josephs Weitblick die Kornsäcke der Hungernden gefüllt wurden. Aus den Gemeinden Düsseldorf Vortrag von Frau Dr. Marianne Weber über „Jugendbewegung und Jugenderziehung". Am 13. September sprach im Rahmen der „Vorträge zur deutschen Kultur der Gegenwart" Frau Dr. Marianne Weber, die Witwe des bekannten Nationalökonömen, über obiges Thema. Die Rednerin schilderte in interessanter und klarer Weise die Entwicklung der Jugendbewegung in Deutschland, wie sie unseren Freunden aus eigener Erfahrung bekannt ist. Die Ausführungen brachten all denen, die sich mit der Jugendbewegung befaßt haben, zwar wenig Neues, führten aber dem großen Publikum in dankenswerter Weise die Bestrebungen der Jugend in Deutschland vor Augen. Sic schilderte die moderne Art der Jugenderziehung, betonte die Notwendigkeit kameradschaftlichen Geistes zwischen Eltern und Kindern und Lehrern und Schülern und schilderte die modernen Einrichtungen in den Schulen, die diesen Forderungen gerecht werden sollen. Chanukka-Feier des Vereins selbständiger Handwerker zu Düsseldorf. In der Ludwigsburg veranstalteten die jüdischen Handwerker unserer Stadt^ eine wohlgelungene und starkbesuchte Chanukka-Feier. Einiii besondere Note bekam die Veranstaltung durch eine Ausstellung der in der Arbeit eines Jahres von der Frauengruppe verfertigten Kleidungsstücke für arme Kinder. Der Verein hat dadurch eine soziale Tat vollbracht, die nicht nur den Bedachten, sondern auch den dabei durch emsige Arbeit Beteiligten eine Wohltat bedeutet. II. Konzert: „Hebräische Melodien". Das II. Konzert, das die Städtische Volkshochschule in der Synagoge zum Verständnis der hebräischen Melodien gab, war ein voller Erfolg. Rabbiner Dr. Klein entwickelte in seinen einleitenden Worten die Prinzipien der alten hebräischen Melodien nach den neuesten Forschungen. Er betonte, daß selbstverständlich die Synagogengesänge durch die Musik aller Länder beeinflußt seien, daß sich aber der alte Kern überall herausschälen lasse. Das Prinzip sei ursprünglich die einfache diatonisch rezitativische Melodie gegenüber der polyphonen Harmonie der europäischen Musik. Ferner die durch die hebräische Sprache bedingte Betonung der letzten Silbe, die auch der Musik einen eigenen Charakter gebe, sowie der Parallelismus, hervorgerufen durch den Charakter der hebräischen Dichtung und letzthin der ständige Wechsel in den Rhythmen und den Tonarten der in dem eigenen Charakter der jüdischen Seele begründet ist. Zum Verständnis der Gesänge der hohen Feiertage ging er schließlich kurz auf den Ideengehalt dieser Feste ein. Das Publikum lauschte ergriffen den von dem vorzüglichen Chor und dem Solisten, Herrn Kantor Feibclmann, dargebotenen Proben, die in seltener Reinheit und mit musikalischem Geschmack zu Gehör gebracht wurden. Hervorzuheben ist die besondere Leistung des Solisten, der infolge Erkrankung des Herrn Kantor Vogel sämtliche Solostellen in hervorragender Weise zu Gehör brachte. Besonderen Dank verdient auch die umsichtige Leitung des Dirigenten, Herrn Brieger, und des Organisten, Herrn Mingers. Besichtigung der Synagoge. Die Volkshochschule stellt sich in dankenswerter Weise zur Verfügung, um das Verständnis für jüdische Einrichtungen beim nichtjüdischen Publikum hervorzurufen. Am 28. November fand die 20. Führung unter Leitung von Rabbiner Dr. Klein durch die Synagoge mit Erklärung des jüdischen Gottesdienstes statt. Diese Veranstaltungen sind nunmehr von über 2000 Personen, fast ausschließlich Nichtjuden, besucht worden. Sicherlich ein großer Erfolg nach der Richtung der Aufklärung über unsere, außerhalb des Judentums wenig bekannten und oft verkannten Einrichtungen. r

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