Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 12 (1921)
- Issue
- 4 (Sept./Oktober 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 124 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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124 nicht, nicht die Teilnehmerzahl bei den Dolksspielen, nicht die Höhe der einlaufenden Beträge ist das wesentliche, sondern jeder soll seine Pflicht erfüllen. Pflichterfüllung, die mit Opfern verbunden ist, wird manchem so viel werden können, wie die Form religiösen Lebens. Praktisch durchführbar ist's für jeden, der will! Chafak! Chemnitz, 6. Juli 1921. Erich Eottgetre» Bücherschau. Im Philo-Lerlage erjchien kürzlich eine kleine, aber bedeutsame Schrift, deren Beachtung allen unseren Bünden nicht nur empfohlen, sondern zur Pflicht gemacht sei. Es ist „Eine statistische Studie" über „Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914 bis 1918" aus der Feder des bekannten jüdischen Statistikers und Demographen Or. Jacob Segall. Braucht nach der berechtigten Erregung weitester jüdischer Kreise über die berüchtigte „Judenzählung" im Kriege durch die Militärbehörde und nach dem peinlichen Aufsehen einer „privaten Veröffentlichung" über den gleichen Stoff von zweifellos antifemitijcher Seite noch ein Wort Aber die Wichtigkeit dieser Arbeit verloren zu werden? Zahlen sind's, die als Ergebnis mühevoller Erhebungstätigkeit nüchtern und ruhig aneinander gereiht werden, und aus denen Segall streng sachliche Schlußfolgerungen nach den. Grundsätzen des wissenschaftlichen Statistikers zieht, ohne sich in Lobpreisungen oder Ausfälligkeitcn zu ergehen. Aber diese Zahlen und ihr Sinn reden eine deutliche Sprache, die als Anerkennung für die Geltung der erdrückenden Mehrheit der deutschen Juden verstanden werden darf. Üngefähr 100 000 deutsche Juden haben am Feldzuge teilgenommen, davon haben V? vor dem Feinde (an der Front) gestanden und haben 12000 als Opfer des männermordenden Krieges die Heimat nicht wiedergesehen! — über ihren eigentlichen Zweck hinaus bietet die verdienstvolle Arbeit fesselnde Aufschlüsse über allerhand soziologische Verhältnisse der deutschen Judenheit, die dem Kenner eine willkommene Wiederholung, dem Laien eine Bereicherung seines Wissens, wenn auch teilweise schmerzlicher Natur (Bevölkerungszahl!) sein werden. „Ein Lebensbild Ferdinand Laffalles", des kühnen Vorkämpfers für die Gerechtsamen der arbeitenden Klasse, hat Dr. Willy Cohn in Breslau gezeichnet. Er hat es „der Jugend erzählt", und die Jugend mag ihm das 'von inniger Liebe für seinen „Helden" eingegebcne kleine Merkchen, das in dem Stuttgarter Verlage von I. H. W. Dietz Nachfolger erschien, durch eifrige Beachtung danken. Die Sprache der kurzen Schrift ist offensichtlich mit Bedacht volkstümlich schlicht gehalten. Mitunter erscheint die Tektonik des Ganzen etwas gestört, wenn der Politiker im Biographen die Bedeutung Lasialles für die sozialpolitische Entwicklung der jüngsten Zeit zu erweisen sucht. Verzeihlich, weil dadurch das Ganze ein lebendigeres Gesicht erhält. Der Jude im Menschen Lasialle tritt im Bilde Cohns kaum in Erscheinung. Und doch grüßen wir gerade als Juden diese Neuzeichnung, da sie uns und der Umwelt zu zeigen berufen ist, wie das soziale Ethos des Judentums, von einem starken, jugendvollen Menschen glühend erfaßt und gelebt, den Sozialwillen einer ganzen Welt zu entfachen und wach zu Kalten vermag. Ein kleines, wundersames Buch will ich auch heute noch rühmen, das mir glückliche Stunden bescherte. Es trägt den sonderbaren Titel