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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · 4 (Sept./Oktober 1921) · p. Seite 107

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
12 (1921)
Issue
4 (Sept./Oktober 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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Zur Jd.e der geeinten Menschheit gehört notwendigerweise die Idee des Menschen, d. h. die Jdte von der Gleichheit aller Menschen. Nicht eher könnte der sEedanke der Menschheit zur Tat werden. Das Elend aber war eÄ welches das Menschenantlitz er kennen lies;. Wo anders konnte dw Idee der Menschenliebe klar ersaht werden, als da, wo Menschen sich in Haß und Neid und Wut gegenseitig zerfleischten? Wo anders konnte die Idee der Gerechtigkeit in strahlendem Lichte leuchten stls da, wo Menschen von Menschen Ungerechtigkeiten und Bedrückungcln erfuhren? Wo anders konnte vie Idee der Duldsamkeit verkündet. werden als da. wo Menschen verachtet und verfolgt, gestoßen und getreten wurden? llns Menschen jüdischer Geburt bringen diese Gedanken, die viel leicht für den Fernstehenden den! Anstrich des Modernen tragen, nichts neues. Wo immer auf Erdest Juden wohnen, sind diese Ideen seit Jahrhunderten in der verschiedensten Form ausgesprochen ustd ausgeübt worden. Gehetzt und gejstgt, ruhelos über das weite Rund der Erde getrieben, klammerten wir uns um so fester an sie. Und gerade durch Bedrückung und Ungerechtigkeiten wurde der Gedanke der Freiheit und Gerechtigkeit iminer tiefer verankert, wurde versucht, ihnen Leben einzuhauchen. j Was ich da in großen Zügen bezeichnet habe, will an ichr und Gewissen vor allem derer dringen,[bie sich zu Führern junger Menschen geschaffen glauben. Es ist pic allgemeine Aufgabe des Führers, an die sich allerdings stoch eine spezielle anschließt. Aber .die allgemeine ist die innere und tiefere Aufgabe, und aus ihr geht die spezielle Tätigkeit des Führers leicht hervor. Eie ist in unserem Falle, als Aufgabe des Führers eines jüdischen Jugendocr 'eins, gut zu umgreifen. Um mit Löffler zu sprechen, erweitert sich die allgemeine Aufgabe, die darin! besteht, „den sittlichen Menschen zu schaffen", zu der speziell-jüdischen, diesen sittlichen Menschen „im aufrechten, seines Judentums sicheren und frohen Juden" zu sehen. Allein geht diese spezielle Ausgabe letzten Endes nicht auch in die allgemeinere über? Das Judentum ist mehr als ein Religionsbekenntnis und seine inneren Werte sind Menschheitsideen, geschaffen für Ewigkeiten. Die Ideen, welche der Menschengeist einmal geboren hat. können nicht verschwinde». Sie bleiben bestehen, nur ändern sie ihren Standort. Nicht immer sind sie der Mittelpunkt, um den sich alles dreht, sie rücken oft abseits und werden dann kaum mehr gekannt. Das Judentum aber ist >und bleibt die „Idee der Mensch heit" selbst: und wie diese allumfassend ist, so auch die Seele unseres Judentums. Unsere Aufgabe und unser Ziel, den sittlichen Menschen zu schaffen, wird so von unserem Judentun, umschlungen. Und Menschheitsidee stnd Judentum werden schließlich zentrale Kraft des Führertums und — der Geführten. Denn nicht über den Geführten soll der Führer stehen, sondern zwischen ihnen, einen jeden zu seinem eigenen Führer machend. Das muß unser letztes und höchstes Ziel sein.

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