Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 22 (17.12.1925)
- Date
- 1925-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Bünden Bochum Einer recht stattlichen Teilnehmerzahl erfreute sich unser, am 3. Dezember stattgefundener Heimabend. Herr Rabbiner Dr. David sprach über den Talmud. Seine geistvollen, lehrreichen Ausführungen fanden allerseits reges Interesse. Jüdischer Jugend- und Literatur-Verein Castrop Am Samstag, den 28. November, haben wir in dem vereinigten Jugend- und Literaturverein unsere Arbeit wieder aufgenommen. In einem fesselnden Vortrage „Zur augenblicklichen Lage" spornte der zum 1. Vorsitzenden gewählte Herr Lehrer Ulimann, Castrop, zu neuer Arbeit an. Der Redner führte die zahlreich erschienenen Interessenten in die ereignisreiche Gegenwart ein und vcranlaßte eine auf hoher Warte stehende Aussprache: Zur Frage des Abwehrkampfes, der jüdischen Jugend- und Sportbewegung, zur außenpolitischen Lage, Locarno und wir, zu innerpolitisch-jüdischen Ereignissen, nahm der Redner Stellung. Mit ganz besonders starkem Interesse folgte man den Darstellungen über die „Jüdische Sportbewegung", und nach seinen Darstellungen: es gibt und darf keine jüdische Sportbewegung geben, es kann für uns nur eine deutsche oder zionistische sein, wurde die Aussprache recht leidenschaftlich, besonders, nachdem Herr Dr. Goldschmidt, Castrop, der hier ein führender Sportler in den paritätischen Vereinen ist, darlegte, daß man uns in solchen Vereinen achtet und schützt. Die Darstellung unseres Redners ist in allen Vereinen zu empfehlen. Herr Ulimann versteht es, mit seinen Ausführungen zu begeistern. Alle Anschriften sind zu richten an: Frau Luise Cohen, Castrop, Markt, die zur t. Schriftführerin gewählt wurde. Elberfeld Der erste Vortragszyklus über Religionsfragen ist beendet. Die einzelnen Vorträge haben bei unseren Mitgliedern großes Interesse geweckt und sind auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Diskussionsabende haben jedoch noch zu wünschen übriggelassen. Die einzelnen Mitglieder haben die Scheu vor dem Reden noch immer nicht überwunden. Wir beabsichtigen daher, in Zukunft einen Diskutierkursus abzuhalten. Die Beteiligung an den Vortragsabenden hat unsere Erwartung voll und ganz erfüllt. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Herr Oberkantor Zivi nicht nur jeden Vortragsabend besucht, sondern auch zu den Diskussionsabenden kurz referiert und dadurch die Diskussion sehr gefördert hat. Ihm gilt unser besonderer Dank. Im Monat Dezember wird kein besonderer Vortrag mehr gehalten werden. Im Januar beginnt ein neuer Literaturzyklus. Die Redner sind bereits gewonnen und werden in der nächsten Nummer bekanntgegeben. Neben dem oben erwähnten Diskutierkursus ist ein Kursus von Rechtsanwalt Israel über ausgewählte juristische Themen fürs praktische Leben und ein Kursus von Dr. med. Auerbach über allgemein naturwissenschaftliche Fragen geplant. Die regelmäßigen Freitagabendfeiern werden beibehalten. Jülich spräche das Vorsitzenden, in dar «r auf die Bedeutung des Chanukka-Festes und besonders für die Jugend auf das leuchtende Vorbild eines Juda Makkabi und auf die doppelte Bedeutung des Tages für den Verein als sechsjährige Wiederkehr des Stiftungsfestes hinwies, wurden die Chanukka-Lichter angezündet und gemeinsam das Moaus zur gesungen. Es folgten dann einige lustige Darbietungen, worunter besonders das Auftreten einer ländlichen Dorfkapelle zum schönen Verlauf des Festes beitrug. Ueber den guten Besuch freuten wir uns sehr und wollen den kleinen Ueberschtiß benutzen, einen Ofen für dar Vereinslokal zu bezahlen. SPORT Kreuznach. > In gleichem Maße, ui dem dre Juden in den schweren Kriegsjahren, unter Einsetzung ihrer ganzen Kraft, trotz aller verleumderischen Angriffe unserer Gegner ihren Mann -für ihr deutsches Vaterland gestellt haben, leisten sie in den Nachkriegsjahren nicht nur Gutes, sondern Hervorragendes, auf sportlichem Gebiete. Nicht genügend bekannt und deswegen an dieser Stelle erwähnenswert dürfte es sein, daß auch in der Schwerathletik — ich meine hier den sportlichen, nicht etwa berufsmäßigen Ringkampf — Juden seit Jahren mit an erster Stelle stehen und in hervorragender Weise dazu beigetragen haben, ihrer Mannschaft zum Titel „Deutscher Meister 1925 26" zu verhelfen. Genannte Mannschaft, die in diesem Jahre sich i zu dieser höchsten von der deutschen Sportbehörde zu vergebenden Ehre nach schweren, wunderbaren sportlichen Kämpfen im wahren Sinne des Wortes „durchgerungen" hat, ist die Athletik-Sportvereinigung 03 Bad Kreuznach, zu dererr bewährten Kämpen u. a. unsere Mitglieder die Brüder Julius und Hermann Baruch, sowie der jugendliche, erst 18 Jahre zählende Felix Marx gehören. Die beiden Erstgenannten stehen schon über ein Jahrzehnt in der schwerathletischen Sportbewegung und ist es ganz besonders ihrer Initiative zuzuschreiben, daß ihr Verein in unserer verhältnismäßig kleinen Stadt sich zu dieser Höhe emporschwingen konnte und über Deutsche Meister-Mannschaften, wie „Berlin-Ost" und „Kölner Klub für Kraftsport" im Endkampf glänzend siegen konnte. Außer diesen drei Favoriten, in der Ligamannschaft des Vereins stehenden Sportlern, betätigen sich außerdem noch eine Anzahl junger jüdischer Leute eifrig am Training. Auch inaktiv hat der Verein unter den Kreuznacher Juden eine erhebliche Zahl sportbegeisterter Anhänger. Die Gebrüder Baruch haben den Titel „Internationale Meister Bern 1920", „Kreismeister 1919 25", „Europameister 1925" nebst anderen vielen Titeln errungen. Felix Marx, der dieses Jahr aus der Klasse „Jugend" ausschied, hat sich sogleich den Kreismeistertitel, sowie auf dem großen Wettstreit zu Darmstadt im Sommer den ersten Platz, womit eine Verleihung der Medaille, vom hessischen Staatspräsidenten gestiftet, verbunden war, zu erobern gewußt. Bei einem jetzt gerade beendeten Tournee der Meistermannschaften nach den bedeutendsten Städten des Ruhrgebiets ha! er direkt« Bravourleistungen vollbracht. Von Interesse dürfte noch sein, daß Julius Baruch Buchdrucker. Saale der Landskronc ein Chanukka-Fest. Nach einer An- 4 heamter ist. Richard Rauner, Bad Kreuznach. VEREINSNACHRICHTEN Mitteilungen des Bezirksverbandes jüdischer Jugendvereine Westdeutschlands I. Bekanntlich ist im Anschluß an das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz die behördliche Jugendpflege in ganz Deutschland einheitlich ausgebaut worden. Wir haben uns entschlossen, die gesamten Jugendbünde den behördlichen Jugendorganisationen anzuschließen; Es kommen in Betracht: a) für die großstädtischen Vereine: die Stadtausschüsse für Jugendpflege. b) für die ländlichen Jugendbünde: die Orts- und Kreisausschüsse für Jugendpflege. c) für die Bezirksgruppen: die Bezirksausschüsse für Jugendpflege bei der zuständigen Regierung. Wir bitten die Vereinsvorstände, die Anmeldung l ihrer Vereine zu den zuständigen Ausschüssen umgehend vornehmen zu wollen. Wir. machen darauf aufmerksam, daß die Zugehörigkeit zu den Ausschüssen nicht nur die Zugängigmachung von einer Fülle wertvollen Arbeitsmaterials zur Folge hat, sondern dass hierdurch auch für die Vereinsmitglieder, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, eine Reihe erheblicher Vergünstigungen bei Eisenbahnfahrten, Vorträgen und Kursen bedingt sind. Wir bitten, uns von der geschehenen Anmeldung in Kenntnis zu setzen. II. Die Leiter der Bezirksgruppen werden ersucht, ihrerseits mit den Bezirksausschüssen zwecks gemeinsamer Vertretung der ihnen angeschlossenen Vereine in Verbindung zu treten. Dies ist deshalb besonders wichtig, weil am 1. April 1926 durch den Bezirksausschuß staatliche Zuschüsse an die der behördlichen Jugendpflege angeschlossenen Jugendbünde verteilt werden. Es, werden gebeten, sich in Verbindung zu setzen: i a) Dr. Max Goldberg mit der Regierung in Köln für die Vereine Köln, Meckenheim, Siegburg. b) Kurt Hirsch, Hamm (Sieg), mit der Regierung in Koblenz für die Westerwalder Vereine und Mayen. c) Paul Kaufmann, Aachen, bei der Regierung in Aachen 5 —