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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · 4 (Sept./Oktober 1921) · p. Seite 108

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
12 (1921)
Issue
4 (Sept./Oktober 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 108 (sequence 14)
Language
German
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103 Verbandsnachrichten. Nach langer Pause versammelten sich die Mitglieder des Borstandes unseres Verbandes in Köln, um im engsten Vorstandskreise sich über die wesentlichen, uns interessierenden Dinge auszusprechen. Das Bedürfnis nach einer solchen Aussprache war sehr groß: die Stimmung der bereits am Sonnabend zum größten Teil versammelten Verbandsfreunde ließ deutlich erkennen, daß man froh war. sich endlich wieder offen aussprechen zu können. Die von Alfred Apfel geleitete Sitzung wurde 9 Uhr vormittags eröffnet und beschäftigte sich während des ganzen Vormittags mit der Aussprache über das Verhältnis des Verbandes zum Jung-Jüdischen Wanderbund. Man wurde sich grundsätzlich darüber klar, daß dem Verbände wichtige politische Aufgaben in der nächsten und weiteren Zukunft entstehen werden, und daß sein Wirken für die Einigung des deutschen Judentums mit aller Intensität fortdauern müsse. In den Vereinen sei mehr als je das größte Gewicht auf die Vertiefung des jüdischen Bewußtseins und auf die Verwertung jüdischen Wissens zu legen, die Heranziehung der uninteressierten Kreise müsse mit aller Energie fortgesetzt werden. Nach wie vor bleibt dem Wanderbund völlige Freiheit seiner Arbeit und seiner Organisation. Der heiligste Respekt vor der jüdischen Religion wird von j.edem Juden, wie er sich auch im einzelnen zu den religiösen Dingen stellen mag. gefordert. Hatte man sich am Vormittag wiederum in prinzipiellen Auseinandersetzungen die Plattform zur praktischen Arbeit geschaffen, so galt der Nach mittag dieser selber. Einstimmig wurde der Vorschlag der Mitarbeit beim Jüdischen Arbeitsamt, dem die Stellenvermittelung für alle jüdischen Arbeiter und Angestellten obliegt, angenommen, da hier die Möglichkeit der praktischen sozialen Arbeit für unsere Vereine und deren Mitglieder gegeben ist. Zur Ausnutzung der gesamten Kräfle des Verbands-Vorstandes ist ein Arbeitsplan aufgestellt worden, der jedem Vorstandsmitglied ein be stimmtes Arbeitsfeld zuweist. Bestimmte Beschlüße zur Sicherung der Finanzen des Verbandes, die einer Kommission übertragen werden, geben dieser das Recht, säumige Vereine zeitweise aus dem Verbände auszuschließen. Im Anschluß an diese Sitzung fand am Abend desselben Tages im überfüllten Saale der Rheinlandloge eine Kundgebung statt, in der eine Anzahl der führenden Mitglieder des Verbands-Vorstandes zu Zeitfragen der jüdischen Jugend Stellung nahmen. Als erste ergriff Fräulein vr. Cora Berliner, Berlin, das Won, deren Rede in eine Absage an jede Gewalt und in einen Aufruf zur Liebe am Mitmenschen ausklang. Von dieser Liebe ausgehend, ging Paul Auffeeßer auf die religiösen Grundlagen unserer Bewegung ein, deren Wichtigkeit für unsere Bewegung er betonte. Auf bie uns bewegenden Tagesfragen wies Kurt Neu, Berlin, hin, der insbesondere zum Antisemitismus Stellung nahm. Nicht in der üblichen Weise der voraussetzungslosen Ablehnung des Antisemitismus beschäftigte er sich mit ihm, sondern er versuchte auf die Ursachen dieser Bewegung einzugehen, indem er ihn als einen schwächlichen und untauglichen Versuch eines Teiles des deutschen Volkes, zu seinen ursprünglichen Charaktereigenschaften zurückzusinden, auslegt. Für den Juden aber fordert er das Be-

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