Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 22 (17.12.1925)
- Date
- 1925-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Die Tagung Ein Bericht von Herbart Felseilthal. Düsseldorf. L Die Vorgeschichte- Seit Frankfurt. Oktober 1924. leitete Gustav Lölllcr den Verband. Vielmehr, er war den verantwortlichen Führern der Untergruppen ein beratender Freund. Ihm fehlte der Wille] zu diktatorischen Verwaltungsakten. Unentbehrlich ist Gustav Löffler als geistiger und, wenn man es so ausdrücken darf, seelischer Führer des Verbandes. Aber selten oder nie sind Geist und Technik der Verbandsführung vollkommen in einer Person vereint. So mußte er im Verlauf des Jahres, da er seinen Freunden kostbare Anregungen gegeben haite.- enttäuscht werden. Die Resonanz seiner Worte hei einigen Freunden war stark und lange nachwirkend. Der praktische Erfolg blijeb gering. Nach kaum zehn Monaten trat er zurück. 1 DL' ' . Der Versuch einer Zwischenregelung auf brieflichem Wege mißlang. Zu wenig einem einheitlichen technischen Organismus eingeordnet, verblieben die Landesverbandsführer bei vorgefaßten eigenen Meinungen. Der Vorschlag, einem Bezirksverband die Aufgabi eines Spitzenverbandes zu geben, drang nicht durch. Zu stark war auch der Drang nach einer geord. .Helen persönlichen Verbandsspitze. Die Leere, die der plötz. liehe Rücktritt des Führers zurückgelassen hatte, auszufüllen, berief der Westdeutsche Bezirksverband eine Zusammenkunft der Landcsverbandslührcr und einiger verantwortungsvoller Freunde aus dem Verband auf den 6. Dezember nach Berlin. III. Man war. ohne es auszusprechen, sich einig darüber, daß die tehlendc juristische Legitimation zu bindenden Beschlüssen 'iir die Fortführung des Verbandes ersetzt werden mußte durch den starken und einheitlichen Willen zum Aufbau. Man wußte, daß es nicht darum ging, der Notwendigkeit unseres Verbandes ein Wort zu reden pder den Zielen eine neue Wortform — denn das Programm dler Verbarujsidee ist anerkannt —, sondern man beschränkte sich von vorneherein auf die Behandlung des cirjen Punktes: Errichtung einer technisch durchgreifenden Ver- Hands7cntrale. IV. .... 1 ■ gut. da!J das Gremium "der im Berliner Logenhaus \ ersamme'.ten in der Hauptsache zusammengesetzt war aus berühmten Praktikern der Verbandslcitung: Alfred Apfel, Cora Rcrlincr. Elsa Hirschpl. Heinrich Guttmann. Siegfried Bacharach und Dr. Klein. , Daneben jüngere Führer, die alle schon durch die Schule der ■ Geschäftsführung eines Landesverbandes hindurchgegangen wafen. Neben den Verbandsfreunden, als Vertreter der Groß-Logc des Ordens U. O. B. B., Kommerzienr.il Maximilian Stein,! seit Jahren Verbindungsmann zwischen Heiden Verbänden. Djc Berichte über die Lage der BezirksverhhrJe zeigten das bekannte Bild: ein unerschütterliches Gefüge v on Berlin über Mitteldeutschland. Sachsen und Nord-Westdeutschland nach rJern Westen: etwa 75 arbeitende Vereine mit etwa 50 10 Mitgliedern. Daneben nach schriftlichen Aeuße- -r::ngcn der nicht vcrjretenen Führer anderer Landesverbände vereinzelte arbeitend* Bünde im ganzen Reich, jedoch ohne feste organisatorische' Fügung. So war die*HauP!aufgabe der neue^i Zentrale vonT vorneherein gekennzeichnet: Hineintragung des Verbandsgedankens in diese Teile des Reiches. Die Mittel der Werbearbeit waren in einheitlicher Arbeit ebenso schnell gefunden, Schaffung eines Netzes von Vertrauensleuten in engem Anschluß an geistesverwandte Verbände, wie Logen und Frauenbünde, und interessierte Persönlichkeiten, Rabbiner und Lehrer: schnelle Herausgabe eines leicht zu verbreitenden Verbandsorganes nach Art des „Jugendbund", verständlich für diejenigen, die für den Ver. bandsgedanken gewonnen werden sollen und gleichzeitig anregend für alle Mitglieder des Verbandes. Kein ausschließliches Führerblatt also, aber eine Zeitschrift von anständigem Niveau. Unbedingte Autorität der Verbandszentrale, bedingt durch die Persönlichkeit des Führers und gestützt durch die Mitverantwortung der Führenden in allen Teilen des Reiches. So fiel nach Festlegung dieser Grundsatze die einmütige Wahl der Beteiligten auf den Führer der westdeutschen Jugendbündc. Rabbiner Dr. Klein. Denn unter seiner jahrelang bewährten Führung wurde dieser Verband die Keimzelle des nach diesen Grundsätzen wieder zu belebenden Reichsverbandes. So fand man im ..Jugendbund" die Voraussetzungen verwirklicht, die man dem neuen Verbandsorgan gesetzt hatte. Neben Dr. Klein werden als Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses die Mitverantwortung tragen: Heinrich Guttmann. Chemnitz, Karl Göritz, Chemnitz, Rabbiner Dr. Nobel, Berlin. Alfred Bonnin, Bielefeld, Herbert Felsenthal, Düsseldorf, und Alfred Apfel. Berlin. VI. Alfred Apfel! Denn er hat sich rückhaltlos wieder zum Verband bekannt, hat die Notwendigkeit des Verbandes in dieser Zeit und über diese Zeit hinaus mehr vielleicht erkannt als damals, da er selbst die Geschicke dieses Verbandes leitete. Wir haben keinen Grund, Betrachtungen darüber anzustellen, ob und inwieweit sein plötzliches Verstummen seinerzeit der Entwicklung des Verbandes geschadet hat, sondern müssen uns freuen, daß gerade er seine großen technischen Fähigkeiten uns wieder nutzbar gemacht hat, denn der bleibenden Idee unseres Bundes, ein festes und dauerndes Gefüge zu schaffen, ist die erste und einzige Aufgabe der Verbandszentrale. VE Diese Aufgabe zu erfüllen, ist ihr ein nicht aufzuschiebender Termin gesetzt. Auf Pfingsten 1926 hat die Versammlung die erste große Delegiertentagung bestimmt, und bis zu diesem Zeitpunkt muß die Organisation in allen Teilen Deutschlands verbreitet sein. Am 23. und 24. Mai 1926 müssen und werden in Düsseldorf die besten Führer aus dem ganzen Reich zusammenkommen. Unsere feste Zuversicht ist es, daß aus ihrer Mitte neue Kräfte aufstehen werden, die dem organii satorisch erstarkten Verbände neue geistige Anregung brin- | gen werden. Bis dahin aber sind alle Kräfte anzuspannen | für die Erstarkung der Organisation in einmütiger und! schlichter Arbeit wie der jener Versammlung am 6. Dezember. die in den Blättern der Verbandsgeschichtc in Erinnerung I bleiben wird als eine Tagung sachlichster Arbeit. Noch ein Wort vom Lernen Eine Kritik zur Entgegnung von Adolf S t e r n , zur Zeit Hachenburg'Wcsterwald. Den Lesern des „ilugendbundcs" ist in den Nummern 18 t:nrj 20 ein St-eit zweier Meinungen vorgelegt worden, der so l - ■ ist, düf! er selbsj dem lauesten Juden eine Meinung abnöttgen roitfi. nich wenn sie von „unberufener" Seite kommen sollte. Schon der-objektiv« Leser wird beim ersten Vergleich dem Artikel des Herrn Dr.! Simon den Vorzug geben müssen, weil es sich hierbei um einten praktischen Vorschlag handelt, wähnnd d>e Entgegnung nur eine unfruchtbare Kritik ist. Zwei Fragen müssen wir uns aus dem strittigen Fragenkomplex hervorholen »nd zu beantworten suchen. Was kann d cm Verfall des Judentums Einhalt gebieten? Ist der Vorschlag des Herrn Dr. Simon durchführbar? Befindet sich das Judentum überhaupt auf absteigendem Ast? Ja! Gut. daß wenigstens alle Juden hierin einig sind. Oder sollte es gar auch solche geben, die das noch verneinen? Selbsterkenntnis ist ja. wie bekannt, der erste Weg zur Besserung. Warum ist nuri der Vorschlag des Herrn Dr. Simon ein richtiger Weg oder wahrscheinlich nur der einzige richtige Weg? Weil die Lebenskraft des Judentums die Völker überdauert hat. niemals in seiner politischen oder finanziellen Macht, sondern .stets durch die Beschäftigung mit seiner Religion. Nur diese Betätigung hat des Judentums Willenskraft gestählt, seine Geisteskraft geschärft, seinen Bestand gesichert, während Weltreiche neben ihm in den Staub sanken. Aus diesem Grunde ist ein Vergleich mit dem übrigen Europa gar nicht haltbar. j Vollständig richtig ist es, wenn Herr Friedmann sagt, wir dürften heute keine Experimente mehr machen, wir dürften bereits schon zu viel gemacht haben. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Sie hat uns gezeigt, was ein Recht auf Fortbestehen hat. Der Weg, -nuf den uns Dr. Simon zurückweist, ist im Feuer der Zeit erprobt und für allein lebensfähig befunden. Die andere Frage, ob der Vorschlag durchführbar, ist kürzer zu beantworten. Sehr schwer wird wohl überall die Forderung, zwei Stunden I pro Tag intensiv zu lernen, empfunden worden sein. Und wir i wollen uns nichts vormachen, noch schwerer wird sie sich, | besonders auf dem flachen' Land, in die Tat umsetzen lassen, j Aber das ist ja auch gar nicht des Pudels Kern. Auf die Zeitfrage kommt es schließlich nicht an. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Wegl Uns fehlt aber leider der „Wille" zum Judentum. Ohne Mühe kein Lohn. Horribile dictu — auf deutsch: schrecklich ist es auszusprechen — muß man heute — 2 —