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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · 4 (Sept./Oktober 1921) · p. Seite 114

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
12 (1921)
Issue
4 (Sept./Oktober 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 114 (sequence 20)
Language
German
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iu; — Juden dort nutztragend seßhaft zu machen, so wird als nicht zu unterschätzender Nebenerfolg eine günstige Beeinflussung der jüdischen Be völkerungs- und Sozialpolitik in Deutschland erzielt. jßanz deutlich sei's an dieser Stelle gesagt, daß wir nicht daran denken dürfen, die aus politischen Gründen nach Deutschland g e flüchteten Ditjuben oder aber die mit der Absicht der D urch- Wanderung in unser Heimatland gekommenen bei uns ansiedeln .zu wollen. Hiir absehbare Zeit dürfte die Notlage Deutschlands dies verbieten, Iür diese Gruppen von flüchtigen Gästen kann bestenfalls zur Beschaffung von Notsrandsarbeiten, insbesondere in der Landwirtschaft als Sachsengänger, unsere Hilfe geliehen werden. Wir aber dachten bei den obigen Darlegungen an jene arbeitsfrohen jungen Menschen, die schon vor dem Kriege bei uns weilten und durch die wirtschaftliche Depression stellenlos wurden, oder aber die wäh rcnd des Krieges von deutschen Behörden nach Deutschland verpflanz len und in der Nüstungsindustrie oder den Bergwerken verwendeten. Gerade weil wir wünschen, daß diese, seit Jahren schon auf deutschem Boden Weilenden und Schaffenden sich bald in den deutschen Lebens und Wirtschaftsorganismus einbürgern, haben wir uns eine weitere, g e i st i g e Aufgabe zu stellen. Wir haben dafür zu sorgen, daß die jungen Ostjudcn möglichst rasch mit dem Wesen des deutschen Volkes, mit seinen, nach Landesteilen unterschiedenen Bräuchen und vor allem mit deutscher Sprache vertraut werden und sie sich anzueignen suchen. Zu diesem Bchufe werden in manchen Orten durch unsere Bünde zweckgemäße Kurse einzurichlen sein. Daß dies ohne Gönner mienc, vielmehr mit dem natürlichen Wohlwollen geschieht, wie es bei Stammverwandten am Platze ist, sollte eine Selbstverständlichkeit sein im Kreise junger Juden. Immerhin mag's vermerkt sein! Gerade weil wir an einem Werke für die Dauer gestaltend mir zuhelfen uns bereiten wollen, muß uns eine ernste Bedingung ver hattet sein. Wir müssen von den jungen Ostjuden, denen wir den Bruderarm als Stütze leihen wolle», Achtung vor deutschem Kul turstreben fordern. Damit aber wäre unvereinbar, wenn sie oer juchen sollten, politische Ideen, die auf dem Boden des neuen Nuß land gewachsen sind, dort vielleicht entstehen mußten, nach Deutschland zu übertragen oder zu ihrer Verbreitung in deutschen Landen bcizutragen. Mag der deutsche Kommunist seiner lleberzeugung durch Wort und Tat Ausdruck geben, die der einzelne von uns je nach seiner politischen Anschauung bekämpfen oder aber auch gut beißen wird. Der ostjüdische Stammesgenossc, dein wir unsere Hilfe bieten, schuldet uns als Gegenleistung, um unseres und seines Frie bens willen. Passivität auf politischem Gebiete, so lange er nicht in aller Zonn als zum politischen Gefüge Deutschlands gehörig an erkannt ist. Dies aber ist auch der einzige Gcgcnwunsch. den wir zu erbeben haben. Es sei klar gesagt, daß es uns ferne liegt, die geistig seelische Richtung des einzelnen, aus dem Osten kommenden Bruders beeinflussen zu wollen oder gar unser Menschsein, noch weniger unser Iudesein als das höhere ausgeben zu wollen, freudig bieten wir.

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