Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 12 (1921)
- Issue
- 4 (Sept./Oktober 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 118 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4926451-6352301-6352434--2128-4928207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 eine rein repräsentative Formsache. Merkwürdigerweise ist . aber die Mitwirkung des Altakademikertums (Rechtsanwälte, Aerzte. Lehrer, Rabbiner) in unserem Verbände dagegen viel zahlreicher. So lange allerdings der größte Teil der jüdischen Studentenichaft in zäbem Festhalten an Korporation und Tendenz beharrt. wird seine Mitarbeit bei uns immer nur eine beschränkte sein. Der Wandervogelgeist unseres Iungjüdischen Wanderbundes ist ohne Zweifel unvereinbar mit dem auf Konvention und Tradition abgestimmten Ton des Verbindungs-Komments. Die Vereinigung beider Keistesrichtungen muß unbedingt zu inneren Konflikten füh ren. Ebensowenig wie allerdings Mühe und Band zum Studenten gehören, dokumentieren Schillerkragen und Rucksack Jugendbewegung. Die Schuld der tiefen sozialen Spaltung zwischen dem merkantil und intellektuell tätigen Teilen des deutschen Judentums liegt meines Erachtens, auf Seiten der Akademiker, denen immer noch ein Teil unbewußten Standesdünkels anhaftet, der ihnen für das Verständnis der in anderen Berufen tätigen Kreise oft die Augen verschließt. Nichtsdestoweniger darf sich die soziale Zusammensetzung unseres Verbandes nicht in einseitiger Weise lediglich auf die kaufmännisch tätigen Teile der deutschen Juden beschränken. Die Erfassung des jüdischen Akademikertums, des deutsch-jüdi scheu und ostjüdischen Proletariats und der technisch, gewerblich, Hand merklich und landwirtschaftlich tätigen Juden stellt eine bedeutsame und dringende Zukunftsaufgabe für unseren Verband dar. Mar Goldbcrg. Köln. II. Zum Schlüsse noch ein kurzes Wort über das Verhältnis des K. L„ denn gegen ihn wandten sich ja doch die Ausführungen Traubs, eine leider nur geringe ist zur Zeit, ist nicht zu leugnen. Wie kommt das'.' Dein Denkenden eignet es. nicht nur die Erscheinungen festzu stellen, sondern sich auch nach ihren Gründen zu befragen. Daß es in de» Vorkriegstagen ganz anders war. bedarf keiner Hervorhebung, gerade an dieser Stelle erübrigt cs sich, die Namen der vielen führen den Männer zu erwähnen, die aus dem K. C. heraus, auf der Grund läge ihrer Korporationserzichung weiterstrebend und arbeitend, der jüdischen Allgemeinheit, vor allem aber auch der Jugendbewegung erwachsen sind. Auch heute handelt es sich nicht etwa um die von Traub vermeinte gegenseitige Entfremdung oder gar einen in nichts begründeten Klassengegensatz, sondern grundlegend ist feslzustellen die jungjüdische Bewegung der Nachkriegszeit ist ganz spontan aus den Reihen ^der jüngsten Jugend selber hcrvorgegange». während den studentischen Verbindungen gerade die älteren aus dem Kriege an die Hochschule zurückkehrcnden Akademiker ihren Charakter auf drückte». Dazu aber kommt noch, daß in der Nachkriegszeit einerseits die für das innere Verbandsleben sich ergebenden Reformen und Aenderungen, nach außen aber vor allem die in ihrer Bedeutung ichon kurz geschilderte antisemitische Hochflut fast die gesamten