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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · 4 (Sept./Oktober 1921) · p. Seite 123

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
12 (1921)
Issue
4 (Sept./Oktober 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 123 (sequence 29)
Language
German
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i — 123 — i > Klampfe, wie auf unseren Wanderungen daheim, hatten wir zwar nicht, doch spielte Bernd auf einer Mundharmonika. Nun hatte er zwar seine Lehrzeit in dieser edlen Kunst noch nicht beendet, aber wenn dann bei den bekannten Liedern der frische Chor der Kinder ein stimmte, hörte man ihn ja doch nicht. Hatten wir alle erst so weit, dann war es ein leichtes, mit ihnen die dem kindlichen Gemüt an gepaßten Bolksspiele zu machen, die immer noch viel zu wenig ver breitet sind. Rührend war der Eifer der kleinen Knirpse, ermutigend die Lust und!>as Interesse der größeren. Mit anderen „unbekann ren" Kindern zu spielen, das war vielen Wandervögeln etwas neues, und wie staunten sie dann, wenn sie aus die Frage nach unserer Organisationszug^hörigkeit das Wort „Jung - Jüdischer Wanderbund" hörten. Endzweck war freilich nicht die Bekämpfung des Antisemitismus. sondern der Dienst am Menschen! Kindern gaben wir Freude, und das Gefühl war herrlich. \ Daheim setzen wir nun unsere Arbeit, die uns große Freude bereitet, fort. Und Ihr, lieben Freunde, sollt ebenso handeln — trotz „Zeitmangel" —; fangt's richtig an, dann werdet Ihr auch keine Enttäuschungen erlebest. Ihr vollbringt eine Tat im Sinne der Jugendbewegung, eine Tat, die einfach Eure Pflicht ist. und wen,: deren Erfüllung Opfer von Euch verlangen, würde. Damit komme ich zu noch etwas anderem, das nicht minder wichtig ist. Wir wußten, daß unser Elücksgefühl herrllhrte von dem Bcrbundensein mit der Natur, von dem Gemeinschaftsgciste, der uns hier einte, von der Losgelöstheit von den uns fast lächerlich anmuten den Sorgen des Alltags. Diese Tatsachen allein vermochten das Innenleben eines jeden einzelnen, das sich ja gewissermaßen jeden Tag neu entfaltet, harmonisch zu stimmen und das Handeln gut und edel zu gestalten. Was, so fragten wir uns, brauchen wir da noch Luxus — d. h. bei Wanderern „unter Umständen Entbehrliches" — für den Körper? Zum Spaß wollten wir auf Wanderungen in der Heimat nicht trainiert haben. Gewiß hätte uns mal ein richtiges Mittagbrot stärken können, obwohl wir sonst darauf weizig Wert legen; aber da wir wußten, wie gut das Geld hätte anderweit ver wandt werden können, wollten wir Opfer bringen. Wir dachten an arme jüdische Kinder, wir dachten an den Keren Hajesod, dessen Un terstützung ja!>,. Emil Cohn wenige Tage vorher in Cassel als eine religiöse Tat mit warmen Worten überzeugend begründet hatte, da war uns unser Handeln klar. Wenn wir nach einem Marsch i» großer Hitze gern eine Tafel Schokolade verzehrt hätten, wenn wir nach anstrengender Wanderung gern ein Stück mit der Bahn gefahren wären, dann legten wir das Geld in unsere Opferkasse. Glaubt nicht etwa, Freunde, daß wir uns brüsten wollen. An regen wollen wir nur, nichts weiter, und da war es doch am einfachsten, von uns selbst zu erzählen. Wir taten's schon deswegen, um den Einwurf von Pessimisten zu widerlegen, die da meinen, Theorie sei's, was wir sagen. Ihr sollt das in Euren Gemeinschaften einführen, was bei uns nun schon fortgesetzt wird. Aber vergeht eins

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