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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · 4 (Sept./Oktober 1921) · p. Seite 116

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
12 (1921)
Issue
4 (Sept./Oktober 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 116 (sequence 22)
Language
German
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116 und Boden, die Arbeitsgelegenheiten usw. zwingen alle diese Menschen wieder in die kapitalistische Wirtschaftsordnung hinein. Nehmen wir aber einmal an, es wäre tatsächlich gelungen, aus unseren modernen Industriestaaten Ackerbaustaaten zu machen, so wäre doch weiter nichts gelungen, als eine „Berufs"-Umschichtung. Der Geist, jener materialistische, selbstsüchtige Geist, der wäre derselbe geblieben und wir hätten lediglich den zweifelhaften Borteil, in mittelalterliche Zeiten versetzt zu sein. Daß Handel und Industrie, uns kulturell ein großes Stück vorwärts gebracht haben, bedarf wohl keiner weiteren Worte. Nein, das Rad der Geschichte läßt sich nicht rückwärts drehen. Was wir anstreben müssen, ist eine Entwicklung der heutigen Wirtschaftsordnung und des Wirtschaftslebens nach der idealistischen Seite hin. Eine gesunde Entwicklung kommt nur zustande, wenn sich das Ideale mit dem Realen glücklich verbindet. Und deshalb wird auch eine „Berufs"-Umschichtung uns dem Ziele nicht näher bringen, sondern lediglich eine „Geistes"-Umschichtung, wenn ich einmal, um im Bilde zu bleiben, ein derartiges Wort gebrauchen darf. Daß dies nicht durch Sozialisierungen usw. geschehen kann, habe ich bereits eben erläutert, und ich glaube, daß man den Hebel einmal an einer andern Stelle ansetzen müßte. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung ist, man kann dies sehr gut aus dem „Kapital" von Karl Marx ersehen, eine Folge der materialistischen Weltaufsassung, derselben Weltauffassung, die letzten Endes den verflossenen Krieg verursachte, derselben Weltauffassung, von welcher die Friedensverträge durchdrungen sind, der Weltaufsassung, welche wir aufs bitterste bekämpfen. Die sozialistische Wirtschaftsauffassung aber wird eine Folge der ' idealistischen Weltauffassung sein. Der Geist des Materialismus also ist es, der geändert werden muh und niemand anders erscheint mir hierzu geeigneter, als die von idealistischem Geiste durchdrungene jüdische Jugend. Derselben sage ich. nicht heraus aus dem kaufmännischen Beruf, sondern gerade hinein, an diese Stelle, welche mit die geeignetste ist, um an einer wahren kulturellen Weiterentwicklung mitzuarbeiten. Wer in diesem Sinne im kaufmännischen Beruf arbeitet, setzt sein jungjüdisches Fühlen und Denken in eine „Tat" um. Duisburg, 25. Mai 1921. M a x S i m o n. L

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